Während und kurz nach der Geburt sterben nur 0,5 Prozent der Babys. Trotz aller Vorsorge kommt es aber bei etwa sechs bis sieben Prozent der Schwangerschaften zu einer Frühgeburt, das heißt, die Kinder kommen vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Meist haben die Babys auch ein zu geringes Geburtsgewicht. Frühgeborene werden nach ihrem Geburtsgewicht in drei Gruppen unterteilt:

  • Neugeborene mit extrem geringem Geburtsgewicht (unter 1.000 Gramm)
  • Neugeborene mit sehr geringem Geburtsgewicht (1.000 bis 1.500 Gramm)
  • Neugeborene mit geringem Geburtsgewicht (1.500 bis 2.500 Gramm)

Dabei haben besonders Neugeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm ein erhöhtes Risiko für Komplikationen - das sind ungefähr eins von 100 Neugeborenen (1 Prozent).

Die Anzahl der Kinder mit sehr geringem Geburtsgewicht hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: So bekommen immer mehr Frauen in einem höheren Alter Kinder, und es entstehen mehr Schwangerschaften durch künstliche Befruchtung. Auch Mehrlingsschwangerschaften erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt.

Trotz der Fortschritte auf dem Gebiet der Neugeborenen-Intensivmedizin bestehen besonders für die sehr früh, nämlich vor der 32. Woche geborenen Kinder Probleme. Sie haben mit zahlreichen, zum Teil schwerwiegenden oder bleibenden gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen.

Wann ist ein Kind ein Frühgeborenes?

Nach dem Mutterschutzgesetz gilt ein lebend geborenes Kind, das bei der Geburt weniger als 2.500 Gramm wiegt, als Frühgeborenes. Das Gesetz orientiert sich also ausschließlich am Gewicht des Neugeborenen.

Medizinisch gesehen gilt ein Kind als Frühgeburt, das vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche (vom ersten Tag der letzten Periode an gerechnet) oder mehr als drei Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin geboren wurde.

Vorhersagen sind schwer zu treffen

Zwei Drittel aller Kinder, die während oder kurz nach der Geburt sterben, kommen vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt. "Eine strikte Grenze zu ziehen, ob ein Frühgeborenes überleben wird oder nicht, ist allerdings nicht möglich", sagt Maria Schwormstedt, Ärztin bei der Techniker Krankenkasse.

"Es gibt ganz große individuelle Unterschiede. Manche Kinder werden sehr früh geboren, und haben doch einen so starken Lebenswillen, dass sie die kritische Zeit überstehen. Und manche Frühgeburt schafft es nicht, obwohl die Prognose sehr gut ist. Sogar Kinder, die bei der Geburt nur circa 500 Gramm gewogen haben, können ohne Spätschäden überleben", so Schwormstedt.

Die Lunge ist zu schlecht entwickelt

"Wirkliche Probleme machen vor allem Kinder, die vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen", sagt Karl Schneider, Leiter der Abteilung für Perinatalmedizin der Frauenklinik rechts der Isar der Technischen Universität München.

Diese Kinder haben sehr oft neurologische Behinderungen. Schneider zufolge machen sie nur ein Prozent aller Schwangerschaften, aber 40 Prozent aller Probleme aus.

Ärzte versuchen alles, um das Leben des zu früh geborenen Kindes zu retten. Der Brutkasten soll die Gebärmutter der Frau ersetzen. Hauptproblem sind die noch unreifen Lungen, die eine Sauerstoffversorgung außerhalb des Mutterleibs nur eingeschränkt gewährleisten. Deshalb ist die Förderung der Lungenreife mittels entsprechender Medikamente bei drohender Frühgeburt wichtig. Allerdings, räumt Professor Schneider ein, sehe man mittlerweile von routinemäßigen Wiederholungsgaben ab.

Notbremse des Kindes

Auch wenn die Ursache von Frühgeburten nicht immer klar ist, kann eine frühzeitige Wehentätigkeit auch eine Notbremse des Kindes aufgrund einer bestehenden Unterversorgung bedeuten. In einem solchen Notfall wäre die Hemmung der Wehen falsch.

"Mittels Wehenaufzeichnung, Ultraschall und Dopplerflussmessung sehen wir, wie es dem Kind geht", sagt Joachim Dudenhausen, Direktor der Klinik für Geburtsmedizin der Charité, Universitätsklinikum der Humboldt Universität zu Berlin.

Kommt eine Schwangere mit vorzeitigen Wehen in die Klinik und reagiert die Herzfrequenz des Kindes nicht auf die Wehen, ist die Sauerstoffversorgung ausreichend. Treten jedoch erste Signale einer Mangelversorgung auf, muss das Kind so schnell wie möglich entbunden werden. Selbst in der 32. Schwangerschaftswoche ist ein Kaiserschnitt dann besser als ein Hinauszögern der Geburt.

