Emotionale Nachrichten in den Medien rücken das Thema Brustkrebs in das Bewusstsein jedes Einzelnen. Dabei kennt wohl auch jeder jemanden, der an Brustkrebs erkrankt ist, oder hat selbst schon einmal einen Knoten in der Brust bemerkt. Kein Wunder, denn: Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Jede neunte Frau in Deutschland ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts betroffen - Tendenz steigend.

Immer mehr Frauen erkranken

Laut des Welt-Krebsberichts der Weltgesundheitsorganisation WHO von 2014 soll die Zahl aller Krebserkrankungen weltweit bis 2030 um zwei Drittel steigen. Brustkrebs gilt dabei nach Lungenkrebs als häufigste Diagnose. Und was viele nicht wissen: Männer können ebenfalls an Brustkrebs erkranken, auch wenn das sehr selten vorkommt.

Brustkrebs in Zahlen

  • Rund 70.000 Frauen und 600 Männer erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Brustkrebs.
  • Brustkrebs belegte im Welt-Krebsbericht 2012 mit fast 12 Prozent aller Fälle hinter Lungenkrebs Platz zwei in der Liste der häufigsten Krebsarten. 

Bekommen immer jüngere Frauen Brustkrebs?

Miriam Pielhau und Jana Thiel waren gerade einmal Anfang beziehungsweise Mitte 40. Viele fragen sich daher, ob immer jüngere Frauen an Brustkrebs erkranken. Tatsächlich ist dem aber nicht so: "Weniger als ein Drittel der Frauen mit Brustkrebs sind unter 55 Jahre alt", sagt Dr. Dankwart Rachor, Gynäkologe im TK-Ärztezentrum. "Die meisten Frauen, bei denen Brustkrebs entdeckt wird, sind zwischen 45 und 65 Jahre alt."

Erkrankungsrisiko nach Alter

  • Im Alter von 45 Jahren muss eine von 47 Frauen damit rechnen, innerhalb der nächsten zehn Jahre an Brustkrebs zu erkranken. Mit 55 ist es eine von 34 Frauen.
  • Mit 65 ist das Erkrankungsrisiko am größten - eine von 28 Frauen erkrankt.
  • Im Vergleich dazu muss im Alter von 35 Jahren nur eine von 110 Frauen befürchten, innerhalb der nächsten zehn Jahre zu erkranken.

(Quelle: Zentrum für Krebsregisterdaten)

Warum Brustkrebs immer häufiger auftritt

Welche Umstände Brustkrebs auslösen, ist Gegenstand vieler, zum Teil auch großer Studien. Aus ihnen lässt sich ableiten, dass neben dem Alter auch noch einige andere Faktoren das Erkrankungsrisiko beeinflussen:

  • Die Einnahme weiblicher Geschlechtshormone und eine Hormonersatztherapie
  • Ungesunde Essgewohnheiten und Übergewicht
  • Alkoholkonsum und Rauchen
  • Mangelnde Bewegung
  • Geerbte Risikogene
  • Umweltfaktoren wie etwa Strahlenbelastung
  • Eine früh einsetzende und spät endende Monatsblutung

Experten sind sich zudem einig, dass verbesserte Diagnoseverfahren und das Brustkrebs-Screening, zu dem in Deutschland alle 50- bis 69-jährigen Frauen alle zwei Jahre eingeladen werden, für die gestiegenen Brustkrebszahlen mitverantwortlich sind. Denn dadurch werden Karzinome früher und häufiger erkannt.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass heutzutage weniger Frauen früh und mehrere Kinder bekommen und diese auch stillen. Denn einzelne Studien geben Hinweise darauf, dass das gegen Brustkrebs schützen kann. 

Vererbung: nur für wenige Frauen ein Risiko

Die Vorstellung, Risikogene zu tragen, die einen Einfluss auf die Brustkrebsentstehung haben, ist für viele beunruhigend - vor allem, seit die US-Schauspielerin Angelina Jolie 2013 öffentlich bekanntgab, dass sie sich aus Angst vor einer Brustkrebserkrankung vorsorglich beide Brüste habe abnehmen lassen.

