Artikelserie

Zerti­fi­kate für Gesund­heits­ein­rich­tungen (5/6)

Gesundheitseinrichtungen sind zum Qualitätsmanagement verpflichtet. Viele Einrichtungen nutzen Zertifikate verschiedener Prüforganisationen, um ihr internes Qualitätsmanagement nach außen darzustellen. Lesen Sie hier, was Sie von solchen Zertifikaten ableiten können.

Qualität bemisst sich daran, wie gut ein Produkt oder eine Dienstleistung den Anforderungen entspricht, die man daran hat. Was man systematisch dafür tut, um die Qualität zu erreichen, zu erhalten und zu verbessern, nennt man Qualitätsmanagement.

Zum Qualitätsmanagement verpflichtet

Der Gesetzgeber schreibt den Gesundheitseinrichtungen mit § 135a SGB V verbindlich vor, ein Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln. Verpflichtet zum Qualitätsmanagement sind zum Beispiel Ärzte und Kliniken. Wie sie das tun, lässt der Gesetzgeber offen.

Wie gut ihr Qualitätsmanagement ist, kann die Einrichtung selbst bewerten. Sie kann ihr Qualitätsmanagement aber auch freiwillig durch unabhängige Experten prüfen und zertifizieren lassen.

Zertifizierung des Qualitätsmanagements bedeutet, dass eine unabhängige Organisation untersucht, ob das Qualitätsmanagement vorher definierten Kriterien entspricht (zum Beispiel: Dokumentation der Behandlungspläne, Aus-, Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter, Maßnahmen zur Fehlervermeidung etc.). Erfüllt es die Kriterien, verleiht die Organisation der Gesundheitseinrichtung das Zertifikat. Das Zertifikat ist eine Bestätigung darüber, dass sie erfolgreich ein Qualitätsmanagement eingeführt hat, das den Kriterien entspricht.

Freiwillige Zertifizierung spricht für Engagement

Gesundheitseinrichtungen, die ihr Qualitätsmanagement zertifizieren lassen, dokumentieren, dass sie ihrer gesetzlichen Verpflichtung zum Qualitätsmanagement nachkommen. Darüber hinaus zeigen sie, dass sie daran interessiert sind, die Qualität ihrer Arbeit zu verbessern. Sie scheuen auch nicht davor zurück, ihre Arbeit von Dritten überprüfen zu lassen. Insofern kann eine Zertifizierung als Hinweis auf ein besonderes Engagement angesehen werden. Denn verpflichtet zu einer Zertifizierung sind die Gesundheitseinrichtungen nicht.

Für die Zertifizierung beauftragen die Gesundheitseinrichtung eine externe Institution. Zum Beispiel nutzen sie

  • die Kassenärztliche Bundesvereinigung und ihr QEP-System (QEP ist die Abkürzung für "Qualität und Entwicklung in Praxen"),
  • die KTQ GmbH. KTQ steht für "Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen",
  • das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN EN ISO),
  • die European Foundation for Quality Management, abgekürzt EFQM,
  • die proCum Cert Zertifizierungsgesellschaft.

Daneben bieten auch einige medizinische Fachgesellschaften Zertifikate an. Jede Zertifizierungs-Organisation hat ihre eigenen Prüfkriterien entwickelt.

Auch das Motiv zählt

Einrichtungen können mit der Zertifizierung unterschiedliche Ziele verfolgen. Manche Einrichtungen streben das Zertifikat lediglich deshalb an, weil sie glauben, ihre Angebote so besser verkaufen zu können. Andere nutzen die aus der Zertifizierung gewonnenen Erkenntnisse, um ihr Qualitätsmanagement konsequent weiterzuentwickeln. Manchmal gibt das Leitbild zum Beispiel einer Klinik oder einer Arztpraxis einen Hinweis auf ein solch fortgeschrittenes Qualitätsverständnis.

Zertifikate sollten befristet gültig sein

Das Zertifikat bestätigt, dass die Gesundheitseinrichtung erfolgreich ein Qualitätsmanagement eingeführt hat und dass dieses Qualitätsmanagement zum Zeitpunkt der Überprüfung die vorgegebenen Kriterien erfüllt.

Es bietet allerdings keine Garantie dafür, dass das Qualitätsmanagement einer Einrichtung auch zu einem späteren Zeitpunkt diese Kriterien noch erfüllt. Auch können sich die Kriterien selbst weiterentwickeln. Deshalb sollten Sie bei Zertifikaten darauf achten, wann sie erstellt wurden und wie lange sie gelten. Generell sollten Zertifikate nur befristet gültig sein, damit die Gesundheitseinrichtungen sich regelmäßig prüfen lassen müssen.