Fieber bei Kindern: Wann ist es gefährlich?

Machen Sie sich Sorgen, weil Ihr Kind Fieber hat? Eine erhöhte Körpertemperatur oder Fieber kommen bei Kindern häufig vor. Oft vergeht es von selbst wieder, manchmal ist es aber besser, zum Arzt zu gehen.

 

Die Körpertemperatur eines Kindes kann sich im Lauf des Tages verändern: Am frühen Morgen sind die Temperaturen niedriger als am Abend. Vor allem kleine Kinder, die körperlich sehr aktiv sind, können abends Temperaturen über 38 Grad Celsius haben, ohne krank zu sein.


 

Fieber oder nur erhöhte Temperatur?

Von Fieber spricht man erst, wenn das Fieberthermometer 38 Grad Celsius anzeigt, und zwar nach dem Messen im Po (After). Ab 39 Grad Celsius hat ein Kind hohes Fieber. Lebensgefährlich kann es ab einer Temperatur über 41,5 Grad Celsius werden, denn dann werden die körpereigenen Eiweiße zerstört.

 

Wenn das Kind abends eine Temperatur von 38 Grad hat und man sich nicht sicher ist, ob das Kind krank ist, empfiehlt es sich, nach einer Ruhephase von etwa einer halben Stunde die Körpertemperatur noch einmal zu messen.

 

Kinder fiebern schneller als Erwachsene

Kinder, vor allem kleine Kinder, fiebern weitaus schneller als Erwachsene. Selbst Störungen mit einem eher geringen gesundheitlichen Risiko können bei ihnen Fieber hervorrufen. Das ist ein wichtiger Schutzmechanismus und eine wesentliche Abwehrreaktion, zum Beispiel gegen Krankheitserreger.

 

Fiebermessen - so genau sind die Methoden

"Praktisch sind digitale Fieberthermometer: Sobald die Messung beendet ist, ertönt ein Piepsen. Dann können Sie die Endtemperatur ablesen", so Petra Rudnick, Allgemeinmedizinerin im TK-Ärztezentrum.

 

Richtig Fieber messen

Am genauesten können Sie die Körpertemperatur Ihres Kindes messen, wenn Sie das Fieberthermometer in den After des Kindes einführen. Die im Enddarm gemessene Temperatur entspricht in etwa der Temperatur, die im Körper herrscht (Körperkerntemperatur). Wenn Sie die Spitze des Thermometers etwas einfetten, zum Beispiel mit Vaseline, lässt es sich leichter einführen. Das Thermometer sollte etwa ein bis zwei Zentimeter eindringen.

 

Messungen im Mund

Relativ ungenau sind die Ergebnisse des Fiebermessens, wenn Sie das Fieberthermometer in den Mund unter die Zunge stecken. Vor allem bei kleinen Kindern sind solche Messungen störanfällig. Je nachdem, wo im Mund das Thermometer sich befindet, können die gemessenen Temperaturen unterschiedlich ausfallen. Auch die Atmung kann das Messergebnis beeinflussen. Außerdem zerbeißen kleine Kinder manchmal das Fieberthermometer und verletzen sich dabei. Durchschnittlich sind die im Mund gemessenen Temperaturen etwa ein halbes Grad Celsius niedriger als im After.

 

Messungen unter der Achsel

Auch Messungen unter der Achsel sind bei Kindern wenig empfehlenswert. Sie können je nach Messdauer und Lage des Thermometers stark schwanken. Das liegt unter anderem daran, dass es vielen Kindern schwerfällt, das Thermometer lange genug ruhig unter dem Arm zu halten. Die Messwerte unter der Achsel können um bis zu ein Grad Celsius von den Temperaturen im After abweichen.

 

Mit dem Ohr-Fieberthermometer messen

Auch Ohr-Fieberthermometer haben ihre Tücken. Wie genau die Messwerte damit sind, hängt sehr stark von der richtigen Anwendung ab. Ohr-Fieberthermometer haben einen Temperaturfühler (Sensor), der die Temperatur des Trommelfells im Ohr misst. Korrekt bestimmte Werte liegen etwa ein halbes Grad Celsius unter der Temperatur im After.

 

Damit der Sensor möglichst nahe an das Trommelfell gelangt, müssen Sie die Ohrmuschel des Kindes nach hinten und oben ziehen. "Wenn Sie ein Ohr-Fieberthermometer kaufen, dann lassen Sie sich am besten gleich zeigen, wie dieses anzuwenden ist", empfiehlt Petra Rudnick.

 

Ursachen - darum haben Kinder Fieber

Häufig sind es Infektionen durch Viren oder Bakterien, die bei Kindern Erkrankungen auslösen und Fieber verursachen. Auch bei Flüssigkeitsmangel kann es zu Fieber kommen. Seltener sind rheumatische Erkrankungen, Vergiftungen oder Krebserkrankungen wie Leukämien die Ursache von Fieber. Damit der Arzt die Ursache finden kann, muss er wissen, welche weiteren Krankheitszeichen vorhanden sind. Ihre Beobachtungen sind wichtig für ihn.

 

Fieberursachen und typische Begleiterscheinungen

Infektionskrankheiten:

  • Infektionen der oberen Atemwege: Schnupfen, Husten, Halsschmerzen
  • Mittelohrentzündung (Otitis media): Ohrenschmerzen; typischerweise fassen sich kleine Kinder häufig ans Ohr
  • Bronchitis: Husten, eventuell Luftnot
  • Mandelentzündung (Angina tonsillaris): Halsschmerzen, Schluckbeschwerden (Nahrungsverweigerung), eventuell Beläge auf den Halsmandeln
  • Magen-Darm-Infektion: Durchfall und Erbrechen
  • Lungenentzündung (Pneumonie): Husten, erhöhte Atemfrequenz, Atemnot, geblähter Bauch und Bauchschmerzen
  • Harnwegsinfektion: häufiges, schmerzhaftes Wasserlassen, bei Kindern oft nur mit Bauchschmerzen angegeben, Bettnässen
  • Hirnhautentzündung (Meningitis): Kopfschmerzen, steifer Nacken, Lichtscheue
  • Kinderkrankheiten wie Windpocken, Dreitagefieber, Röteln, Scharlach, Masern und Mumps mit den charakteristischen Begleiterscheinungen und Hautausschlägen
  • Blinddarmentzündung (Appendizitis): Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Stuhlunregelmäßigkeiten (meist Verstopfungen), Blässe 

Andere Ursachen für Fieber:

  • Fieber durch Flüssigkeitsmangel bei Säuglingen (Durstfieber): schlaffe Haut, Schläfrigkeit, Durchfall oder Erbrechen, trockene Zunge und Schleimhäute, starker Durst
  • Impfreaktion: leichtes Fieber, meist ohne Begleiterscheinungen 

Seltene Ursachen für Fieber:

  • Krebserkrankungen, zum Beispiel Leukämie: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Knochen- oder Gelenkschmerzen, Blässe, Nasen- oder Zahnfleischbluten, Gewichtsabnahme
  • Fieber durch allergische Reaktionen gegen Arzneimittel  

Ihr Kind hat Fieber - das können Sie jetzt tun

"Hat Ihr Kind Fieber, sollten Sie die Körpertemperatur des Kindes regelmäßig messen und die Messwerte aufschreiben", rät Petra Rudnick.

 

Ihrem Nachwuchs können Sie Gutes tun, indem Sie ihm Wadenwickel machen oder einen lauwarmen feuchten Waschlappen auf die Stirn legen. Die Krankheit wird für das Kind erträglicher, wenn Sie Bettwäsche und Handtücher häufig wechseln.

 

Achten Sie darauf, dass das fiebernde Kind genügend trinkt. Denn bei Fieber verliert der Körper vermehrt Flüssigkeit über die Haut. Am besten ist es, wenn ein krankes Kind häufig kleinere Mengen trinkt. Geeignet sind zum Beispiel Wasser, Früchtetee oder Kräutertee.

 

Es gibt auch Medikamente, die Fieber senken. Aber bevor Sie diese anwenden, sollten Sie mit dem Kinderarzt darüber sprechen. Auf keinen Fall dürfen kleine Kinder Acetylsalicylsäure (ASS) erhalten. Dieses Schmerz- und Fiebermittel kann bei Kindern unter Umständen eine seltene Leber-Hirn-Krankheit hervorrufen, das Reye-Syndrom. Dieses kann tödlich enden.

