Im Lauf der Zeit nehmen der Konsum und die Beschaffung des Suchtmittels einen immer breiteren Raum ein. Tätigkeiten wie Behördengänge, Berufstätigkeit oder die Reinigung der Wohnung geraten dabei zunehmend unter die Räder. Viele Betroffene nehmen ihre "Defizite“ sehr genau wahr und entwickeln teilweise erhebliche Ängste und Schamgefühle.

Was liegt da näher, als dem Süchtigen zu helfen, zum Beispiel, indem man einen Teil seiner Aufgaben übernimmt. Diese Form der Hilfe begünstigt allerdings die Unselbstständigkeit des betroffenen Suchtpatienten. Dieser muss sich zwar nicht mehr mit den Anforderungen des täglichen Lebens auseinandersetzen, verliert aber wichtige Kontakte zu Mitmenschen.

Nach und nach entwickeln sich so Ungleichheiten in der Beziehung zwischen dem Süchtigen und seinen Angehörigen. Der nicht süchtige Angehörige gerät in eine Rolle hinein, in der er durch seine Überaktivität und Hilfsbereitschaft immer mehr reale und vermeintliche Defizite des Süchtigen kompensiert.

So kann der Suchtkranke weiter seine Droge oder Alkohol konsumieren, ohne wichtige Veränderungen in seinem Leben in Angriff nehmen zu müssen. Das Verhalten des nicht süchtigen Partners hat somit paradoxerweise zur Folge, dass der Süchtige in seiner Abhängigkeit gestärkt wird.