Lebendgeborene Kinder, die nach der 24. Schwangerschaftswoche beziehungsweise mit einem Gewicht über 500 Gramm zur Welt kommen, gelten als Frühgeburten, totgeborene als Totgeburt. Bei einer Fehlgeburt ist die kindliche Anlage in der Gebärmutter entweder nicht regelrecht weitergewachsen oder abgestorben.

Man bezeichnet die kindliche Anlage bis zur zwölften Woche nach der letzten Regel (Schwangerschaftswoche) als Embryo, ab der 13. Woche als Fötus oder Fetus.

Wie häufig Fehlgeburten sind, ist schwierig zu bestimmen. Bei etwa 10 bis 20 Prozent der schwangeren Frauen kommt es zu einer Fehlgeburt. Viele Aborte werden von den Frauen jedoch nicht bemerkt und machen sich womöglich nur durch eine stärkere oder verzögerte Regelblutung bemerkbar.

Bei Fehlgeburten gibt es ein Wiederholungsrisiko. Frauen, die bereits einmal eine Fehlgeburt hatten, haben ein erhöhtes Risiko für weitere Aborte. Ein bis zwei Prozent der Frauen mit Kinderwunsch haben wiederholt einen Abort. So kann die Gefahr einer Fehlgeburt nach drei vorangegangenen Aborten auf bis zu 45 Prozent ansteigen.

Bei einer drohenden Fehlgeburt bestehen Hinweise auf das Eintreten einer Fehlgeburt. Die kindliche Anlage ist aber noch intakt.

Wie kommt es zu einer Fehlgeburt?

In den ersten Lebenstagen des Embryos teilt sich die befruchtete Eizelle normalerweise, bis ein Haufen aus vielen Zellen entstanden ist. Ungefähr neun bis zehn Tage nach der Befruchtung hat sich der bis dahin entstandene Zellhaufen in die Schleimhaut der Gebärmutterhöhle eingenistet. Im Laufe der nächsten Tage und Wochen entwickelt sich an dieser Stelle der Mutterkuchen (Plazenta) - das Versorgungsorgan für das wachsende Kind. Der Mutterkuchen gewährleistet bis zum Ende der Schwangerschaft die Versorgung des Kindes mit Nährstoffen.

Bei einer Fehlgeburt ist häufig die Versorgung der kindlichen Anlage mit Nährstoffen oder Sauerstoff durch den entstehenden Mutterkuchen beeinträchtigt. Dies führt dazu, dass der Embryo oder der Fötus nicht richtig wachsen kann und zugrunde geht.

Die häufigste Ursache für Fehlgeburten scheinen Störungen der Erbanlagen der kindlichen Frucht zu sein. Im ersten Drittel der Schwangerschaft sind 50 bis 60 Prozent der Aborte durch Schäden des Erbgutes bedingt. Daneben kommen zahlreiche äußere Einflussfaktoren infrage wie Stress, Infektionskrankheiten, Stoffwechselerkrankungen, die Einnahme bestimmter Medikamente, Drogen- oder Alkoholkonsum, Strahleneinwirkung, Mangelernährung, körperliche Überanstrengung und auch psychische Belastung. Gründe können auch hormonelle Störungen oder Fehlbildungen der Gebärmutter beziehungsweise des Mutterkuchens sowie Blutgruppenunverträglichkeiten sein.

Sehr selten kann eine Störung im Immunsystem oder im Blutgerinnungssystem das Auftreten von Fehlgeburten verursachen. Auch Infektionen können eine Rolle spielen.

Weitere Ursache sind Veränderungen der Gebärmutterform oder Myome (gutartige Gebärmutterknoten), die die Bedingungen für die Einnistung und das Wachstum der kindlichen Anlage behindern.

Welche Beschwerden können auftreten?

Bei Fehlgeburten gibt es verschiedene Verlaufsformen, die unterschiedliche Beschwerdebilder hervorrufen können.

Oft geht eine Fehlgeburt mit einer allmählich oder plötzlich beginnenden Blutung aus der Scheide einher. Die Blutung kann leicht, aber auch sehr stark sein. Häufig bestehen ziehende, wehenähnliche Unterbauchschmerzen, die ebenfalls leicht bis sehr stark sein können. Bei bereits fortgeschrittener Schwangerschaft kann zudem Fruchtwasser austreten.

Selten können bei einer Fehlgeburt ein gelblich-grüner Ausfluss sowie Fieber, Schüttelfrost und Kreislaufprobleme als Anzeichen für eine beginnende Infektion vorkommen.

Bei einem Teil der Fehlgeburten liegt die Sonderform einer missed abortion vor. Dies wird auch als verhaltene Fehlgeburt bezeichnet. Dabei kommt es unter Umständen erst Wochen nach dem Fruchttod zu einem Abort. Sie verursacht in der Regel keine oder wenig Beschwerden. Leichte Schmierblutungen sind möglich. Diese Form der Fehlgeburt lässt sich nur mittels einer Ultraschalluntersuchung feststellen.

Wie kann eine Fehlgeburt festgestellt werden?

Der Arzt stellt eine Fehlgeburt mittels einer schmerzlosen Ultraschalluntersuchung (Sonografie) fest. Zusätzlich kann die gemessene Größe des Embryos oder Fötus mit Richtwerten verglichen werden, die für das entsprechende Schwangerschaftsalter normal sind.

Die Überwachung der kindlichen Herztöne erfolgt mithilfe der Kardiotokografie (CTG) (Wehenschreiber).

