Steri­li­sa­tion - dauer­hafte Verhü­tung

Die Familienplanung ist abgeschlossen. Gründe für die Sterilisation gibt es viele - ob Alter, Familiensituation oder Gesundheit: Über zwei Millionen haben sich in Deutschland für die dauerhafte Verhütung entschieden. Dabei gilt die Vasektomie, die Sterilisation des Mannes, als einfacher und risikoärmer als die Sterilisation der Frau.

Die Sterilisation ist ein endgültiger Entschluss, denn der Eingriff in die Empfängnis von Mann oder Frau führt zu dauerhafter Unfruchtbarkeit. Zur Verhütung eignet sich die Sterilisation deshalb erst, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist. Diese Entscheidung sollte gut überlegt sein!

Die Vasektomie - bei diesem Eingriff werden beide Samenleiter im Hodensack durchtrennt - liegt als Verhütungsmethode voll im Trend. Mindestens 50.000 Männer lassen sich pro Jahr sterilisieren. Die Vasektomie gilt als einfacher chirurgischer Eingriff, bei dem nur selten Komplikationen auftreten. Die Sterilisation der Frau (Tubensterilisation) ist vergleichsweise aufwändiger und mit höheren Operationsrisiken verbunden.

Vasektomie - Verhütungsmethode für den Mann

Wichtigste Voraussetzung für die Vasektomie ist die vorherige Beratung beim Facharzt. Nur so kann der Mann endgültig entscheiden, ob die Sterilisation die richtige Verhütungsmethode ist.

Was genau ist die Vasektomie?

Die Vasektomie wird meist ambulant in einer urologischen Arztpraxis durchgeführt. Während der Operation durchtrennt der Arzt unter örtlicher Betäubung beide Samenleiter im Hodensack. Die Spermien können nun nicht mehr in die Samenflüssigkeit gelangen. Der Eingriff dauert etwa 30 Minuten.

Vasektomie "ohne Skalpell"

Während der Vasektomie "ohne Skalpell" werden die Hodensackhaut und die Samenstranghüllen nur angeritzt und gespreizt, um Zugang zu den Samenleitern zu bekommen. Der Arzt zieht die Samenleiter ein Stück heraus und durchtrennt sie. Die Enden der Samenleiter verschließt er durch Hitze, chemische Substanzen oder durch einen Titanclips. Anschließend werden die Samenleiter in verschiedene Gewebeschichten des Hodensacks verlegt, so wachsen sie nicht wieder zusammen. Eine Naht ist in der Regel nicht nötig - die Wunde wird durch ein Pflaster verschlossen.  

Vasektomie mit Skalpell

Bei anderen Operationsmethoden setzt der Arzt größere Schnitte mit einem Skalpell, um an die Samenleiter zu gelangen. Außerdem werden die Samenleiter nicht nur durchtrennt, sondern auch um etwa einen Zentimeter gekürzt. Fragen Sie Ihren Arzt schon im ersten Beratungsgespräch nach der Operationsmethode.

Was ändert sich nach der Vasektomie?

Die Vasektomie verändert das Ejakulat in seiner Zusammensetzung: Es enthält keine Spermien mehr, sondern nur noch die Flüssigkeit aus Samenblase und Prostata. Da die Spermien nur etwa fünf Prozent des Ejakulats ausmachen, ist die Menge der Samenflüssigkeit nach dem Eingriff praktisch gleich. Auf das Lustempfinden, die Erektion und den Orgasmus hat die Vasektomie keinen Einfluss.

Sicherheit: Verhütung bleibt erstmal wichtig!

Auch nach der Vasektomie schwimmen in den oberen Abschnitten der Samenleiter noch zahlreiche Spermien. Es kann daher einige Wochen dauern, bis der Mann sicher unfruchtbar ist - in der Regel sind etwa 20 Samenergüsse nötig, bis das Ejakulat spermienfrei ist. 

Zwölf Wochen nach dem Eingriff untersucht der Urologe die Samenflüssigkeit des Mannes, um zu bestimmen, ob noch Spermien im Ejakulat schwimmen. Während der Nachkontrolle prüft er außerdem, ob die durchtrennten Samenleiter wieder zusammengewachsen sind (Rekanalisierung). Bis zur erfolgreichen Nachkontrolle ist deshalb eine zusätzliche Verhütung erforderlich.

In sehr seltenen Fällen kann es auch Jahre nach der Vasektomie unbemerkt zu einer Rekanalisierung kommen.

