Divertikel im Dickdarm bilden sich in der Regel im Bereich von Muskellücken in der Darmwand, wo zum Beispiel die Blutgefäße durch die Darmwand treten.

Dickdarmdivertikel kommen bei Männern und Frauen ähnlich häufig vor. Für Europa gilt: Bis zu einem Alter von 50 Jahren hat etwa jeder Fünfte bis Zehnte Dickdarmdivertikel. Von den 50- bis 60-Jährigen ist etwa jeder Zweite bis Dritte betroffen und von den älteren Menschen etwa jeder Zweite. Dickdarmdivertikel sind oft harmlos und bleiben lange unbemerkt, bis sie Beschwerden bereiten können.

Krankheitswert erhalten Divertikel erst, wenn eine Entzündung - eine Divertikulitis - auftritt, was in etwa 20 Prozent der Fälle geschieht. Von einer Dickdarmdivertikulose betroffen sind, wie schon erwähnt, vorwiegend ältere Menschen, so haben 50 bis 60 Prozent der 80-Jährigen Divertikel im Dickdarm. Man kann die Divertikelkrankheit als Alterskrankheit bezeichnen. 

Wodurch werden Divertikel verursacht?

Die Divertikulose ist eine sogenannte Zivilisationskrankheit, das heißt, sie wird vor allem durch die modernen (westlichen) Lebensverhältnisse bestimmt. Dafür spricht, dass Divertikel und Divertikulose in den Industrieländern relativ häufig, in vielen Ländern Afrikas oder Asiens hingegen sehr selten sind.

So geht man heutzutage davon aus, dass eine dauerhafte ballaststoffarme Ernährung die Entstehung der Divertikel fördert. Dadurch braucht der Nahrungsbrei beziehungsweise der Stuhl länger, um den Darm zu passieren, ihm wird zu viel Flüssigkeit entzogen und die Stuhlmenge nimmt ab. Das kann den Druck im Darm sowie auf die Darmwand erhöhen und den Stuhlgang erschweren, was letztlich die Entstehung von Divertikeln an "Schwachstellen“ der Darmwand fördert.

Weitere mögliche Risikofaktoren sind genereller Bewegungsmangel, Fettsucht und eventuell auch das Rauchen. Außerdem können altersbedingte Veränderungen bestimmter Bindegewebsanteile die Herausbildung von Divertikeln unterstützen.

Die Divertikelentzündung (Divertikulitis) entsteht vermutlich aufgrund verbliebener Kotreste in den Ausstülpungen: Normalerweise ist die Darmwand glatt. Entstehen Aussackungen, lassen diese sich nicht wie der übrige Darm aktiv entleeren. Es kommt zur Verstopfung und damit zur Einwanderung und Vermehrung von Bakterien, die auf die Darmwand übergreifen und ganze Darmabschnitte befallen können.

Welche Beschwerden verursacht eine Dickdarmdivertikulose?

Dickdarmdivertikel verursachen bei ungefähr 80 Prozent der Betroffenen keine Beschwerden.  In diesen Fällen sprechen Ärzte von einer asymptomatischen Divertikulose, die im Regelfall keiner Therapie bedarf. Die meisten  Dickdarmdivertikel sind ein Zufallsbefund bei einer aus anderen Gründen durchgeführten Darmspiegelung. Selten treten Schmerzen im Unterbauch mit Blähungen auf, die sich meist nach dem Stuhlabgang bessern.

Erst die Entzündung der Divertikel führt zu heftigeren Bauchschmerzen, bevorzugt im linken Unterbauch, aber unter Umständen auch auf der rechten Seite. Essen kann die Schmerzen verstärken, Stuhlgang und Windabgang lindern dagegen die Beschwerden. Hinzu kommen mitunter Appetitlosigkeit, Unwohlsein und Erbrechen. Je nach Ausmaß der Entzündung treten Verstopfung oder Durchfälle hinzu. Oft klagen die Betroffenen über starke Blähungen oder vermehrte Windabgänge.

Mögliche Komplikationen sind etwa ein Darmdurchbruch mit Ausbreitung der Entzündung auf das Bauchfell, Ansammlung von Eiter (Abszessbildung), Blutung, Ausbildung einer Verbindung zwischen Dickdarm und Blase oder Scheide sowie ein Darmverschluss.

Wie wird eine Divertikulitis festgestellt?

