Wie wird Papier hergestellt?

Kinder schöpfen Papier im Deutschen Technikmuseum

Schulbücher, Notizhefte und Taschenbücher – sie alle bestehen aus Papier. Früher wurde Papier aus Textilien hergestellt, heute meist aus Holz. Was muss alles passieren, bis man ein Blatt in der Hand halten kann? Das erfahren Schulklassen im Deutschen Technikmuseum in Berlin: Die Schülerinnen und Schüler schöpfen eigenhändig Papier. TK-Logo hat einer vierten Klasse dabei über die Schulter geguckt...

 

Früher wurde Papier aufwendig von Hand geschöpft, Blatt für Blatt. Dazu war eine "Bütte" notwendig, das ist ein großes Gefäß aus Holz, Stein oder Eisen. Martin Schröder, Vorführer im Deutschen Technikmuseum, steht vor so einer Bütte aus Holz. Sie ist mit 500 Liter Wasser gefüllt, so viel wie in 50 Putzeimer passt. Das Wasser vermischt Martin Schröder mit zerkleinerter Baumwolle. Dann nimmt er ein rechteckiges, sehr feines Sieb zur Hand und legt einen Holzrahmen darauf. Der Rahmen sorgt dafür, dass die Papierkanten später einigermaßen gerade sind.

Papierschöpfen an einer BütteMartin Schröder zeigt den Kindern, wie er Papier mit einem Sieb schöpft. © SDTB / Ch. Musiol

Aus Baumwolle wird Papier

Die Baumwolle verteilt sich im Wasser, bis keine Fasern mehr zu sehen sind. Die Bütte ist nun mit einer milchigen Flüssigkeit gefüllt. Martin Schröder zieht das Sieb hindurch und hebt es waagerecht aus dem Wasser. Die Baumwollfasern bleiben am Sieb hängen. Er lässt überschüssiges Wasser abtropfen und drückt dann das Sieb mit den nassen Baumwollfasern auf ein Filztuch. Einmal festgedrückt, löst sich das "Papier" vom Sieb und bleibt auf dem Tuch kleben.

Martin Schröder legt ein weiteres Filztuch auf das "Papier" und schöpft noch ein Blatt ab. Das macht er noch ein paar Mal, dann schiebt er alles unter eine Presse. Das ist wichtig, damit möglichst viel Wasser aus dem Papier entweicht. Danach lassen sich die "Blätter" mühelos vom Filztuch abziehen und zum Trocknen aufhängen. Nach etwa vier Stunden sind sie trocken, aber ziemlich zerknittert. Früher musste man das zerknitterte Papier so lange mit einem Stein reiben, bis es glatt war - diese Aufgabe mussten oft Kinder übernehmen. Später wurde eine spezielle Walze erfunden, um die Blätter zu glätten. So eine Walze steht auch in der kleinen Papiermacherwerkstatt von Martin Schröder - sie kommt später noch zum Einsatz.

Übrigens...

Papier wird heutzutage größtenteils aus Holz hergestellt, genauer gesagt aus Zellstoff. Der entsteht, wenn Holzfasern mithilfe von Chemikalien aufgelöst werden. Da Holz ein kostbarer Rohstoff ist, wird Papier oft auch recycelt. War Papierherstellung früher noch zu einem großen Teil Handarbeit, so übernehmen heute Maschinen in Papierfabriken die meiste Arbeit.

Ran ans Schöpfen!

Nachdem der Profi gezeigt hat, wie das Papierschöpfen funktioniert, probieren es die Schülerinnen und Schüler selbst aus. Sie bekommen ein aufbereitetes Gemisch aus Baumwolle, Holz und Altpapier.


Flüssigkeit wird durchgerührtZuerst verrühren die Kinder das Gemisch, sodass keine Klumpen entstehen. © SDTB / Ch. Musiol
Junge hält Sieb in der HandDann ziehen sie das Sieb durchs Wasser und lassen es gut abtropfen. © SDTB / Ch. Musiol
Rahmen wird von Sieb gelöstIst das meiste Wasser abgetropft, nehmen die Kinder den Holzrahmen ab. © SDTB / Ch. Musiol
Sieb wird auf Filztuch gedrückt, die Papiermasse bleibt daran klebenDie Papiermasse wird vom Sieb auf ein Filztuch gedrückt und bleibt darauf kleben. Dann legen sie ein weiteres Filztuch über die Papiermasse. © SDTB / Ch. Musiol
Kinder drehen an einer PresseNachdem die Kinder ein paar Blätter auf diese Weise hergestellt und mit mehreren Filztüchern dazwischen gestapelt haben, legen sie alles unter eine Presse. © SDTB / Ch. Musiol
Feuchte Blätter werden an Holzgestell aufgehängtAus der nassen Papiermasse sind feuchte Blätter geworden, die die Kinder zum Trocknen an ein extra angefertigtes Holzgestell hängen. © SDTB / Ch. Musiol 

Damit die Schüler nicht vier Stunden lang auf ihr selbstgeschöpftes Papier warten müssen, schiebt Martin Schröder die feuchten Blätter einzeln durch die Papierwalze. Im Gegensatz zu dem Papier, das er zuvor aus der Bütte geschöpft und zum Trocknen aufgehängt hat, ist das Papier der Schüler ganz glatt. Das liegt zum einen an der Walze und zum anderen an dem Leim, den der Papierprofi mit ins Wasser gegeben hat - der Leim versiegelt das Papier. Dadurch sind die Blätter so glatt, dass die Kinder wie in ihren Schulheften mit Tinte darauf schreiben können, ohne dass sie verläuft.

Papier hat eine lange Geschichte


Die Viertklässler lernen im Deutschen Technikmuseum aber nicht nur, wie die Menschen früher Papier geschöpft haben, sondern auch, wo die Papierherstellung begann: Um 200 vor Christus haben die Chinesen das Papier erfunden. Im 11. Jahrhundert stellten die ersten Europäer Papier her und 1390 gab es die erste Papiermacherwerkstatt in Deutschland. Früher war Papier sehr wertvoll, schließlich war die Herstellung sehr aufwendig. Heute ist es günstig und Menschen verwenden es auf der ganzen Welt.
PapierLinks liegt das nicht geglättete Papier und rechts das gewalzte Papier. © exozet/Dorsch

Willst Du auch mal Papier schöpfen?

Das Deutsche Technikmuseum bietet für Kinder ab acht Jahren Kurse zum Papierschöpfen an. Mehr Informationen findest Du auf IMAGE XLINKLINK. Auch in anderen deutschen Museen kannst Du eigenhändig Papier schöpfen. Hast Du ein Technikmuseum oder Industriemuseum in Deiner Nähe? Dann frage dort einfach mal nach. Auch Volkshochschulen bieten Kurse zum Papierschöpfen an.

Text: Daniela Dorsch