Was droht, wenn der Patient nicht mitmacht

Die Folgen mangelnder Compliance - der Bereitschaft aktiv an therapeutischen Maßnahmen mitzuwirken - sind vielen Patienten nicht bekannt. Sonst würden sie begonnene Behandlungen nicht unterbrechen, absetzen oder ohne Rücksprache mit dem Arzt ändern.

Dass eine Therapie beziehungsweise die zugrunde liegende Krankheit einfach nur länger dauert, ist noch der geringste Schaden. Die Folgen können auch dramatisch sein: Wer zum Beispiel neben den verschriebenen Medikamenten zu anderen Mitteln greift, riskiert in manchen Fällen schwere Schäden.

 

Beispiel Antibiotika

Gerade bei Behandlungen mit Antibiotika sollte der Patient wissen, warum er diese Medikamente verordnet bekommt und wie lange er sie einnehmen muss. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Resistenzen entstehen. Dies bedeutet, dass das Antibiotikum nicht mehr wirksam ist, weil die Krankheitserreger nur unzureichend abgetötet werden.

 

Es überleben immer mehr Bakterien, die resistent gegen den Wirkstoff sind und diese vermehren sich stark. Das Antibiotikum trifft irgendwann nur noch auf Keime, gegen die es nichts ausrichten kann.

 

Arzneimittelferien auf eigene Faust

Patienten können sehr erfinderisch sein, wenn es darum geht, dem Arzt eine gute Mitarbeit vorzugaukeln, meint die Psychologin Marion Sonnenmoser.

 

So befolgen sie beispielsweise die Therapieanweisungen nur kurz vor einem Arztbesuch, unterlassen dies aber sonst, erklärt die Expertin. Oder sie machen zwischendurch immer mal wieder Arzneimittelferien und nehmen für ein paar Tage keine Tabletten ein.

 

Andere Patienten wiederum wenden ihre Medikamente falsch an, weil sie nicht ausreichend informiert wurden. Sie wissen nicht genau, wann oder wogegen sie die Medikamente einnehmen sollen, und verstehen die Packungsbeilage nicht, betont Marion Sonnenmoser. Ist die Therapie kompliziert und lässt sich nur schwer in den Alltag integrieren, scheitern Patienten schon an den ersten Schritten.

 

Auch die Dauer einer Therapie führt häufig dazu, dass die Compliance sinkt. Fehlender Leidensdruck wie etwa bei einem beginnenden Diabetes mellitus oder Bluthochdruck lässt einige Patienten dagegen leichtsinnig werden. Weder Schmerz noch andere Beschwerden erinnern daran, dass man krank ist. Da kann der besprochene Therapieplan schon mal vergessen werden.

 

Umgekehrt können dauernde Schmerzen ebenfalls ein Grund für die mangelnde Mitarbeit des Patienten sein. Allgemein gilt zwar, dass die Compliance umso besser ist, je schmerzhafter und lebensbedrohlicher eine Krankheit ist. Dies gilt aber nicht immer für sehr schwer erkrankte Patienten oder Menschen, die im Sterben liegen, sagt Sonnenmoser. Fehlende Hoffnung und depressive Stimmung lassen jeden Antrieb zur regelmäßigen Medikamenteneinnahme verschwinden.