Mediziner bestimmen das Krankheitsbild nach diesen Kriterien:

  • Im oberen oder unteren Abschnitt des Verdauungsapparats treten oft starke Beschwerden auf.
  • Sie halten seit mehr als zwölf Wochen in den vergangenen sechs Monaten an oder wiederholen sich.
  • Eine organische Erkrankung ist ausgeschlossen. Auf Anzeichen hin überprüft werden müssen: Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm, Dünn- und Dickdarm, Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse, Harn- und Geschlechtsorgane.

Um die funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen besser erkennen und behandeln zu können, unterscheiden die Ärzte dann noch einmal zwischen Beschwerden des oberen und des unteren Verdauungsapparates. Den Magen betreffend sprechen sie von funktioneller Dyspepsie oder Reizmagen, bei Darmproblemen vom Reizdarmsyndrom.

In den Industrieländern gehören Reizmagen und Reizdarmsyndrom zu den häufigsten Verdauungsstörungen. Frauen sind doppelt so oft betroffen wie Männer. Klinische Studien haben gezeigt, dass die Mehrzahl der Patienten sowohl von Beschwerden im Ober- als auch im Unterbauch betroffen sind.

Magen-Darm-Trakt und Verdauung - die Grundlagen

Der Verdauungsapparat besteht aus einem verzweigten System, an dem mehrere Organe beteiligt sind, nämlich Mund, Speiseröhre, Leber, Magen, Galle, Bauchspeicheldrüse sowie der Dick- und Dünndarm. Die Verbindung schafft ein Muskelschlauch, der im Mund beginnt und fortan die Nahrung durch den Körper leitet. Schon der erste Biss in ein Lebensmittel setzt den Verwertungsprozess in Gang.

Eine ausreichende Ernährung ist dabei lebenswichtig: Denn aus den Lebensmitteln, die wir zu uns nehmen, zieht unser Körper die Energie, die er benötigt.

Mittels der Verdauung spaltet er Nährstoffe aus der Nahrung in ihre Bestandteile auf. Was der Organismus verwenden kann, wird zu den entsprechenden Bereichen transportiert. Die unverdaulichen Reste scheidet der Körper aus.

Die Verdauung beginnt bereits im Mund

Beim Kauen zerkleinert der Mensch die Nahrung in der Mundhöhle und vermengt sie gleichzeitig mit Speichel. Hierbei beginnt bereits die Aufspaltung der Kohlenhydrate, einem der drei Hauptbestandteile der Nahrung. Neben den Kohlenhydraten sind das Eiweiße und Fette. Dazu kommen Vitamine und Mineralstoffe.

Die Kohlenhydrate werden in der Mundhöhle von einem bestimmten Enzym in kleinere Einheiten, etwa Traubenzucker (Glucose), geteilt. Schluckt der Mensch, wandert der Speisebrei durch den Rachen in die Speiseröhre (Ösophagus), die im Mageneingang mündet.

Normalerweise ist der Übergang durch die Muskeln der Speiseröhre und des Zwerchfells verschlossen. Ausgelöst durch das Schlucken entspannen sich die Muskeln aber, sodass die Nahrung in den Magen rutscht. Außerdem verhindert ein Schließmuskel, dass Teile davon zurück in die Speiseröhre wandern. Ist diese Schleuse nicht intakt, kann der Magensaft ungehindert in die Speiseröhre fließen – so entsteht Sodbrennen.

Vom Magen in den Darm

Im Magen, der sich im mittleren Oberbauch befindet, wird die Nahrung weiter zerkleinert: Die Muskeln, die in seinen Wänden sitzen, bewegen den Speisebrei kraftvoll hin und her. Zusätzlich kommt die Nahrung hier mit Magensaft in Berührung, von dem verschiedene Drüsen in der Magenschleimhaut täglich zwischen drei und vier Liter herstellen.

Der Saft besteht unter anderem aus Verdauungsenzymen und Salzsäure, die für die Nährstoffverwertung nötig sind: Zunächst zersetzt die Salzsäure die Nahrung, dann spalten die Enzyme die enthaltenen Eiweiße auf. Enzyme sind Eiweiße (Proteine), die im Körper eine wichtige Aufgabe übernehmen: Sie sorgen dafür, dass Stoffe in ihre Einzelteile aufgetrennt und auch verändert werden können.

Durch eine Schleimschicht, die seine Wände auskleidet, ist der Magen davor geschützt, sich mit dem stark säurehaltigen Saft selbst zu verdauen. In kleinen Portionen gleitet der Speisebrei schließlich wie auf einem Förderband in Richtung Magenausgang und von dort in den Dünndarm.

