Brust­krebs - immer früher?

Im vergangenen Jahr starben gleich zwei Prominente mit gerade einmal Anfang, Mitte 40 an Brustkrebs: Sportmoderatorin Jana Thiel (44) und TV-Moderatorin Miriam Pielhau (41). Viele haben sich gefragt: Täuscht der Eindruck, oder bekommen immer mehr und jüngere Frauen Brustkrebs? Das sollten Frauen, aber auch Männer über die Krankheit wissen. 

Emotionale Nachrichten in den Medien rücken das Thema Brustkrebs an jeden Einzelnen heran. Dabei kennt aber auch jeder jemanden, der von Brustkrebs betroffen ist oder selber schon mal einen Knoten in der Brust bemerkt hat. Kein Wunder - denn: Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Jede neunte Frau in Deutschland ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts betroffen. Tendenz: steigend.

Immer mehr Frauen erkranken

Laut des letzten Welt-Krebsberichtes der WHO soll sich die Zahl aller Krebserkrankungen weltweit bis 2030 sogar verdoppeln. Brustkrebs gilt dabei nach Lungenkrebs als häufigste Diagnose. Und was viele nicht wissen: Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, auch wenn das seltener vorkommt.

Brustkrebs in Zahlen

  • Rund 70.000 Frauen und 600 Männer erkranken jedes Jahr in Deutschland neu an Brustkrebs.
  • Brustkrebs belegte im Welt-Krebsbericht 2012 mit fast 12 Prozent aller Fälle hinter Lungenkrebs Platz zwei in der Liste der häufigsten Krebsarten. 

Bekommen immer jüngere Frauen Brustkrebs?

Jana Thiel und Miriam Pielhau waren gerade einmal Anfang, Mitte 40 - viele fragen sich daher, ob immer jüngere Frauen an Brustkrebs erkranken? Tatsächlich ist dem aber nicht so: "Weniger als ein Drittel der Frauen mit Brustkrebs sind unter 55 Jahre alt", sagt Dr. Dankwart Rachor, Gynäkologe im TK-Ärztezentrum, "die meisten Frauen, bei denen Brustkrebs entdeckt wird, sind zwischen 45 und 65 Jahre alt."

Erkrankungsrisiko nach Alter

  • Im Alter von 45 Jahren muss eine von 47 Frauen damit rechnen, innerhalb der nächsten zehn Jahre zu erkranken. Mit 55 ist es eine von 31 Frauen.
  • Mit 65 ist das Erkrankungsrisiko am größten.
  • Im Vergleich dazu ist es im Alter von 35 Jahren nur eine von 110 Frauen, die damit rechnen muss, innerhalb der nächsten zehn Jahre zu erkranken.

(Quelle: Krebsinformationsdienst)

Warum Brustkrebs immer weiter zunimmt

Was Brustkrebs auslöst, ist Gegenstand vieler, zum Teil auch großer Studien. Aus ihnen lässt sich ableiten, dass neben dem Alter auch noch einige andere Faktoren das Erkrankungsrisiko beeinflussen:

  • Einnahme weiblicher Geschlechtshormone und Hormonersatztherapie
  • Ungesunde Essgewohnheiten und Übergewicht
  • Alkoholkonsum und Rauchen
  • Mangelnde Bewegung
  • Möglicherweise ererbte Risikogene
  • Umweltfaktoren wie Strahlenbelastung
  • Eine früh einsetzende und spät endende Monatsblutung

Experten sind sich zudem einig, dass verbesserte Diagnoseverfahren und das Brustkrebs-Screening, zu dem in Deutschland alle 50- bis 69-Jährigen im Abstand von zwei Jahren eingeladen werden, für die gestiegenen Brustkrebszahlen mitverantwortlich sind.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es heutzutage weniger Frauen gibt, die mehrere Kinder gebären und diese auch stillen? Denn einzelne Studien geben den Hinweis, dass das gegen Brustkrebs schützen kann. 

Vererbung: Nur für wenige Frauen ein Risiko

Die Vorstellung, Risikogene zu besitzen, die einen Einfluss auf die Brustkrebsentstehung haben, ist für viele beunruhigend. Vor allem seit die US-Schauspielerin Angelina Jolie 2013 öffentlich bekannt gab, dass sie sich aus Angst vor einer Krebserkrankung vorsorglich beide Brüste hat abnehmen lassen.   

