Camera Obscura

Hast Du schon mal von der einfachsten Kamera, die es gibt, der so genannten Camera Obscura gehört? Der Begriff Camera Obscura kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "dunkle Kammer". Sie wurde viele Jahrhunderte vor der Photographie erfunden. Vielleicht hast Du sie schon in einem Filmmuseum bewundert.

 

Diese Kamera ist ein lichtdichter Kasten oder eine Kammer mit einem winzigen Loch, das als Blende dient. Auf der gegenüber liegenden Wand erzeugt sie ein scharfes Bild, das auf dem Kopf steht und gespiegelt ist.

1. Deine Kamera

Eine Camera Obscura oder Lochkamera kannst Du Dir auch selbst bauen.

Dazu brauchst Du:

Eine Schachtel oder Dose, Pergamentpapier und einen Gummiring oder Klebestreifen.

Bohre nun mit einem spitzen Gegenstand ein kleines Loch in Deine Dose oder Schachtel. Spanne über die Dosenöffnung Pergamentpapier und befestige es mit dem Gummiring oder Klebestreifen am Rand.

Jetzt dunkle Dein Zimmer ab so gut es geht und betrachte von dort aus ein möglichst angestrahltes Gebäude. Auf dem Pergamentpapier, das bei Deiner Kamera als so genannte Mattscheibe dient, erscheint das Gebäude nun umgekehrt und gespiegelt. Auch wenn Du die Lampe in Deinem Zimmer nun anschaltest und sie durch die Lochkamera betrachtest, siehst Du sie im "Kopfstand". Hast Du gerade eine Freundin oder Deinen Bruder zur Hand? Dann könnt ihr abwechselnd Gegenstände mit einer Taschenlampe anstrahlen, die der andere mit der Kamera betrachtet. Sicher fällt Dir so einiges ein, das wirkungsvoll aussieht.

Nach dem gleichen Prinzip, wie die Camera Obscura arbeiten übrigens auch Deine Augen. Die Lichtstrahlen fallen durch die Iris und die Linse, also die Pupille Deines Auges. Ein umgekehrtes Bild wird auf die gegenüber liegende Netzhaut projiziert. Nervenzellen leiten die Lichtreize ins Gehirn weiter. Erst das Sehzentrum Deines Gehirns "dreht" die Bilder wieder um. Den technischen Apparaten diente also die Natur als Vorbild.

2. Geschichte der Camera Obscura

Schon in vorchristlicher Zeit war das Prinzip der Camera Obscura Mathematikern und Gelehrten in China und in Griechenland bekannt. Vom 13. Jahrhundert an wurde sie von Astronomen zur Beobachtung von Sonnenflecken und Sonnenfinsternissen benutzt. Dadurch mussten sie nicht mit bloßem Auge in das gleißend helle Licht der Sonne blicken.

Was bei der Beobachtung der Sonne von Vorteil ist, erwies sich für andere Zwecke als Nachteil der Camera Obscura: Um ein scharfes Bild zu erzeugen, muss das Loch, durch das Licht fällt, möglichst klein gehalten werden. Je kleiner jedoch die Öffnung ist, um so weniger Licht fällt hindurch, und um so dunkler wird das Bild.

Im 16. Jahrhundert wurden deshalb Linsen aus optischem Glas dazu eingesetzt, die Abbildungsleistung der Camera Obscura technisch zu verbessern. Die Linsen erlaubten es, die Öffnung zu vergrößern und so ein helleres und trotzdem scharfes Bild zu erzeugen. Allerdings konnten so nur noch Gegenstände in einem bestimmten Abstand von der Linse scharf abgebildet werden.

Daran hat sich bis heute nichts geändert: Auch ein moderner Fotoapparat bannt immer nur die Gegenstände scharf, die sich in der am Objektiv eingestellten Entfernung befinden. Und ein Fotoapparat ist nichts anderes als eine tragbare Camera Obscura: Durch die Linse tritt das Licht in einen dunklen Raum, an dessen gegenüberliegender "Wand" das Bild auf den Film oder bei einer Digitalkamera auf den Bildwandler fällt. Das umgangssprachliche Wort ,,Kamera" für einen Fotoapparat hat seinen Ursprung auch in dem Ausdruck Camera Obscura.

Bilder und Text: Birgit Bender
BauzubehörDas ist alles, was Du für Deine Kamera brauchst.
Bohre ein kleines Loch als Blende in Deine Kamera. Blende bohren
HausBetrachte aus dem abgedunkelten Zimmer ein Gebäude im Freien.
Haus auf Kopf stehendAuf der "Mattscheibe" Pergamentpapier steht es Kopf.
LampeBetrachte auch andere leuchtende oder angestrahlte Gegenstände.