Gesundheits-Apps bewusst auswählen

Wann ist eine Gesundheits-App eine "gute" Gesundheits-App und genau die "richtige" für mich? Weil es so viele Gesundheits-Apps gibt und diese sich in ihrem Nutzen und in ihrer Qualität zum Teil gravierend unterscheiden, ist es für Sie als Anwender wichtig, genau hinzuschauen und gezielt auszuwählen.

 

1. Was kann die App?

Bevor Sie eine App installieren, prüfen Sie, welche Funktionen eine App bietet und ob Sie diese wirklich brauchen, um zum Beispiel Ihre gesundheitsförderlichen Ziele wie gewünscht zu erreichen.

  • Sie informieren sich dazu anhand der Angaben zur App, die im App-Store gespeichert wurden.

  • Sie suchen nach weiterführenden Informationen, zum Beispiel auf der Webseite des Anbieters.

  • Sie prüfen, ob diese App von Dritten empfohlen wird, zum Beispiel auf Internetseiten von Institutionen, denen Sie vertrauen.

2. Funktioniert die App, wie sie es verspricht und ankündigt?

Wenn Sie folgende Informationen zur App bereits im App-Store erhalten, stehen die Zeichen gut, dass es sich um eine "gute" Gesundheits-App handeln könnte:

  • Die wichtigsten Funktionen der App sind übersichtlich aufgelistet und werden verständlich anhand beispielhafter Anwendungen erklärt.

  • Auf den Screenshots können Sie erkennen, welche grundsätzlichen Funktionen die App bietet.

  • Ein Link führt Sie zu einer Internetseite des Anbieters mit weiterführenden Informationen zur App.

  • Sie finden dort den Kontakt zum Anbieter - für Fragen, Anregungen oder Beschwerden zur App.

  • Mitunter sehen Sie, dass die App von vertrauenswürdigen Personen oder Institutionen geprüft oder empfohlen ist, zum Beispiel von Selbsthilfegruppen, Ärzteverbänden, Krankenkassen et cetera.

3. Kann ich die App uneingeschränkt nutzen?

Eine gute Gesundheits-App möchten Sie uneingeschränkt nutzen können. Es gibt eine Reihe von Gründen, die Sie daran hindern können. Prüfen Sie deshalb vorab folgende Punkte:

 

Sprache

Ist die App in Ihrer Sprache verfügbar? Viele Apps werden zwar mit deutschem Beschreibungstext angekündigt. Sie sind aber aus dem Englischen nur zum Teil oder schlecht übersetzt und ohne entsprechende Sprachkenntnisse nur eingeschränkt nutzbar. Achten Sie auf die Sprache in den angezeigten Screenshots der App. Sie ist ein gutes Indiz, in welcher Sprache die App tatsächlich angeboten wird.

 

Nationaler Geltungsbereich

Viele gesundheitsbezogene Informationen variieren von Land zu Land. Das heißt, selbst bei einer deutschsprachigen App sollten Sie sich vergewissern, ob sich die Aussagen auf Deutschland, Österreich oder die Schweiz beziehen. Angaben zu Impfkalendern, gesetzlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen, Leistungen der Pflegeversicherungen oder Qualitätsstandards in Pflegeeinrichtungen können sich von Land zu Land deutlich unterscheiden und im schlimmsten Fall völlig unbrauchbar für Sie sein.

 

Netzverfügbarkeit

Wenn es häufig Anwendungssituationen gibt, in denen Sie keinen Netzzugang haben, sollten Sie sich genau überlegen, inwiefern Sie die App auch nutzen können. Berücksichtigen Sie dabei bitte, dass bestimmte Apps zwingend einen Internetzugang benötigen. Das bedeutet nicht automatisch, dass diese Apps schlechter sind als Angebote, die Sie auch offline nutzen können. Wie prüfen Sie das? Unter "Berechtigungen" im App-Store können Sie diese Information für jede App einsehen. Die App braucht in diesem Fall "Zugriff auf alle Netzwerke" und die Berechtigung "Netzwerkverbindungen abrufen".

