Was ist HIV beziehungsweise AIDS?

Das menschliche Immunschwäche-Virus (Humane Immundefizienz-Virus, abgekürzt HIV) ist ein Virus, das eine Immunschwäche-Krankheit (acquired immunodeficiency syndrome, abgekürzt AIDS) hervorruft. Die Krankheit ist derzeit nicht heil-, wohl aber behandelbar.

 

Anfang der 80er Jahre trat in Kalifornien und New York unter homosexuellen Männern eine bis dato unbekannte Erkrankung auf, die sich rasch ausbreitete. Die Betroffenen litten und verstarben vielfach an Infektionen, die bei Menschen mit intakter körpereigener Abwehr (Immunsystem) normalerweise nicht vorkommen.

 

Daraufhin begann die US-Gesundheitsbehörde mit einer umfassenden Ursachenforschung, bei der sich herausstellte, dass im Blut der Kranken die Zahl der sogenannten T-Helferzellen drastisch vermindert war. Da diese Zellen im Immunsystem eine Schlüsselrolle spielen, war klar, dass eine Schwächung der Immunabwehr für das rätselhafte Krankheitsbild verantwortlich sein musste.

 

Zunächst schien die Erkrankung auf männliche Homosexuelle beschränkt zu sein. Als jedoch die ersten Heterosexuellen erkrankten, wurde deutlich, dass die Erkrankung jeden Menschen befallen konnte.

 

Fachleute waren sich schnell einig, dass der Erreger ein Virus sein müsse. Fast gleichzeitig identifizierten 1983/84 Luc Montagnier am Pasteur-Institut in Paris und der amerikanische Virologe Robert Gallo das sogenannte "human immunodeficiency virus", kurz HIV, als Ursache der neuen Erkrankung. Mit dem Begriff "Aquired Immune Deficiency Syndrome", also "erworbenes Immunschwäche-Syndrom" oder kurz AIDS, erhielt die Krankheit ihren offiziellen Namen.

 

Wie häufig ist die Erkrankung?

Ende 2012 lebten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit mehr als 35 Millionen mit dem HI-Virus infizierte Menschen. Viele von ihnen haben das Virus in sich, ohne es zu wissen. Von ihnen waren etwa die Hälfte Frauen und rund 3,4 Millionen Kinder unter 15 Jahren. Allein im Jahr 2011 haben sich weltweit etwa 2,5 Millionen Menschen neu mit HIV angesteckt, darunter 330.000 Kinder. Etwa 1,7 Millionen verstarben im gleichen Zeitraum an AIDS.

 

In Deutschland lebten nach Angaben des Robert Koch-Instituts Ende 2013 etwa 80.000 Personen mit HIV (circa 65.000 Männer, 15.000 Frauen und 200 Kinder). 2013 kam es zu etwa 3.200 Neuinfektionen mit dem Virus. Etwa 550 Menschen verstarben hierzulande zwischen Januar und Dezember 2013 an AIDS.

 

Die geschätzte Zahl von HIV-Neuinfektionen hat sich in Deutschland von Spitzenwerten Mitte der 1980er Jahre bis zum Ende der 1990er Jahre deutlich verringert. Seit 2000 bis etwa 2005 stieg die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland  wieder deutlich an, erreichte 2006 mit rund 3.400 Infektionen einen Höhepunkt und bleibt seitdem ungefähr konstant auf dieser Höhe. Zwei Drittel der Neuinfektionen betreffen Männer, die sexuell mit Männern verkehren. Ursache der Zunahme schien Langezeit ein vermindertes Risikobewusstsein (Verzicht auf Kondome) und die Vorstellung zu sein, die HIV-Infektion sei inzwischen eine einfach zu behandelnde Erkrankung.

 

In den reicheren Industrienationen infizieren sich häufig Personen mit dem HI-Virus, die zu einer Risikogruppe zählen: In Deutschland sind Männer, die Sex mit Männern haben, die Bevölkerungsgruppe, in der es zu den meisten Neuinfektionen kommt. Im Jahr 2012 waren es 1.708 Fälle und im Jahr 2013 waren es 1.735 Fälle. Übertragungen durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr stehen mit 593 Fällen in Deutschland an zweiter Stelle.

