Schildkröten – erstaunliche Reptilien

Schildkröten brechen im Tierreich so einige Rekorde. Wusstest Du beispielsweise, dass die gepanzerten Reptilien schon vor den Dinosauriern auf der Erde gelebt und damit Eiszeiten, Seebeben und andere Naturkatastrophen überstanden haben? TK-Logo hat einige spannende Fakten über Schildkröten zusammengetragen...

 

Wußtest Du, dass...

 

... Schildkröten ganz schön alt werden können?

Elefanten können 90 Jahre alt werden, Riesenschildkröten mehr als 200 Jahre! Die älteste Schildkröte, von der wir Menschen wissen, soll sogar 256 Jahre alt gewesen sein. Übrigens: Wissenschaftler haben kürzlich in den Tiefen des arktischen Meeres das vermutlich älteste Lebewesen der Erde gefunden – einen Schwamm, der schon mehr als 10.000 Jahre lang lebt.

... einige Schildkröten fast eine Tonne auf die Waage bringen?


Es gibt etwa 230 verschiedene Schildkrötenarten. Die kleinste Schildkrötenart, die gesägte Flachschildkröte, ist nur etwa sechs bis zehn Zentimeter groß geworden. Diese Landschildkröte aus dem südlichen Afrika ist heute vom Aussterben bedroht. Die größten Schildkröten sind die Lederschildkröten. Sie gehören zu den Wasserschildkröten und können bis zu zweieinhalb Meter lang und mehr als 900 Kilogramm schwer werden.
Grüne Meeresschildkröte im WasserJunge Grüne Meeresschildkröten ernähren sich von verschiedenen kleinen Meeresbewohnern. © photosub.com/Kurt Amsler

... Schildkröten keine Zähne haben?

Schildkröten haben keine Zähne, aber die Knochen ihrer Kiefer sind an den Rändern sehr hart, so dass sie damit wie ein Vogel mit seinem Schnabel zubeißen können. Die meisten Schildkröten sind Allesfresser, es gibt aber auch Arten, die hauptsächlich Pflanzen oder Fleisch essen. Eine Meeresschildkrötenart ändert ihre Ernährungsgewohnheiten sogar je nach Alter: Junge Grüne Meeresschildkröten ernähren sich von verschiedenen Meeresbewohnern wie Krabben oder Quallen, wenn sie ausgewachsen sind, fressen sie jedoch nur noch Pflanzen wie Seegras und Algen.

... Schildkröten sehr gut sehen und riechen, aber nicht gut hören können?

Schildkröten können sehr gut sehen, da sie vier verschiedene Farbrezeptoren haben. Mit diesen Sinneszellen auf der Netzhaut der Augen nehmen Schildkröten Farben wahr. Auch wir Menschen besitzen solche Farbrezeptoren, allerdings nur drei verschiedene. Deshalb können Schildkröten Farben besser unterscheiden als Menschen. Außerdem können sie mit bestimmten Geruchsrezeptoren im Rachen sehr gut riechen. Ihren Geruchssinn nutzen sie nicht nur für die Nahrungs- und Partnersuche, sondern auch zur Orientierung. Nur hören können Schildkröten nicht so gut. Weil ihr Außenohr nicht voll ausgebildet ist, nehmen sie nur sehr tiefe Töne wahr.

Reptilien

Reptilien – also Schildkröten, Schlangen, Krokodile und Echsen – gehören wie Säugetiere und Vögel zu den Wirbeltieren. Sie haben eine trockene Haut, die oft von Schuppen oder Hornplatten bedeckt ist. Ihren Nachwuchs bekommen sie, indem sie Eier legen. Reptilien haben keine gleichbleibende Körpertemperatur wie Säugetiere, sondern ihre Körpertemperatur passt sich der Temperatur der Umwelt an. Übrigens: Das Wort "reptilis" kommt aus der lateinischen Sprache und bedeutet kriechen. Deshalb heißen Reptilien auch Kriechtiere.

... es Schildkröten ohne den typischen Panzer gibt?

Bei der Lederschildkröte hat sich der ursprüngliche Panzer aus Knochen und Horn zurückgebildet. So kam die Schildkröte auch zu ihrem Namen: Statt des Panzers hat sie eine dicke, lederartige Haut auf dem Rücken.

... einige Schildkröten länger unter Wasser bleiben können als Wale und Seehunde?

Wie Wale und Seehunde haben Schildkröten keine Kiemen, sondern Lungen. Im Gegensatz zu Fischen müssen sie also immer wieder auftauchen, um Luft zu holen. Einige Schildkröten können aber sehr lange unter Wasser bleiben. Riesenweichschildkröten, die zu den asiatischen Süßwasserschildkröten gehören, halten es bis zu 15 Stunden unter Wasser aus, während einige Wale nach etwa anderthalb Stunden und die besten Taucher unter den Seehunden nach maximal zwei Stunden wieder auftauchen müssen. Wie das die Schildkröten machen? Ihre Mundschleimhaut ist mit gut durchbluteten, fadenförmigen Hautfalten ausgestattet, sie werden auch Zotten genannt. Diese Zotten können Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen und Kohlendioxid abgeben – sie funktionieren also wie die Kiemen bei einem Fisch.

... Schildkröten Langstreckenschwimmer sind?

Den Streckenrekord hält wieder einmal die Lederschildkröte: Sie kann bis zu 12.000 Kilometer zurücklegen, um einmal alle zwei bis drei Jahre von ihrem Brutplatz zu einer geeigneten Futterstelle und wieder zurück zu gelangen. Das ist ungefähr so weit wie von Deutschland nach Südamerika! Doch egal, wie weit Schildkröten schwimmen - dank ihres guten Orientierungssinns finden sie immer wieder zu dem Strand zurück, an dem sie geschlüpft sind. Meeresschildkröten vergraben ihre Eier nämlich im Strandsand. Wenn sie groß genug sind, schlüpfen die kleinen Schildkröten, graben sich selbst aus und laufen so schnell wie möglich Richtung Meer.
Frisch geschlüpfte Grüne Meeresschildkröte in IndonesienDiese Schildkröte ist gerade erst geschlüpft. © Turtle Foundation

... es Schildkröten fast auf der ganzen Welt gibt?

Mit Ausnahme des Nord- und Südpols gibt es auf der ganzen Welt und in allen Ozeanen Schildkröten. Insgesamt gibt es noch 230 verschiedene Arten. Die meisten von ihnen leben im Wasser: nicht nur in den Meeren, sondern auch in Seen, Flüssen und Bächen. Es gibt aber auch einige Landschildkröten.

... viele Schildkröten gefährdet sind?

Man sollte denken, dass Schildkröten wegen ihres Panzers gut vor Feinden geschützt wären. Doch viele Schildkrötenarten sind vom Aussterben bedroht, zum Beispiel die gesägte Flachschildkröte aus dem südlichen Afrika. Einige Schildkrötenarten sind sogar schon ausgestorben. Die größte Gefahr für die gepanzerten Tiere ist der Mensch. Obwohl Schildkröten unter Artenschutz stehen, gibt es noch Menschen, die sie wegen ihres Fleisches jagen. In einigen Ländern sind auch die Eier, die die Meeresschildkröten am Strand eingraben, als Speise beliebt. Außerdem landen viele Schildkröten in den Netzen von Fischern, die eigentlich Fische fangen wollen. Auch die zunehmende Verschmutzung der Meere macht den Tieren das Überleben schwer.

Text: Dörte Eppelin

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Du möchtest mehr über Schildkröten erfahren und wie sie geschützt werden? Auf der Website der IMAGE