 

Betriebssystem-Software auf Ihrem Smartphone

Haben Sie die erforderliche Betriebssystem-Software-Version, um die App auf Ihrem Gerät abspielen zu können? Wenn nicht, kann es passieren, dass Sie die App gar nicht installieren können oder eine Fehlermeldung beim Download der App erhalten. Es kann aber auch sein, dass die App zwar geladen werden kann, dass sich aber einzelne Funktionen innerhalb der App nicht nutzen lassen, zum Beispiel die Verwaltung von Impfdaten. Achten Sie daher auf Informationen des Anbieters zu bekannten Einschränkungen oder auf aktuelle Hinweise anderer Nutzer, bei denen Funktionen nicht gehen.

 

4. Was kostet die App?

Die Entwicklung jeder App kostet Geld. Überlegen Sie sich daher, ob und wie sich der Anbieter einer kostenlosen App bezahlen lässt.

  • Stammen die Einnahmen von Werbekunden, die innerhalb der App Anzeigen schalten?

  • Verkauft der Anbieter Ihre Nutzerdaten zu Werbe- beziehungsweise Marktforschungszwecken (suchen Sie nach Hinweisen in den Nutzungsbedingungen der App oder den Datenschutzhinweisen)?

  • Ist die App nur für eine kurze Zeit zu Testzwecken kostenlos und danach kostenpflichtig?

  • Wird die ursprüngliche App kostenpflichtig, sobald Sie die für Sie nützlichen Funktionen freischalten wollen?

  • Müssen Sie Werbeeinblendungen in Kauf nehmen, was Sie eventuell erst feststellen, nachdem Sie die App installiert haben?

5. Wie vertrauenswürdig ist die App?

Kennen Sie den Anbieter und seine Motive? Vertrauen Sie dem Anbieter?

 

Die wenigsten Apps, die sich an Patienten und Verbraucher richten, sind von staatlicher Seite überprüft und zum Beispiel als Medizinprodukt zugelassen und an einem CE-Zeichen erkennbar. Sie können sich bei Ihrer Auswahl also nicht auf vorgeprüfte Gesundheits-Apps verlassen, sondern müssen selbst sorgfältig auswählen.


Es gibt einige Anhaltspunkte, die für die Qualität einer Gesundheits-App sprechen. Denn der Grundstein für die Qualität wird bereits bei der Entwicklung einer App gelegt, mit einem Ansatz, der die Erwartungen der späteren Anwender von Anfang an berücksichtigt.


Vertrauenswürdige App-Anbieter und Entwickler

  • beziehen bereits bei der Entwicklung der App zukünftige Nutzer wie Sie mit ein und fragen, welche Hilfeleistungen sie brauchen. Sie testen ihre App mit diesen Nutzern und untersuchen, ob die Anwender die App einfach bedienen können und ob sie die erwartete Unterstützung tatsächlich bietet. Sie informieren über die Ergebnisse dieser Tests.

  • untersuchen mit wissenschaftlichen Methoden, wie wirksam die App ist und ob sich der Nutzen der App in Studien mit möglichst vielen Anwendern auch belegen lässt. Auch wenn die Studien zu einer App möglicherweise noch nicht abgeschlossen sind und erst vorläufige Ergebnisse vorliegen, so zeigt der Anbieter auch mit vorläufigen Informationen, dass er an einer Qualitätskontrolle seines Angebotes arbeitet.

  • aktualisieren ihre Apps regelmäßig, sodass die App auch zukünftig auf den sich rasant entwickelnden, neuen Geräten nutzbar sein wird.

  • ermuntern ihre Nutzer zu Feedback und sind für Rückfragen bei Beanstandungen oder für Anregungen einfach erreichbar. Sie geben sich offen zu erkennen und legen auch dar, wie die App finanziert wurde, nennen Geldgeber, zum Beispiel Sponsoren beziehungsweise Kooperationspartner.

6. Kann ich der App meine persönlichen Gesundheitsdaten anvertrauen?

Als kompetenter Anwender von Gesundheits-Apps sollten Sie in der Lage sein, die potenziellen Risiken einzuschätzen und verantwortlich mit diesen Risiken umzugehen. Bei der Nutzung von Gesundheits- und Medizin-Apps stehen vor allem zwei Bedrohungen im Raum:

  1. Das Risiko, dass Sie als Nutzer gesundheitlichen Schaden nehmen.
  2. Das Risiko, dass Ihre Privatsphäre verletzt und der Schutz Ihrer persönlichen Daten missachtet wird.