Verarbeitung der Nährstoffe

Der Darm ist das größte Immunsystem des Körpers. In der Darmflora leben Millionen von Bakterien. Ihre Aufgabe ist es, die Nahrung aufzuspalten und der Darmschleimhaut wichtige Nährstoffe zuzuführen. Darüber hinaus produzieren die Bakterien das Vitamin B, nötig für die Herstellung des Blutes, und das Vitamin K für die Blutgerinnung.

Der Dünndarm besteht aus dem Zwölffingerdarm (Duodenum), der direkt an den Magenausgang anschließt, aus dem Leerdarm (Jejunum) sowie dem Krummdarm (Ileum). In diesen Abschnitten werden die Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße aus dem Nahrungsbrei in weitere Bestandteile zerlegt. Dafür sind körpereigene Enzyme zuständig, die im Mund, in der Bauchspeicheldrüse und in den Darmzellen entstehen.

Die gelösten Stoffe wie Zucker oder Fettsäuren werden von den Darmzellen aufgenommen. Nachfolgend gelangen sie in den Blutkreislauf – und somit in den gesamten Körper.

Die Darmmuskulatur bewegt sich wellenförmig und befördert so den Speisebrei in den Dickdarm. Zum Dickdarm gehören der Blinddarm (Caecum) mit Wurmfortsatz (Appendix), der Grimmdarm (Kolon) und der Mastdarm (Rektum), an dessen Ende der After liegt.

Der Dickdarm entzieht den unverdaulichen Nahrungsresten, etwa Fasern von Getreide oder Gemüse, noch vorhandenes Wasser und Mineralstoffe. Danach befördert er den übrig gebliebenen Darminhalt zum Rektum: Wenn der Darminhalt dort ankommt, entsteht das Bedürfnis, auf die Toilette zu gehen.

Insgesamt hat die Nahrung vom ersten Bissen an eine weite Strecke zurückzulegen, denn allein unser Darm kann schon bis zu acht Meter lang sein. Der Transport des Speisebreis durch den Körper läuft bei Menschen, die unter einer funktionellen Magen-Darm-Erkrankung leiden, nicht reibungslos ab. Die Folge sind Beschwerden, die bei jedem Patienten individuell anders ausgeprägt sein können.

Das Krankheitsbild funktionelle Dyspepsie (Reizmagen)

Etwa 5 von 100 Deutschen befinden sich wegen Oberbauchschmerzen in Behandlung. Die Hälfte von ihnen hat tatsächlich einen Reizmagen.

Das sagt allerdings noch nicht viel aus, denn die Anzahl derer, die gelegentlich Symptome einer funktionellen Dyspepsie verspüren, ohne deswegen zum Arzt zu gehen, ist wesentlich höher: Ein Viertel der Bevölkerung hat mindestens einmal im Leben damit zu tun.

Die typischen Beschwerden begleiten Patienten, bei denen ein Reizmagen diagnostiziert wurde, oft schon viele Jahre - vielleicht nicht durchgehend, aber immer wieder. Mit zunehmendem Alter kann sich die Häufigkeit zudem verstärken.

Als charakteristische Anzeichen einer funktionellen Dyspepsie gelten:

  • Ständige oder wiederkehrende Schmerzen im oberen Bauch
  • Völlegefühl oder das Gefühl, als läge ein großer Stein im Magen
  • Nicht-saures Aufstoßen
  • Magenkrämpfe
  • Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen
  • Appetitlosigkeit
  • Sodbrennen

Ferner können Schlafstörungen, allgemeine Mattigkeit, Kopf- oder Rückenschmerzen und psychische Störungen auftreten.

Unterscheidung nach Beschwerdetypen

Innerhalb des Krankheitsbildes der funktionellen Dyspepsie trennen Ärzte die Patienten je nach Auftreten ihrer Beschwerden in den postprandialen und in den epigastralen Typ:

  • Postprandial heißt "nach einer Mahlzeit" und bedeutet somit, dass die Symptome auftreten, nachdem der Patient etwas zu sich genommen hat. Er ist frühzeitig satt und entwickelt sehr schnell ein Völlegefühl.
  • Beim epigastralen Schmerztyp dagegen entstehen Beschwerden wie Oberbauchschmerzen oder -brennen unabhängig davon, ob er etwas gegessen hat. Die Symptome des Reizmagens gehen nicht auf einen krankhaft veränderten Magen zurück, sondern auf eine gestörte Magenfunktion.

