Was ist der Große Wagen?

Über 3000 Sterne kannst Du in einer klaren Nacht mit bloßem Auge erblicken. Erkennst Du in dem Meer der leuchtenden Punkte den Großen Wagen? TK-Logo erklärt Dir, was dieses Sternbild ist, und gibt Dir Tipps zum Sternegucken.

 

Sterne sind ferne Sonnen. Sie sind so weit weg, dass Astronomen ihre Entfernung zur Erde in einer besonderen Maßeinheit messen: in Lichtjahren. Licht bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von rund 300.000 Kilometer pro Sekunde. Das ist unfassbar schnell: In der Zeit, in der wir ein Mal in die Hände klatschen, könnte das Licht 7,5 Mal die Erde umrunden. Von der Erde zum Mond braucht das Licht gerade mal 1,3 Sekunden und die Strecke von der Sonne zur Erde legt es in etwa acht Minuten zurück.

 

Die Sterne am Sternenhimmel sind von uns viel weiter entfernt als die Sonne: Zu unserem nächsten Stern mit dem Namen Proxima Centauri braucht Licht länger als vier Jahre. Ein Raumschiff wäre zu diesem Stern tausende Jahre unterwegs.

 

Was ist ein Sternbild?

Infografik: Abstände der Sterne des Großen WagensDie Sterne des Großen Wagens sind unterschiedlich weit von der Erde entfernt. © icomedias/ D. NagengastKennst Du solche Malvorlagen, bei denen Du Punkte verbinden musst, um eine Figur zu zeichnen? Etwas Ähnliches haben die Menschen bereits vor mehr als 2000 Jahren mit dem Sternenhimmel gemacht: Sie haben den Nachthimmel beobachtet und darin nach bekannten Mustern oder Figuren gesucht. Dazu haben sie mehrere Sterne zu einem Sternbild zusammengefasst. Diese Sternbilder haben sie nach Tieren, Helden, Göttern oder Alltagsgegenständen benannt. Für uns Menschen wirkt es von der Erde aus, als ob die Sterne eines Sternbildes nah beieinander liegen. Dabei können sie Lichtjahre voneinander entfernt sein, wie Du in der Infografik erkennen kannst:

 

Was ist ein Astronom?

Ein Astronom ist ein Wissenschaftler, der sich mit Sternen, Planeten und anderen Himmelskörpern beschäftigt. Er untersucht zum Beispiel, woraus Sterne bestehen und wie sich Planeten bewegen. Der Name der Wissenschaft "Astronomie" ist zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern "Astron" (Stern) und "Nomos" (Gesetz).

88 Sternbilder

In verschiedenen Teilen der Erde haben Menschen verschiedene Sternbilder am Himmel entdeckt und als Orientierungshilfe zum Beispiel in der Seefahrt verwendet. Der griechische Astronom Ptolemäus fand im Jahr 150, also vor etwa 1860 Jahren, 48 Sternbilder, die wir heute noch kennen. Nachdem Fernglas und Teleskop erfunden wurden, entdeckten Astronomen immer mehr Sterne und beschrieben unterschiedliche Sternbilder. Im Jahr 1930 haben sich Astronomen aus vielen Ländern auf 88 Sternbilder geeinigt. Eines der bekanntesten ist der Große Wagen.

 

Der Große Wagen

Der Große Wagen sieht so aus wie ein Bollerwagen ohne Räder: ein Kasten mit einer Deichsel dran. Das Sternbild besteht aus sieben hellen Sternen. Vier Sterne bilden den Kasten, drei weitere die Deichsel. Wenn Astronomen sich unterhalten, sprechen sie schon mal von "Alpha im Großen Wagen".

 

Hast Du eine Idee, was das heißen könnte? Die Sterne, die zusammen ein Sternbild bilden, ordnen Astronomen nach ihrer Helligkeit. Der hellste Stern heißt "Alpha" - das ist der erste Buchstabe des griechischen Alphabets. Der zweithellste Stern heißt nach dem zweiten Buchstaben "Beta", der dritthellste "Gamma" und so weiter. Wie hell ein Stern für uns strahlt, hängt einerseits davon ab, wie hell er tatsächlich strahlt, aber auch davon, wie weit er entfernt ist. Wenn Du zwei Sterne siehst, die gleich hell scheinen, heißt es nicht, dass beide gleich weit entfernt sind. Einer von ihnen könnte viel weiter weg sein als der andere, aber durch seine höhere Leuchtkraft genauso hell wirken.