Fibronektin-Test und Gebärmutterhalslänge

Umstritten ist der sogenannte Fibronektin-Test, ein nicht-invasiver Test (ähnlich einem Krebsabstrich), der die Anwesenheit von fetalem Fibronektin nachweist. Untersuchungen zeigten, dass der Fetus in Notsituationen dieses Eiweiß, mit dem der Fetus in der Gebärmutter gehalten wird, vermehrt bildet.

Britische Forscher berichteten in der Fachzeitschrift British Medical Journal von einer Studie an Frauen mit vorzeitigen Wehen in der 31. Schwangerschaftswoche.

War der Fibronektin-Test positiv, gaben sie den Frauen Steroide, um die Lungenreifung zu fördern und konnten so das kindliche Atemnotsyndrom verhindern. Von einem Einsatz als Routinetest raten die Experten aber noch ab.

Die verlässlichste Methode ist bislang die Messung der Länge des Gebärmutterhalses (Zervix). Ist die Zervix über drei Zentimeter lang und der Fibronektin-Test negativ, besteht ein geringes Risiko für eine Frühgeburt. Ergebnisse jüngster US-Studien unterstützten diesen Richtwert. Die Forscher fanden, dass eine Zervixlänge unter drei Zentimetern vor Ende der 16. Schwangerschaftswoche deutlich mit frühzeitiger Wehentätigkeit assoziiert ist. Unabhängig von der Ausgangslänge steigt das Risiko, je rascher sich der Gebärmutterhals verkürzt.

Was steigert das Risiko für eine Frühgeburt?

Es gibt einige Faktoren, die eine Frühgeburt wahrscheinlicher machen.

So steigt das Risiko, wenn eine Frau bereits Fehl- beziehungsweise Frühgeburten hatte. Ist es zu zwei oder mehr Schwangerschaftsabbrüchen gekommen oder ist eine sogenannte Konisation (Entnahme eines Gewebekegels am äußeren Muttermund) vorgenommen worden, steigt das Risiko ebenfalls. Auch eine vergangene Scheideninfektion kann nachträglich noch zu einer Frühgeburt führen.

Neben den Faktoren, die aus der Vergangenheit herrühren, gibt es auch Aspekte der aktuellen Schwangerschaft, die zu Komplikationen führen können. Dazu gehören Mehrlingsschwangerschaft, erhöhte Menge an Fruchtwasser , starke seelische und körperliche Belastungen, Rauchen, regelmäßiger Alkoholkonsum oder andere Drogen.

Während der Schwangerschaft sollte man Risikofaktoren reduzieren, um die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt zu senken. Schwangere sollten deshalb akute Belastungen für Körper und Seele meiden (Alkohol, Rauchen, anhaltenden Stress und ähnliches). Übermäßige Schonung ist allerdings selten angezeigt.

Größtes Problem: Infektionen

Zwar spielen bei verfrühter Wehentätigkeit mehrere Faktoren eine Rolle, doch über 50 Prozent der Frühgeburten gehen auf eine Infektion in Scheide oder Gebärmutter zurück.

Deshalb ist die bakteriologische Diagnostik zusätzlich zur Routineuntersuchung wichtig. Ein nachgewiesener Infekt kann erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden. Zusätzlich bekommt die Schwangere wehenhemmende Medikamente.

Da Infektionen eine große Rolle bei frühzeitigen Geburten spielen, setzt sich in den vergangenen Jahren immer mehr ein Test durch, mit dem sich rechtzeitig eine Infektion erkennen lässt. Die Schwangere soll dazu selbst regelmäßig den pH-Wert im Scheidenbereich mittels eines Testhandschuhs bestimmen. Das geht einfach und schnell.

Infektionen vermeiden

Die Schwangere kann selbst einige Punkte beachten, um eine Scheideninfektion zu vermeiden, rät das Saling-Institut für Perinatale Medizin in Berlin.

Um beispielsweise das Wachstum von Hefepilzen nicht zu fördern, sollte eine schwangere Frau Wäsche aus Naturfasern bevorzugen. Auch sollte sie auf Slipeinlagen aus Kunststoff verzichten, keine Scheidenspülung durchführen und keine Sprays oder Gele in die Scheide einbringen.

Zu verhindern ist ein feucht-warmes Klima im Scheidenbereich, das das Wachstum von Erregern fördert. Zusätzlich sollte die Immunabwehr durch eine ausgewogene Ernährung und Bewegung gestärkt werden. Hierbei unterstützen Arzt oder Hebamme.

Der pH-Wert der Scheide

Die Scheide ist mit einem pH-Wert von etwa 4,0 bis 4,4 im sauren Bereich. Damit schützt der Körper diese Eintrittspforte vor Krankheitskeimen.

Steigt der pH-Wert über 4,4 an, können Krankheitserreger eindringen. Dann ist es noch früh genug, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen, zum Beispiel durch die Gabe von Antibiotika.