Risiken für die eigene Gesundheit

Das Gefährdungspotenzial einer App orientiert sich an den Anwendungen, für die die App genutzt wird:

  • Ein geringes Risiko geht von Gesundheits-Apps aus, die auf das Wohlbefinden gerichtet sind und sich an gesunde Verbraucher richten. Ein Beispiel: Wenn eine App die Kalorien Ihres Mittagessens falsch berechnet, ist das zwar ärgerlich, aber der Schaden ist gering. Wenn die Anzahl der gelaufenen Schritte von Ihrem Schrittzähler zu hoch ausgewiesen wird, wundern Sie sich vielleicht, aber es hat keine Konsequenzen. Die gute Nachricht: Die meisten Gesundheits-Apps gehören in diese Risikoklasse.

  • Ein hohes Risiko stellen Apps dar, die vorgeben, eine Diagnose ermitteln zu können, zum Beispiel zur Gefährlichkeit eines Muttermals. Eine falsche Diagnose ist gefährlich, weil sie den Nutzer davon abhält, einen Arzt aufzusuchen, oder den Anwender bei falschem Krankheitsverdacht unnötig in Verzweiflung stürzt. Grundsätzlich sind Apps zur Diagnose zulassungspflichtig. Das heißt, sie müssen in Deutschland CE-gekennzeichnet sein. Häufig geben Apps aber nur vor, eine Diagnose erstellen zu können. Im Kleingedruckten kann sich der Anbieter sehr leicht eine Hintertür offen halten mit einem Haftungsausschluss: "Diese App ist nicht zur Therapie oder Diagnose von Krankheiten geeignet.“ Dieser kleine Hinweis entbindet den Anbieter der App von jeder Haftung.

    Wichtig: Wenn Sie die App zu Diagnosezwecken anwenden und Schaden erleiden, können Sie sich nicht mit Schadensersatzansprüchen an den Anbieter wenden.

  • Ein sehr hohes Risiko geht von Apps aus, die medizinische Messwerte über Messfühler beziehungsweise Sensoren im Smartphone oder über gekoppelte Messgeräte, zum Beispiel Blutdruck-, Blutzuckermessgeräte, erfassen und auswerten. Falsche Werte führen in diesem Fall zu falschen therapeutischen Entscheidungen, zum Beispiel zu einer zu hohen oder zu niedrigen Insulindosis, was lebensgefährlich werden kann. Auch Apps für Ärzte, die Röntgenbilder auswerten oder die Dosis von Arzneimitteln berechnen, gehören in diese Risikoklasse. Diese Art von Apps, die medizinische Entscheidungen übernehmen, müssen eine Zulassung als Medizinprodukt haben. Suchen Sie im Zweifel nach einer CE-Kennzeichnung.

Risiken für Ihre Privatsphäre und den Schutz Ihrer Gesundheitsdaten

Gesundheitsbezogene Daten zählen neben Angaben über ethnische Herkunft, über politische, religiöse oder philosophische Überzeugungen zu den Daten, die der Gesetzgeber besonders schützt (§ 3 Abs. 9 BDSG).

 

Der Anbieter, der Ihnen eine App zur Verfügung stellt, muss deshalb in besonderem Maße dafür sorgen, dass diese Daten vor dem unberechtigten Zugriff Dritter geschützt sind. Sie erkennen das an den folgenden Sicherheitsmaßnahmen, zum Beispiel:

  • Um auf die App-Daten - zum Beispiel in Ihrem Diabetestagebuch - zugreifen zu können, müssen Sie sich identifizieren (Passwort, Nutzername).
  • Ihre Gesundheitsdaten werden verschlüsselt auf dem Gerät gespeichert, damit sie auch bei Verlust oder Diebsstahl gesichert sind.
  • Ihre Gesundheitsdaten werden nur verschlüsselt über eine sichere Internetverbindung versendet, wenn sie zwischen Ihrem Gerät und einem zentralen Server oder berechtigten Dritten (zum Beispiel Ihrem Arzt) ausgetauscht werden.

Nach dem Bundesdatenschutzgesetz muss jeder, der von Ihnen gesundheitsbezogene Daten erfasst und weiterleiten möchte, dazu vorab Ihr Einverständnis einholen.