BRCA1 und BRCA2 werden diese Brustkrebsgene genannt, die jeder Mensch in sich trägt. Mutieren diese Gene, vervielfacht sich das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Die Veranlagung dazu kann innerhalb der Familie weitervererbt werden. Schätzungsweise sind aber nur etwa fünf bis maximal zehn von hundert Patientinnen von einer solchen Mutation betroffen. BRCA ist eine Abkürzung für BReast CAncer, dem englischen Ausdruck für Brustkrebs. Inzwischen sind allerdings einige weitere Genveränderungen bekannt, die an der Brustkrebsentstehung beteiligt sein können, ihr tatsächlicher Einfluss ist jedoch noch unklar.

Und was viele Menschen nicht wissen: Auch Männer können die veränderten Gene in sich tragen. Männliche Genträger entwickeln häufiger Darm- oder Prostatakrebs, aber eben auch Brustkrebs. Wird das Gen nachgewiesen, können regelmäßige Untersuchungen helfen, eventuelle Tumoren frühzeitig zu entdecken.

Schock - ein Knoten in der Brust

Die Angst vor Brustkrebs sitzt bei vielen Frauen tief. Entsprechend groß ist der Schock, wenn sich plötzlich zum Beispiel ein Knoten in der Brust tasten lässt. Dies muss jedoch keine bösartige Veränderung sein, unabhängig davon, ob sie Schmerzen verursacht. Im Brustgewebe können sich zum Beispiel auch flüssigkeitsgefüllte Hohlräume bilden, sogenannte Zysten. Sie sind zu mehr als 99 Prozent gutartig und erhöhen das Brustkrebsrisiko nicht.

Ob selbst oder vom Arzt entdeckt: "Frauen sollten jeden Knoten in der Brust untersuchen lassen", rät Dr. Rachor. "Wahrscheinlich ist der Knoten harmlos, aber um sicherzugehen, ist eine Untersuchung wichtig." Weitere Veränderungen an der Brust können sein:

  • Form und Größe der Brust haben sich verändert.
  • Die Haut dellt sich ein oder wölbt sich vor, bekannt auch als Orangenhaut.
  • Aus der Brustwarze tritt Flüssigkeit aus.

Mithilfe einer Röntgenuntersuchung der Brust, einer Mammografie, können Veränderungen detailliert beurteilt werden - auch wenn sie noch sehr klein sind. Falls nötig, können weitere Untersuchungen erfolgen wie etwa eine Ultraschalluntersuchung oder die Entnahme einer Gewebeprobe. 

Früherkennung mit Mammografie-Screening

Frauen zwischen 50 und 69 Jahren haben einen Anspruch darauf, alle zwei Jahre an einer gesetzlichen Mammografie-Früherkennungsuntersuchung teilzunehmen. Die Röntgenuntersuchung hilft, Brustkrebs möglichst frühzeitig zu entdecken und so die Heilungschancen zu erhöhen. 

Ein Erfolg des Screening-Programms ist, dass wenige Jahre nach seiner Einführung Brustkrebs häufiger in einem frühen Stadium entdeckt wird und die Zahl der Spätdiagnosen rückläufig ist. 

Doch es gibt auch Kritik an den regelmäßigen Mammografie-Früherkennungsuntersuchungen. Unter anderem gilt es zu bedenken, dass Frauen im Anschluss oftmals belastende Eingriffe wie etwa eine Gewebeentnahme über sich ergehen lassen müssen, obwohl die gefundenen Tumoren letztlich gutartig sind oder zu einer sogenannten Krebsvorstufe gehören. Auch entwickelt sich nicht jeder Tumor zwangsläufig zu einer lebensgefährlichen Krebserkrankung. Mehr Informationen zum Mammografie-Screening .