Meistens sind ein Arzt und eine Arzthelferin anwesend. Der Arzt streicht etwas Vaseline oder ein anderes Mittel auf Ihren After, damit das Koloskop leichter in den Darm gleiten kann. Um den Darm zu "spiegeln“, also hineinzusehen, schiebt nun der Arzt das Koloskop in Ihren Dickdarm und führt die Kamera am Kopf des Schlauchs langsam um ein paar Kurven herum bis ans Ende des Dickdarms.

Was ist das Koloskop?

Das Koloskop ist ein 1,5 Meter langer elastischer Schlauch mit einem Führungsgriff. An der Schlauchspitze sitzen eine Kamera und ein (Mini-)Scheinwerfer. Die aufgenommenen Bilder kann der Arzt auf einem Monitor betrachten und archivieren.

Durch den Schlauch wird auch Luft in den Darm geblasen, um das Gewebe auszudehnen, damit man es besser betrachten kann. Außerdem lassen sich kleine Instrumente durch den Schlauch schieben: eine Schere, eine Schlinge oder ein Netz, um abgeschnittene Polypen abzutransportieren.

Vielleicht müssen Sie sich zwischendurch auf den Rücken legen oder auf die andere Seite. Manchmal hilft der Arzt auch von außen nach und drückt das Koloskop mit der Hand in die richtige Richtung. Dann zieht er den Schlauch mit der Kamera langsam heraus, dabei kann er die vorbeigleitende Darmwand auf einem Monitor genau betrachten. Die Aufnahmen der Kamera werden gespeichert, damit man sie später noch einmal betrachten kann.

Wenn der Arzt Polypen oder andere Adenome entdeckt, entfernt er sie mit der Schlinge und nimmt eine Probe, um sie zu untersuchen. Bei erfahrenen Ärzten dauert die Darmspiegelung 20 bis 30 Minuten. Sie kann sich aber auch auf 45 Minuten ausdehnen, je nachdem, ob Polypen oder Adenome entfernt werden oder nicht. Wenn der Arzt nichts entdeckt hat, folgen keine weiteren Untersuchungen. Wenn der Arzt Polypen oder andere Geschwüre entdeckt und entfernt hat, werden sie im Labor untersucht.

Manchmal findet der Arzt auch Hämorrhoiden, Entzündungen oder Fettgeschwülste, die, falls nötig, behandelt werden können.

Was Menschen oft fragen: Tut die Darmspiegelung weh?

Manchmal kommen Schmerzen vor. Deshalb bietet Ihnen der Arzt eine Narkose an. Die Darmschleimhaut hat zwar keine Nerven und kann deshalb auch nicht wehtun. Aber weil bei der Untersuchung auch Luft in den Darm gepumpt wird, dehnt sich das Bauchfell. Während der Spiegelung können auch die Bänder, die den Darm im Bauchraum halten, gezerrt werden. Beides kann Schmerzen bereiten. Besonders bei Menschen mit vorausgegangenen Unterleibsoperationen kann es wegen der Narben im Körper leichter zu Schmerzen kommen.

Wie bereite ich die Darmspiegelung vor?

Vor der Untersuchung muss der Dickdarm von innen vollständig entleert werden. Deshalb gibt Ihnen der Arzt am Tag vor der Untersuchung ein starkes Abführmittel und zwei bis drei Liter Flüssigkeit zu trinken. Meistens untersucht der Arzt auch Ihr Blut. Er will damit sicherstellen, dass es nicht zu flüssig ist, sonst würden kleine Wunden nach einer Polypenentfernung schlecht verheilen.

Sprechen Sie mit dem Arzt, der Sie untersucht, auch über Ihre Angst, wenn Sie vor der Untersuchung nervös sind. Besprechen Sie auch Fragen der Intimsphäre während der Untersuchung, wenn Ihnen die Darmspiegelung unangenehm und peinlich sein sollte. Auch wenn Sie Fragen zur Sauberkeit in der Praxis haben - sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.

Wenn Sie es wünschen, erhalten Sie direkt vor der Untersuchung ein Beruhigungs- oder Betäubungsmittel, um das Schmerzempfinden und die Nervosität zu dämpfen. Es gibt Wirkstoffe, die nur beruhigen, oder solche, die Sie wirklich betäuben. In diesem Fall muss ein zweiter Arzt bei der Untersuchung dabei sein. Beide Präparate haben den gleichen Effekt: Nach der Untersuchung erinnern Sie sich nicht mehr an sie.

Die Darmspiegelung selber ist für die allermeisten Menschen kein Problem, weil man sich wegen der Arzneimittel nicht mehr an die Untersuchungen erinnern kann. Studienauswertungen der Universität Hamburg zeigen: 750 von 1.000 Untersuchten finden die Darmspiegelung nicht unangenehm oder beängstigend. Vor allem die Vorbereitungen und die Darmreinigung sind vielen Menschen unangenehm.

Was Menschen oft fragen: Kann ich nur nach einem Stuhltest zur Früherkennungsdarmspiegelung gehen?