  • Lesen Sie diese Einwilligung sorgfältig durch, bevor Sie sich dazu bereit erklären, Ihre Daten anonymisiert - zum Beispiel zu Marktforschungszwecken - weiterzugeben.

  • Lesen Sie die Datenschutzerklärung sorgfältig durch, sie sind oft sehr lang und von Juristen kompliziert formuliert. Wenn Sie sich unsicher sind und etwas nicht verstehen, verzichten Sie auf die Nutzung dieser App.

Beispiel: Datenschutzgesetze gelten auch für ausländische Anbieter: Ein App-Anbieter mit Sitz in China, dessen App hier in Deutschland personenbezogene Daten erfasst, hat sich an die in Deutschland geltenden Datenschutzbestimmungen zu halten und muss bei Verstößen mit Maßnahmen deutscher Behörden rechnen. Bei der Vielzahl der Apps und weltweiten Anbieter erkennen Sie sicher schnell die große Schwierigkeit, geltendes Recht durchzusetzen beziehungsweise Verstöße rechtlich zu ahnden.

 

Auch wenn Ihre App aus einer für Sie vertrauenswürdigen Quelle stammt, gelangen die Daten bei der Speicherung oder Verarbeitung in die Hände von dazu beauftragten Unternehmen. Häufig sind es kleine Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern, die im Schadensfall, also bei Verstößen gegen Datenschutzauflagen, nur schwer ermittelbar sind und damit schlecht zur Haftung herangezogen werden können.

 

Beispiel: Auch wenn ein Verlag oder ein Marketingunternehmen damit beauftragt wird, zum Beispiel die Reichweite einer App zu messen, bleibt der App-Anbieter verantwortlich für die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen. Auch Cloud-Dienste, die für den Dienst der App ihre Rechner- oder Speicherkapazitäten zur Verfügung stellen, fallen rechtlich unter das Gesetz der sogenannten Auftragsdatenverarbeitung. App-Anbieter müssen dafür sorgen, dass ihre Dienstleister alle Bestimmungen einhalten.

  • Überlegen Sie grundsätzlich immer, was im schlimmsten Falle passieren könnte, wenn die von Ihnen eingegeben Daten in die Hände unbefugter Dritter gelangen? Wenn Sie die Gefahr für sich als sehr hoch einschätzen, sollten Sie auf die Eingabe dieser persönlichen Daten ganz verzichten.

Zur Orientierung hier die Informationen, die eine Datenschutzerklärung enthalten sollte:

  • Kontaktinformationen des Anbieters (Firmensitz)
  • Beschreibung der Datenarten, die von der App erhoben werden (zum Beispiel Standortdaten, Netzkommunikation, Kalender, Adressbuch)
  • Erklärung der Zwecke, für die diese Daten erhoben werden
  • Speicherdauer
  • Bezeichnung der Dritten, an die die Nutzerdaten übermittelt werden
  • Zweck der Übermittlung an Dritte

Beispiel: App-Anbieter werden vom App-Store (Google Play) aufgefordert, einen Link zur Datenschutzbestimmung ihrer App anzugeben. Dieser Link wird von Google nicht auf Rechtskonformität überprüft. Viele Anbieter machen es sich einfach und verlinken an dieser Stelle auf die Datenschutzerklärung ihrer Unternehmenswebsite, was nach geltender Rechtsauffassung nicht ausreichend ist (Düsseldorfer Kreis 2014). Auch die Verlinkung innerhalb einer App zur Datenschutzerklärung einer ähnlichen Website genügt den datenschutzrechtlichen Anforderungen nicht, da es sich um grundsätzlich verschiedene Teledienste handelt!

 

Nutzung einer App über die Facebook- beziehungsweise Twitter-Kontodaten

Es gibt Apps, mit denen Sie sich über Ihren Facebook- oder Twitter-Account anmelden können. Zunächst scheint das einfacher, weil Sie keinen neuen Nutzernamen und kein neues Passwort eingeben müssen, um sich zum Beispiel anzumelden. Da bei Facebook oder Twitter schon viele persönliche Daten verwaltet werden, vervollständigt die Verlinkung mit persönlichen Gesundheitsdaten Ihr Profil in gefährlicher Weise, da weitreichende Schlüsse auf Sie und Ihre Bedürfnislage abgeleitet werden können. Das sollten Sie in Ihre Risikoabwägung einbeziehen.

