Was ist Fieber und wie entsteht es?

Fieber ist ein häufiges Krankheitszeichen (Symptom) im Kindesalter. Oft versteht man darunter eine Erhöhung der Körpertemperatur in der Regel über 38 Grad Celsius bei Messung im After beziehungsweise Enddarm (Rektum).

 

Die Körpertemperatur eines Kindes unterliegt tageszeitlichen Schwankungen, frühmorgendliche Temperaturen sind niedriger als abendliche. Gerade kleine Kinder, die körperlich sehr aktiv sind, können abends Temperaturen über 38 Grad Celsius haben, ohne krank zu sein. In solchen Fällen empfiehlt es sich, nach einer Ruhephase von etwa einer halben Stunde die Körpertemperatur noch einmal zu messen.

 

Kinder, vor allem kleine, fiebern weitaus schneller als Erwachsene. Selbst Störungen mit einem eher geringen gesundheitlichen Risiko können bei ihnen Fieber hervorrufen. Das ist ein wichtiger Schutzmechanismus und eine wesentliche Abwehrreaktion, um zum Beispiel Erreger in den Griff zu bekommen.

 

Wie sollte Fieber gemessen werden?

Die Messung der Körpertemperatur erfolgt am besten rektal, also im Enddarm beziehungsweise After des Kindes. Die dort gemessene Temperatur entspricht in etwa der Temperatur, die im Körper herrscht (Körperkerntemperatur). Zur Messung wird das Thermometer eventuell mit zuvor eingefetteter Spitze, zum Beispiel mit Vaseline, etwa ein bis zwei Zentimeter in den Enddarm eingeführt. Hierfür bieten sich beispielsweise digitale Fieberthermometer an, die durch einen Piepton signalisieren, wenn die Messung abgeschlossen ist.

 

Temperaturmessungen im Mund (oral) unter der Zunge sind gerade bei kleinen Kindern relativ ungenau und störanfällig. Die Messwerte liegen etwa 0,5 Grad Celsius unter der rektal gemessenen Temperatur. Viele Störfaktoren wie Atmung und unterschiedliche Platzierung der Thermometerspitze beeinflussen die Temperatur. Bei kleinen Kindern besteht zudem die Gefahr, dass sie das Fieberthermometer zerbeißen und sich verletzen.

 

Wenig empfehlenswert sind Messungen unter der Achsel (axillar) bei Kindern, die je nach Messdauer und Vorgehen starken Schwankungen unterliegen. Kindern fällt es oft besonders schwer, das Thermometer lange genug ruhig unter dem Arm zu halten. Die axillar gemessenen Temperaturen können bis zu ein 1 Grad Celsius von der rektal bestimmten abweichen.

 

Die genaue Bestimmung der Körpertemperatur mit einem Ohr-Fieberthermometer hängt sehr stark von der richtigen Anwendung ab. Diese Thermometer verfügen über einen Temperaturfühler (Sensor), mit dessen Hilfe die Temperatur des Trommelfells im Ohr gemessen wird. Korrekt bestimmte Werte liegen etwa 0,5 Grad Celsius unter der rektal ermittelten Temperatur. Um den Sensor möglichst nahe an das Trommelfell zu bringen, muss die Ohrmuschel des Kindes nach hinten und oben gezogen werden. Am besten lässt man sich beim Kauf eines solchen Thermometers die richtige Anwendung zeigen.

Welches sind die häufige Ursachen für Fieber im Kindesalter?

Häufige Fieberursachen bei Kindern sind virale und bakterielle Infektionskrankheiten. Aber auch bei Flüssigkeitsmangel kann Fieber auftreten. Seltenere Ursachen sind rheumatische Erkrankungen, Vergiftungen sowie Tumorerkrankungen, zum Beispiel Leukämien. Wichtig für die Diagnosestellung sind die bestehenden Begleitsymptome und die Beobachtungen der Eltern.

 

Im Folgenden sind einige Fieberursachen mit typischen Begleitsymptomen aufgeführt.

 

Infektionskrankheiten 

  • Infektionen der oberen Atemwege: Schnupfen, Husten, Halsschmerzen
  • Mittelohrentzündung (Otitis media): Ohrenschmerzen; typischerweise fassen sich kleine Kinder häufig ans Ohr
  • Bronchitis: Husten, eventuell Luftnot
  • Mandelentzündung (Angina tonsillaris): Halsschmerzen, Schluckbeschwerden (Nahrungsverweigerung), eventuell Beläge auf den Halsmandeln
  • Magen-Darm-Infektion: Durchfall und Erbrechen
  • Lungenentzündung (Pneumonie): Husten, erhöhte Atemfrequenz, Atemnot, geblähter Bauch und Bauchschmerzen
  • Harnwegsinfektion: häufiges, schmerzhaftes Wasserlassen, bei Kindern oft nur mit Bauchschmerzen angegeben, Bettnässen
  • Hirnhautentzündung (Meningitis): Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Lichtscheue
  • Kinderkrankheiten wie Windpocken, Dreitagefieber, Röteln, Scharlach, Masern und Mumps mit den charakteristischen Begleiterscheinungen sowie Hautausschlägen
  • Blinddarmentzündung (Appendizitis): Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Stuhlunregelmäßigkeiten (meist Verstopfungen), Blässe 

Andere Ursachen für Fieber 

  • Fieber durch Flüssigkeitsmangel bei Säuglingen (Durstfieber): weitere Zeichen des Flüssigkeitsmangels wie schlaffe Haut, Schläfrigkeit, Durchfall oder Erbrechen, trockene Zunge und Schleimhäute, starker Durst
  • Impfreaktion: leichtes Fieber, meist ohne Begleiterscheinungen 

Seltenere Fieberursachen 

  • Tumorerkrankungen, zum Beispiel Leukämie: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Knochen- oder Gelenkschmerzen, Blässe, Nasen- oder Zahnfleischbluten, Gewichtsabnahme
  • Fieber durch allergische Reaktionen gegen Arzneimittel

Was können Eltern tun?