Patienten mit einem Reizmagen oder einem Reizdarmsyndrom verbindet aufgrund ihrer Beschwerden eine große psychische Anspannung. Insgesamt können beide Erkrankungen den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen. Darüber hinaus ist eine möglichst klare Diagnose von großem Wert, denn viele Patienten stehen zusätzlich unter hohem Leidensdruck, weil sie eine organische Erkrankung hinter ihren Symptomen vermuten.

Ursachen - keine gesicherten Erkenntnisse

Funktionelle Dyspepsie und Reizdarmsyndrom teilen die Eigenschaft, dass Magen und Darm organisch nicht krankhaft verändert sind. Es gibt verschiedene Faktoren, durch die diese Krankheiten nach aktuellem Stand der Wissenschaft entstehen.

Hintergründe der funktionellen Dyspepsie

Eine mögliche Ursache für den Reizmagen sind gestörte Bewegungsabläufe im Verdauungstrakt (Motilitätsstörung). Sie sorgen dafür, dass die Muskeln, die die Nahrung zerkleinern und weiterverarbeiten, langsamer arbeiten; in seltenen Fällen auch schneller.

Weiterhin vermuten die Ärzte, dass das Nervensystem des oberen Magen-Darm-Traktes überempfindlich auf verschiedene innere und äußere Reize reagiert. Auch eine verstärkte Schmerzwahrnehmung des Betroffenen kann hier hineinspielen.

Studien zufolge sind auch genetische Faktoren ein potenzieller Grund, dass ein Reizmagen entsteht. Bei einem kleineren Teil der Patienten - vornehmlich bei jenen, die Schmerz als hauptsächliches Symptom angeben - scheint ein verstärktes Absondern von Magensäure der Auslöser zu sein: Diesen Patienten helfen nämlich Medikamente, die die Magensäure reduzieren.

Neue Studien legen außerdem eine weitere Erkrankungsursache nahe: So könnte der Reizmagen bei einigen Patienten von einem gestörten Immunsystem herrühren und im Anschluss an eine Infektion auftreten.

Das Bakterium Helicobacter pylori - ein Risikofaktor?

Unschlüssig sind sich die Mediziner in Bezug auf die Rolle des Bakteriums Helicobacter pylori, das sich in der Magenschleimhaut einnistet. Das stäbchenförmige Bakterium ruft nicht zwangsläufig Beschwerden hervor.

Es wird jedoch mit dem Ausbruch verschiedener Magenerkrankungen in Verbindung gebracht, die mit einer erhöhten Abgabe von Magensäure einhergehen – zum Beispiel Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre oder eine Magenschleimhautentzündung (Gastritis).

Auffällig ist, dass etwa die Hälfte der Patienten mit Reizmagen auch unter einer Gastritis leidet. Einen direkten Zusammenhang zwischen Helicobacter pylori und der funktionellen Dyspepsie konnten Forscher bislang allerdings noch nicht nachweisen.

Außergewöhnliche psychische Belastungen wie Angst, Panik oder Depressionen, die sich auf den Magen-Darm-Trakt übertragen, sind ebenfalls ein möglicher Auslöser der funktionellen Dyspepsie. In diesem Fall hätte die Krankheit einen psychosomatischen Hintergrund: Die seelische Anspannung äußert sich parallel oder auch zeitlich verzögert durch körperliche Beschwerden.

Einfluss der Ernährung

Bestimmte Nahrungsmittel, die Ernährungsweise und das Essverhalten eines Patienten scheinen seinen Zustand zwar zu beeinflussen, sie lösen die Beschwerden aber nicht aus.

Diagnostik - organische Ursachen ausschließen

Es gibt keine eindeutigen Merkmale, an denen Mediziner eine funktionelle Magen-Darm-Krankheit festmachen können. Erschwerend kommt hinzu, dass organische Erkrankungen ähnliche Beschwerden hervorrufen. Die Diagnose kann der Arzt letztlich nur stellen, indem er Schritt für Schritt organische Ursachen ausschließt.

Ausführliches Arztgespräch zu Beginn

Um dem Grund für Ihre Beschwerden auf die Spur zu kommen, erhebt der Arzt zunächst eine gründliche Anamnese. So heißt das Gespräch, das er mit Ihnen führt, um mehr über die Krankheitsgeschichte zu erfahren. Er wird Ihnen viele Fragen stellen, um herauszufinden, woher die Beschwerden rühren. Dabei ist es für den Arzt eine große Hilfe, wenn Sie Ihre Symptome möglichst genau beschreiben.