 

Fragen: Internetseite oder App?

Was ist der Unterschied zwischen einer App und einer Webseite? Da viele Webseiten mittlerweile auch auf mobilen Endgeräten, auf Smartphones und Tablet-PCs angezeigt werden können, verschwimmen die Grenzen zwischen App und Webseiten für den Nutzer.


Es gibt mittlerweile Apps, die sich über den Browser jedes beliebigen Smartphones ganz unabhängig vom Betriebssystem (Android, iOS, Windows Phone) anzeigen lassen. Man bezeichnet diese Apps als Web-Apps. In der Regel können Sie diese Apps nur nutzen, wenn Sie einen Internetzugang haben, das heißt, wenn ein Netz verfügbar ist. Die Technik entwickelt sich rasant weiter, sodass Web-Apps in naher Zukunft auch ohne permanenten Netzzugang arbeiten werden. 

 

7. Checkliste Gesundheits-Apps

Sie suchen die "richtige" App für sich?

 

Schritt 1

Schätzen Sie vorab das Risiko ein, das für Sie von der Gesundheits-App ausgehen kann, die Sie gerne nutzen wollen. Beantworten Sie dazu folgende Fragen:

 

Frage 1: Was wollen Sie mit der App erreichen?

(Bitte notieren Sie sich die zutreffenden Punkte und machen Sie dann eine Auswertung. Mehrfachauswahl möglich.)

  • Ihr Wissen zu Krankheit oder Therapie verbessern, Fachbegriffe nachschlagen, meine Laborwerte verstehen (1 Punkt)

  • Gesundheitsvorsorge unterstützen, an Vorsorgetermine erinnert werden, ein Ernährungstagebuch führen, an das ausreichende Trinken erinnert werden, Schritte zählen (5 Punkte)
  • Ihr Wohlbefinden verbessern, zum Beispiel durch Entspannungsübungen, durch Rückentraining bei langem Sitzen (5 Punkte)
  • Gewicht, Blutzucker, Schmerzstärke, Blutdruck, Befindlichkeit und Stimmung in einem Tagebuch aufzeichnen und auswerten (8 Punkte)
  • Persönliche Gesundheitsdaten verwalten, zum Beispiel Impfungen, Vorsorgetermine, Allergien (8 Punkte)
  • Eine Krankheitsdiagnose stellen, zum Beispiel: Ist mein Muttermal gefährlich?  Ist mein Prostatakrebsrisiko erhöht? (10 Punkte)
  • Persönliche Gesundheitsdaten mit dem Arzt austauschen (10 Punkte)
  • EKG, EEG, Blutzucker, Blutdruck mit den Sensoren meines Smartphones messen und Schlüsse daraus ziehen (10 Punkte)

Frage 2: Wie wichtig ist Ihnen diese Unterstützungshilfe?

  • Ganz nett, aber nicht unbedingt notwendig. (1 Punkt)

  • Ich muss mich darauf verlassen können. (5 Punkte)

  • Ich komme ohne diese Hilfe im Alltag nicht mehr aus. (10 Punkte)

Frage 3: Wie oft werden Sie die Unterstützungshilfe voraussichtlich nutzen?

  • Wahrscheinlich nur einmal. (1 Punkt)

  • Eher selten. (3 Punkte)

  • Wahrscheinlich dauerhaft. (10 Punkte)

Frage 4: Kennen Sie den Anbieter der App und vertrauen Sie diesem?

  • Ja, die App ist zum Beispiel von meiner Krankenkasse, einer unabhängigen Patientenorganisation. (1 Punkt)

  • Nein, ich kenne den Anbieter selbst nicht. Aber die App wurde mir von meinem Arzt, einem guten Freund, meiner Selbsthilfegruppe empfohlen. (3 Punkte)

  • Nein, ich weiß nicht, wer der Anbieter ist. (10 Punkte)

Ergebnis: Zählen Sie die Punkte Ihres Risiko-Checks zusammen. Kommen Sie auf über 50 Punkte, sollten Sie die in Frage kommende App genauer unter die Lupe nehmen. Je höher Ihre Punktzahl, umso wichtiger ist es, zu prüfen,

  • ob Sie der Gesundheits-App vertrauen können,

  • ob die Informationen und Tipps medizinisch korrekt und unabhängig sind, das heißt frei von wirtschaftlichen Interessen des Anbieters,

  • ob die App korrekt rechnet,

  • ob die App Ihre Gesundheitsdaten vor dem unberechtigten Zugriff durch Dritte schützt.

