Neurofitness in der betrieblichen Gesundheitsförderung

Die Geschäftsführerin der Gesellschaft für Vitalökonomie Dr. Petra Mommert-Jauch im Interview.

 

Der demografische Wandel stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen in der Personalpolitik. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement kann hier einen wichtigen Beitrag leisten. Zudem werden Mitarbeiter immer schneller mit neuen Arbeits- und Lebensbedingungen konfrontiert - lebenslanges Lernen ist hier eines der Schlagworte. Für Unternehmen sind leistungsfähige und motivierte Mitarbeiter wichtig, denn sie sichern langfristig den unternehmerischen Erfolg.

Dr. Petra Mommert-JauchDr. Petra Mommert-Jauch 

Dr. Petra Mommert-Jauch, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Vitalökonomie, Gesundheitswissenschaftlerin, Lehrbeauftragte der Universität Karlsruhe und Leiterin des Deutschen Walking Instituts, über "Mentale Fitness im Unternehmen und an der Hochschule".

 

TK: In Vorträgen sprechen Sie über Ansätze aus der Neurofitness - Wie unser Gehirn tickt. Wie würden Sie den Begriff Neurofitness erklären?

 

Dr. Mommert-Jauch: Neurofitness setzt sich zusammen aus Inhalten des Gehirntrainings gepaart mit gezielten körperlichen Bewegungen. Ziel ist es, Gehirnstrukturen gezielt zu trainieren, um Fähigkeiten der sogenannten exekutiven Funktionen des Gehirns zu verbessern.

 

TK: Mentale Fitness und geistige Belastbarkeit werden in einer sich schnell ändernden Arbeits- und Lebenswelt immer wichtiger. Welche Möglichkeiten bietet da die Neurofitness?

 

Dr. Mommert-Jauch: Neurofitness zielt darauf ab, zum einen die oben genannten exekutiven Funktionen zu verbessern. Das bedeutet, Konzentrationsfähigkeit zu trainieren, Informationsverarbeitungskapazitäten zu erhalten und auch den kurzfristigen Arbeitsspeicher unseres Gehirns besser nutzen zu können.

 

Ein Weiteres ist aber auch, dass wir mit Hilfe der Neurofitness die Stress-Resilienz trainieren, um so weniger schnell unter Druck zu kommen, in einem immer komplexer werdenden Berufsumfeld.

 

TK: Wann sollte man mit dem Training idealerweise anfangen? Und ist es auch irgendwann zu spät?

 

Dr. Mommert-Jauch: Man kann eigentlich nie zu früh mit einem solchen Training beginnen. Das zeigen uns die Studien zur kognitiven Leistungsfähigkeit von Schülern bereits in der Grundschule. Würde in diesem Setting Neurofitness in Form von "Mini-Sequenzen" Einzug halten, wäre ein großer Schritt zu besseren schulischen Leistungen und einem insgesamt ausgeglichenerem Schulmilieu getan. Aber auch zu spät ist es nie. Die kognitive Lernleistungsfähigkeit hört nie auf. Wir brauchen zwar im höheren Alter mehr Zeit, können aber doch noch effektive Resultate erzielen.

 

TK: Studenten erfahren durch ein großes Lernpensum und dicht gedrängte Prüfungen eine hohe mentale Belastung. Welche positiven Effekte könnten sie mit der Neurofitness bewirken?

 

Dr. Mommert-Jauch: Auch hier zeigen uns die Erfahrungen, die wir an den eigenen Studenten gemacht haben, dass sowohl die Konzentrationsfähigkeit als auch der Spaß am Lernen und die Motivation zu lernen mit solchen kleinen Neurofitness-Interventionen sehr positiv beeinflusst werden können.

 

TK: Welche Empfehlung geben Sie Unternehmen, die im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements Kurse zur Neurofitness anbieten möchten?

 

Dr. Mommert-Jauch: Im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung - in dem wir ganz speziell die Vitalen Pausen, die Neurofitness-Übungen beinhalten, einsetzen - haben wir inzwischen so viel Erfahrung, dass wir jedem einzelnen Betrieb sein individualisiertes "Neurofitness- beziehungsweise Vitale Pause-Konzept" stricken können.

 

So setzen wir beispielsweise in einem großen produzierenden Betrieb mit rund 1.000 Mitarbeitern das Konzept seit längerer Zeit direkt am Arbeitsplatz - auch während der Produktion - sehr erfolgreich ein. In einem Verwaltungsbetrieb mit 200 Mitarbeitern sieht die Umsetzung dagegen wieder ganz anders aus.

 

Einen allgemeinen Tipp möchte ich dennoch geben: Ganz wichtig ist es, die Mitarbeiter vorher zu den Hintergründen solcher Neurofitness- beziehungsweise Vitale Pause-Übungen zu informieren. Der Mensch möchte nicht "bestimmt" werden, sondern wissen, warum er etwas tun soll. Mit unseren Vorab-Info-Veranstaltungen haben wir da die besten Erfahrungen gemacht. Motivation ist eben alles!