Neben Auskünften darüber, wie, wo und wann sie sich äußern, sind für ihn auch Informationen zu Ihren Ernährungsgewohnheiten wesentlich. Der Arzt wird Sie eventuell sogar bitten, über einen längeren Zeitraum eine Art Tagebuch über Ihre Beschwerden zu führen. Deren Ausmaß und Häufigkeit könnten bereits den Verdacht auf eine funktionelle Magen-Darm-Erkrankung erwecken.

Weiterhin sind Angaben zu Ihren Lebensumständen wichtig: Leben Sie in einer Partnerschaft und haben Sie Kinder? Welchen Beruf üben Sie aus? Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein? Rauchen Sie? Wie steht es mit Ihrem Alkoholkonsum? Leiden Sie unter Schlafstörungen? Haben Sie in letzter Zeit an Gewicht verloren oder zugenommen? Liegen Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten vor? Stehen Sie derzeit beruflich oder privat stark unter Stress?

Annäherung an die Diagnose

Aus den gegebenen Informationen versucht der Arzt dann, erste Hinweise zu bekommen. Durch konkrete Nachfragen zu einzelnen Punkten kreist er Ihren speziellen Fall ein und grenzt ihn damit nach und nach von anderen Ursachen ab.

Bösartige Tumore in der Familiengeschichte des Patienten, Blutungen oder eine starke ungewollte Gewichtsabnahme könnten beispielsweise Anzeichen einer organischen Erkrankung sein, die unbedingt näher untersucht werden müssen.

Auch Zöliakie, eine Überempfindlichkeit gegen das Eiweiß Gluten, das in vielen Getreidesorten vorkommt, kann ähnliche Symptome aufweisen und muss daher ausgeschlossen werden.

Klinische Untersuchung

Nach der Anamnese, die Anhaltspunkte für das weitere Vorgehen geliefert hat, wird der Arzt Sie körperlich untersuchen. Dazu misst er Ihren Puls und Ihren Blutdruck, hört Ihr Herz und Ihre Lunge ab und betastet Ihren Bauchbereich. Außerdem nimmt Ihnen der Arzt Blut ab und wird Sie eventuell darum bitten, später eine Stuhlprobe einzureichen.

Aus den Ergebnissen der jeweiligen Laboruntersuchungen kann er weitere Schlüsse ziehen. Sowohl im Blut als auch im Stuhl sind funktionelle Dyspepsie und Reizdarmsyndrom allerdings nicht nachweisbar – die Tests dienen nur dazu, andere Ursachen auszuschließen.

Ultraschall des Bauches

Wenn Ihre Beschwerden länger als vier Wochen andauern, wird der Arzt Ihnen voraussichtlich weitere Untersuchungsverfahren vorschlagen – angefangen mit einem Ultraschall Ihres Bauchraumes, der Abdomen-Sonografie. Mithilfe dieser Methode kann der Mediziner Veränderungen an den Organen erkennen, die etwa auf einen Tumor hinweisen.

Bei der völlig schmerzfreien Untersuchung liegen Sie auf dem Rücken, während der Arzt den Schallkopf bedient, der Bilder aus Ihrem Körper auf einen Bildschirm überträgt. Er bewegt den Schallkopf auf Ihrem Bauch hin und her, sodass er die Organe aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten kann. Der Vorgang dauert zwischen fünf Minuten und einer Viertelstunde.

Magenspiegelung

Eine nächste Untersuchung, die Aufschluss über die Herkunft der Beschwerden geben könnte, ist die Magenspiegelung. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet Gastroskopie oder auch Ösophago-Gastro-Duodenoskopie.

Für eine Magenspiegelung gehen Sie am besten zu einem Gastroenterologen, den Fachärzten für Innere Medizin. Der Magen-Darm-Trakt ist ihr Spezialgebiet.

Während sich der Arzt mit dem Ultraschall Ihren Bauchraum von außen angesehen hat, betrachtet er bei der Magenspiegelung Speiseröhre, Magen und den oberen Teil des Zwölffingerdarms von innen. Dazu führt er einen sehr dünnen Schlauch über den Mund in die Speiseröhre und von dort aus weiter zu den anderen Organen.

Blick in den Magen

Der Patient liegt dabei auf der Seite. Um den Würgereiz zu unterdrücken, betäubt der Arzt den Rachen mit einem Spray. Unterstützend setzen Mediziner auch ein Beruhigungsmittel oder eine schwache Narkose ein. Innerhalb des Schlauches, dem Gastroskop, befindet sich eine Kamera, die die Aufnahmen auf einen Monitor übertragen. Darüber hinaus besitzt das Instrument meist eine Vorrichtung, um Gewebeproben zu entnehmen.

