In ihm werden alle wichtigen Daten der Schwangerschaft und Untersuchungsergebnisse dokumentiert.

Der Mutterpass ist ein wichtiges Dokument, das die Schwangere immer bei sich führen sollte.

Im Folgenden werden die wichtigsten Einträge im Mutterpass für Sie erläutert.

Serologische Untersuchungen

Auf den Seiten zwei und drei des Mutterpasses finden sich die Ergebnisse der sogenannten serologischen Untersuchungen aus dem Blut der Mutter. Serum nennt man das Blut ohne die festen Bestandteile.

Blutgruppenzugehörigkeit

Hier ist die Einteilung des Blutes nach dem AB0-Blutgruppensystem gemeint. Es gibt vier verschiedene Blutgruppen: A, B, AB und 0. Die Blutgruppenbestimmung ist unter anderem wichtig, falls Bluttransfusionen notwendig werden sollten. Sie spielt auch eine Rolle bei einem Vaterschaftsnachweis.

Antikörper-Suchtest

Die Bestimmung der Anti-D-Antikörper erfolgt routinemäßig zweimal in der Schwangerschaft, bei Rhesusfaktor negativen Müttern mehrmals. Wenn sich bis zur 28. bis 30. Woche bei einer Rhesusfaktor negativen Mutter keine Anti-D-Antikörper nachweisen lassen, wird eine Anti-D-Prophylaxe durchgeführt. Dabei spritzt man die Anti-D-Antikörper, um zu verhindern, dass sie die Mutter bei Kontakt mit dem Blut des Kindes selbst bildet.

Röteln-Hämagglutinationshemmungstest (Röteln-HAH Test)

Bei diesem Test wird untersucht, ob die Schwangere Antikörper gegen das Rötelnvirus im Blut hat. Röteln sind eine an sich meist harmlose Krankheit, die aber in den ersten vier Monaten der Schwangerschaft zu ernsten Schädigungen des Kindes führen kann.

Hat bereits vor der Schwangerschaft eine Röteln-Infektion oder -Impfung stattgefunden, ist die Schwangere immun. Ist dies nicht der Fall, sollte die Frau unbedingt den Kontakt zu Erkrankten meiden. Bei Verdacht auf eine stattgefundene Infektion sollten diese Mütter sofort den Arzt aufsuchen.

Nachweis von Chlamydia trachomatis-Antigen aus der Zervix

Chlamydien sind die häufigsten Verursacher einer Entzündung des Gebärmutterhalses (Zervix). Die Infektion kann zu schweren Entzündungen der Gebärmutter und/oder der Eierstöcke führen, sie kann aber auch unbemerkt verlaufen. Chlamydien können einen vorzeitigen Blasensprung verursachen und während der Geburt das Neugeborene infizieren. Gefürchtet ist eine Infektion der Augen. Eine Chlamydieninfektion muss daher während der Schwangerschaft behandelt werden.

Luessuchreaktion (LSR)

In den Mutterpass eingetragen wird nur, dass eine Untersuchung auf Lues (Syphilis) stattgefunden hat, nicht das Ergebnis. Lues kann zu einer schweren Schädigung des Kindes führen. Falls durch die Untersuchung oder allgemein der Verdacht auf Lues besteht, müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Sollte sich der Verdacht bestätigen, muss die Therapie noch während der Schwangerschaft eingeleitet werden.

HBs-Antigen

Untersucht wird auf das Vorliegen einer Infektion mit Hepatitis B-Viren. Diese Infektion verläuft unter Umständen schleichend und symptomarm. Das Kind kann durch eine Impfung nach der Geburt zu 90 Prozent vor einer Ansteckung geschützt werden.

Anamnese und besondere Befunde

Als Anamnese bezeichnet man die Erhebung der Vorgeschichte der Schwangeren. Anhand der Fragen auf den Seiten fünf und sechs des Mutterpasses soll abgeklärt werden, ob ein erhöhtes Schwangerschaftsrisiko für die Mutter und/oder das Kind besteht.

Erläuterung einiger Begriffe in alphabetischer Reihenfolge:

  • Abusus: Missbrauch von Medikamenten oder Genussmitteln
  • Adipositas: Übergewicht
  • Anämie: Blutarmut
  • Einstellungsanomalie: Die Einstellung beschreibt die genaue Lage des Kindes in der Gebärmutter und im Geburtskanal. Anomalie bedeutet eine Abweichung vom Normalfall
  • Gestationsdiabetes: Zuckerkrankheit, die während der Schwangerschaft auftritt
  • Gravida: Anzahl der vorausgegangenen Schwangerschaften einschließlich eventueller Fehlgeburten
  • Hydramnion beziehungsweise Oligodramnie: Mit Hydramnion ist zu viel, mit Oligodramnie zu wenig Fruchtwasser gemeint.
  • Hypertonie: Bluthochdruck
  • Hypotonie: Niedriger Blutdruck
  • Indirekter Coombs-Test: Testverfahren auf Antikörper gegen rote Blutkörperchen, zum Beispiel Anti-D-Antikörper bei rhesusnegativer Mutter und rhesuspositivem Vater
  • Isthmozervikale Insuffizienz oder Zervixinsuffizienz: Schmerzfreie und ohne Wehentätigkeit auftretende unbemerkte Verkürzung des Gebärmutterhalses und Erweiterung des Muttermundes, die zu einer Frühgeburt führen können. Ursache ist eine angeborene oder traumatisch bedingte Schwäche des Gebärmutterhalses.
  • Ödeme: Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe
  • Para: Anzahl der vorausgegangenen Geburten (ab der 21. SSW nach Empfängnis)
  • Placenta praevia: Eine ungünstige Lage der Plazenta im unteren Teil der Gebärmutter. Eine Placenta praevia ragt über den inneren Muttermund hinaus und kann zu Blutungen führen oder den Geburtsweg versperren. Mithilfe der Ultraschalluntersuchung kann die Lage der Plazenta kontrolliert werden.
  • Plazenta-Insuffizienz: Von Plazenta-Insuffizienz spricht man, wenn die Plazenta nicht in der Lage ist, das Kind ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen.
  • Rhesus-Inkompatibilität: Erfasst werden sollen bereits aufgetretene Komplikationen bei einer rhesus-negativen Mutter mit einem rhesus-positiven Kind.

Gravidogramm

Auf den Seiten acht und neun des Mutterpasses, beim zweiten Kind auf den Seiten 23 und 24 werden die Untersuchungsergebnisse im Verlauf der Schwangerschaft dokumentiert.

SSW

Schwangerschaftswoche

Fundusstand beziehungsweise Symphysen-Fundusabstand

Gemeint ist der Abstand des oberen Gebärmutterrandes (Fundus) und der Schambeinfuge (Symphyse). Der Fundusstand nimmt bis zur 36. Schwangerschaftswoche zu und senkt sich zum Geburtstermin wieder etwas ab.

Kindslage

Damit ist die Lage des Babys in der Gebärmutter gemeint. In den ersten sechs Schwangerschaftsmonaten dreht und wendet sich das Baby und man kann noch keine Voraussage über die endgültige Lage bei der Geburt machen. Bis zum Ende der Schwangerschaft haben 96 Prozent der Kinder die Schädellage eingenommen.

  • SL: Schädellage, das Kind liegt mit dem Kopf nach unten im Geburtskanal (die häufigste Kindslage), dabei wird zwischen Hinterhauptlage (der Hinterkopf führt im Geburtskanal), Scheitellage (der Scheitel führt im Geburtskanal), Vorderhauptlage (der vordere Kopfanteil führt im Geburtskanal), Stirnlage (die Stirn führt im Geburtskanal) und Gesichtslage (das Gesicht des Kindes liegt führend im Geburtskanal) unterschieden.
  • BEL: Beckenendlage, das Baby liegt mit dem Gesäß nach unten im Geburtskanal, die Beinhaltung kann variieren und entscheidend für den Geburtsverlauf sein.
  • QL: Querlage, das Baby liegt quer zur Wirbelsäule der Mutter
  • E: Einstellung, das Baby ist mit dem führenden Körperteil, meist dem Kopf, ins Becken eingetreten.

Herztöne

Die Herzaktion des Babys ist auf dem Ultraschallbild bereits ab der sechsten bis siebten SSW zu erkennen. Das Abhören der Herztöne mittels Dopplersonografie (besondere Form des Ultraschalls zur Darstellung des Blutflusses in Blutgefäßen) ist meist ab der zwölften SSW möglich. Mit dem Stethoskop können die kindlichen Herztöne erst ab der 20. SSW wahrgenommen werden.

Kindsbewegung

Der Zeitpunkt, an dem Schwangere die ersten Kindsbewegungen verspüren, ist individuell sehr unterschiedlich. Erstgebärende nehmen meist erst ab der 20. SSW, Zweit- oder Mehrgebärende ab der 17. SSW, die Bewegungen Ihres Babys wahr. Diese nehmen dann kontinuierlich zu. Die Kindsbewegungen können natürlich auch im Ultraschall festgehalten werden. Kindsbewegungen gelten als ein Zeichen, dass es dem Baby gut geht. Eine gravierende Abnahme der Kindsbewegungen oder ungewöhnlich heftiges Strampeln können Hinweise auf eine Gefährdung des Kindes sein.

Varikosis und Ödeme

Ödeme sind Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe, zum Beispiel in den Beinen. Varikosis beschreibt die Erweiterung von venösen Blutgefäßen beziehungsweise Krampfadern. Diese treten gerne hormonell bedingt in der Schwangerschaft erstmalig auf und bilden sich oft wieder zurück. Zur Vorbeugung gilt: Beine hochlagern, für ausreichende Bewegung sorgen und eventuell Kompressionsstrümpfe tragen.

Gewicht

Die durchschnittliche Gewichtszunahme in der Schwangerschaft beträgt etwa elf bis 15 Kilogramm. Entscheidend ist das Ausgangsgewicht. Untergewichtige Frauen sollten in der Schwangerschaft mehr, übergewichtige Frauen eher weniger zunehmen.

