Das Wort Logopädie setzt sich aus den griechischen Begriffen "Logos" (Wort, Rede) und "Paideia" (Unterricht, Erziehung) zusammen.Die therapeutischen Methoden der Logopädie werden bei Behinderungen der Sprache, des Sprechens, der Mundfunktion, der Stimme, des Hörens, des Schluckens und bei sonstigen Schwierigkeiten mit der Nahrungsaufnahme eingesetzt. Dabei vereint dieses Fach Erkenntnisse aus der Medizin, der Psychologie, der Heilpädagogik und der Linguistik.

Ziel einer logopädischen Behandlung ist die Wiederherstellung, Verbesserung oder Kompensation von krankheits- oder entwicklungsbedingt eingeschränkten kommunikativen Fähigkeiten. In Deutschland ist die Logopädie als medizinischer Fachberuf anerkannt, der in einer dreijährigen Ausbildung erlernt werden kann.

Sprache und Sprechen

Sprache ist für uns Menschen von zentraler Bedeutung. Durch sie können wir uns mit unseren Mitmenschen verständigen, unsere Wünsche und Gefühle ausdrücken. Auch die inneren Bilder, die wir von der Welt haben, unsere Gedanken und Vorstellungen sind auf der Sprache aufgebaut.

Dabei ist Sprache ein ungemein komplexer Prozess und eine Höchstleistung des Gehirns. Vom koordinierten Zusammenspiel der Muskeln des Sprechapparats über Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Abstraktionsvermögen bis hin zu Sozialverhalten und Persönlichkeitsentwicklung - Sprache und Sprechen erfordern die unterschiedlichsten Fähigkeiten.

Konsequenterweise kann die Ursache einer Störung des Kommunikationsvermögens auch in all diesen Bereichen liegen. Die Logopädie berücksichtigt, dass an Sprache und Sprechen körperliche, geistige und seelische Vorgänge gleichermaßen beteiligt sind. Demnach betrifft eine sprachliche Beeinträchtigung immer den gesamten Menschen, seine psychische und soziale Befindlichkeit, seine Lernfähigkeit und seine Intelligenzentwicklung. Eine gute Sprachtherapie trägt diesen Aspekten Rechnung.

Wer benötigt eine logopädische Behandlung?

Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern

Von einer Sprachentwicklungsstörung spricht man, wenn die sprachlichen Leistungen eines Kindes - also Sprachverständnis, Wortschatz, Grammatik, Laut- und Satzbildung - deutlich unterhalb der Leistungen Gleichaltriger liegen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die normale Sprachentwicklung nicht in exakt festgelegten zeitlichen Stufen verläuft, sondern dass jedes Kind sein eigenes Tempo hat. Eine exakte ärztliche Diagnostik ist daher unerlässlich. Sprachentwicklungsstörungen sind häufig Zeichen einer frühkindlichen Hirnschädigung und werden daher oft von anderen Störungen begleitet.

Probleme bei der Sprechentwicklung bei Kindern

Hier ist nicht die Sprachfähigkeit, sondern der Sprechvorgang gestört. Typisch sind Lispeln, Näseln, undeutliches Sprechen, das Verschlucken von Silben oder Buchstaben. Sprechentwicklungsstörungen haben oft organische Ursachen.

Lese- beziehungsweise Schreibschwäche

Auch Probleme beim Lesen oder Schreiben sind Zeichen einer beeinträchtigten Sprachentwicklung und werden mit logopädischen Methoden behandelt. Im Erwachsenenalter kann es beispielsweise durch einen Schlaganfall oder nach einer Gehirnoperation zu einer Lese- oder Schreibschwäche kommen.

Probleme beim Redefluss

Die bekannteste Redeflussstörung ist das Stottern. Probleme mit dem Redefluss können hirnorganische, psychische und linguistische Ursachen haben. Sprachschwierigkeiten im Erwachsenenalter, zum Beispiel die Aphasie, eine Wortfindungsstörung, treten in erster Linie nach einem Schlaganfall oder einer Hirnverletzung auf.

Sprech- und Stimmstörungen haben, wenn sie nach Abschluss der kindlichen Sprachentwicklung auftreten, oft organische Ursachen. Beispiele sind Heiserkeit, Stimmbandlähmungen, Überbelastungen der Stimme, aber auch Operationen am Kehlkopf oder Erkrankungen des Gehirns wie die Parkinson-Krankheit oder die Multiple Sklerose. Manchen Sprechstörungen wie dem Räusperzwang liegen auch psychische Probleme zugrunde.

Probleme bei der Nahrungsaufnahme und beim Schlucken

Diese Probleme werden ebenfalls logopädisch behandelt. Häufige Ursachen sind Operationen an der Zunge oder im Mundbereich, Unfälle, aber auch angeborene Fehlbildungen wie die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte.

Hörstörungen bei Kindern führen zu Schwierigkeiten in der sprachlichen Entwicklung. Eine unterstützende logopädische Behandlung kann die Probleme mildern.

Wie gestaltet sich eine logopädische Behandlung?

Am Anfang jeder logopädischen Behandlung steht ein ausführliches Gespräch, die Anamnese, bei der sowohl die allgemeine Vorgeschichte des Patienten als auch die sprachlichen Probleme exakt abgefragt werden. Mithilfe von verschiedenen Untersuchungsverfahren prüft der Sprachtherapeut dann, um welche Art von Sprechstörung es sich handelt und welche Ursachen sie hat.

Anhand dieser logopädischen Diagnose wird dann ein individuell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Patienten abgestimmtes therapeutisches Konzept entwickelt. Eine logopädische Behandlung besteht in aller Regel aus mehreren Sitzungen, die sich über einen gewissen Zeitraum erstrecken. Therapeut und Patient stellen gemeinsam einen Behandlungsplan auf, in dem sowohl die Ziele der gesamten Therapie als auch der einzelnen Sitzungen festgelegt werden.

Die Logopädie verfügt über verschiedene Behandlungsmethoden, die je nach Art und Ursache der Sprachstörung miteinander kombiniert werden. So werden zum Beispiel die Atmung und die Koordination der verschiedenen Muskeln des Kau- und Stimmapparats durch bewusst langsames Sprechen gezielt trainiert. Ein Spiegel oder auch Tonband- und Videoaufzeichnungen helfen dem Patienten, sich die Vorgänge bewusst zu machen.

Bei Kindern mit einer verzögerten Sprachentwicklung versucht der Therapeut, die einzelnen Stufen beim Erlernen der Sprache Schritt für Schritt zu üben. Zusätzlich haben sich Entspannungsübungen wie autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation bewährt. Auch psychotherapeutische Methoden wie die Verhaltenstherapie können bei bestimmten Sprechstörungen, beispielsweise dem Stottern, sehr hilfreich sein.

Wie lange eine logopädische Behandlung dauert, hängt von der Art und Schwere der Sprachprobleme ab. Sie wird meist so lange fortgesetzt, bis das therapeutische Ziel erreicht ist - im günstigsten Fall ein vollkommen normales Kommunikationsvermögen.