Diese Untersuchung, die sogenannte Biopsie, verschafft dem Arzt Gewissheit, ob eine Magenschleimhautentzündung, ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür, Magenkrebs oder auch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori vorliegen.

Die Untersuchung nimmt nur wenig Zeit in Anspruch und ist schmerzfrei. Im Vorfeld des Eingriffs dürfen Sie über einen bestimmten Zeitraum nichts mehr essen oder trinken. Bei drei bis vier von 1.000 untersuchten Menschen kommt es zu Komplikationen. Lassen Sie sich hierzu von Ihrem Arzt beraten.

Übrigens: Die Narkose bei dieser Untersuchung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen als Kassenleistung abrechenbar. Bitte sprechen Sie im Vorwege mit Ihrem Arzt oder der TK.

Die Diagnose

Wenn Ihr Arzt alle in Frage kommenden Organe ergebnislos auf andere Erkrankungen hin geprüft hat, steht die Diagnose funktionelle Magen-Darm-Erkrankung fest. Die darunter fallenden Krankheitsbilder Reizmagen und Reizdarmsyndrom bieten außer ihren typischen Symptomen keine weiteren Anhaltspunkte, anhand derer sie sich beweisen ließen. Für Patienten ist es daher oft ein langer Weg, bis sie wissen, was ihnen fehlt.

Blick auf Ihr Leben - wie Sie sich selbst helfen können

Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ist eine Heilung der funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen nicht möglich. Das Ziel der Therapie besteht vielmehr darin, dass Sie Ihre Beschwerden langfristig in den Griff bekommen und so wieder aktiver und unbeschwerter leben können.

Wenn der Arzt die Diagnose "Funktionelle Magen-Darm-Erkrankung“ stellt, sind einige Patienten zunächst froh, dass sie nicht unter einer lebensbedrohlichen Krankheit leiden. Für andere, die sich manchmal von ihrem Umfeld oder auch von Ärzten nicht ganz ernst genommen fühlen, ist es ein Fortschritt, überhaupt eine Diagnose zu erhalten. So werden sie nicht mehr als nervöser Charakter eingestuft, dessen Beschwerden von allein wieder abklingen.

Die Diagnose ist für diese Patienten daher ein erster Schritt, einen anderen Umgang mit der Krankheit zu finden: Magen-Darm-Probleme werden generell nur ungern thematisiert, auch für mehrmalige Toilettengänge schämen sich die Betroffenen. Die Tatsache, dass eine Erkrankung die Symptome auslöst, erleichtert es ihnen bisweilen, die Angelegenheit offener anzusprechen. Ihr Arzt wird Sie im Gespräch beraten, wie Ihnen am besten geholfen werden kann.

Da die Ursachen von Reizmagen und Reizdarmsyndrom noch nicht zufriedenstellend geklärt sind, fällt es Medizinern allerdings schwer, geeignete Therapien zu entwickeln: Eine allgemeine Behandlungsmethode gibt es nicht. Dennoch steht fest, dass sich das Vorgehen nach den vorherrschenden Beschwerden richtet und längst nicht alle Patienten Medikamente benötigen.

Auseinandersetzung mit dem Alltag

Stress und psychische Belastungen könnten eine Ursache von Reizmagen und Reizdarmsyndrom sein - oder die Beschwerden zumindest verstärken. Wenn es also darum geht, die Symptome zu lindern, ist eine intensive Auseinandersetzung mit Ihrem Alltag unvermeidbar.

Der Arzt wird Ihnen raten, Ihr Berufs- und Privatleben auf bestimmte Merkmale abzuklopfen: Welche Situationen und Umstände lösen bei Ihnen Stress oder Überforderung aus? Wie äußert sich das? Fühlen Sie sich von anderen zu stark beansprucht? Kennen Sie Wege, mit Ihrer Anspannung umzugehen? Vielleicht gelingt es Ihnen schon im Gespräch mit dem Arzt, gewisse Schwachstellen zu benennen.

Niemand ist in der Lage, Stress dauerhaft auszuweichen, aber ein bewusster Umgang mildert ihn zumindest ab. Daher ist es wichtig, eine persönliche Strategie zu entwickeln, wie Sie Nervosität und Überlastung künftig begegnen wollen.