 

Wann zum Arzt?

Einige Krankheiten, die Fieber verursachen, sind harmlos und heilen von selbst ab, andere wiederum erfordern eine schnelle Behandlung durch den Arzt.

 

Prinzipiell gilt: Wenn Sie sich unsicher sind, dann gehen Sie mit ihrem fiebernden Kind lieber zum Arzt. Er kann herausfinden, welche Ursache dahintersteckt, und eine geeignete Behandlung in die Wege leiten.

 

In folgenden Situationen sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt um Rat fragen:

  • Sehr hohes Fieber
  • Länger anhaltendes Fieber
  • Fieber bei Säuglingen, die jünger als drei Monate sind
  • Schwerwiegende Begleiterscheinungen, zum Beispiel Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Bauchschmerzen, Schmerzen beim Wasserlassen, schlechter Allgemeinzustand
  • Krampfanfälle
  • Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels, zum Beispiel trockene Schleimhäute, eingefallene Augen oder eingefallene Fontanelle
  • Trinkschwäche bei Säuglingen
  • Bekannte chronische Erkrankungen, zum Beispiel Abwehrschwäche, Herzfehler oder Krebserkrankungen
  • Fieber, das durch fiebersenkende Maßnahmen nicht zurückgeht 

Was der Arzt gegen Fieber tun kann

Der Arzt wird Sie zunächst darüber befragen, wie lange das Fieber bereits besteht, wie hoch die Körpertemperatur ist und welche weiteren Krankheitszeichen Sie beobachtet haben. Anschließend untersucht er das Kind, um weitere Hinweise auf die Fieberursache zu erhalten. Abhängig davon, welche Ursache der Arzt vermutet, wird er weitere Untersuchungen vornehmen, zum Beispiel Urintests, Blutanalysen, Rachenabstriche, Ultraschalluntersuchungen oder Röntgenaufnahmen.

 

Welche Behandlung für Ihr Kind geeignet ist, hängt von der Ursache des Fiebers ab. Steckt zum Beispiel eine Infektion mit Bakterien dahinter, kann ein Antibiotikum helfen, das die Erreger bekämpft.

 

Außerdem kann der Arzt fiebersenkende Medikamenten verordnen. Die meisten Mittel verringern zudem auch Schmerzen und Entzündungen. Es gibt sie als Saft, Zäpfchen, Tabletten oder Tropfen.

 

Manchmal ist es besser, das Kind im Krankenhaus zu behandeln und zu beobachten. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn es dem Kind sehr schlecht geht, ein massiver Flüssigkeitsmangel vorliegt oder der Verdacht auf eine seltene, ernsthafte Ursache besteht.

 

Was ist ein Fieberkrampf?

Sind Sie besorgt, weil ihr Nachwuchs einen richtigen Fieberkrampf entwickelt hat? Fieberkrämpfe wirken oft bedrohlich. Doch zum Glück sind die meisten Infektkrämpfe unkompliziert. Ungefähr drei bis vier Prozent aller Kinder haben im Lauf der Kindheit einen Fieberkrampf, bei 20 bis 30 Prozent kommt es zu einem weiteren Anfall.

 

Vor allem bei Kleinkindern kommen solche Krämpfe bei hohem Fieber oft vor, typischerweise bei raschem Temperaturanstieg oder -rückgang. Die Kinder können das Bewusstsein verlieren und sind nicht ansprechbar. Sie können sich überstrecken und mit Armen und Beinen rhythmisch zucken. Ein normaler Fieberkrampf dauert einige Minuten.

 

Wichtig ist, dass Sie dabei Ruhe bewahren. Legen Sie das Kind am besten auf die Seite, damit es eventuell Erbrochenes nicht verschluckt.

 

Vor allem wenn ein Kind zum ersten Mal einen Fieberkrampf entwickelt hat, sollten Sie mit ihm zum Arzt gehen. Hält der Fieberkrampf länger an, empfiehlt es sich, sofort einen Arzt zu rufen. Hat ein Kind sehr häufig Fieberkrämpfe, dann kann es sein, dass es Medikamente zur Vorbeugung braucht. 

 

 

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