Schritt 2

Sie prüfen die App auf Ihre Qualität und Vertrauenswürdigkeit. Prüfen Sie dazu die Angaben, die der App-Anbieter zu den folgenden Punkten macht.

  1. Gibt der Anbieter sich zu erkennen, das heißt, nennt er in einem Impressum alle Angaben, die sie brauchen, um Kontakt aufnehmen zu können, um sich über diesen Anbieter zu informieren, sich eventuell auch zu beschweren oder um Verbesserungsvorschläge für die App machen zu können? Ja/Nein

  2. Sachverständigkeit: Nennt der Anbieter die medizinischen Experten, die für die fachliche Richtigkeit der Inhalte stehen und für das wissenschaftlich fundierte Gesamtkonzept, das die versprochene Unterstützung leisten kann, auch wenn die Wirksamkeit vielleicht noch nicht durch Studien belegt ist? Ja/Nein

  3. Belegbarkeit und Zuordnung: Nennt der Anbieter für alle Tipps und Empfehlungen die medizinischen Quellen, zum Beispiel Studien, Leitlinien, Standardwerke, auf die er sich bezieht? Erkennen Sie, wie alt diese Quellen sind, am Datum, das der Anbieter ausweist? Denn der medizinische Fortschritt ist rasant, und Informationen sind schnell veraltet. Ja/Nein

  4. Legt der Anbieter offen, wie sich die App finanziert, vor allem, wenn sie kostenlos angeboten wird? Gibt es Sponsoren (Pharmaindustrie, Gerätehersteller), die sich finanziell beteiligen? Wenn Sie darüber Bescheid wissen, können Sie produktbezogene Aussagen schneller als verdeckte Schleichwerbung erkennen. Ja/Nein.

  5. Datenschutz und Sicherheit Ihrer Privatsphäre: Legt der Anbieter in einer verständlichen Weise (kein Juristendeutsch) offen, ob und, wenn ja, wie Ihre persönlichen Gesundheitsdaten genutzt werden, zum Beispiel anonymisiert zu Forschungszwecken. In diesem Fall muss er Sie um Ihre Zustimmung fragen und Ihnen die Möglichkeit geben, diese Zustimmung einfach, durch einfaches Anklicken eines Kontrollfeldes, jederzeit wieder zurückziehen. Ja/Nein

    Erklärt der App-Anbieter, wie Ihre Daten beim Speichern oder Senden geschützt werden sowie beim Verlust oder Diebstahl des Smartphones zum Beispiel durch Verschlüsselung und Passwortschutz? Ja/Nein

  6. Einschränkungen der App: Seriöse Angebote verweisen darauf, dass eine Gesundheits- oder Medizin-App den Arzt nicht ersetzen kann, dass Sie Therapie und Diagnose am besten immer mit Ihrem Arzt besprechen. Die App ist lediglich eine Unterstützungshilfe, mehr nicht! Nur sehr, sehr wenig Apps sind geeignet für die Diagnose oder Therapie von Krankheiten und tragen dann ein CE-Zeichen. Wenn eine App vorgibt, zum Beispiel mit der Smartphone-Kamera den Puls messen zu können, und Sie kein CE-Zeichen finden können, ist ganz sicherlich irgendwo ein Haftungsausschluss des Anbieters versteckt wie "Nicht geeignet zur Diagnose von Krankheiten", sodass Sie im Schadensfall keine Schadensersatzansprüche stellen können. Ja/Nein.

Macht der Anbieter verständliche Angaben zu allen Punkten (1 bis 6), können Sie mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass Ihr Informations- und Sicherheitsbedürfnis ernstgenommen wird, dass Ihre Daten verantwortungsvoll behandelt werden und dass Sie nach dem Stand des aktuellen medizinischen Fortschritts informiert werden. Eine absolute Sicherheit gibt es jedoch nicht, wie in vielen anderen Lebensbereichen auch.