 

Das Robert-Koch-Institut (RKI) weist auf die intensivierte Prävention und die zunehmend frühere Diagnose und Behandlung HIV-Infizierter hin, die dann weniger infektiös für ihre Sexualpartner sind.

 

AIDS ist weltweit die vierthäufigste Todesursache und damit eines der größten Gesundheitsprobleme unserer Zeit. Besonders in den Entwicklungsländern steigt die Zahl der Infizierten rasant an.

 

Trotz intensiver Forschungsbemühungen gibt es bisher keine Impfung und keine Heilung. Die derzeit verfügbaren Therapien können die Viren so stark unterdrücken, dass HIV-Infizierte heute eine nahezu normale Lebenserwartung haben.

 

Wie entsteht AIDS?

Der Erreger von AIDS, das HI-Virus (HIV), gehört zur Familie der Retroviren. Retroviren fügen ihre Erbinformationen in das Erbgut von anderen Zellen ("Wirtszellen") ein und veranlassen diese dazu, Virus-Kopien herzustellen und freizusetzen. Auf diesem Weg pflanzen sich die Viren fort und infizieren immer mehr Wirtszellen. Das HI-Virus befällt das Immun- und Nervensystem.

 

Als Wirtszellen benutzt es vor allem die T-Helferzellen, eine spezialisierte Untergruppe von weißen Blutkörperchen (Lymphozyten), die im Immunsystem eine wichtige Rolle spielt. Das macht das HI-Virus so tückisch: Es zerstört gerade die Zellen, die für die Abwehr von Krankheitserregern von zentraler Bedeutung sind.

 

Während einer von Patient zu Patient unterschiedlich langen Ruhephase (Latenzzeit) kann das Immunsystem die befallenen Zellen noch in ausreichendem Maß ersetzen. Abgesehen von grippeartigen Beschwerden, die viele Neuinfizierte drei bis sechs Wochen nach der Ansteckung durchmachen, bemerken die Betroffenen in dieser Zeit nichts von der Abwehrschlacht in ihrem Körper. Die Latenzzeit kann acht Monate bis 15 und mehr Jahre dauern.

 

Ohne Behandlung zerstört HIV mit der Zeit so viele Helferzellen, dass die Immunabwehr immer schwächer wird. Daher kann die körpereigene Abwehr eigentlich harmlose Keime nicht mehr effektiv bekämpfen, sodass diese charakteristische Infektionen auslösen (opportunistische Infektionen).

 

Erst wenn bei HIV-Infizierten diese opportunistischen Infektionen auftreten, liegt das Endstadium AIDS vor. Der Begriff AIDS steht demnach nicht für eine einzelne Krankheit, sondern für das Zusammenwirken verschiedener Symptome und Erkrankungen (= Syndrom), die alle darauf zurückzuführen sind, dass die HIV-Infektion eine fortschreitende Immunschwäche zur Folge hat.

 

Wie wird das HI-Virus übertragen?

Das HI-Virus kann außerhalb des menschlichen Körpers nur für sehr kurze Zeit überleben. Die Übertragung von HIV ist deshalb eng an den Kontakt mit Körperflüssigkeiten gekoppelt. Hohe Konzentrationen von HI-Viren finden sich im Blut, Sperma und Vaginalsekret. HIV lässt sich zwar auch im Urin, Kot, Speichel, Schweiß, Tränen- und Rückenmarksflüssigkeit nachweisen, jedoch nur in geringen Mengen, die für eine Ansteckung nicht ausreichen.

 

Das HI-Virus wird vor allem durch Blut und Sperma übertragen. Besonders gefährdet für eine HIV-Übertragung sind daher Menschen, die ungeschützten Geschlechtsverkehr haben oder Drogenabhängige, die benutzte Spritzen tauschen (sog. Needle-Sharing).

 

Mehr als 90 Prozent der HIV-Infektionen werden sexuell übertragen, die meisten der Betroffenen sind Männer, die Sex mit Männern haben; an zweiter Stelle folgt die Gruppe der Heterosexuellen, gefolgt von Drogenabhängigen, die sich Drogen in eine Vene spritzen.

