Rauchvergiftungen und Gasvergiftungen

Im Hamburger Hafen war die Feuerwehr am 21. März wegen eines Chemieunfalls im Großeinsatz. Anwohner im Umkreis von 200 Metern sollten den ganzen Tag Fenstern und Türen geschlossen halten. Wie gefährlich ist das Einatmen solcher giftigen Gase?

In Hamburg-Steinwerder hat in einem Gefahrstofflager eines Unternehmens ein Gabelstapler ein 1.000-Liter-Fass mit Schwefelsäure angestochen. Ein weiterer 1.000-Liter-Behälter mit Salpetersäure wurde beschädigt. Durch die Vermischung der beiden Chemikalien entstand Nitrose-Gas, das hoch explosiv, giftig und ätzend ist. Der Säureunfall in Hamburg ist einer von vielen Chemieunfällen, auf die die Feuerwehr mit Chemikalienschutzanzügen und Absaugeeinrichtungen zwar vorbereitet ist, dennoch entweichen bei solchen Unfällen häufig giftige Gase in die Luft. Was bedeutet das für die Anwohner?

 

"Wer mit giftigen Gasen in Berührung kommt, wie sie zum Beispiel bei einem Brand entstehen, kann schwerste bis lebensbedrohliche körperliche Schäden davontragen", erklärt Allgemeinmedizinerin bei der TK Petra Rudnick und ergänzt: "Bei einem Unfall wie in Hamburg müsste der Kontakt mit den Gasen aber schon sehr intensiv sein, damit es zu einer Schädigung der Lunge kommt. Das kann zu einem Lungenödem (einer lebensgefährlichen Wasseransammlung in der Lunge) führen." Je nach eingeatmeter Dosis, Verdünnung des Giftgases, Einwirkzeit und persönlicher Konstitution der betroffenen Menschen reiche die Ausprägung der Symptome von leicht bis schwer, so die Allgemeinmedizinerin.

 

Typische Symptome

Zu den typischen leichten Symptomen bei einer Vergiftung durch Gase zählen:

  • Irritationen im Bereich der Atemwege, zum Beispiel Hustenreiz
  • Brennen und Schmerzen in den Atemwegen
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Schwindel, Kopfschmerzen, leichte Benommenheit

Typische Zeichen einer schweren Vergiftung durch Gase sind:

  • Starke Atemnot, asthmaähnliche Beschwerden bis hin zum Atemstillstand
  • Krampfanfälle und Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit
  • Schweißausbrüche, Unruhe, Herzrasen bis zum Kreislaufstillstand
  • Durch die Reizung und Schädigung der Schleimhäute der Atemwege kann im weiteren Verlauf ein lebensgefährliches Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge) entstehen.

Häufige Ursachen

  • Chemieunfälle
  • Brände in Gebäuden: Mehrheitlich sterben Menschen bei Wohnungsbränden nicht an der unmittelbaren Einwirkung der Flammen, sondern an einer Rauchvergiftung durch die dabei entstehenden Giftgase.
  • Schlecht ziehende Öfen
  • Auspuffgase, besonders gefährlich in geschlossenen Räumen: Es enthält Kohlenmonoxid, das sich 200- bis 300-mal stärker als Sauerstoff an die roten Blutkörperchen bindet, sodass diese keinen Sauerstoff mehr transportieren können: Der Mensch droht innerlich zu ersticken. Das Tückische an einer Rauchvergiftung durch Kohlenmonoxid, denn man kann das Gas weder sehen noch riechen und der menschliche Körper zeigt auch keine regulierenden Abwehrreaktionen, wie zum Beispiel Brechreiz.
  • Defekte Heizungsanlagen, Gasthermen oder Abluftanlagen: Aus diesen Geräten kann Kohlenmonoxid in die Wohnung strömen und plötzlich zur tödlichen Gefahr werden.
  • Defekte Gasleitungen: Austretendes Erdgas, das zu Hause zum Beispiel für die Heizung oder zum Kochen verwendet wird, führt in der Raumluft schnell zu einer kritischen und explosiven Gasmischung.

Vergiftungen richtig erkennen und vorbeugen!

Vergiftungen durch Gase passieren oft unbemerkt und sind oft nicht schnell genug zu erkennen. Bei einer Vergiftung mit Kohlenmonoxid ist die Gesichtsfarbe trotz des Sauerstoffmangels zum Beispiel rosig und nicht blass oder blau, wie oft irrtümlich angenommen.

 

Die beste Vorbeugung besteht in der Installation von Erdgas- und Kohlenmonoxiddetektoren sowie Rauchmeldern. Wichtig ist, sich dabei vor Augen zu führen: Ein Rauchmelder kann kein Kohlenmonoxid detektieren, ein Kohlenmonoxid-Melder kein Erdgas und ein Gasmelder keinen Rauch! Hat man also kein Kombimodell in den Händen, sollte man alle Typen einzeln an den entsprechend risikobehafteten Stellen installieren.

 

Dabei sollten Erdgasdetektoren an der "Quelle" installiert werden - also im Kellerraum, in dem die Gasheizung steht, oder in der Küche mit Gasherd. Rauch- und Kohlenmonoxidmelder gehören sinnvollerweise in Schlafzimmer und Flure (in der Nähe der Schlafräume).

 

Wie kann man bei einer Gasvergiftung Erste Hilfe leisten?

  • Rufen Sie sofort den Rettungsdienst! Wählen Sie den Notruf 112! Jede Person, die Kontakt mit Rauchgasen hatte, muss medizinisch untersucht werden. Die Auswirkungen der giftigen Gase können sich auch zeitverzögert zeigen.
  • Achten Sie unbedingt auf Ihre eigene Sicherheit, indem Sie vorübergehend die Luft anhalten! Unter Umständen sollten Sie die Rettung des Vergifteten dem Fachpersonal überlassen, das über entsprechende Geräte wie Atemschutzmasken und Beatmungsgeräte verfügt!
  • Wenn möglich: Bringen Sie den Betroffenen an die frische Luft, wo er sich am besten hinsetzt und öffnen Sie Fenster und Türen! Bei zunehmender Benommenheit sollte sich der Betroffene hinlegen, wobei der Oberkörper aber erhöht sein sollte.
  • Kontrollieren Sie die Atmung und das Bewusstsein des Patienten! Führen Sie gegebenenfalls die lebensrettenden Maßnahmen (Herz-Lungen-Wiederbelebung, Atemspende) durch.
  • Bei Atemstillstand von Personen, die sich mit Kontaktgiften (zum Beispiel Insekten- oder Pflanzenschutzmitteln) vergiftet haben, ist Vorsicht geboten: Die Beatmung darf nur mit einem Beatmungsgerät durchgeführt werden. Machen Sie keine Mund-zu-Mund- beziehungsweise Mund-zu-Nase-Beatmung, Sie könnten sich dabei selbst vergiften!
  • Sprechen Sie den Betroffenen an: Ist er bei Bewusstsein? Wenn er bewusstlos ist, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage! Achten Sie darauf, dass er nicht an seinem Erbrochenen erstickt!
  • Wenn der Betroffene bei Bewusstsein ist, reden Sie beruhigend auf ihn ein und bleiben Sie auf jeden Fall bei ihm, bis der Notarzt eintrifft! Es kann durch das Einatmen der giftigen Gase zu geistiger Verwirrung und unangemessenen Reaktionen beim Betroffenen kommen.
  • Klagt der Vergiftete über Atemnot, lagern Sie ihn mit erhöhtem Oberkörper!