Nein, Sie müssen nicht eigens den Stuhltest machen, um zur Darmspiegelung zu gehen. Bei erblichem Darmkrebs oder Colitis ulcerosa, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, empfiehlt es sich, öfter als einmal eine Darmspiegelung machen zu lassen.

Manchmal rät auch der Frauenarzt zur Untersuchung. Sie können die Untersuchung auch im Rahmen eines "Check-ups“ in Anspruch nehmen, vorausgesetzt, Sie sind 55 Jahre alt oder älter.

Was bringt mir die Darmspiegelung?

Grundsätzlich gilt die Darmspiegelung heute als beste Möglichkeit, Darmkrebs zu entdecken. Ungefähr 950 von 1.000 Erkrankungen können per Darmspiegelung entdeckt werden. Das schätzen Experten.

Wenn während der Spiegelung bei Ihnen kein Darmkrebs gefunden wird, können Sie beruhigt sein. Laut einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums erkranken 74 von 100 Menschen nach einer Früherkennungsdarmspiegelung ohne Befund auch nicht im Laufe der nächsten 20 Jahre an Darmkrebs. 26 Menschen erkranken aber dennoch.

Selbst wenn bei Ihnen ein Krebs entdeckt wird, stehen Ihre Chancen 50 zu 50, dass Sie noch erfolgreich operiert werden können. So wurden bei 1.000 Darmspiegelungen bei Menschen über 55 statistisch genau acht Tumore entdeckt, drei bis vier von ihnen in einem Frühstadium.

Frühstadien können in der Regel erfolgreich operiert werden. Andererseits kann der Arzt auch Polypen und Adenome übersehen. Bei Interviews mit Darmkrebspatienten in Amerika hat man im Nachhinein festgestellt, dass hochgerechnet zwischen 60 und 120 von 1.000 Betroffenen eine Darmspiegelung zur Früherkennung gemacht hatten, bei der große Adenome aber nicht entdeckt wurden. Das kann verschiedene Gründe haben.

Manchmal gelingt es nicht, den ganzen Dickdarm vor der Spiegelung zu säubern, um hineinzusehen. Bei durchschnittlich 80 von 1.000 Menschen ist das so. Das hat eine Studie aus dem Jahr 2007 ergeben.

Welche Verletzungen können auftreten?

Weil der Arzt nicht weiß, welche Adenome und Polypen zu einem Krebs werden, entfernt er alle, die er findet. Bei etwa 200 von 1.000 untersuchten Menschen werden Adenome entfernt - auch wenn die meisten nie zu einem Krebs geworden wären.

Bei diesen kleinen Operationen treten manchmal Verletzungen auf: So könnte Ihr Darm bei der Untersuchung oder der Entfernung von Polypen verletzt werden. Es kann auch sein, dass Sie das Narkosemittel nicht gut vertragen und Kreislaufbeschwerden bekommen - manchmal noch Tage nach der Untersuchung. Manche Menschen haben durch die Medikamente Probleme mit Herz oder Atmung. Besonders älteren Menschen geht es so. Insgesamt treten solche Verletzungen oder andere Probleme bei drei bis vier von 1.000 untersuchten Menschen auf.

Was Menschen oft fragen: Schützt die Darmspiegelung davor, an Darmkrebs zu sterben?

Viele Berechnungen weisen darauf hin, dass die Darmspiegelung die Wahrscheinlichkeit senkt, an Darmkrebs zu sterben. Aber genau weiß man es nicht. Um diese Frage sicher zu beantworten, müsste man zwei Gruppen von Menschen miteinander vergleichen: eine, die regelmäßig zur Darmspiegelung geht, und eine andere, die nie zur Darmspiegelung geht.

Nach einigen Jahren könnte man dann ermitteln, wie viele Menschen aus welcher Gruppe krank geworden oder sogar an Darmkrebs gestorben sind. Erst dann ließen sich die Zahlen miteinander vergleichen. Eine solche Studie wird es aber wohl nie geben. Denn es ist ethisch unvertretbar, die Mitglieder der einen Gruppe davon abzuhalten, zur Darmspiegelung zu gehen.

Die Frage, wie viele Menschen durch eine Darmspiegelung vor dem Tod durch Darmkrebs bewahrt werden, wird wohl auch in Zukunft offenbleiben. Neueste Zahlen legen aber nahe, dass die Darmspiegelung den Tod durch Krebs in einem bestimmten Abschnitt des Darms senken kann. Und eine Nachberechnung von 1,8 Millionen Darmspiegelungen lässt darauf schließen, dass sie zwischen 2003 und 2010 wahrscheinlich 7.500 Menschen vor dem Tod durch Darmkrebs bewahren konnte.

Wie hilfreich ist die vorgezogene Diagnose?

Manchmal entdeckt der Arzt bei der Darmspiegelung einen Darmkrebs, der sich als unheilbar herausstellt, ohne dass er sich von allein - zum Beispiel durch Schmerzen - bemerkbar gemacht hat. Der betroffene Mensch wird also ziemlich sicher an der Krankheit sterben.

