Zu den Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch gehören bei Frauen zum Beispiel hormonelle Störungen, Schädigungen des Eileiters oder eine Endometriose. Auch beim Mann können hormonelle Störungen vorliegen, außerdem kann die Samenproduktion und -qualität eingeschränkt sein oder die Samenleiter sind verschlossen. Aber auch bestimmte Krankheiten und Infektionen, sexuelle Probleme, genetische oder Umwelteinflüsse können die Fruchtbarkeit stören. Mit zunehmendem Alter vor allem der Frau sinkt zudem die Chance eines Paares, auf natürlichem Wege ohne lange Wartezeit ein Kind zu bekommen.

Wie können Störungen der Fruchtbarkeit behandelt werden?

Welche Behandlung infrage kommt, hängt vor allem von der Art der Fruchtbarkeitsstörung bei einer Frau oder einem Mann ab. So können Hormonpräparate zum Beispiel eingesetzt werden, wenn der Monatszyklus der Frau oder der Hormonhaushalt des Mannes gestört ist. Wenn die Spermien des Mannes nicht sehr beweglich sind, kann der Samen direkt in die Gebärmutter der Frau übertragen werden. Diese Methode wird Insemination genannt.

Als Alternativen kommen auch die In-vitro-Fertilisation (IVF) und die Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) infrage. Bei beiden Verfahren nimmt die Frau fast immer zunächst Hormone ein, die Eizellen heranreifen lassen. Der Eisprung kann ebenfalls hormonell ausgelöst werden. Dann werden die Eizellen während eines kleinen Eingriffs mit einer dünnen Hohlnadel durch die Scheide entnommen. Dies geschieht in Kurznarkose oder nach Gabe von Schmerz- und Beruhigungsmitteln. Wenn möglich, gewinnt der Mann die Samenzellen durch Masturbation. Die Befruchtung findet dann außerhalb des Körpers der Frau statt:

  • Bei der IVF werden Eizellen und Samenzellen in einer Petrischale zusammengebracht. Wenn die Befruchtung erfolgreich war, werden einige Tage danach höchstens drei Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt.
  • Bei der ICSI wird ein Spermium mit einer sehr feinen Nadel direkt in eine Eizelle gespritzt. Auf diese Weise können so viele Eizellen befruchtet werden, wie der Frau übertragen werden sollen. Auch bei der ICSI werden höchstens drei Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt.

Mittlerweile wird die ICSI bei etwa 75 Prozent der durchgeführten künstlichen Befruchtungen eingesetzt. Für die ICSI ist nur eine einzige befruchtungsfähige Samenzelle pro Eizelle nötig. Die ICSI kann die Aussichten auf eine Befruchtung deshalb auch dann verbessern, wenn die Samenflüssigkeit des Mannes nur wenige befruchtungsfähige Spermien enthält. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass die ICSI bei schlechter Spermienqualität erfolgversprechender ist als eine IVF. Eine ICSI kann auch nach einer erfolglosen IVF zum Einsatz kommen.

Spermiogramm und Behandlungsauswahl

Um festzustellen, wie befruchtungsfähig die Samenzellen des Mannes sind, werden die Spermien untersucht und die Ergebnisse in einem sogenannten Spermiogramm festgehalten. Es gibt unter anderem Aufschluss über die Menge der gewonnenen Samenflüssigkeit, die Spermienkonzentration, die Anzahl der beweglichen sowie der normal geformten Spermien. Weil Spermiogramme unterschiedlich ausfallen können, wird die Untersuchung oft im Abstand von einigen Wochen wiederholt.

Um die passende Behandlung für ein Paar auswählen zu können, ist eine wichtige Frage, bei welchen Spermiogramm-Werten die IVF oder die ICSI am erfolgversprechendsten ist. In anderen Worten: Ab welchen Werten ist die Spermienqualität so schlecht, dass eine ICSI die aussichtsreichere Behandlung wäre? Die zweite wichtige Frage ist außerdem, ob die ICSI Paaren, die bereits einen erfolglosen IVF-Versuch hinter sich haben, eher zu einem Kind verhilft als eine weitere IVF.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ist diesen Fragen gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Hamburg und Gießen nachgegangen. Dazu hat die Forschergruppe nach zuverlässigen Studien gesucht, die ICSI und IVF miteinander verglichen und dabei Angaben zum Spermiogramm gemacht haben. Sie fand vier Studien, die diese Kriterien erfüllten. Allerdings zeigten die Spermiogramme aller teilnehmenden Männer normale Werte. Deshalb ließ sich die eigentliche Forschungsfrage - ab welchen Spermiogramm-Werten die ICSI besser abschneidet als die IVF - anhand der Studiendaten nicht beantworten.

Bei den untersuchten Paaren fanden die Studien weder in der Zahl der Lebendgeburten noch in der Fehlgeburtsrate Unterschiede zwischen IVF und ICSI.

Zur zweiten Frage fanden die Wissenschaftler gar keine Studien. Das heißt, ob eine ICSI nach einer erfolglosen IVF eher zu einem Kind verhilft als eine erneute IVF, ist bisher noch nicht untersucht worden.