Eltern sollten regelmäßig die Körpertemperatur ihres fiebernden Kindes bestimmen und sich die Messwerte aufschreiben. Zu den Maßnahmen, die Eltern ergreifen können, um ihrem Kind zu helfen, gehören Wadenwickel oder auch ein lauwarmer feuchter Waschlappen auf der Stirn sowie der häufige Wechsel von Bettwäsche und Handtüchern.

 

Wichtig ist außerdem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, denn bei Fieber verliert der Körper vermehrt Flüssigkeit über die Haut. Am besten ist es, wenn ein krankes Kind häufig kleinere Mengen trinkt. Geeignet sind zum Beispiel Wasser oder Früchte- beziehungsweise Kräutertee.

 

Darüber hinaus stehen einige Medikamente zur Verfügung, deren Anwendung man jedoch möglichst vorher mit dem Kinderarzt besprechen sollte.

 

Wann sollten Eltern mit ihrem Kind bei Fieber zum Arzt gehen?

Das Spektrum der Fieberursachen im Kindesalter reicht von harmlosen, von selbst abheilenden Virusinfektionen bis hin zu schweren Erkrankungen, die eine schnelle ärztliche Behandlung erfordern.

 

Prinzipiell gilt, dass vor allem Eltern, die sich unsicher sind, ihre fiebernde Kinder einem Kinderarzt vorstellen sollten, der die Ursachen abklärt und eine entsprechende Behandlung veranlasst.

 

Auf jeden Fall empfiehlt es sich, einen Arzt hinzuziehen, bei zum Beispiel:  

  • Sehr hohem Fieber
  • Länger anhaltendem Fieber
  • Fieber bei Säuglingen, die jünger als drei Monate sind
  • Schwerwiegenden Begleitsymptomen, wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Bauchschmerzen, Schmerzen beim Wasserlassen, schlechter Allgemeinzustand
  • Krampfanfällen
  • Zeichen des Flüssigkeitsmangels, zum Beispiel trockene Schleimhäute, eingefallene Augen oder Fontanelle
  • Trinkschwäche bei Säuglingen
  • Bekannten chronischen Erkrankungen, zum Beispiel Abwehrschwäche, Herzfehler oder Tumorerkrankungen
  • Fieber, das durch fiebersenkende Maßnahmen nicht zurückgeht

Welche Maßnahmen ergreift der Arzt?

Der Arzt macht sich zunächst durch eine Befragung der Eltern - und wenn möglich auch des Kindes - ein Bild über Dauer, Höhe des Fiebers und bestehende Begleitsymptome. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, um weitere Hinweise auf die Fieberursache zu erhalten.

 

Weitere mögliche Untersuchungen richten sich nach der vermuteten Ursache. So können unter anderem Urintests, Blutanalysen, Rachenabstriche, Ultraschalluntersuchungen oder Röntgenaufnahmen erfolgen.

 

Die Behandlung hängt entscheidend von der gestellten Diagnose ab. Liegt eine beispielsweise durch Bakterien verursachte Infektion vor, können Antibiotika zum Einsatz kommen.

 

Eine vorübergehende Behandlung im Krankenhaus ist beispielsweise dann erforderlich, wenn es dem Kind sehr schlecht geht, ein massiver Flüssigkeitsmangel vorliegt oder der Verdacht auf eine seltene, ernsthafte Ursache besteht.

 

Was ist ein Fieberkrampf?

Fieberkrämpfe treten besonders bei Kleinkindern im Rahmen von oft hohem Fieber auf. Sie kommen typischerweise bei raschem Temperaturanstieg oder -rückgang vor. Die Kinder können das Bewusstsein verlieren und sind nicht ansprechbar. Sie können sich überstrecken und mit Armen und Beinen rhythmisch zucken. Ein normaler Fieberkrampf dauert einige Minuten.

 

Bei Auftreten eines Fieberkrampfes ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Eltern legen das Kind am besten auf die Seite, damit es, falls es erbricht, das Erbrochene nicht verschluckt. Vor allem beim erstmaligen Auftreten eines Fieberkrampfs, sollte das Kind einem Arzt vorgestellt werden. Hält der Fieberkrampf länger an, empfiehlt es sich, ärztliche Hilfe zu rufen.

 

Obwohl viele Eltern einen Fieberkrampf als bedrohliches Ereignis empfinden, sind die meisten Infektkrämpfe unkompliziert. Ungefähr drei bis vier Prozent aller Kinder haben im Laufe der Kindheit einen Fieberkrampf, bei 20 bis 30 Prozent kommt es zu einem weiteren Anfall. Selten ist bei sehr häufig auftretenden Fieberkrämpfen zur Vorbeugung eine medikamentöse Behandlung nötig.

 

 

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