Entspannung und Bewegung

Als guten Ausgleich empfinden viele Menschen Entspannungsübungen oder Stressbewältigungstrainings, etwa Autogenes Training, Hatha Yoga oder Progressive Muskelentspannung. Diese und weitere Kursangebote finden Sie unter www.TK.de/gesundheitskurse oder in Sportvereinen und Volkshochschulen.

Im Rahmen der Übungen konzentrieren Sie sich ganz auf Ihren Körper und Ihre Atmung. Dadurch können Sie den Alltag für eine gewisse Zeit ausblenden. Um Anspannung abzubauen, powern sich andere dagegen lieber aus. Sportarten wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen sind dazu besonders geeignet. Egal, für was Sie sich letztlich entscheiden: Bewegung ist ein Ventil für psychischen Druck und kann Sie bei der Stressbewältigung unterstützen. Als weiteren positiven Effekt regt sie die Verdauung an.

Ernährungsgewohnheiten auf dem Prüfstand

Nach der Diagnose besteht kein Anlass, Ihre Ernährung von heute auf morgen umzustellen. Denn Mediziner betonen: Es gibt keine spezielle Diät für Menschen mit Reizmagen oder Reizdarm.

Dennoch ist es lohnenswert, das eigene Essverhalten unter die Lupe zu nehmen. In dem Zusammenhang kann der Besuch einer Ernährungsberatung sinnvoll sein. Manche Patienten beobachten beispielsweise, dass sie offenbar bestimmte Lebensmittel nicht vertragen und sich ihre Beschwerden nach dem Verzehr verschlimmern.

Um einen Überblick zu erhalten, ist ein Ernährungsprotokoll nützlich: Hier können Sie eintragen, wann Sie welches Lebensmittel und welche Getränke zu sich genommen und wie Sie sich danach gefühlt haben. Tragen Sie die Beschwerden nach dem Verzehr ein. Aber auch selbst wenn keine Symptome auftreten, sollten Sie das vermerken.

So gewinnen Sie nach einiger Zeit einen Eindruck davon, welche Lebensmittel Sie in der Zukunft besser meiden.

Darüber hinaus empfehlen Experten, bei der Ernährung auf gewisse Aspekte zu achten:

  • Nehmen Sie lieber mehrere kleine als wenige große Mahlzeiten zu sich, und verteilen Sie sie gleichmäßig auf den Tag.
  • Essen Sie langsam und kauen Sie bewusst. Bestenfalls konzentrieren Sie sich nur auf Ihre Mahlzeit und lassen sich dabei nicht ablenken (laufender Fernseher, lesen, nur einen Happen im Stehen essen etc.)
  • Trinken Sie ausreichend, rund eineinhalb Liter täglich.
  • Meiden Sie stark gewürzte Speisen, aber auch sehr süße, salzige, scharfe, fettige und zu heiße oder zu kalte Lebensmittel.

All diese Maßnahmen - Sport, Entspannung, Anpassung der Essgewohnheiten, Stressabbau - können Ihre funktionelle Magen-Darm-Erkrankung zwar nicht heilen, aber Ihre Beschwerden lindern. Es geht weniger um Verzicht als um den Versuch, Ihren Lebensstil zu ändern und dadurch Ihre Lage positiv zu beeinflussen.

Auf Alkohol, Koffein und Nikotin sollten Sie weitgehend verzichten: Diese Stoffe reizen die Magen- und Darmschleimhaut zusätzlich und können die Symptome verstärken.

Kritische Situationen vermeiden

Zu einem durchdachten Umgang mit der Krankheit gehört ebenso, dass Sie für sich passende Vorsichtsmaßnahmen treffen: Wenn Sie zu Durchfall neigen, suchen Sie in regelmäßigen Abständen eine Toilette auf.

Lassen Sie dies etwa zur Routine werden, bevor Sie das Haus verlassen. Erkundigen Sie sich in fremder Umgebung gleich danach, wo die nächste Toilette zu finden ist.

Bei Unverträglichkeiten von Lebensmitteln können Sie in Restaurants die Inhaltsstoffe eines Gerichts erfragen und um eine andere Zubereitung bitten. Leiden Sie unter Verstopfung, sollten Sie die Toilette dagegen nicht zu häufig aufsuchen, sondern nur dann, wenn Sie wirklich Stuhldrang verspüren.

Reizmagen - die Symptome medikamentös behandeln

Arzneien verordnen Ärzte lediglich als begleitende Therapie, um die Symptome abzuschwächen. Denn ein Reizmagen weist keine allgemeinen Merkmale auf, anhand derer Ärzte die Diagnose stellen können. Außerdem ist bislang noch wenig zu den Ursachen bekannt.