Die "Brustkrebsgene" BRCA1 und BRCA2, die das Risiko deutlich steigern und in der Familie vererbt werden können, spielen vermutlich aber nur bei etwa fünf bis maximal zehn von hundert Patientinnen einen Rolle. BRCA ist eine Abkürzung für BReast CAncer, dem englischen Wort für Brustkrebs. Man kennt inzwischen allerdings einige weitere Genveränderungen, die an der Brustkrebsentstehung beteiligt sein können, ihr tatsächlicher Einfluss ist noch unklar.

Und was viele nicht wissen: Auch Männer können die veränderten Gene tragen. Genträger entwickeln wahrscheinlicher Darm- oder Prostatakrebs, aber auch Brustkrebs.

Schock: Ein Knoten in der Brust!

Die Angst vor Brustkrebs sitzt bei vielen Frauen tief. Entsprechend groß ist der Schock, wenn sich plötzlich ein Knoten in der Brust tasten lässt. Dies muss jedoch keine bösartige Veränderung sein, unabhängig davon, ob das Gebilde Schmerzen verursacht. Im Brustgewebe bilden sich auch flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, genannt Zysten. Sie sind zu mehr als 99 Prozent gutartig und erhöhen nicht das Brustkrebsrisiko.

Ob selbst oder vom Arzt entdeckt: "Frauen sollten jeden Knoten in der Brust untersuchen lassen", rät Dr. Dankwart Rachor, Gynäkologe im TK-Ärztezentrum, "wahrscheinlich ist der Knoten harmlos, aber um sicher zu gehen, ist eine Untersuchung wichtig." Weitere Veränderungen an der Brust können auffallen:

  • Veränderte Form und Größe der Brust
  • Eingezogene oder vorgewölbte Haut (Orangenhaut)
  • Austritt von Flüssigkeit aus der Brustwarze

Mithilfe der Röntgenuntersuchung der Brust (Mammografie) werden Veränderungen genauer angeschaut - auch wenn sie noch so klein sind.

Früherkennung mit Mammografie

Bei unauffälligem Befund haben Frauen zwischen 50 und 69 Jahren den Anspruch, alle zwei Jahre an der gesetzlichen Mammografie-Früherkennungsuntersuchung teilzunehmen. Die Röntgenuntersuchung soll helfen, Brustkrebs frühzeitig zu entdecken.

Verdacht ausräumen mit Gewebeentnahme  

Stuft der Arzt das Gewebe anschließend immer noch als verdächtig ein, hilft eine Gewebeprobe. Diese wird je nach Lage herausgestanzt oder geschnitten.

Handelt es sich um Krebs, fahndet der Arzt nach möglichen Tochtergeschwülsten (Metastasen). Metastasen bilden sich, wenn Tumorzellen über die Blut- oder Lymphbahnen in andere Körperbereiche getragen werden. Bei Brustkrebs können sich vor allem in Lunge, Leber oder Knochen zusätzlich Tumore bilden.

Wie sinnvoll ist der Brustkrebs-Check?

Dem Nutzen regelmäßiger Mammografie-Früherkennungsuntersuchungen steht auch Kritik gegenüber. Unter anderem wird kritisiert, dass Frauen im Anschluss oftmals belastende Eingriffe wie eine Gewebeentnahme über sich ergehen lassen müssen, obwohl gefundene Tumoren oft wenig bösartig sind. Sie entwickeln sich nicht zwangsläufig zu einer lebensgefährlichen Krebserkrankung. Mehr in der TK-Broschüre "Brustkrebs-Früherkennung"!

Operation - was kommt auf Frauen zu?

"Bei 80 bis 90 Prozent der Frauen ist der festgestellte Krebs örtlich begrenzt, operabel und damit in vielen Fällen vollständig heilbar", ermutigt Rachor und ergänzt: "Ist der Tumor kleiner als drei Zentimeter, kann die Brust meist erhalten werden. Größere Tumoren lassen sich mit der Chemotherapie verkleinern. Die folgende Operation fällt dann kleiner aus, sodass die Brust möglicherweise auch zu erhalten ist."

Manchmal muss der Arzt die ganze Brust und befallene Lymphknoten in der Achsel entfernen. Dann ist vielleicht der Brustaufbau ein wichtiges Thema. Möglich sind Kissen aus Silikon oder Kochsalz, aber auch eigene Muskeln oder Fettgewebe. Brusterhaltende Eingriffe sind manchmal sogar sofort noch während der OP möglich. Manche Frauen greifen auf Brustprothesen zurück.

