Es gibt wenige Patienten, die unbeschwert eine Zahnarztpraxis betreten. Die Angst vor dem Zahnarztbesuch wird in der Rangfolge von Ängsten nur noch vor der Angst des Einzelnen vor dem öffentlichen Sprechen übertroffen.

Man unterscheidet unter anderem:

  • Die Erwartungsangst im Wartezimmer
  • Die Behandlungsangst
  • Die Verlustangst bei einem bevorstehenden Zahnziehen

Die Spitzenplätze bei der Behandlungsangst sind:

  • Vibration des Bohrers spüren (33 Prozent)
  • Den Bohrer hören (31 Prozent)
  • Die Betäubungsspritze sehen (28 Prozent)
  • Den Bohrer sehen (24 Prozent)

So entstehen Angstgefühle

Die sogenannten Mandelkerne (Amygdala), mandelförmige Strukturen tief in der Großhirnrinde, sind entscheidend beteiligt, wenn Tier und Mensch lernen, in bestimmten Situationen Angst zu haben. Denn die Mandelkerne sind Teil des sogenannten limbischen Systems, das bei der Entstehung der Gefühle eine zentrale Rolle spielt. In den Mandelkernen laufen auch jene Prozesse ab, die Angst kontrollieren können.

Andere Gehirnstrukturen, die ebenfalls bei der Entstehung von Angst beteiligt sind, haben darauf hingegen keinen Einfluss. Die komplexen Prozesse im Gehirn, die Angstgefühle erzeugen, laufen mit enormer Geschwindigkeit und daher vielfach unbewusst ab. Das bestätigen Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren.

Offenkundig reagieren die Mandelkerne bereits auf noch unbewusste, sehr frühe und unvollständige Informationen aus dem Sinnessystem. Im Wesentlichen beruht die Angst vor einer zahnärztlichen Behandlung auf mehreren Grundphänomenen: der Angst vor der eigentlichen Behandlung, dem eventuell während der Behandlung auftretenden Schmerz und den Behandlungsfolgen sowie der Angst vor dem "Hilflos-ausgeliefert-sein". Verstärkt werden kann diese Angst durch negative eigene Erinnerungen und Schilderungen von Mitmenschen. Nicht zuletzt kann die gesamte Atmosphäre (Eindruck des Behandlers und seines Personals, der Räumlichkeiten, den Gerüchen und Geräuschen und so weiter) zusätzlich auf den Patienten einwirken.

Angstgefühle abbauen

Zur Angstreduzierung können verschiedene Methoden (einzeln oder kombiniert) angewandt werden.

Bei schweren Ängsten sollten sich betroffene Patienten zunächst aus dem Dilemma lösen, dass sie einerseits aufgrund ihrer Ängste nicht zum Zahnarzt gehen können, andererseits ihnen der Weg zum Psychotherapeuten wegen ihrer "Zahnprobleme" nicht angemessen erscheint.

Menschen, bei denen die Zahnbehandlungsangst nicht zu stark ausgeprägt ist, können zum Beispiel einen MP3-Player mitnehmen und bereits im Wartezimmer ihre Lieblings- und Meditationsmusik hören. Sie können durch äußere Einwirkungen versuchen, ruhig, tief und konzentriert zu atmen, ihre Muskeln nacheinander anzuspannen und wieder zu entspannen. Wer entspannt den Behandlungsraum betritt, hat bereits den ersten wichtigen Schritt gegen die Angst gemacht.

  • Psychologische Beeinflussung des Patienten (Verhaltenstherapie): Verhaltenstherapie ist eine gut belegte und von den Krankenkassen anerkannte Methode, die den Patienten - nach vorheriger Aufklärung über die jeweiligen Behandlungsabläufe - schrittweise mit Situationen konfrontiert, die seinen Hauptängsten entsprechen.
  • Tiefenpsychologische Therapie: Hierbei wird eher die unbewusste Behandlungsangst therapiert. Man stützt sich dabei auf Sigmund Freud, der in seiner Psychoanalyse begründet, dass unbewusste Konflikte für alle Formen des normalen und auch gestörten Erlebens und Verhaltens verantwortlich sind. Die Mundhöhle scheint dabei eine besonders sensible Rolle zu spielen.
  • Hypnose: Diese psychotherapeutische Technik gewinnt heute - nachdem sie auf den Boden von wissenschaftlich nachvollziehbaren Behandlungen gestellt wurde - wieder vermehrt an Bedeutung.
  • Tabletten: Die Behandlung mit sogenannten Psychopharmaka sollte nur vorübergehend erfolgen, es besteht die Gefahr der Abhängigkeit! Bei einer medikamentösen Therapie der Angstgefühle bleibt außerdem die ursprüngliche Angst weiterhin bestehen.

Die Angst vor dem Zahnarzt lässt sich durch Vertrauen und positive Erfahrungen langsam abbauen. Wichtig sind ein offener Umgang mit der Angst und sehr viel Geduld.