Die medikamentöse Behandlung ist nur kurzfristig angelegt und sollte in der Regel nicht länger als acht Wochen dauern - denn selbst Medikamente kurieren die Erkrankung nicht. Eine medikamentöse Therapie orientiert sich an der Art und am Ausmaß Ihrer Beschwerden.

Protonenpumpenhemmer

Wenn eine medikamentöse Therapie für einen Patienten mit funktioneller Dyspepsie infrage kommt, wird in erster Linie geraten, Protonenpumpenhemmer (Protonenpumpeninhibitoren; PPI) einzunehmen. Protonenpumpen sind Enzyme (H+/K+-ATPase) und sitzen in bestimmten Zellen der Magenwand. Von dort aus befördern sie die Protonen in den Innenraum des Magens.

Saurer Magensaft besteht aus Wasserstoff und Chlorid. Die Protonen des Wasserstoffs sind der Bestandteil des Magensafts, der ihn besonders sauer - und damit aggressiv - macht.

Daher setzt der Protonenpumpenhemmer (PPI) genau dort an: Die PPI-Arzneimittel blockieren die Pumpe und verringern so die Produktion von Magensäure. Als eine der Ursachen von funktioneller Dyspepsie wird nämlich eine empfindliche Reaktion auf die Salzsäure des Magensafts vermutet.

Protonenpumpenhemmer werden für gewöhnlich zur Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren und bei Entzündungen der Speiseröhre eingesetzt. Sie sollen die Schmerzen lindern und die Heilung der angegriffenen Magenwand beschleunigen.

Die Arznei hilft eher Patienten mit geschwürähnlichen Magenschmerzen, die unter begleitenden Symptomen wie einer entzündeten Speiseröhre leiden (Refluxkrankheit). Diese entsteht, wenn Magensaft in die Speiseröhre läuft.

Wirkungsweise der Protonenpumpenhemmer

Über die Protonenpumpe gelangen die Protonen (P) aus den Belegzellen (Salzsäure bildende Zelle der Magenwand) in das Mageninnere (im Bild links). Protonen machen den Magensaft besonders sauer.

Die Protonenpumpenhemmer blockieren die Pumpe und verringern so den sauren Anteil des Magensafts (im Bild rechts).

Das Medikament kann auch Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Schwindel, Kopfschmerzen und Müdigkeit auslösen.

H2-Antagonisten

Nach einem ähnlichen Prinzip wie Protonenpumpeninhibitoren verfahren die H2-Antagonisten, die ebenfalls zu den Säurehemmern gehören und als zweite Wahl empfohlen werden. H2-Antagonisten können die gleichen Nebenwirkungen wie Protonenpumpenhemmer verursachen.

Prokinetika

Haben die bislang ergriffenen Maßnahmen die Beschwerden des Patienten noch nicht gelindert, kann der Arzt eine Therapie
mit Prokinetika erwägen - vor allem, wenn der Betroffene hauptsächlich Druck- und Völlegefühl, Übelkeit und nicht-saures Aufstoßen angibt. Prokinetika regen die Beweglichkeit des Magen-Darm-Trakts an und beschleunigen somit die Darmpassage.

Diese Medikamente sollten allerdings maximal vier bis acht Wochen zum Einsatz kommen. Mögliche Nebenwirkungen sind: Kopfschmerzen, Schwindel, Unruhe, Depressionen, Störungen des Bewegungsablaufs, Veränderung des Blutdrucks, eine übermäßige Produktion des Hormons Prolaktin, das bei Frauen den Eisprung unterdrücken kann, allergische Reaktionen und Herzrhythmusstörungen.

Vorab können die Ärzte keine zuverlässige Vorhersage darüber treffen, ob bei ihren Patienten eher säurehemmende Medikamente oder Prokinetika einen Erfolg erzielen. Es wird daher angeraten, die jeweilig andere Wirkstoff-gruppe zu nutzen, falls die erste Wahl nicht anschlägt.

Vollständige Beseitigung des Bakteriums Helicobacter pylori

In besonders hartnäckigen Fällen, in denen die Säurehemmer nicht ansprechen und bei denen ein Nachweis des Bakteriums Helicobacter pylori vorliegt, besteht die Möglichkeit, eine sogenannte Eradikation durchzuführen.

