Europabefragung 2010

EU-Auslandsbehandlungen: Patientenzufriedenheit, Qualität, Information und Potential

 

Eine hohe Zufriedenheit mit der Qualität von EU-Auslandsbehandlungen, hohe Wiederholungsbereitschaft und ein niedriger Anteil von Nachbehandlungen sind zentrale Ergebnisse der aktuellen Europabefragung. Das Potential der zukünftigen Inanspruchnahme insgesamt liegt bei bis zu 30 % der TK-Versicherten. Für diese stehen nicht wie bisher primär Kostenersparnis und die Kombination mit einer Urlaubsreise im Vordergrund, sondern besonders die Behandlungsqualität und die Inanspruchnahme von Spezialisten.

 

Projektleitung: Dr. Caroline Wagner | Projektmitarbeiterinnen: Daria Langner, Katharina Dobrick

 

Hintergrund

 

Die jüngst verabschiedete EU-Richtlinie 2011/24/EU beinhaltet die Stärkung der Patientenrechte sowie die vereinfachte Inanspruchnahme von EU-Auslandsbehandlungen - auch durch die Nutzung des elektronischen Datenaustausches - und verpflichtet alle EU-Staaten zur Umsetzung bis 2013. Dies ermöglicht allen EU-Bürgern die freie Arztwahl innerhalb der EU, wie sie für deutsche Patienten durch das Gesundheitsmodernisierungsgesetz 2004 bereits besteht. Die vorliegende Studie zeigt anhand der gewonnenen Daten am Beispiel der TK-Versicherten deutlich auf, in welche Richtung sich die Inanspruchnahme von geplanten EU-Auslandsbehandlungen deutscher Patienten entwickelt. Auf diese Entwicklungen werden sich die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland einstellen, um ihre Versicherten auch in diesem noch jungen Bereich bestmöglich zu beraten und zu betreuen. Neben der Weiterentwicklung des Service- und Leistungsangebotes zu EU-Auslandsbehandlungen für die Versicherten ist mit einem Anstieg des administrativen Aufwandes zu rechnen. Die zunehmenden und teilweise neuen grenzüberschreitenden Verwaltungsabläufe werden die weitere Aneignung von Spezialkenntnissen auf diesem Gebiet notwendig machen.

 

 

Methode und Fragestellungen

 

Die Studie besteht aus zwei Teilbefragungen. Teilbefragung 1 richtet sich an 40.000 Versicherte, die im Jahr 2009 eine EU-Auslandsbehandlung in Anspruch genommen haben. In Teilbefragung 2 wurden 10.000 Versicherte befragt, die im Jahr 2009 keine Behandlung im EU-Ausland in Anspruch genommen haben. Auf der Basis der Fragebögen der vergangenen Europabefragungen 2008 und 2009 wurde jeweils ein Fragebogen entwickelt. Es wurden erstmals nicht nur Mitglieder befragt, sondern auch Familienversicherte.

 

Um einen chronologischen Vergleich zu ermöglichen, wurden grundlegende Fragestellungen wie z.B. die Höhe der Inanspruchnahme wieder aufgegriffen. Ein neuer Abschnitt beinhaltete darüber hinaus speziell Fragen

 

  • zur Zufriedenheit mit der Qualität und anderen Aspekten der Behandlungen und dem Service der Ärzte, Kliniken und Kureinrichtungen im EU-Ausland,
  • zur Zufriedenheit mit der Qualität der Beratung und des Services durch die TK in Bezug auf Behandlungen im EU-Ausland und
  • zum Informationsbedarf und -verhalten der Versicherten, sowie andere Einflussfaktoren auf deren Entscheidung, sich im EU-Ausland behandeln zu lassen.

     

Für den zweiten Teil der Studie werden erstmals auch TK-Versicherte ohne Erfahrungen mit EU-Auslandsbehandlungen zu

 

  • ihrer Einstellung und ihrem Kenntnisstand bezüglich der Möglichkeit, sich im EU-Ausland behandeln zu lassen und

  • zu ihren Erwartungen an das zukünftige Beratungs- und Serviceangebot der TK im Rahmen von EU-Auslandsbehandlungen befragt.

 

 

Ergebnisse

 

Es wurden jeweils 13.287 und 2.736 Fragebögen zurückgesendet. Dies entspricht Response-Raten von 33 % und 27 %, die das große Interesse an der Thematik verdeutlichen. Hauptergebnisse sind das weiterhin deutliche Wachstum der geplanten EU-Auslandsbehandlungen und die überdurchschnittlich hohe Patientenzufriedenheit. Letztere spiegelt sich auch in der hohen Bereitschaft wider, sich erneut geplant im EU-Ausland behandeln zu lassen, wie auch in der niedrigen Nachbehandlungsquote.

 

Die Bereitschaft der Versicherten ohne EU-Behandlungserfahrung, sich jemals im EU-Ausland behandeln zu lassen, ist deutlich geringer. Dennoch beträgt das Potential der zukünftigen Inanspruchnahme bis zu 30 % der TK-Versicherten. Im Gegensatz zu Versicherten mit Vorerfahrungen steht für diese Versichertengruppe die Erweiterung ihrer Wahlmöglichkeiten bezüglich Arzt und Behandlung im Vordergrund. Qualitätsaspekte haben eine deutlich höhere Priorität als Kostenaspekte. Die EU-Richtlinie ist bei beiden Versichertengruppen gleichermaßen noch relativ unbekannt.

 

Die detaillierten Ergebnisse wurden im Dezember 2011 in der Schriftenreihe WINEG Wissen publiziert.

 

  • Caroline Wagner, Katharina Dobrick, Frank Verheyen. EU Cross-Border Health Care Survey 2010. Patient Satisfaction, Qualitiy, Information and Potential. WINEG Wissen 02. Hamburg: Techniker Krankenkasse 2011. Englisch (PDF, 269 KB, nicht barrierefrei)

 

  • Caroline Wagner, Katharina Dobrick, Frank Verheyen. Europabefragung 2010. EU-Auslandbehandlungen: Patientenzufriedenheit, Qualität, Information und Potential. WINEG Wissen 02. Hamburg: Techniker Krankenkasse 2011. Deutsch (PDF, 295 KB, nicht barrierefrei)

 

 

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