Nach der OP - wie geht‘s weiter?

Rehabilitationsmaßnahmen helfen den betroffenen Frauen, wieder auf die Beine zu kommen. Manchmal können sich Frauen auf der operierten Seite nur eingeschränkt bewegen - dann wird Krankengymnastik verschrieben. Eine manuelle Lymphdrainage wird dann verordnet, wenn sich ein Lymphödem entwickelt hat.

Strahlen und Medikamente gegen Krebszellen

Frauen mit brusterhaltender Operation erhalten anschließend eine Strahlenbehandlung. Radioaktive Strahlen helfen, restliche Tumorzellen auch sicher zu beseitigen. Die moderne Strahlentherapie ist schonend.

Die Chemotherapie ist ein anderer Eckpfeiler der Therapie. Chemotherapeutika sind Zellgifte, die vor allem das Wachstum sich schnell teilender Zellen wie Krebszellen hemmen. Das hat einen Nachteil: Die Medikamente schädigen auch andere Zellen, etwa der Schleimhaut im Magen-Darm-Trakt, der Haarwurzel oder des Knochenmarks. Damit verbunden können Nebenwirkungen wie Erbrechen, Übelkeit, Haarausfall oder Blutbildveränderungen sein.

Wachstumsfördernde Hormone ausschalten

Dreiviertel der Brustkrebstumore reagieren empfindlich auf das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Medikamente können das Hormon entziehen und so das Tumorwachstum hemmen.

  • Tamoxifen: Das Antiöstrogen Tamoxifen wird häufig eingesetzt. Es besetzt die Östrogenrezeptoren des Tumors und blockiert somit die Wirkung der Geschlechtshormone. Dadurch teilen sich die östrogenabhängigen Krebszellen seltener. Die Behandlung kann zwei bis fünf Jahre lang andauern, täglich wird eine Tablette eingenommen.
  • Aromatasehemmer: Auch Aromatasehemmer blockieren das Wachstum hormonempfindlicher Brusttumoren. Sie blockieren die hauptsächlich im Fettgewebe stattfindende eierstockunabhängige Östrogenproduktion und hemmen somit das Tumorwachstum. Aromatasehemmstoffe werden täglich als Tablette eingenommen.
  • GnRH-Analoga: Sogenannte GnRH-Analoga können ebenfalls im Rahmen der Antihormontherapie bei Brustkrebs eingesetzt werden. GnRH-Analoga stören die Hormonproduktion in den Eierstöcken nachhaltig. Die GnRH-Analoga werden alle vier Wochen oder alle drei Monate als Depotspritze in die Bauchhaut gegeben.

Alternativmedizin

Ob Präparate mit Mistel, Selen oder Vitaminen: Sie sollen helfen, das Immunsystem anzuregen, um Krebs besser abzuwehren. Mistelpräparate könnten zum Beispiel die Nebenwirkungen einer Chemotherapie abschwächen. Allgemein fehlen aber wissenschaftlich anerkannte Beweise, dass alternative Behandlungen wirksam sind.

Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung

Eine Brustkrebserkrankung schockiert nicht nur die betroffenen Frauen, sondern auch den Partner beziehungsweise die ganze Familie. Körperlich verändert, Nebenwirkungen von Behandlungen, die Sorge, einen Rückfall zu erleiden - das ist belastend. Aber auch Arbeitsleben und Beziehung sind vielleicht verändert. Selbsthilfegruppen, psychologische Beratungen und Therapien können die Frauen, aber auch deren Partner und Familie, jetzt unter anderem unterstützen.

Anschlussrehabilitation

Eine Anschlussrehabilitation hilft vielen Frauen, wieder auf die Beine zu kommen. Sie umfasst in Deutschland meist ein dreiwöchiges, ganztägiges Angebot verschiedener Maßnahmen in einer spezialisierten Klinik. Patientinnen können sich während dieser Zeit von den direkten Folgen der Erkrankung und der Behandlung erholen und auf die Rückkehr in das gewohnte Leben vorbereiten.

Nachsorgetermine

Nach der Behandlung sind Nachsorgeuntersuchungen für alle Frauen wichtig. Um Rückfälle zu entdecken, finden diese Nachsorgeuntersuchungen in den ersten fünf Jahren in der Regel mehrmals im Jahr, ab dem sechsten Jahr jährlich statt. Wann genau die erste Untersuchung stattfinden soll, hängt vom individuellen Behandlungsplan ab.