Die Königin der Giftschlangen

Schlangen kannst Du fast auf der ganzen Welt antreffen - große, kleine, bunte, einfarbige, giftige und ungiftige. Zu den sehr giftigen Schlangen zählt die Königskobra. Um diese große und kräftige Schlange in der Natur zu sehen, musst Du allerdings schon ein bisschen weiter reisen, nämlich nach Asien. Und was passiert, wenn Du in ihre Nähe kommst? Es kann gut sein, dass sie sich fix aus dem Staub macht, obwohl sie Dich weder hört noch sieht! Die Königskobra ist die längste Giftschlange der Welt, die sich auch ohne Arme, Beine und Ohren gut zu helfen weiß...

 

Königskobras sind feinfühlige Tiere: Sie können nicht nur Schritte von Menschen auf dem Boden wahrnehmen, sondern auch Erdbeben, die noch viele Kilometer weit weg sind! Wenn sie nicht gerade brütet und ihren Nachwuchs verteidigen will, ist die Giftschlange nicht angriffslustig. Sie flüchtet also eher vor Gefahr. Kommt ein Mensch jedoch in die Nähe ihres Nestes, kann das sehr gefährlich werden.

Groß und giftig


Um sich zu wehren oder ihren Nachwuchs zu verteidigen nutzt die Königskobra zum einen ihre Körpergröße. Sie ist meist drei bis vier Meter lang, kann aber auch über fünf Meter lang werden. Die Königskobra richtet sich problemlos auf und kann dabei Kindern, aber auch vielen Erwachsenen in die Augen gucken. Denn ihren Kopf hebt sie schon mal ein bis zwei Meter hoch! Neben ihrem langen und beweglichen Körper hat sie noch eine zweite Waffe: Gift. Da die Königskobra eine große Menge an Gift über ihre Zähne abgibt, endet ein Biss von ihr meist tödlich – für Beutetiere genauso wie für Menschen. Das Gift sorgt dafür, dass Tiere wie Menschen aufhören zu atmen und das ist lebensbedrohlich. Es gibt zwar ein Gegenmittel, aber das wirkt nur innerhalb einer bestimmten Zeit nach dem Biss und muss natürlich auch in der Nähe sein. Sogar für einen Elefanten kann die Begegnung mit der Königskobra tödlich enden. Denn ihre scharfen Giftzähne bohren sich auch durch die etwa zwei Zentimeter dicke Elefantenhaut.
KönigskobraDie Königskobra ist je nach Herkunft bräunlich bis schwarz, Kehle, Hals und Bauch sind gelb bis weißlich © Wikimedia/Tim Vickers

Schlangen spüren Erdbeben

Königskobras leben zum Beispiel in Indien, China, Indonesien, Thailand und auch auf den Philippinen. In diesen Staaten kommt es immer wieder zu Erdbeben. Wie viele andere Schlangen bemerken Königskobras bereits mehrere Tage vor einem Erdbeben durch Erschütterungen der Erde, dass Gefahr naht. Dabei kann das Erdbeben noch mehr als 100 Kilometer weit entfernt sein! Die Schlangen werden dann unruhig und versuchen zu flüchten. Chinesische Forscher haben daher 2006 Kameras in Schlangenfarmen aufgestellt, die die Tiere beobachten und so vor künftigen Erdbeben warnen können.

Nachwuchs und Nahrung

Ihren Nachwuchs verteidigen Königskobras nicht nur, sie machen es ihm auch sehr gemütlich: Als einzige Schlange baut die Königskobra ein Nest für die Eier, die sie legt. Aus ihnen schlüpfen nach zwei bis zweieinhalb Monaten etwa 50 Zentimeter große Schlangen. Die Fürsorge lässt nach dem Schlüpfen aber schnell nach: Die kleinen Königskobras sind von Geburt an auf sich allein gestellt. Die längste Giftschlange der Welt lebt in Wäldern, gerne auch in der Nähe von Gewässern. In diesem Lebensraum fühlt sie sich besonders wohl, denn sie kann gut klettern und auch hervorragend schwimmen. Auf ihren Beutezügen durch den Dschungel hat sie es vor allem auf Echsen und andere Schlangen abgesehen. Hat sie ein Tier gefangen und betäubt, schluckt sie es unzerkaut runter. Bei größeren Happen kann das schon mal mehrere Stunden dauern!


Text: Daniela Dorsch

Königskobra schaut einem Mann ins GesichtKönigskobras können sich sehr hoch aufrichten! © iStockphoto/Juanmonino