Doch bis aus virusbedingten Zellveränderungen am Gebärmutterhals Krebs entsteht, dauert es durchschnittlich 15 Jahre, in denen verschiedene Phasen durchlaufen werden.

Zellveränderung durch HPV

Am Gebärmutterhals treffen verschiedene Gewebearten aufeinander. In dieser Übergangsregion können sich Viren und Bakterien leicht ansiedeln. Zum Beispiel die humanen Papillomaviren (HPV), die Infektionen am Gebärmutterhals und in der Scheide verursachen. Je nach Virustyp können daraus harmlose, aber manchmal unangenehme Feigwarzen entstehen oder Veränderungen der Form und Anordnung von Zellen am Gebärmutterhals, die sich in seltenen Fällen zu Krebs weiterentwickeln können.

Eine HPV-Infektion kommt bei Frauen und Männern, die Sex haben, häufig vor. Das Risiko steigt mit der Anzahl der Partner. Allerdings führt sie bei Frauen eher als bei Männern zu Zell- und Gewebeveränderungen in der Genitalregion. In der Regel bemerken weder Mann noch Frau die Ansteckung. Die eigenen Abwehrkräfte werden gut mit den Erregern fertig. Bei 90 von 100 Frauen heilen die Infektionen innerhalb von drei Jahren von selbst aus.

Bei manchen Frauen bleibt die HPV-Infektion allerdings über längere Zeit bestehen. Doch auch in diesem Stadium können sich die Infektionen wieder zurückbilden. Sie sind also nicht zwingend ein Zeichen für eine mögliche Krebsentwicklung.

Wie viele verschiedene HPV-Typen gibt es?

Mehr als 100 verschiedene HP-Viren sind bekannt, von denen etwa 40 die Genitalregion betreffen. Sie werden in Hoch- beziehungsweise Niedrigrisikotypen unterschieden. Die Hochrisikotypen HPV 16 und 18 werden bei Frauen mit der Entstehung von Krebs an Gebärmutterhals und Scheide in Verbindung gebracht, bei Männern mit Anal- und Peniskrebs.

Die Niedrigrisikotypen HPV 6 und 11 können dagegen vor allem Feigwarzen an der Scheide, im Damm- und Afterbereich sowie an Penis und Hodensack verursachen. Gegen diese vier Erregertypen ist seit 2006 eine Immunisierung möglich.

Wenn man Feigwarzen hat, heißt das, dass man nun Krebs bekommt?

Feigwarzen (auch Genitalwarzen oder Kondylome) sind stecknadelkopfgroße Verdickungen der Haut, die bei Frauen vor allem in der Scheide, an den Schamlippen und am Damm entstehen können. Sie sind harmlos, entwickeln sich also nicht zu Krebs. Viele Frauen bemerken sie gar nicht, aber manchmal können sie auch lästig sein - vor allem wenn sie jucken und brennen.

Auch wenn sich die Scheide beim Sex wie Schmirgelpapier anfühlt, kann das ein Zeichen für eine HPV-Infektion sein. Häufig verschwinden die Hautverdickungen von selbst wieder; manchmal kann das aber zwei Jahre und länger dauern. Es gibt keine ideale Therapie.

Man kann entweder abwarten, bis sie wieder von selbst abheilen. Manchmal kann eine Behandlung den Prozess beschleunigen. Bei Beschwerden können Frauen nach Absprache mit dem Arzt Salben auftragen, die die Immunabwehr in der Haut steigern. In hartnäckigen Fällen wird auch eine Verätzung oder eine operative Entfernung der Warzen empfohlen.

Allerdings können die Warzen kurze Zeit nach der Behandlung wieder auftauchen. Die Benutzung von Kondomen verringert die Gefahr, sich beim Geschlechtsverkehr anzustecken.

Wann spricht man von Gebärmutterhalskrebs?

Im Durchschnitt dauert es zehn Jahre, bis sich eine HPV-Infektion zu einer Krebsvorstufe entwickelt, und weitere zehn Jahre, bis daraus invasiver Krebs wird. Das bedeutet, dass sich der Krebs in der Regel sehr langsam über viele Vorstufen entwickelt.

Doch aus den meisten Krebsvorstufen wird kein Krebs. Sie sind etwa 100-mal häufiger als Krebs. Wenn Krebszellen die gesamte Schleimhautschicht ausmachen, aber noch nicht in tieferes Gewebe eingedrungen sind, spricht man vom Carcinoma in situ (CIS), das sich zu Krebs weiterentwickeln kann, aber nicht muss.

Von invasivem Krebs spricht man, wenn sich die Krebszellen in tiefere Gewebsschichten ausgedehnt haben und damit auch in Blut- und Lymphgefäße eindringen können. Die Ausbreitung kann Becken, Blase, Darm und Scheide betreffen.