Die ärztliche Untersuchung umfasst neben Fragen nach den Beschwerden und vorangegangenen Entzündungen unter anderem das Abtasten des Bauches sowie die Austastung des Enddarms mit dem Finger (Rektaluntersuchung).

Blutanalysen weisen auf eine erhöhte Entzündungsaktivität hin. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt die verdickte Darmwand sowie Kot innerhalb der Divertikel. Bei einer Entzündung der Ausstülpungen lassen sich typische Veränderungen im Bauchraum erkennen. Die endgültige Diagnose der Divertikulitis erfordert meist eine Computertomografie (CT). Mit den CT-Aufnahmen lässt sich das Ausmaß der Entzündung gut einschätzen.

Nicht entzündete Divertikel werden, wie schon erwähnt, nicht selten als Nebenbefund bei einer Darmspiegelung festgestellt. Die Divertikel selbst lassen sich über einen Dickdarm-Kontrasteinlauf darstellen. Bei dieser Untersuchung gelangt über den After Röntgen-Kontrastmittel in den Darm, das sich im Dickdarm verteilt (Kontrast-Einlauf). Im Röntgenbild zeigen sich dann Divertikel, Verengungen, Erweiterungen oder Auffälligkeiten der Darmschleimhaut.

Wie wird die Divertikulitis behandelt?

Eine symptomlose Divertikulose erfordert in der Regel keine Behandlung. Es empfiehlt sich eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse sowie ausreichender Flüssigkeitsaufnahme und genügend Bewegung.

Die Behandlung der entzündeten Divertikel (Divertikulitis) richtet sich nach verschiedenen Faktoren wie Ausprägung der Beschwerden und Zustand des Betroffenen.

Eine Möglichkeit, die Divertikulitis zu behandeln, ist die Gabe von Antibiotika. Dies sind Bakterien abtötende Medikamente, die ein weiteres Ausbreiten der Erreger im Darm oder sogar im ganzen Körper verhindern. Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen, Magen-Darm-Beschwerden oder Ähnliches können, je nach Wirkstoff, unter der Therapie mit Antibiotika auftreten, sind aber in der Regel selten. Die Patienten erhalten die Antibiotika bei einer unkomplizierten Divertikulitis in Tablettenform. Außerdem sollten sie zunächst keine feste Nahrung zu sich nehmen. Meist bessern sich die Beschwerden nach zwei bis drei Tagen.

Bei mittelschweren und schweren Entzündungen oder bei Komplikationen sollte die Behandlung im Krankenhaus erfolgen, denn die Antibiotika und eine künstliche Ernährung müssen über Blutgefäße (Venen) verabreicht werden. So lässt sich der Darm durch Fasten (Null-Diät) ruhig stellen. Zudem sind engmaschige Kontrollen der Erkrankung notwendig. In den meisten Fällen tritt nach zwei bis vier Tagen eine Besserung der Beschwerden auf.

Eine operative Entfernung des erkrankten Darmabschnitts (Darmresektion) kommt bei wiederholter Entzündung der Divertikel oder Komplikationen wie einer Verengung (Stenose), einem Durchbruch des Darms oder wiederholten Blutungen infrage.

Eine Operation sollte, wenn möglich, nicht während der akuten Krankheitsphase, sondern zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Durch einen Bauchschnitt, eventuell auch im Rahmen einer Bauchspiegelung, wird der betroffene Darmabschnitt entfernt und die entstehenden Darmenden aneinandergenäht. Unter Umständen ist es notwendig, zum Beispiel bei einer schweren Bauchfellentzündung, vorübergehend einen künstlichen Darmausgang anzulegen, der in einer zweiten Operation wieder entfernt wird. 

Welche Maßnahmen sind sonst noch möglich?

Betroffene können selbst dazu beitragen, Beschwerden und mögliche Komplikationen zu vermeiden. Man geht davon aus, dass eine ballaststoffreiche Ernährung einem Fortschreiten der Divertikelkrankheit entgegenwirkt. Dies gilt auch für Menschen, die sich bereits einer Darmoperation unterziehen mussten. Ballaststoffe sind vor allem in verschiedenen Getreidesorten und Körnern sowie in Obst und Gemüse enthalten.

Wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme von mindestens zwei, besser drei Litern pro Tag. Auch regelmäßige Bewegung hat einen positiven Einfluss auf die Darmtätigkeit und bietet sich als vorbeugende Maßnahme bei Dickdarmdivertikeln an. Der Darm wird mit Bewegung in Schwung gebracht. Wichtig ist auch, mit gezielter Entspannung Stress abzubauen.