Bei einer Schwangerschaft beschäftigen sich viele werdende Eltern mit der Frage, ob das Kind gesund ist. Erst recht, wenn das Risiko, ein krankes Kind zur Welt zu bringen, überdurchschnittlich hoch ist. Zu dieser Risikogruppe gehören auch ältere Frauen.

Die Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit dem Down-Syndrom (Trisomie 21) zu bekommen, nimmt mit dem Alter der Mutter zu: von 0,006 Prozent bei 20- bis 24-jährigen Müttern auf 0,5 Prozent bei 30-Jährigen und zwei Prozent bei 40-Jährigen.

Auch das Risiko für Fehlbildungen, Früh- und Fehlgeburten steigt mit zunehmendem Alter der Mutter. Beispielsweise steigt die Rate an Fehlgeburten von etwa neun Prozent im Alter von 20 bis 25 Jahren auf 20 Prozent aller Schwangerschaften bei den 35-jährigen Frauen.

Es kommt häufiger zu Komplikationen

Abgesehen davon treten mit steigendem Alter der Mutter auch Schwangerschaftskomplikationen häufiger auf. Das betrifft vor allem schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck, Eiweißausscheidung im Urin, Schwangerschaftsdiabetes und Funktionsstörungen des Mutterkuchens mit Unterversorgung des Kindes (Mangelgeburt). Daher gelten Erstgebärende ab 35 Jahren als Risikoschwangere. Mit engmaschigen Vorsorgeuntersuchungen lassen sich die meisten Probleme jedoch frühzeitig erkennen und behandeln.

Bei älteren Erstgebärenden kann die Geburt länger dauern, der Geburtsakt am Ende ebenfalls. Damit kann wiederum das Risiko für einen überraschenden Sauerstoffmangel steigen. Dies führt vermehrt zu Kaiserschnitt-Entbindungen.

Mit steigendem Alter nimmt das Risiko zu, dass die Eltern bereits selbst gesundheitliche Probleme haben. Eine gründliche allgemeinärztliche und gynäkologische Untersuchung mehrere Wochen vor der angepeilten Schwangerschaft ist zu empfehlen, um unnötige Risiken zu vermeiden.

Fruchtwasseruntersuchung für Frauen ab 35

Ab dem Alter von 35 Jahren wird Frauen eine Fruchtwasseruntersuchung im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge angeboten. Sie wird ab der 16. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Bevor man sich dazu entschließt, sind ausführliche Gespräche mit dem Frauenarzt erforderlich. Vor der Untersuchung sollten sich die werdenden Eltern mit der Frage auseinandersetzen, welche Konsequenzen sie ziehen würden, wenn das Ergebnis auf eine Schädigung des Kindes hinweist. Der Frauenarzt kann auch über Alternativen zur Fruchtwasseruntersuchung informieren.

Welche Kosten die TK übernimmt

Die Kosten für alle medizinisch begründeten Maßnahmen der pränatalen Diagnostik und eventuell notwendig werdende Eingriffe übernimmt die TK im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung. Wir empfehlen, sich vorher mit uns über die geplanten Maßnahmen abzustimmen.

Zu jeder pränatalen Diagnostik gehört die gründliche ärztliche und humangenetische Beratung über Indikation, Untersuchungsverlauf, Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Gefahren der Methode.

Doch das Alter ist nicht der einzige Risikofaktor, es gibt noch weitere:

Rasche Schwangerschaftsfolge

Beträgt der Abstand zwischen zwei Schwangerschaften weniger als ein Jahr, spricht man von einer raschen Schwangerschaftsfolge.

Folgen zwei Schwangerschaften kurz hintereinander, besteht ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt. Beträgt der Abstand nach einem Kaiserschnitt weniger als sechs Monate, steigt zudem das Risiko für einen Riss der Gebärmutter.

Im Übrigen ist zu bedenken, dass eine ausgetragene Schwangerschaft eine nicht zu vernachlässigende Belastung für den weiblichen Körper darstellt. Bei einer raschen erneuten Schwangerschaft treten dann häufiger Erschöpfungszustände und Blutarmut (Anämie), bedingt durch Eisenmangel, auf. Ein Folsäuremangel kann zu Wachstumsverzögerungen des Kindes führen.

Auch die Rückbildungsvorgänge von Gebärmutter und Muskulatur sind oft noch nicht abgeschlossen, sodass die Gefahr für eine Beckenbodenschwäche beziehungsweise -senkung erhöht ist. Außerdem steigt die Gefahr für einen ungünstigen Sitz des Mutterkuchens und für verstärkte Blutungen nach der Entbindung.

Übergewicht

Bei übergewichtigen Frauen treten überdurchschnittlich oft Schwangerschaftskomplikationen auf. Je höher der Body-Mass-Index (BMI) ist, desto häufiger kommt es zu Problemen.