In den ersten drei Monaten bleibt das Körpergewicht im Allgemeinen unverändert oder nimmt sogar aufgrund von Übelkeit und Erbrechen geringfügig ab. In den darauf folgenden Monaten gilt eine Gewichtszunahme von bis zu 500 Gramm pro Woche als normal. Eine plötzliche starke Gewichtszunahme kann ein Hinweis auf eine vermehrte Flüssigkeitseinlagerung sein und muss untersucht werden.

Blutdruck

RR, zum Beispiel 120/60 mm/Hg. Die erste Zahl entspricht dem oberen (systolischen) Blutdruckwert, die zweite Zahl dem unteren (diastolischen) Blutdruckwert.

Hb (Ery)

Bestimmung des roten Blutfarbstoffes (Hb oder Hämoglobin) in den roten Blutkörperchen (Ery oder Erythrozyten). Damit kann festgestellt werden, ob eine Blutarmut vorliegt, zum Beispiel aufgrund eines Eisenmangels.

Sediment

Untersuchungen aus dem Mittelstrahlurin beziehungsweise aus dem Urin-Sediment. Das Sediment wird gewonnen, indem der Urin zentrifugiert wird. Der Urin wird auf die Ausscheidung von Zucker (zum Beispiel bei Diabetes), Eiweiß (zum Beispiel bei Nierenschädigung), Nitrit (zum Beispiel bei Bakterien im Urin) und Blut (zum Beispiel bei Nierenschädigung oder Infektion) untersucht.

Ultraschall

Es sind drei Ultraschalluntersuchungen im Rahmen der Schwangerenvorsorge vorgesehen. Dabei wird die zeitgerechte Entwicklung des Kindes anhand von verschiedenen Messungen untersucht. Die Ergebnisse werden auf der Seite zehn des Mutterpasses dokumentiert.

Schwangerschaftswoche (SSW)

Die SSW kann über die Größenmessungen im Ultraschall auf plus/minus fünf Tage genau angegeben werden.

Fruchtsackdurchmesser (FS)

Der Fruchtsack kann ab der fünften SSW zum Nachweis einer intakten Schwangerschaft in der Frühschwangerschaft dargestellt werden.

Scheitel-Steiß-Länge (SSL)

Länge des Babys vom äußersten Kopfende bis zum äußersten Steißende. Die SSL gilt als sicherstes Maß zur genauen Bestimmung der Schwangerschaftsdauer.

Biparietaler Durchmesser (BPD)

Damit ist der Querdurchmesser des kindlichen Kopfes gemeint.

FOD/KU

FOD - Fronto-okziptaler Durchmesser oder Längsdurchmesser des kindlichen Kopfes. KU - Kopfumfang. Der Umfang des kindlichen Kopfes.

Abdomenquerdurchmesser - ATD

Das ist der Durchmesser von der einen Seite des kindlichen Bauches bis zur anderen Seite.

APD/AU

APD - Anterior-posteriorer Durchmesser, ausgemessen wird der kindliche Bauch von vorne nach hinten. AU - Abdomenumfang, Umfang des kindlichen Bauches.

FL/HL

FL/HL - Femurlänge/Humeruslänge. Gemessen wird die Länge des kindlichen Oberschenkelknochens (Femur) und des Oberarmknochens (Humerus).

Abschluss-Untersuchung/Epikrise

Hier werden die wichtigsten Daten über die Geburt und die Befunde der Abschluss-Untersuchung vor der Entlassung aus der Klinik eingetragen.

Der Geburtsmodus

Die Art der Entbindung:

  • Spontan (sp) heißt vaginale Entbindung ohne operativen Eingriff
  • Sectio (S) bedeutet Kaiserschnitt
  • Vaginale Operation (vag. Op.) steht für Zangengeburt oder Einsatz der Saugglocke

Die Kindslage

Die Lage des Kindes bei der Entbindung:

  • Schädellage (SL): Der Kopf des Kindes wird als Erstes geboren
  • Beckenendlage (BEL): Das Kind lag mit dem Becken nach unten im Geburtskanal
  • Querlage (QL): Das Kind lag quer im Geburtskanal

Die Apgar-Zahl 5'/10'

Fünf und zehn Minuten nach der Geburt wird die sogenannte Apgar-Zahl des Neugeborenen bestimmt.

Untersucht werden:

  • Atmung
  • Herzfrequenz
  • Muskeltonus
  • Hautfarbe
  • Reflexe beim Absaugen

Für jeden Punkt werden null bis zwei Punkte vergeben. Die Apgar-Zahl errechnet sich aus der Punktsumme der Einzeluntersuchungen. Sie kann demnach maximal zehn betragen.

Wochenbett

Fieber im Wochenbett, Störungen der Wundheilung oder allgemeine Gesundheitsstörungen im Zusammenhang mit der Geburt werden aufgezeichnet.

Gynäkologischer Befund

Im Rahmen der Abschlussuntersuchung vor Entlassung aus der Klinik wird die Rückbildung der Gebärmutter, die Heilung eventueller Geburtsverletzungen wie Dammriss und die Brust beurteilt.