Komplikationen nach der Vasketomie

Komplikationen nach einer Vasektomie sind sehr selten. Der Erfolg hängt vor allem von der Erfahrung der Chirurgen/Urologen ab. Lassen Sie die Operation daher in einer Praxis oder Klinik durchführen, die mehr als fünfzig Vasektomien im Jahr vornimmt.

Es können dennoch Komplikationen auftreten:

  • Bluterguss
  • Schwellung des Hodensacks
  • Verwachsungen durch Narbenbildung
  • Wundheilungsstörung / Wundinfektion
  • Nachblutungen
  • Entzündung der Nebenhoden (Epididymis)
  • Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom

Was oft verschwiegen wird: Schmerzen danach

Beim Post-Vasektomie-Schmerzsyndrom treten chronische Schmerzen im Bereich der Hoden auf. Die Ursache für den Schmerz ist bisher nicht bekannt. Vieles deutet darauf hin, dass der Druckausgleich in den Hoden nicht richtig funktioniert.

Außerdem können bei der Operation Nerven beschädigt worden sein. Unter Umständen wird eine erneute Operation notwendig - etwa eine gezielte Rekanalisierung, die Entfernung der Nebenhoden oder der Samenstrangnerven.

Vasektomie und Prostatakrebs - ist das Risiko erhöht?

Manche Männer befürchten, dass eine Vasektomie das Risiko für Prostatakrebs erhöht. Dies konnte aber bislang nicht nachgewiesen werden. Entwarnung geben die Daten der EPIC-Studie.

EPIC-Studie: Vasektomie und Prostatakrebs

Eine Arbeitsgruppe der Universität Oxford hat bei rund 85.000 Männern nach einer Verbindung zwischen Vasektomien und Prostatakarzinomen gesucht - und keine gefunden. Während einer Nachbeobachtung von durchschnittlich 15,4 Jahren erkrankten knapp 4.400 Männern an Prostatakrebs, 641 davon hatten eine Vasektomie vornehmen lassen. Dabei war insgesamt kein statistischer Zusammenhang der sterilisierenden Operation mit der Entwicklung von Prostatakrebs festzustellen.

Männer, die eine Vasektomie vornehmen lassen, müssen den Eingriff nicht mit einem höheren Risiko für Prostatakrebs bezahlen.

Lässt sich eine Vasektomie rückgängig machen?

Durch eine mikrochirurgische Operation können durchtrennte Samenleiter wieder miteinander verbunden werden. Die sogenannte Refertilisierung ist jedoch eine vergleichsweise aufwändige Operation: Der Eingriff findet in Vollnarkose statt und dauert etwa zwei Stunden.

Es ist nicht sicher, dass der Mann nach diesem Eingriff wieder fruchtbar ist. Oft hat sich die Spermienproduktion verschlechtert.

Wann ist von einer Vasektomie abzuraten?

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) wird von einer Vasektomie abgeraten, wenn der Mann keine feste Partnerschaft und keine Kinder hat und unter 30 Jahre alt ist.

Befindet sich der Mann in einer seelischen Krise, sollte er die Entscheidung nicht während dieser Zeit treffen. Die Sterilisation wird nicht empfohlen, wenn der Mann chronische Schmerzen im Bereich der Hoden oder eine schwere Allgemeinerkrankung hat.

Tubensterilisation - dauerhafte Verhütungsmethode der Frau

Die Sterilisation der Frau ist eine sichere Verhütungsmethode. Der Verschluss der Eileiter (Tuben), die sogenannte Tubensterilisation, führt zur endgültigen Unfruchtbarkeit. Eine Entscheidung, die einige Frauen bereuen.

Nach einer Sterilisation kreisen die Gedanken nicht mehr ständig um das Thema Verhütung. Eine Entlastung, gerade dann, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist. Überlegen Sie dennoch gut, ob Sie den Eingriff tatsächlich wollen. Besonders junge Frauen bereuen eine Sterilisation, wenn zum Beispiel ein neuer Partner in ihr Leben tritt oder ein Kind verstarb. Ärzte raten deshalb im Vorfeld zu einer medizinischen und psychologischen Beratung.  

Bei kinderlosen Frauen unter 30 Jahren wird die Sterilisation in der Regel nicht durchgeführt. Ausnahmen sind medizinische Gründe, zum Beispiel eine Unverträglichkeit von Verhütungsmitteln. Auch Erkrankungen, bei denen eine Schwangerschaft oder die Geburt schwere gesundheitliche Folgen verursacht, sind mögliche Gründe für eine Sterilisation.