 

Beim Geschlechtsverkehr kann eine HIV-Übertragung erfolgen bei ungeschütztem eindringenden oder aufnehmenden Anal- oder Vaginalverkehr (hohes Infektionsrisiko) und wenn Samenflüssigkeit in den Mund gelangt (geringes Risiko).

 

Weniger als ein Prozent der HIV-Übertragungen ereignen sich bei Geburten, bei denen eine HIV-positive Mutter ihr Kind infiziert. Das Risiko, dass eine HIV-positive Frau das Virus überträgt, ist ohne vorbeugende Maßnahmen hoch - es beträgt etwa 20 Prozent.

 

Nach bisheriger Kenntnis, die auf umfangreichen Untersuchungen beruht, findet die Übertragung von HIV ausschließlich auf folgenden Wegen statt:

  • Sexualkontakt: insbesondere ungeschützter vaginaler und analer Verkehr. Auch bei Oralverkehr ist eine Übertragung von HIV-möglich. Bei Küssen, Beißen, Zahnbehandlungen oder Husten besteht dagegen kein erkennbares Übertragungsrisiko.
  • Gemeinsamer Gebrauch von Spritzbesteck (zum Beispiel durch Drogenabhängige) beziehungsweise Verletzungen durch infektiöse Kanülen
  • Bluttransfusionen (in Industrieländern ist das Infektionsrisiko inzwischen vernachlässigbar gering, in Entwicklungsländern weiterhin beträchtlich)
  • Babys: im Mutterleib (selten), während der Geburt und über die Muttermilch (das Risiko lässt sich jedoch durch eine antivirale Therapie und den Verzicht auf Stillen minimieren)

Ausdrücklich sei erwähnt, dass normaler Kontakt mit einem HIV-positiven Menschen - also Händeschütteln, Umarmen, Wangenküsse oder das Zusammenleben unter einem Dach - kein Ansteckungsrisiko birgt.

 

Wie verläuft die Krankheit?

Beim Verlauf muss zwischen der Infektion mit HIV und dem Krankheitsbild AIDS unterschieden werden. Ein Mensch kann nach einer HIV-Infektion jahrelang völlig beschwerdefrei sein, bevor er eine der sogenannten "AIDS-definierenden Krankheiten" entwickelt. Bis dahin durchläuft der Betroffene die folgenden Stadien:

 

Infektion

In den Wochen unmittelbar nach einer Ansteckung vermehrt sich das Virus im Körper vorübergehend sehr stark. Das Risiko, andere Menschen anzustecken, ist in dieser Zeit entsprechend groß. Oft treten grippeähnliche Beschwerden auf. Dazu gehören Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Durchfälle, Fieber, Lymphknotenvergrößerung, Hautausschlag und Appetitlosigkeit. Diese Beschwerden klingen jedoch rasch wieder ab und werden, wenn der Betroffene sie überhaupt bemerkt, meist für einen harmlosen Infekt gehalten.

 

Immunantwort

Als Reaktion auf die Infektion produziert das Immunsystem Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper gegen das Virus. Diese sind durch einen HIV-Test nach ungefähr drei Monaten nachweisbar.

 

Symptomfreies Intervall

In dieser Phase ist das Virus weiterhin im Körper, verursacht aber keine Krankheitszeichen (Symptome). Daher spricht man auch von einer asymptomatischen Phase. Mit der Zeit befällt und zerstört das Virus jedoch immer mehr Helferzellen.

