Gesund und regional - was uns beim Essen am wichtigsten ist

Erdbeeren im Januar? Täglich Fleisch vom Discounter? Ist es uns egal, was auf dem Teller landet, solange es schmeckt? Nein, im Gegenteil. Wir essen gesünder und legen Wert auf Nachhaltigkeit - so das Ergebnis der neuen TK-Ernährungsstudie.

Ob Massentierhaltung, Klimawandel oder Übergewicht - mit einem hohen Fleischkonsum gehen meist viele negative Folgen einher. Doch passen wir deswegen unser Essverhalten an? Im Buchhandel stehen zwar zahlreiche vegane Kochbücher, McDonald's hat einen Veggie-Burger im Sortiment und in vielen Supermärkten gibt es fleischfreie Wurst, doch die Ergebnisse unserer neuen Ernährungsstudie zeigen: Bloß zwei Prozent der Befragten gaben an, Vegetarier zu sein. Vegan ernähren sich sogar nur ein Prozent. Und auch aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts, die im Journal of Health Monitoring erschienen ist, zeigen, dass nur ein geringer Teil der Bevölkerung auf Fleisch verzichtet (vier Prozent).

 

Ziehen wir also keine Konsequenzen aus den Begleiterscheinungen? Nicht ganz. Auch wenn der Anteil der Vegetarier relativ gering ist, bezeichneten sich weitere 13 Prozent der Befragten als Flexitarier. Das heißt, sie ernähren sich hauptsächlich vegetarisch, nehmen aber gelegentlich auch (hochwertiges) Fleisch zu sich. Bei 41 Prozent der befragten Flexitarier bedeutet das ein- bis zweimal in der Woche. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. empfiehlt, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurstwaren pro Woche zu essen.

 

Deutschlandkarte Flexitarier 

 

Hauptsache regional!

Weniger Fleisch - doch das ist nicht alles, was uns bei der Ernährung immer wichtiger wird. Die Lebensmittel sollten auch regional und saisonal sein. Erdbeeren im Januar? Ein No-Go, sagten 79 Prozent der Befragten der Ernährungsstudie. Bei keinem anderen Thema waren sich die Teilnehmer so einig. Vor allem die Menschen in Ostdeutschland (88 Prozent) achten beim Einkauf darauf, dass Obst und Gemüse keine weiten Transportwege hinter sich haben. Bei den Senioren sind es deutschlandweit sogar 90 Prozent. Das könnte daran liegen, dass diese Generation mehr über heimisches Obst und Gemüse weiß und auch zahlreiche traditionelle Gerichte kennt. Schließlich sind sie noch nicht mit industrieller Fertignahrung und Supermärkten, in denen alles jederzeit verfügbar ist, groß geworden.

 

Lieber gesund oder lieber lecker?

Fast die Hälfte der Menschen in Deutschland legt Wert auf gesunde Ernährung - besonders Frauen. Von ihnen stimmten 54 Prozent zu, dass Essen hauptsächlich gesund sein sollte, bei den Männern waren es nur 36 Prozent. Für mehr als ein Drittel der Befragten war der Geschmack entscheidend: Denn 35 Prozent sagten "Hauptsache lecker!" Dass sich diese beiden Aspekte nicht gegenseitig ausschließen müssen, zeigt zum Beispiel dieser Smoothie mit Banane und Sanddorn.

 

Wenig Fleisch, viel Obst und Gemüse aus der Region - das ist gesund. Aber wie sollte man sich eigentlich genau ernähren? Auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. zehn Grundsätze für eine gesunde Ernährung formuliert:

 

10 Regeln der DGE
  1. Die Lebensmittelvielfalt genießen

  2. Reichlich Getreideprodukte sowie Kartoffeln

  3. Gemüse und Obst - Nimm "5 am Tag"

  4. Milch und Milchprodukte täglich, Fisch ein- bis zweimal in der Woche, Fleisch, Wurstwaren sowie Eier in Maßen

  5. Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel

  6. Zucker und Salz in Maßen

  7. Reichlich Flüssigkeit

  8. Schonen zubereiten

  9. Sich Zeit nehmen und genießen

  10. Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben

Was eine gesunde Ernährung ausmacht, wissen viele Menschen. Das bestätigt auch die Gesundheitspsychologin Prof. Dr. Annegret Flothow von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg (HAW): "Nur ein Viertel der Befragten gibt an, dass sie nicht genug über gesunde Ernährung wissen." Doch im Alltag sieht es anders aus. "Keine Zeit" - antworteten 56 Prozent der Befragten auf die Frage, warum sie das Wissen nicht umsetzen. "Fehlendes Durchhaltevermögen" war die am zweithäufigsten genannte Ausrede (46 Prozent). "Zu teuer" (29 Prozent) und "Ich kann nicht kochen" (28 Prozent) waren weitere Gründe. "Sinnvoll ist, gesundes Essen in die Lebenswelten der Menschen zu bringen, in die Betriebe, Kommunen, Schulen und Kitas", erklärt Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker. Dieser Ansatz beschränkt sich nicht auf Verhaltensregeln, sondern will die jeweilige Umgebung, in der sich Menschen aufhalten, so gestalten, dass eine gesunde Verhaltensweise einfacher zu leben ist.

 

Iss was, Deutschland - die TK-Ernährungsstudie

Essen ist Gesundheit. Und genau deswegen interessiert uns, was bei den Menschen auf dem Teller landet. Für unsere neue Ernährungsstudie haben wir nun schon zum dritten Mal einen repräsentativen Querschnitt der Erwachsenen in Deutschland zu seinem Ernährungsverhalten befragt. Hier können Sie die vollständige Studie lesen: