Dieses Zahngewebe ist für die Verankerung der Zähne im Kiefer verantwortlich (Zahnhalteapparat). Das Entzünden des Zahnfleisches durch Zahnbeläge und Zahnstein stellt dabei lediglich die Vorstufe der Parodontitis dar.

Bleibt die Zahnfleischentzündung unbehandelt, gelangen die schädlichen Zahnbeläge in die Tiefe und breiten sich auf diese Weise zwischen Zahnfleisch und Zahnwurzel aus. Diese Konkremente haften sehr stark auf der Wurzeloberfläche und zerstören langsam die Bestandteile des Zahnhalteapparates. Es bilden sich die sogenannten "Zahnfleischtaschen“ aus.

Hat der Abbauprozess des Zahnhalteapparates erst einmal begonnen, ist er ohne zahnärztlichen Eingriff nicht mehr aufzuhalten. Die Folge: Die betroffenen Zähne lockern sich, im schlimmsten Fall kommt es zu Zahnverlust. Am häufigsten kommt die sogenannte "Erwachsenen-Parodontitis“ vor. Es handelt sich dabei um eine sich langsam entwickelnde chronische Form der Parodontitis, die erst im Erwachsenenalter auftritt.

Wie schwer der Zahnhalteapparat geschädigt ist, kann anhand der Blutungsneigung des Zahnfleisches und der Tiefe der Zahnfleischtaschen erkannt werden, die in der Zahnarztpraxis mit speziellen Sonden ermittelt wird. Wie die Parodontitis im Einzelfall verläuft, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Bei Personen, die rauchen, an Diabetes leiden oder familiär vorbelastet sind, ist das Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken, besonders hoch.

Den wichtigsten Faktor für die Gesundheit des Zahnhalteapparates stellt jedoch der bakterielle Zahnbelag dar. Er ist nicht nur entscheidend für das Entstehen von Parodontitis, sondern beeinflusst auch ihren Verlauf.

Wie entsteht Parodontitis?

Zahnärzte unterscheiden grob drei Ursachen für die Parodontitis.

Mangelnde Zahnpflege

Sie ist mit Abstand die häufigste Ursache, denn mangelhafte Mundhygiene führt zu einer Bildung von Belägen (Plaque) und Zahnstein (Konkrementen). In beiden siedeln sich Bakterien an, die sich unter den idealen Bedingungen der Mundhöhle rasch vermehren und durch ihren Reiz zu einer Entzündung des Zahnfleisches führen (Gingivitis).

Fehlerhafte Ernährung

Kohlenhydrate, besonders zuckerhaltige Speisen aufgrund ihrer klebrigen Konsistenz, sind das tägliche Brot der Bakterien.

Sonstige Ursachen

Daneben spielen innere Erkrankungen (nicht eingestellte oder unerkannte Zuckerkrankheit, Störungen oder Erkrankungen des Immunsystems wie grippale Infekte, AIDS, Hormonumstellung in der Schwangerschaft und den Wechseljahren, physischer und psychischer Stress, Strahlentherapie bei Tumorbehandlungen), Zahnfehlstellungen und unzureichende zahnärztliche Restaurationen eine Rolle. Ein weiterer Risikofaktor ist das Rauchen.

Was sind die Folgen einer Parodontitis für den Organismus?

Im Normalfall treten bei vielen Zahnfleischerkrankungen kaum allgemeine Beschwerden auf.

Trotzdem lassen sich häufig im Blut Antikörper gegen die Keime finden.

Bei akuten Schüben und Vereiterungen (Parodontalabszessen) kommt es zu einer leicht erhöhten Körpertemperatur und Blutsenkung (Hinweis auf eine Entzündung im Körper), lokalen Schmerzen bis hin zur Kauunfähigkeit und einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes.

Neuere Studien belegen, dass Zahnfleischerkrankungen mitverantwortlich für einen Herzinfarkt und Frühgeburten sein können. Das Risiko erhöht sich nochmals um den Faktor drei, wenn sich eine schon vor der Schwangerschaft bestehende Erkrankung verschlechtert.

Wie kann man eine Parodontitis vermeiden?

Die wichtigste Maßnahme sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung einer bereits vorliegenden Parodontitis ist das Entfernen von bakteriellen Zahnbelägen. Damit eine mögliche Parodontitis frühzeitig erkannt wird, sollte alle zwei Jahre eine eingehende Untersuchung des Zahnhalteapparates erfolgen.

Wird eine behandlungsbedürftige Schädigung des Zahnhalteapparates festgestellt, prüft der Zahnarzt die Durchführung weitergehender Maßnahmen einer sogenannten "systematischen Parodontitistherapie“.