Gebärmutterhalskrebs kann sich durch Schmierblutungen, zum Beispiel nach dem Geschlechtsverkehr, und durch anhaltenden Ausfluss bemerkbar machen. Schmerzen gehören nicht zu den frühen Symptomen des Krebses. Meist entsteht der Gebärmutterhalskrebs an der Oberfläche des Muttermundes und ist deshalb mithilfe der Früherkennung relativ leicht zu entdecken (Plattenepithelkarzinom). Allerdings gibt es auch die selteneren Adenokarzinome, die vom Drüsengewebe im Inneren des Gebärmutterhalses ausgehen und deren Vorstufen nicht so gut aufzuspüren sind.

Was sind die Risikofaktoren für chronische Zellveränderungen und Gebärmutterhalskrebs?

Bei Frauen, die mangelernährt sind, rauchen, jahrelang die Pille einnehmen, viele Sexualpartner und häufige Genitalinfektionen haben, finden sich häufiger chronische Zellveränderungen und Gebärmutterhalskrebs. Auch Frauen, bei denen die Immun-abwehr durch Krankheit oder Medikamente geschwächt ist, haben ein erhöhtes Risiko.

Wie häufig ist Gebärmutterhalskrebs?

Gebärmutterhalskrebs ist in Deutschland eine seltene Erkrankung: Von den 42 Millionen Frauen, die in Deutschland leben, bekommen im Jahr etwa 6.200 Frauen die Diagnose, 1.700 Frauen sterben daran.

Im Schnitt leben 70 Prozent der an einem invasiven Gebärmutterhalskrebs erkrankten Frauen noch fünf Jahre nach Diagnosestellung und 60 Prozent noch nach zehn Jahren. Seit den 1950er Jahren ist diese Krebsart europaweit rückläufig, also schon vor Einführung der Früherkennung. Nach Einführung der Früherkennung ging die Sterblichkeit weiter zurück. Geschätzt wird, dass ohne Früherkennung etwa doppelt so viele Frauen an diesem Krebs sterben würden.

Sie können unten stehend lesen, welches Risiko Sie haben, in den nächsten zehn Jahren an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, und zwar einmal ohne Früherkennung und einmal mit Früherkennung.

  • In der Altersgruppe 20 bis 29 Jahre erkranken in den nächsten zehn Jahren von 1.000 Frauen
    • 2 an Gebärmutterhalskrebs ohne Früherkennung,
    • 1 mit Früherkennung und
    • 10 an irgendeiner Krebserkrankung.
  • In der Altersgruppe 30 bis 39 Jahre erkranken in den nächsten zehn Jahren von 1.000 Frauen
    • 4 an Gebärmutterhalskrebs ohne Früherkennung,
    • 2 an Gebärmutterhalskrebs mit Früherkennung und
    • 20 an irgendeiner Krebserkrankung.
  • In der Altersgruppe 40 bis 49 Jahre erkranken in den nächsten zehn Jahren von 1.000 Frauen
    • 8 an Gebärmutterhalskrebs ohne Früherkennung,
    • 3 an Gebärmutterhalskrebs mit Früherkennung und
    • 40 an irgendeiner Krebserkrankung.
  • In der Altersgruppe 50 bis 59 Jahre erkranken in den nächsten zehn Jahren von 1.000 Frauen
    • 6 an Gebärmutterhalskrebs ohne Früherkennung,
    • 2 an Gebärmutterhalskrebs mit Früherkennung und
    • 70 an irgendeiner Krebserkrankung.
  • In der Altersgruppe 60 bis 69 Jahre erkranken in den nächsten zehn Jahren von 1.000 Frauen
    • 4 an Gebärmutterhalskrebs ohne Früherkennung,
    • 2 an Gebärmutterhalskrebs mit Früherkennung und
    • 100 an irgendeiner Krebserkrankung.
  • In der Altersgruppe 70 bis 79 Jahre erkranken in den nächsten zehn Jahren von 1.000 Frauen
    • 4 an Gebärmutterhalskrebs ohne Früherkennung,
    • 2 an Gebärmutterhalskrebs mit Früherkennung und
    • 150 an irgendeiner Krebserkrankung.
  • In der Altersgruppe ab 80 Jahre erkranken in den nächsten zehn Jahren von 1.000 Frauen
    • 4 an Gebärmutterhalskrebs ohne Früherkennung,
    • 2 an Gebärmutterhalskrebs mit Früherkennung und
    • 200 an irgendeiner Krebserkrankung.

Die Zahlen sind gerundet. Die Angaben für das Erkrankungsrisiko mit Früherkennung sind Schätzwerte für die aktuelle Situation in Deutschland.