Die elektronische Gesundheitsakte (eGA) als wichtiger Schritt in der Digitalisierung des Gesundheitssystems

Interview mit Dr. Jens Baas zur Partnerschaft zwischen der Techniker Krankenkasse (TK) und IBM Deutschland zur Entwicklung einer elektronischen Gesundheitsakte (eGA) für die Erfassung klassischer medizinischer Daten.

 

Interview mit Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK
"Unser Partner IBM Deutschland ist verpflichtet, sich an den europäischen Datenschutz zu halten!"

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Die Techniker Krankenkasse (TK) und IBM Deutschland starten eine auf mehrere Jahre angelegte Entwicklungspartnerschaft für eine elektronische Gesundheitsakte (eGA). Diese Vereinbarung ist das Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung der TK. In der eGA sollen klassische medizinische Daten wie Medikation, Röntgenbilder oder Krankenhaus-Befunde enthalten sein. Zusätzlich sollen weitere Informationen wie zum Beispiel Tracker-Daten oder Daten aus einem elektronischen Diabetes-Tagebuch einfließen können, aber auch persönliche Entscheidungen wie ein Organspendeausweis oder eine Patientenverfügung. Die Akte ermöglicht damit eine orts- und zeitunabhängige Verfügbarkeit von Gesundheits- und Krankheitsdaten für den Versicherten.

 

Der Versicherte allein wird Herr seiner Daten sein. Nur er wird entscheiden können, wem er Einsicht gewährt: Weder Arzt noch Krankenkasse können ohne seine Genehmigung auf die Daten zugreifen. Die Freigabe kann auch nur einen teilweisen Zugriff umfassen, und der Versicherte kann diese Entscheidung jederzeit ohne Angabe von Gründen widerrufen. Die Nutzung der eGA ist für die Versicherten freiwillig.

 

Die TK wird ihren Versicherten das Angebot über eine entsprechende Satzungsregelung zur Verfügung stellen. Die vertragliche Beziehung zur Nutzung der eGA wird zwischen IBM und dem Versicherten bestehen. Die Kosten für die Nutzung der eGA trägt die TK.

 

Die Techniker Krankenkasse hat gerade den Auftrag zur Entwicklung einer elektronischen Gesundheitsakte (eGA) vergeben. Was erhoffen Sie sich davon?

Die elektronische Gesundheitsakte ist ein wichtiger Schritt in der Digitalisierung des Gesundheitssystems. Wir geben den Versicherten damit perspektivisch die Möglichkeit, überhaupt alle Leistungsdaten einzusehen, über die wir als Krankenkasse verfügen. Sie erhalten also eine Art Grundausstattung mit Versorgungsdaten, die dann zum Beispiel von ihren behandelnden Ärzten genutzt werden können. Zudem soll es auf Sicht die Möglichkeit geben, dass die Daten ergänzt werden. Entweder von Ärzten, vom Versicherten selbst oder auch von weiteren Anwendungen, wie zum Beispiel Fitnesstrackern.

 

Was wird alles in der Akte stehen?

Was in der Akte steht und wer die Daten lesen kann, entscheidet der Versicherte. Er kann also auch seine Ärzte und seine Krankenkassen außen vor lassen. Wir wollen jedoch viele Möglichkeiten anbieten und können unsere Leistungsdaten zur Verfügung stellen. Neben gesundheits- oder behandlungsrelevanten Dokumenten könnten zum Beispiel auch Sensordaten in die Akte aufgenommen werden - entweder durch behandelnde Ärzte oder den Patienten selbst.

 

Was sind die Vorteile für die Versicherten?

Zum einen erleichtert es ihnen die Kommunikation mit Ärzten, wenn alle wichtigen Daten und Dokumente an einem zentralen Ort gespeichert sind und sie selbst direkten Zugriff und einen Überblick darüber haben. Von uns kommen zum Beispiel die Übersichten über die verordneten Arzneimittel, die vom Versicherten durch OTC-Präparate ergänzt werden können. Mit dieser Aufstellung können dann Wechselwirkungen besser erkannt werden. Aber Ärzte sollen in Zukunft natürlich auch Diagnosen, Arztbriefe oder Röntgenbilder einstellen können. Zudem planen wir die Einbindung konkreter digitaler Versorgungsangebote wie unseren E-Coaches und des Bonusprogramms.

 

Wie sicher werden die Informationen sein?

Wir werden dafür sorgen, dass die Daten bestmöglich geschützt sind. Das geschieht über hohe IT-Standards, die wir setzen und die für unseren Entwicklungspartner, IBM, verpflichtend sind. Darauf basierend entwickeln sie die eGA für uns, bei der die Themen Sicherheit und Vertraulichkeit im Mittelpunkt stehen: Der Versicherte selbst muss die Hoheit über seine Daten haben. Wir als Krankenkasse werden ohne Zustimmung des Versicherten keinen Zugriff haben. Auch hier ein konkreter Vorteil für die Versicherten: In Zukunft können sie ihre Fitnesstracker-Daten auch in der sicheren eGA speichern und müssen nicht auf einem unbekannten Server im Silicon-Valley zurückgreifen.

 

Was sind die nächsten Schritte?

Wir haben zunächst eine Entwicklungskooperation geschlossen. Besonders die Schnittstellen zu den Leistungserbringern ist eine Herausforderung. Denn die Akte soll ja keine reine Kassenakte werden, sondern auch davon leben, dass andere Akteure Daten liefern, die eine Krankenkasse nicht zur Verfügung stellen kann. Denkbar sind hier etwa Terminbuchungen oder Erinnerungen an Vorsorgeuntersuchungen. Aber jetzt fangen wir erstmal mit der zentralen Akte an.

 

Kontakt

Dennis ChytrekTK-Pressestelle

Dennis Chytrek

 

Telefon Telefonnummer:040 - 69 09-30 20

dennis.chytrek@tk.de

 

 

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