Die Voll­pro­these

Noch vor 50 bis 80 Jahren galt die Vollprothese - die "Dritten Zähne" - als der Zahnersatz schlechthin.

Auch heute geistern durch manche Patientenköpfe Vorstellungen wie "alle Zähne raus, dann habe ich endlich Ruhe". Denkweisen, die sich bald als trügerisch erweisen, denn mit einer Vollprothese lässt sich zwar auch Beißen und Sprechen, eigene Zähne kann sie aber keinesfalls gleichwertig ersetzen. Deshalb sollten die Erwartungen an eine Totalprothese auch entsprechend bescheiden sein.

Patienten reagieren ganz unterschiedlich auf das Leben mit einer Vollprothese: Manche sind glücklich, endlich makellose Zähne zu haben und gut damit beißen zu können, andere klagen über Sprechstörungen und Würgereiz.

Drei Problemkreise und deren Lösung bestimmen die Zufriedenheit, Ästhetik und Funktionstüchtigkeit einer Vollprothese:

  • Psychische Faktoren: Der totale Verlust der Zähne, besonders der Frontzähne, stellt einen tiefen Eingriff in die Persönlichkeit jedes Menschen dar. Eine Veränderung des Gesichtsausdrucks und die Charakteristik der sichtbaren Zähne sind nur schwer durch Ersatzmaßnahmen zu kompensieren.
  • Physikalische Faktoren: Vollprothesen liegen dem Kiefer nur auf. Sie können nicht wie Teil-Prothesen zum Abfangen von auf sie wirkenden Kräften an eigenen Zähnen verankert werden. Verschiedene Kräfte wirken auf den Kiefer und die Prothese ein. Ein Kompromiss zwischen Stabilität und Ästhetik muss gefunden werden.
  • Haftungs-Faktoren: Die Haftung, der Halt einer Vollprothese auf dem Zahnfleisch des betreffenden Kiefers hat ähnliche Prinzipien wie ein Gummi-Saugnapf auf einer glatten Unterlage. Je größer die Fläche (Prothesenbasis), desto besser ist auch der Halt. Je nach Zustand des Kiefers kann dies Probleme mit sich ziehen. Auch ist ein exakter Kiefer-Abdruck unbedingt erforderlich. Der Prothesenrand (Funktionsrand) muss genau angemessen werden, sodass sich zwischen Prothese und Unterlage keine Luftblasen befinden können und die Prothese beim Sprechen und Beißen nicht durch Bänder der Wangen- und Unterkiefermuskulatur abgehoben wird.