Tubensterilisation: Verschluss der Eileiter

Am häufigsten wird die Tubensterilisation per Bauchspiegelung (laparoskopische Sterilisation) durchgeführt. Über kleine Schnitte im Bereich des Bauchnabels führt der Chirurg eine Kamera und die Operationsinstrumente in die Bauchhöhle ein. Die Eileiter werden entweder durch Hitze verödet oder mit einem Kunststoff-Titan-Clip verschlossen. Die Operation dauert etwa eine Stunde und kann ambulant oder in einer Klinik (stationär) stattfinden. Die Frau erhält eine kurze Vollnarkose.

Neues Sterilisationsverfahren noch unerforscht

Ein relativ neues Verfahren ist die sogenannte hysteroskopische Sterilisation. Bei dieser Methode ist kein Schnitt nötig, da die Operationsinstrumente mithilfe eines Hysteroskops durch die Scheide in die Gebärmutter eingeführt werden.

Was ist die hysteroskopische Sterilisation?

Der Arzt setzt in jeden Eileiter eine Mikrospirale aus Metall und Kunststofffasern. Mit der Zeit wächst das Bindegewebe der Frau in die eingesetzte Spirale, die Eileiter verschließen sich. Dieser Verwachsungsprozess dauert etwa drei Monate. Erst danach ist die Frau steril. Eine Ultraschall- oder Röntgen-Kontrolluntersuchung bestätigt, ob die Eileiter sicher verschlossen sind.

Das neue Verfahren wird ambulant unter örtlicher Betäubung angewandt - ein großer Vorteil für die Frau. Über die Langzeitwirkung dieser Sterilisationsmethode liegen jedoch keine Daten vor.

Wie sicher ist die Tubensterilisation?

Die Sterilisation ist eine sehr sichere Verhütungsmethode. Nur ein bis zwei von 1.000 Frauen werden trotz einer Sterilisation schwanger.

In sehr seltenen Fällen kann es dazu kommen, dass sich Gebärmutter und Eierstock über neue Wege wieder miteinander verbinden. Nach einem Verschluss mit einem Clip geschieht dies häufiger, als nach einer Verödung der Eileiter. Das Risiko ist bei jüngeren Frauen etwas höher als bei älteren.

Komplikationen nach der Tubensterilisation

Wie bei jeder Operation können Komplikationen wie Blutungen, Störungen der Wundheilung und Entzündungen auftreten. Hinzu kommen das Narkoserisiko und ein erhöhtes Thromboserisiko vor allem bei Eingriffen direkt nach einer Geburt. Es ist wichtig, dass Sie sich vor dem Eingriff über diese Risiken informieren.

Eine Sterilisation hat in der Regel keine hormonellen Auswirkungen, das heißt, der Menstruationszyklus verändert sich nicht. Bei der Verödung der Eileiter kann jedoch das umliegende Gewebe verletzt werden. In der Folge werden die Eierstöcke schlechter durchblutet und in seltenen Fällen die Funktion und damit auch die Hormonproduktion der Eierstöcke beeinträchtigt. Stimmungsschwankungen, sexuelle Lustlosigkeit, Hitzewallungen und Menstruationsstörungen können auftreten.

Nach einer Sterilisation ist das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft oder eine Bauchhöhlenschwangerschaft erhöht. Einige Frauen leiden zu ihrer eigenen Überraschung unter der Endgültigkeit des Eingriffs. Reden Sie mit Ihrem Arzt darüber.

Lässt sich die Sterilisation der Frau rückgängig machen?

Theoretisch kann die Fruchtbarkeit nach einer Sterilisation wieder hergestellt werden. Durch einen komplizierten mikrochirurgischen Eingriff (Refertilisierung) werden die verschlossenen Enden der Eileiter wieder geöffnet. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit gering, nach einer Refertilisation tatsächlich wieder schwanger zu werden.

Realistisch betrachtet, sollte jede Frau davon ausgehen, dass eine Sterilisation zu dauerhafter Unfruchtbarkeit führt. Dennoch unterziehen sich rund ein bis zwei Prozent der sterilisierten Frauen einer erneuten Operation, um die Sterilisation rückgängig zu machen.

Erfolgsaussichten sind abhängig vom Alter

Die Chancen nach einer operativen Refertilisierung ein Kind zu gebären, stehen für ältere Frauen eher schlecht, wie eine aktuelle Studie zeigt: Frauen, die älter als 40 Jahre sind, haben nur noch eine 26-prozentige Chance, in den ersten fünf Jahren nach der Refertilisierung ein Kind zu gebären. Die Erfolgsaussicht für Frauen im Alter zwischen 20 und 39 Jahren liegt bei 51 Prozent.