 

Zeichnung des Sternbildes Großer BärKupferstich von 1782 aus dem Sternatlas von Johann Elert Bode. [Public domain]

Teil des Sternbilds Großer Bär

Der Große Wagen ist übrigens Teil eines größeren Sternbildes: der Große Bär. Zu diesem Sternbild gehören noch mehr Sterne, doch sie sind nicht so hell und gut sichtbar wie die sieben Sterne, die den Großen Wagen bilden. Deswegen ist der Große Wagen das bekanntere Sternbild.

 

Schau Dir mal das Bild auf der linken Seite genauer an. Es stammt von dem deutschen Astronomen Johann Elert Bode und zeigt das gesamte Sternbild Großer Bär. Erkennst Du die sieben Sterne, die den Großen Wagen bilden?

 

Hier findest Du die Lösung!

Zeichnung des Sternbildes Großer Bär 

Hast Du alle sieben Sterne des Großen Wagens entdeckt? Wir haben sie mit roten Kreisen gekennzeichnet. Die drei Deichselsterne bilden den Schwanz, die vier Sterne für den Wagenkasten befinden sich auf dem hinteren Rücken des Großen Bären.

 

Schon gewusst? Warum der Große Wagen "groß" ist ...

Der Kleine und der Große WagenGanz einfach: weil er größer ist als der "Kleine Wagen", den es am Nachthimmel ebenfalls zu sehen gibt. So wird nämlich das Sternbild Kleiner Bär auch genannt. Am Ende der Deichsel des Kleinen Wagens steht ein sehr bekannter Stern: der Polarstern, auch Nordstern genannt. Er ist nämlich auf der Nordhalbkugel der Erde das ganze Jahr über zu sehen, auf der Südhalbkugel dagegen nie.

 

Es gibt übrigens einen einfachen Trick, wie Du mithilfe des Großen Wagens den Kleinen Wagen am Nachthimmel entdecken kannst: Die beiden hellen Sterne an der "Hinterachse" des Großen Wagens weisen Dir den Weg zum Polarstern. Man nennt sie deshalb auch Polweiser. Denke Dir eine Linie zwischen dem unteren und dem oberen Polweiser. Verlängere diese Gedankenlinie bis Du bei einem hellen Stern landest; es handelt sich um den Polarstern, der den Endpunkt des Kleinen Wagens bildet. Der Abstand zwischen dem oberen Polweiser und dem Polarstern beträgt etwa das Fünffache des Abstands zwischen den beiden Polweisern.

 

Der Weg des Wagens

Auch den Großen Wagen können wir von Deutschland aus das ganze Jahr über am Sternenhimmel sehen - aber nicht immer an derselben Stelle. Schon während einer einzigen Nacht, sieht es für uns so aus, als wanderten die Sterne von Osten nach Westen. Hast Du eine Idee wieso? Genau, weil sich die Erde im Tagesverlauf einmal um sich selbst dreht. Also bewegen wir uns und nicht die Sterne!

Großer Wagen im JahreszeitverlaufIm Laufe des Jahres verändert sich der Stand des Großen Wagens. © icomedias/ D. NagengastIm Laufe des Jahres steht der Große Wagen mal hoch am Himmel, mal tief über dem Horizont. Von Deutschland aus siehst Du den großen Wagen Anfang März am Abend im Nordosten. Im Mai kannst Du ihn gegen 22 Uhr fast senkrecht über Dir entdecken. Bis Mitte Juli rückt er allmählich nach rechts, wo Du ihn gegen 22 Uhr im Nordwesten findest. Anfang Dezember ist er gegen 19 Uhr tief im Süden, nur noch knapp über dem Horizont zu sehen. Der Große Wagen steht je nach Jahreszeit von uns aus gesehen mal auf der Seite oder auch dem Kopf.