Was steckt in meinem T-Shirt?

Was haben ein Schlafanzug, ein Waschlappen und ein Wattestäbchen gemeinsam? Richtig, sie sind alle aus Baumwolle! Aber wusstest Du, dass auch unsere Geldscheine aus Baumwolle bestehen? Was Baumwolle genau ist, woher sie kommt und wie ein T-Shirt entsteht, erklärt Dir TK-Logo.

 

Bunte T-ShirtsViele T-Shirts bestehen aus Baumwolle. © photocase.com/ van vankWie ihr Name vermuten lässt, wächst Baumwolle nicht auf einem Schaf, sondern an einer Pflanze. Gossypium heißt diese Pflanze, oder einfach: Baumwollpflanze. Die Baumwollpflanze mag es gern warm und braucht sehr viel Wasser. Sie ist in den Tropen und Subtropen zu Hause, wo sommerliche Temperaturen herrschen. Je nach Art wächst die Baumwollpflanze ein bis sechs Meter hoch. Aber es steckt nicht die ganze Pflanze in Deinem T-Shirt, sondern nur ihre Samenfasern, die auch Samenhaare genannt werden.

 

Tausende feine Haare

Im Juli und August schmücken gelbe oder weiße Blütenblätter die Baumwollpflanze. Nach der Bestäubung entwickelt sich eine Samenkapsel in der Blüte. In einer Kapsel liegen bis zu 30 Samenkörner. Etwa acht Wochen später platzt die reife Samenkapsel auf: Heraus quellen die weißen Samenhaare, die aussehen wie ein flauschiger Wattebausch. Etwa 2000 bis 7000 Haare haften an einem Samenkorn. Ein Bausch mit 30 Samenkörnern besteht also aus bis zu 210.000 Samenhaaren!

 

Zum Vergleich: Ein Mensch hat etwa 100.000 bis 120.000 Haare auf dem Kopf, die jedoch dicker sind als die dünnen Samenfasern.

Wie wird aus den Fasern ein T-Shirt?

Aufgeplatzte Baumwoll-SamenkapselAufgeplatzte Samenkapseln © pixelio.de/Grace Winter Sobald die Baumwollkapseln aufgesprungen sind, kann die Ernte losgehen. Heute sind es in der Regel Maschinen, die die weißen Büschel pflücken. Aber es gibt auch noch Bauern, die die Baumwolle per Hand pflücken. Die Qualität ist dann besser, weil die Bauern nur Baumwollkapseln pflücken, die tatsächlich reif, also aufgesprungen sind.

 

Große Kämme für die "Baumwollhaare"

Die geernteten Samenfasern müssen von den Samenkörnern getrennt werden - eine haarige Angelegenheit! Diese mühsame Aufgabe übernehmen heutzutage Entkörnungsmaschinen, "Cotton Gin" genannt. "Cotton" ist das englische Wort für Baumwolle. Diese Maschinen ziehen die Baumwolle mit großen Stahlkämmen durch und reinigen sie. Die erste Baumwollmaschine hat der US-Amerikaner Eli Whitney Ende des 18. Jahrhunderts erfunden. Sie zog die Baumwolle mit Hilfe von Drahthaken durch ein Drahtsieb und entfernte so die Samenkörner.
Junge probiert eine Handkarde ausMit der sogenannten Handkarde werden Baumwollfasern kardiert, also gekämmt.
© LVR-Industriemuseum

 

Danach ordnet eine Kardierungsmaschine die einzelnen Baumwollfasern auseinander und drückt sie anschließend zu Bändern zusammen. Der Begriff "kardieren" oder auch "karden" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "kämmen".

 

Eine Spinnmaschine zwirnt das Garn

Im nächsten Schritt dreht und zieht eine Spinnmaschine diese Bänder: Sie zwirnt ein Garn. Nun wird das Garn in der gewünschten Farbe gefärbt.

 

Zuletzt verarbeitet eine Webmaschine das Garn zu Stoff. Aus diesem Stoff wiederum kann ein Schneider dann zum Beispiel ein T-Shirt nähen.

 
Schon gewusst?

Baumwollfasern sind zwischen zwei und sechs Zentimeter lang. Es gilt: Je länger, desto höher ist die Qualität von Baumwolle. Denn lange Fasern lassen sich gleichmäßiger spinnen, so dass daraus ein feineres Garn entsteht.

Alte Spinner ...

1783 gründete Johann Gottfried Brügelmann in Ratingen die erste europäische Garn-Farbrik außerhalb von England. Hier wurde Baumwolle erstmals vollständig von mechanischen Maschinen gesponnen. Brügelmann guckte sich die Bauweise der Spinnmaschine von dem Engländer Richard Arkwright ab.

 

Dieser erfand 1771 einen Spinnrahmen, der mit Wasserkraft betrieben werden konnte. Diese erste vollmechanische Spinnmaschine nannte er "Water Frame", zu deutsch "Wasserrahmen". Heute können Besucher im Industriemuseum in Ratingen erfahren, wie der Rohstoff Baumwolle zum fertigen Garn verarbeitet wurde.

 

Bildergalerie Spinnmaschinen

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Vorspinnmaschine im LVR-Industriemuseum RatingenSpinnmaschinen im LVR-Industriemuseum in Ratingen  

 

TeKalino informiert: So viel Baumwolle steckt in einem T-Shirt!

TeKalinoAus den Samenkörnern der Baumwolle wird Öl gewonnen, aus dem man zum Beispiel Margarine oder Seife herstellen kann. 100 Kilogramm Rohbaumwolle ergeben etwa 35 Kilogramm Fasern und 62 Kilogramm Öl. Für ein T-Shirt braucht man etwa 400 Gramm Baumwollfasern.

Auf der ganzen Erde verbreitet

In Indien, Pakistan, Mexiko und Peru haben die Menschen schon vor über 5000 Jahren Kleidungsstücke aus Baumwolle hergestellt. Nach Europa kam die Pflanze vor über 3300 Jahren. Aber erst nachdem in England im 18. Jahrhundert die Spinn- und die Webmaschine erfunden wurden, setzte sich die Baumwolle bei uns gegen heimische Fasern wie Leinen, Hanf oder Wolle durch.

 

Heute bauen Bauern auf allen Kontinenten die Pflanze an. Die meiste Baumwolle stammt aus China, den USA und Indien. Weltweit werden jedes Jahr 25 Millionen Tonnen Baumwollfasern produziert - das reicht für 60 Milliarden T-Shirts. Jeder Mensch könnte also pro Jahr etwa acht neue T-Shirts kaufen.