Yoga für Kinder

Yoga liegt voll im Trend - und ist nicht nur was für Erwachsene! Wie läuft eine Yoga-Stunde eigentlich ab? Doreen Haberland unterrichtet Kinderyoga in der Berliner Yogaschule Sonne & Mond. TK-Logo war bei einer Yogastunde für Kinder zwischen acht und dreizehn Jahren dabei.

 

Yoga-Schülerin im Handstand© icomedias/Menzel Es ist Donnerstagnachmittag. Im großen, hellen Yoga-Raum liegen Matten, Decken und Kissen. Die Mädchen, die heute anwesend sind, setzen sich in den Schneidersitz und warten auf das Anfangsritual. Dazu zündet Yoga-Lehrerin Doreen Haberland eine Kerze in der Mitte des Raumes an. "Wir schauen für zwei Minuten in die Kerze", sagt die Yoga-Lehrerin und schlägt die Klangschale. Es ist ganz still. Nach zwei Minuten ertönt der Gong wieder. Nun starten die jungen Schülerinnen mit den Übungen.

Tief atmen!

"Machen wir heute wieder den Tisch?", fragt ein Mädchen. Der Tisch kommt später, zuerst ist der "Fliegende Schmetterling" dran. Alle Asanas, so heißen die Körperhaltungen im Yoga, sind nach Dingen benannt, die wir aus dem Alltag kennen, oft nach Tieren und Pflanzen. Für den Schmetterling legen die Mädchen im Sitzen die Fußsohlen aneinander, umfassen die Fußgelenke mit den Händen und bewegen dann vorsichtig die Oberschenkel: Sie flattern wie Schmetterlinge. "Atmet einmal tief den Duft der Blumen ein", sagt Doreen Haberland. Die Atmung ist wichtig beim Yoga. Das bewusste Ein- und Ausatmen hilft beim Halten der Asanas.


 

Ohne Wettkampf

Ob Katze, Kerze, Brezel oder Schere - es gibt hunderte verschiedene Asanas und Variationen, die im Stehen, Sitzen oder Liegen geübt werden. Mit ruhiger Stimme sagt Doreen Haberland verschiedene Positionen an. Weiter geht es mit dem "Sonnengruß". Das ist eine Abfolge mehrerer Stellungen. Eine davon ist der "Berg": Die Mädchen stützen sich auf Hände und Füße und strecken den Po nach oben, so dass sie ein Dreieck bilden. Die Yoga-Lehrerin geht durch den Raum, beobachtet aufmerksam, kontrolliert und korrigiert die Haltungen. Wenn eine Übung neu oder unklar ist, macht sie sie vor. Die Mädchen sind teils schon seit zwei Jahren, teils erst seit sechs Wochen dabei. Sie konzentrieren sich auf ihren eigenen Körper. Konkurrenz oder Wettkampf spielen beim Yoga keine Rolle.

 

Schon gewusst? So gut tut Yoga!

Mit Yoga

  • kräftigst Du Deinen Körper.
  • lernst Du Ruhe und Entspannung.
  • verbesserst Du Deine Haltung und Dein Körperbewusstsein.
  • förderst Du Deine Konzentrationsfähigkeit.
  • stärkst Du Dein Immunsystem, also Deine Gesundheit.

 

Gut für den Rücken

Yoga-Schülerinnen in der Haltung des Berges.So geht der "Berg". © icomediasYoga-Schülerinnen in der Haltung des Helden.Das ist die Position des "Helden". © icomediasYoga-Schülerinnen in der Haltung des Baumes.So sieht der "Baum" aus. © icomedias"Der Rücken ist lang", erinnert Doreen Haberland häufig während der Stunde. Denn der Rücken soll bei den meisten Übungen gerade sein. So auch bei der "Heldenposition ": Die Yoga-Schülerinnen stehen aufrecht mit gegrätschten Beinen und gestreckten Armen in Schulterhöhe. "In der Schule sitzen Kinder oft mit krummen Rücken. Yoga soll auch dazu motivieren, im Alltag an die Haltung zu denken", erklärt Doreen Haberland. "Schaut mal ganz heldenhaft", ermutigt sie ihre Schülerinnen. Sowohl für den Körper sollen die verschiedenen Asanas gut sein, als auch für den Geist. So soll die Heldenposition nicht nur Arme, Schultern und Beine stärken, sondern auch das Durchhaltevermögen.

 

Tische und Bäume

Nun ist der Tisch dran. Dazu suchen sich die Mädchen einen Platz an der Wand. Wie bei einem Handstand stützen sie sich auf ihre Arme und lehnen ihre Füße im rechten Winkel an die Wand. Um zwischen den Asanas eine Pause zu machen, kommen sie in die Baby- oder Kindhaltung: Sie setzen sich auf ihre Füße und legen die Stirn auf den Boden. Auch den "umgekehrten Tisch" probieren sie aus. Dazu stützen sie sich - mit dem Bauch in Richtung Decke auf Händen und Beinen nach oben, so dass Oberkörper und Oberschenkel sozusagen eine Tischplatte bilden. "Ich hab‘s geschafft!", freut sich die zehnjährige Julia.

 

"Deine Beine und dein Oberkörper sind der Stamm", erklärt Doreen Haberland die Baum-Stellung , bei der man auf einem Bein steht. Die geöffneten Arme bilden die Baumkrone. "Konzentrier dich auf einen Punkt", rät die Yoga-Lehrerin bei dieser Gleichgewichtsübung. Als die "Bäume" anfangen zu wackeln, müssen alle ein bisschen lachen: "Es ist Sturm." Gegen Ende der Stunde stehen Partnerübungen an. Und schließlich ist Kreativität gefragt: Wie kann man zum Beispiel mit dem Körper den Buchstaben Ypsilon darstellen? Ein Mädchen macht einen Handstand und grätscht die Beine.

 

Was ist Yoga?

Yoga stammt aus Indien. Das Wort "Yoga" kann mit "verbinden" übersetzt werden. Ziel ist es, Körper, Seele und Geist zu verbinden. Es gibt verschiedene Yoga-Traditionen. Eine von ihnen ist Hatha-Yoga. Das Wort "Hatha" setzt sich aus den Wörtern für Sonne ("Ha") und Mond ("tha") zusammen.

Yoga-Schülerinnen machen den Namaste-Gruß."Namaste!" - mit diesem Gruß schließt die Yoga-Stunde. © icomedias

Namaste!

Die 60-minütige Yogastunde neigt sich dem Ende zu. Die Mädchen ziehen sich ihre Socken wieder an. Im Schneidersitz singen sie ein Lied in einer fremdklingenden Sprache. "Welche Sprache ist das?", möchte eine der Anfängerinnen wissen. "Das ist die Yogasprache Sanskrit. Die ist ganz alt", erklärt die Lehrerin. Danach legen sich die Mädchen auf den Rücken und machen es sich bequem. Für einige Minuten sind alle ganz still und spüren, wie sich der Körper nun anfühlt.

Mit drei Gongschlägen beendet Doreen Haberland diese Phase der Entspannung. Die Mädchen rekeln und strecken sich, bevor sie wieder in den Schneidersitz kommen. Auf der Höhe des Herzens legen sie die Handflächen aneinander, beugen den Kopf nach unten und sagen "Namaste". Sinngemäß übersetzt heißt das: "Ich verbeuge mich vor dir". Mit diesem Gruß - einem gegenseitigen Zeichen von Respekt - endet die Yogastunde.