Meistens fällt eine Fehlgeburt durch das Fehlen der kindlichen Herzschläge auf. Sind keine Lebenszeichen vorhanden, liegt eine Fehl- oder Totgeburt vor. Zusätzlich kann aber auch die gemessene Größe unterhalb der zu erwartenden Richtgröße liegen. Wenn bislang noch keine kindlichen Herzschläge darstellbar waren, ist die kindliche Anlage meist nicht zeitentsprechend gewachsen und somit zu klein.

In diesen Fällen kann die Fehlgeburt zusätzlich über eine hormonelle Blutuntersuchung gesichert werden. Das Hormon Humanes Gonadotropin (HCG) kommt nur in der Schwangerschaft vor. Der Wert dieses Hormons steigt in den ersten Schwangerschaftswochen täglich an und hängt vom Alter der Schwangerschaft ab. Der gemessene Wert kann mit Richtwerten für das entsprechende Schwangerschaftsalter verglichen werden und so eine Fehlgeburt anzeigen.

Zusätzlich führt der Arzt eine Untersuchung von Scheide und Gebärmutter durch. So lässt sich feststellen, ob sich das untere Ende der Gebärmutter (Muttermund) bereits geöffnet hat. Dieser kann sich im Verlauf einer Fehlgeburt öffnen, um ein Abbluten der abgestorbenen Schwangerschaft zu ermöglichen.

Welche Maßnahmen sind notwendig?

Um zu gewährleisten, dass alle Gewebereste vollständig aus der Gebärmutter entfernt werden, ist in der Regel eine operative Ausschabung (Kürettage) der Gebärmutter notwendig. In Narkose entfernt der Arzt von der Scheide aus mit einem löffelartigen Instrument noch vorhandene Gewebereste der Frucht.

Ist der Muttermund noch nicht geöffnet, kann vor dem eigentlichen Eingriff ein Medikament (Prostaglandin) in die Scheide gelegt werden. Dies bewirkt eine Auflockerung des Gewebes und macht den Eingriff einfacher und weniger komplikationsträchtig.

Bei späten Fehlgeburten kann es notwendig sein, vor der Ausschabung eine Geburt einzuleiten. Dies ist vom Alter der Schwangerschaft und von der Größe des Fötus abhängig. Zur Unterstützung erhalten betroffene Frauen zusätzliche Medikamente, die einen schmerzlosen Ablauf gewährleisten.

Neben den narkosebedingten Risiken ist eine mögliche Komplikation dieses Eingriffs die Verletzung der Gebärmutter. Dies kommt sehr selten vor, kann aber unter Umständen eine weitere Operation notwendig machen. Auch eine Entzündung der Gebärmutterhöhle kann auftreten, ist aber ebenfalls sehr selten.

Hat die Mutter eine Blutgruppe mit negativem Rhesusfaktor, wird nach der Ausschabung eine Spritze mit einem bestimmten Wirkstoff in den Gesäßmuskel verabreicht. Dies ist notwendig, um in einer späteren Schwangerschaft Unverträglichkeiten zwischen mütterlicher und kindlicher Blutgruppe zu vermeiden.

In jedem Fall muss einige Zeit nach dem Eingriff eine Nachuntersuchung durch den Frauenarzt erfolgen. Er empfiehlt auch die Zeitspanne, die bis zu einer möglicherweise geplanten erneuten Schwangerschaft vergehen sollte.

Muss man immer behandeln?

Grundsätzlich ist die vollständige Entfernung aller Gewebeanteile notwendig. Denn verbleibende Gewebeanteile können zu schwerwiegenden Entzündungen der Gebärmutter führen. Solche Infektionen können die Schleimhaut nachhaltig schädigen, sodass keine Schwangerschaften mehr möglich sind. Darüber hinaus können diese Entzündungen sehr kompliziert und unter Umständen lebensbedrohlich verlaufen.

Wann muss man den Arzt aufsuchen?

Ziehende Schmerzen im Unterleib während der Schwangerschaft sollte auf jeden Fall ein Arzt abklären. Meist sind diese harmlos und auf das Wachstum der Gebärmutter zurückzuführen. Dennoch sollten schwangere Frauen besonders bei Symptomen wie krampfartigen und an Stärke zunehmenden Schmerzen den Arzt befragen.

Auch jede Blutung in der Schwangerschaft ist verdächtig. Wenn auch Blutungen in der Schwangerschaft nicht zwangsläufig auf eine Fehlgeburt hinweisen, sollte ein Frauenarzt die Lage beurteilen. Bei Gefahr einer Fehlgeburt sollten Frauen sich ausruhen und schonen.

Auch bei übel riechendem Ausfluss aus der Scheide oder Fieber sollte unverzüglich der Arzt aufgesucht werden, um eine mögliche Entzündung rechtzeitig behandeln zu können.

Was kann man selber tun?

Hat der Arzt eine drohende Fehlgeburt festgestellt, sind körperliche Schonung und Stressvermeidung zu empfehlen. Wert legen sollten betroffene Frauen auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Selbstverständlich sind Nikotin, Alkohol und Drogen zu vermeiden.

Auch nach einer Ausschabung ist eine Erholungsphase wichtig. Die physische und psychische Verarbeitung der Fehlgeburt erfordert Zeit und Ruhe. Häufig kann der Verlust der Schwangerschaft Trauer, Wut und Angst erzeugen. Hier können der Arzt oder auch Initiativen und Selbsthilfegruppen helfen, das Erlebte zu verarbeiten.