Das Risiko für Fehlgeburten ist bei übergewichtigen Frauen um 50 Prozent höher als bei normalgewichtigen Frauen. Nach einer Sterilitätsbehandlung steigt das Risiko sogar auf das Drei- bis Vierfache im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen.

Fehlbildungen kommen bei Kindern übergewichtiger Frauen mit Übergewicht ebenfalls häufiger vor. Beispielsweise verdreifacht sich das Risiko für einen offenen Rücken (Spina bifida).

Übergewichtige Frauen leiden auch häufiger an einer Blutzuckerkrankheit.

Ein schwangerschaftsbedingter erhöhter Blutdruck tritt bei übergewichtigen Frauen zwei- bis dreimal so oft auf wie bei normalgewichtigen Frauen. Damit kommt es auch häufiger zu einer vermehrten Eiweißausscheidung im Urin wie etwa bei einer Gestose.

Das Risiko für eine Frühgeburt ist leicht erhöht, häufig bedingt durch einen vorzeitigen Blasensprung oder Komplikationen aufgrund eines schwangerschaftsbedingten Bluthochdrucks.

Außerdem dauert die Geburt oftmals länger und endet häufiger mit einem Kaiserschnitt, unter anderem deshalb, weil Kinder übergewichtiger Mütter ebenfalls häufiger ein hohes Geburtsgewicht haben. Nach der Geburt besteht für die Mutter ein erhöhtes Risiko für Thrombosen, Infektionen und Nachblutungen. Und das Kind hat ein erhöhtes Risiko, später selbst übergewichtig zu werden.

Komplikationen bei Vielgebärenden

Hat eine Frau bereits vier Kinder oder Fehlgeburten, nimmt die Komplikationsrate während der Schwangerschaft und Geburt sowie nach der Entbindung mit jedem weiteren Kind zu. Hinzu kommt, dass Vielgebärende oft älter als 34 Jahre sind.

Vielgebärende sind häufiger übergewichtig und bekommen häufiger Probleme mit dem Blutdruck. Außerdem arbeitet der Verschlussmechanismus der Gebärmutter (Muttermund und Gebärmutterhals) bei ihnen oft nicht mehr ausreichend, sodass es häufiger zu Frühgeburten kommt. Auch vorzeitige Lösungen des Mutterkuchens mit Gefahren für Mutter und Kind treten vermehrt auf.

Durch die vorausgegangenen Geburten ist die Gebärmutter gewissermaßen weniger elastisch, sodass sie sich nach der Entbindung nicht mehr so schnell zusammenziehen kann. Das hat vermehrte Lösungsstörungen der Nachgeburt und vermehrte Nachblutungen zur Folge. Auch die Zahl der Totgeburten steigt mit zunehmender Geburtenzahl.

Dagegen ist bei Vielgebärenden weniger häufig ein Kaiserschnitt notwendig. Auch Komplikationen während der Geburt treten seltener auf.

Vorausgegangene Operationen der Gebärmutter

Welche Bedeutung eine vorausgegangene Operation der Gebärmutter für Schwangerschaft und Geburt hat, hängt vor allem von der Art der Operation ab.

Ausschabung

Eine Ausschabung hat im Allgemeinen keine Bedeutung für den Schwangerschaftsverlauf. Sie kann aber die Ursache für Lösungsstörungen des Mutterkuchens nach der Geburt sein.

Operationen der Gebärmutterwand

Zum Beispiel bei der Myomausschälung entsteht an der Operationsstelle in der Wand der Gebärmutter eine Narbe. Die Gebärmutterwand kann bei regelmäßiger Wehentätigkeit unter der Geburt aufgrunddessen reißen. Dies würde dann einen sofortigen Kaiserschnitt notwendig machen.

Ob eine normale Entbindung möglich ist, hängt von der Art der Myomoperation ab. Nach Myomoperationen mit Eröffnung der Gebärmutterhöhle wird häufig eine geplante Kaiserschnittentbindung vor Einsetzen der Wehentätigkeit empfohlen.

Vorausgegangene Kaiserschnittentbindung

Bei Frauen, bei denen bereits ein Kaiserschnitt vorgenommen wurde, ist der Geburtsmodus unter anderem vom damaligen Grund für den Kaiserschnitt und der Anzahl vorausgegangener (Kaiserschnitt-)Entbindungen abhängig. Auch nach einem Kaiserschnitt kann beim nächsten Kind eine normale Entbindung stattfinden. Diese verläuft in 50 bis 90 Prozent der Fälle erfolgreich. Beim Auftreten von Komplikationen während der Geburt kann erneut ein Kaiserschnitt erfolgen.

Für Frauen mit Kaiserschnitt ist es sinnvoll, sich rechtzeitig zur Geburtsplanung in der Entbindungsklinik vorzustellen. Wird eine normale Entbindung angestrebt, ist eine intensive Überwachung unter der Geburt erforderlich, um mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.