So eine "vorgezogene Diagnose“ kann entweder sehr hilfreich für den Betroffenen sein oder aber sehr belastend. Vielleicht bleiben dem Kranken durch die nun frühere Behandlung Schmerzen erspart. Andererseits: Eine notwendig gewordene Operation kann den Darm verkürzen und zu unangenehmem Stuhlgang führen. Auch eine anschließende Chemotherapie kann die Lebensqualität sehr verschlechtern. Bei Männern führt die Operation manchmal zu Impotenz.

Aber selbst die Diagnose "unheilbar“ kann falsch sein. Nach Expertenmeinung können 15 von 100 Patienten noch gut operiert werden und die Hälfte davon wird ganz geheilt.

Allgemein lässt sich wohl nur sagen: Der vorgezogene Schritt vom gesunden Menschen zum Krebspatienten verändert Leben und Alltag der Betroffenen vollkommen. Es liegt dann an der Einschätzung des Einzelnen, welche Behandlungen oder Lebensumstände er als besonders belastend empfinden würde.

Mancher würde sich an einen künstlichen Darmausgang gewöhnen können, ein anderer nicht. Manche vertragen eine Chemotherapie besser als andere. Für ältere Männer wäre Impotenz nach einer Darmkrebs-OP vielleicht ein geringeres Problem als für jüngere.

Was passiert nach der Darmspiegelung?

Nach der Untersuchung brauchen Sie Zeit, um sich zu erholen. Einige Stunden lang sind Sie wegen der Betäubungsmittel nicht verkehrstüchtig. Lassen Sie sich unbedingt von Freunden, Verwandten oder einem Taxi nach Hause fahren.

Wenn der Arzt aus Ihrem Darm Polypen oder Adenome entnommen hat, wird er dieses Gewebe unter dem Mikroskop untersuchen lassen. So lässt sich erkennen, ob vielleicht Krebs oder eine gefährliche Vorstufe von Krebs zu finden ist. Meistens ist das Gewebe aber harmlos. Dann folgen keine weiteren Untersuchungen.

Aber manchmal findet sich auch Darmkrebs. In diesen Fällen wird das Gewebe weiter untersucht, um Genaueres über den Tumor zu erfahren, zum Beispiel wie weit er fortgeschritten ist und ob es sich um einen besonders schnell wachsenden Tumor handelt oder nicht. Von den Früherkennungsdarmspiegelungen in Deutschland weiß man: Wenn Krebs entdeckt wurde, war er meistens noch in einem sehr frühen Stadium. Entsprechend groß waren die Heilungschancen.

Wie gut wird die Früherkennungsdarmspiegelung in Deutschland genutzt?

Nur wenige Deutsche gehen zur Früherkennungsdarmspiegelung, so die aktuelle Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI).

Zwischen 2003 und 2010 hätten von 20 Millionen Anspruchsberechtigten 4,2 Millionen das Angebot einer Darmspiegelung wahrgenommen. Das sind aus der Hauptzielgruppe der 55- bis 74-Jährigen 18,3 Prozent der Männer und 20,1 Prozent der Frauen. Seit 2005 stagnierten diese Zahlen, so das ZI.

Nach der Untersuchung sind aber viele sehr zufrieden und erleichtert, hat eine kleine Patientenbefragung ergeben. 99 von 100 Patienten würden sich danach wieder einer solchen Untersuchung unterziehen und empfehlen sie als Vorsorgemaßnahme weiter.

Wie werden Tumoren nach Größe und Stadium eingeteilt?

Art und Ausdehnung eines Tumors ermitteln die Mediziner durch eine Gewebeuntersuchung. Das Ergebnis fassen sie im sogenannten "Staging“ und "Grading“ zusammen.

Das "Staging" beschreibt das Stadium der Erkrankung, also wie weit der Krebs fortgeschritten ist. Die Mediziner unterscheiden hier meistens sogenannte TNM-Stadien:

  • T1-T4 = Ausdehnung des Tumors
  • N0-N3 = Befall von Lymphknoten
  • M0-M1 = Metastasenbildung

Je höher die Ziffer, desto weiter hat sich der Tumor ausgedehnt. Je nachdem, ob der Tumor schon ein zweites Mal aufgetreten ist oder ob er zum Beispiel unter dem Mikroskop untersucht wurde, werden der TNM-Klassifikation noch kleine Buchstaben hinzugefügt. Es gibt vier solche Buchstaben. Ein TNM-Staging könnte dann so aussehen: T2N0M1.

Das "Grading“ beschreibt die Aggressivität oder "Malignität“ des Tumors, also wie bösartig die Tumorzellen sind, und zwar in vier Stufen: G1-4. Bei G1 ähneln die Tumorzellen noch denen der Darmschleimhaut, sie sind also nicht so aggressiv, bei G4 unterscheiden sie sich stark von ihnen und sind sehr aggressiv. Nach einer Operation wird auch ermittelt, ob ein Resttumor ("R“ für "Residualtumor“) im Körper zurückgeblieben ist. Die Ärzte unterscheiden hier zwischen R0-R2. R0 = kein Resttumor, R1 = Resttumor, der unter dem Mikroskop zu erkennen ist, und R2 = Resttumor, der auch mit dem bloßen Auge zu sehen ist.