Diese Therapie, bei der der Patient eine Kombination aus Protonenpumpenhemmern und zwei Antibiotika über sieben beziehungsweise zehn Tage verabreicht bekommt, soll das Bakterium Helicobacter pylori vollständig beseitigen. Ob der Betroffene auf die Maßnahme anspricht, zeigt sich jedoch erst nach mehreren Wochen oder sogar Monaten.

Damit diese Methode Erfolge erzielt, muss sich der Patient strikt an die Vorgaben zur Einnahme der Medikamente halten und darf sie auch nicht frühzeitig absetzen.

Die Eradikation kann Nebenwirkungen hervorrufen, die den Beschwerden einer funktionellen Magen-Darm-Erkrankung gleichen: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Blähungen.

Phytotherapeutika

Pflanzliche Arzneimittel, die Phytotherapeutika, scheinen bei einigen Patienten mit funktioneller Dyspepsie eine Verbesserung der Beschwerden herbeizuführen. Sie wirken beruhigend und krampflösend auf den Magen.

Erfahrung gibt es mit einer Mischung aus Bauernsenf, Wermut, Enzian und Angelikawurzel in Verbindung mit Kamille, Pfefferminze, Kümmel oder Melisse.

Patienten mit Sodbrennen sollten allerdings keine Arzneien mit Pfefferminze wählen. Je nach Zusammensetzung können Phytotherapeutika Alkohol enthalten.

Phytotherapeutika werden beispielsweise als Tropfen eingenommen. Die für Sie passende Mischung und Darreichungsform sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker besprechen. Eine allergische Reaktion auf die pflanzlichen Stoffe ist möglich.

Die Erkrankung verstehen und akzeptieren

Menschen, die unter Verdauungsstörungen leiden, begleiten große Unsicherheit, Scham und vielleicht sogar Selbstzweifel: Sind meine Beschwerden nur Kopfsache? Bilde ich mir das alles nur ein? Gibt es tatsächlich keine organische Ursache für meine Schmerzen? Warum versteht mich niemand? Ärzte können die funktionellen Magen-Darm-Krankheiten nicht anhand eindeutiger Tests feststellen - das macht die Diagnose so schwierig und erklärt, warum manche Patienten viele Anläufe nehmen müssen, um entsprechende Hilfe zu erhalten.

Funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen haben dennoch eine Gemeinsamkeit: Sie verlaufen individuell. Menschen mit Reizmagen und Reizdarmsyndrom weisen eine Vielzahl von Symptomen auf, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sind und auf unterschiedliche Auslöser zurückgehen - kein Patient ist mit dem anderen vergleichbar, jeder Krankheitsverlauf spezifisch.

Eine korrekte Diagnose ist daher der erste und eigentlich wichtigste Schritt: Das diffuse Beschwerdebild bekommt dann endlich einen Namen und der Patient Gewissheit über seinen Zustand. Steht die Diagnose fest, können Arzt und Patient auch über geeignete Gegenmaßnahmen sprechen.

Da Sie sich auf eine längerfristige, ganzheitliche Therapie einstellen müssen, ist es wichtig, einen Arzt auszuwählen, der erfahren mit dieser Art Krankheitsbild ist und dem Sie vertrauen können. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Arzt, um sich eingehend über die Erkrankung, Ursachen und Therapieansätze zu informieren.

Medikamente werden bei Patienten mit funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen hauptsächlich kurzfristig eingesetzt, um ihre Beschwerden zu lindern. Das Wichtigste ist jedoch, dass Sie sich eingehend mit sich selbst und Ihrem Alltag beschäftigen. So finden Sie mögliche Stressfaktoren und können Ihr Leben in gewissen Punkten umstellen und vor allem entschleunigen.

Das Krankheitsbild kann sich verändern, Therapien nicht anschlagen: Auch wenn die Diagnose steht, ist der weitere Behandlungsverlauf nicht immer eindeutig. In Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt gilt es, den für Sie richtigen Weg zu finden, Ihre Erkrankung zu akzeptieren, mit den Symptomen zurechtzukommen, um letztlich wieder zu mehr Lebensqualität zurückzufinden

Nützliche Links und Adressen

Hier finden Sie Adressen und Links zum Thema Funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen:

Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga) e. V.

Friedrich-List-Straße 13

35398 Gießen

Telefon: 06 41 - 9 74 81-0

Telefax: 06 41 - 9 74 81-18

E-Mail: geschaeftsstelle@gastro-liga.de

www.gastro-liga.de

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.

Godesberger Allee 18

53175 Bonn

Telefon: 02 28 - 37 76-600

Telefax: 02 28 - 37 76-800

E-Mail: webmaster@dge.de 

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