 

Allgemeine Symptome

Das erste Zeichen für einen starken Abfall der Anzahl der Helferzellen kann eine Vergrößerung der Lymphknoten an verschiedenen Stellen des Körpers sein. Sie schmerzt nicht und hält mehrere Monate an (Lymphadenopathie-Syndrom). Außerdem können eigentlich harmlose Keime, die einem gesunden Menschen mit intaktem Immunsystem nichts anhaben, Beschwerden und Krankheitsbilder verursachen, die sogenannten opportunistischen Infektionen. Zu ihnen gehören unter anderem:

  • Pilzinfektionen des Mund- und Rachenraums beziehungsweise der Vagina
  • Herpes-Zoster-Infektionen an mehreren Stellen des Körpers
  • Erhöhte Temperatur ohne andere Ursache
  • Länger als einen Monat anhaltende Durchfälle
  • Weißliche Beläge der Mundschleimhaut (orale Haarleukoplakie)
  • Nervenstörungen an Armen oder Beinen (periphere Neuropathien) 

AIDS

Von der Diagnose AIDS sprechen Ärzte heute, wenn die Zahl der Helferzellen unter 200 Zellen pro Mikroliter Blut absinkt und/oder der Betroffene sogenannte AIDS-definierende Erkrankungen hat.

 

AIDS-definierende Erkrankungen sind:

  • Infektionen durch bestimmte Bakterien, Viren, Pilze oder Einzeller (Protozoen). Typisch sind Pilzbefall von Speiseröhre, Luftröhre, Bronchien und/oder Lunge.
  • Bösartige Tumorerkrankungen wie das Kaposi-Sarkom (Hautkrebs), Non-Hodgkin-Lymphom (Lymphdrüsenkrebs), Lymphome des Gehirns und Tumoren des Gebärmutterhalses.

Wie werden HIV-Infektion und AIDS diagnostiziert?

Um eine HIV-Infektion sicher zu diagnostizieren, sind zwei verschiedene Blutuntersuchungen nötig: ein Suchtest und ein Bestätigungstest. Der Suchtest weist Antikörper nach, die das Immunsystem gegen das Virus bildet. Er ist sehr empfindlich. Allerdings zeigt der Test in einigen Fällen auch eine Infektion an, obwohl tatsächlich keine Ansteckung vorliegt (falsch-positives Ergebnis).

 

Aus diesem Grund wird im Anschluss an ein positives Suchtest-Ergebnis noch ein Bestätigungstest vorgenommen. Dieser unterscheidet mit höchster Genauigkeit zwischen einer HIV-Infektion und anderen Ursachen eines positiven Suchtest-Ergebnisses. Eine HIV-Infektion gilt erst dann als nachgewiesen, wenn sowohl der Such- als auch der Bestätigungstest HIV nachgewiesen haben.

 

Bei der Beurteilung der Testergebnisse ist zu beachten, dass der Körper bis zu zwölf Wochen benötigt, um die nachzuweisenden Antikörper gegen HIV zu bilden. Die Tests erlauben deshalb frühestens drei Monate nach der möglichen Ansteckung eine definitive Aussage, ob eine HIV-Infektion vorliegt.

 

Schneller (etwa innerhalb von etwa zehn bis 15 Tagen) lässt sich eine HIV-Infektion durch den direkten Virusnachweis diagnostizieren. Dieser Test kann kleinste Mengen Erbgut des Virus in einer Blutprobe nachweisen und gilt als sehr sicher. Aufgrund der hohen Kosten wird er allerdings nicht routinemäßig zum Nachweis von HIV eingesetzt. Das Verfahren findet Anwendung bei der Untersuchung von Blutkonserven auf HIV und zum Ausschluss einer HIV-Infektion bei Neugeborenen von HIV-infizierten Müttern.

 

Außerdem kommt er bei HIV-infizierten Patienten zum Einsatz, um zu kontrollieren, ob die Behandlung anschlägt und die Virusmenge sinkt. Dabei ermitteln Ärzte die Virusmenge im Blut. Die sogenannte Viruslast gibt Aufschluss über die Virusvermehrung und den Erfolg der Therapie. Darüber hinaus gibt es spezielle Tests, mit deren Hilfe der Arzt erkennen kann, ob die HI-Viren eines Patienten Resistenzen gegen Medikamente aufweisen, die zur Behandlung der HIV-Infektion eingesetzt werden.

 

Um das Fortschreiten der Infektion und den Zustand des Immunsystems zu beurteilen, bestimmen Ärzte bei HIV-Infizierten in regelmäßigen Abständen die Anzahl der Helferzellen im Blut. Beim Gesunden beträgt sie zwischen 600 und 1.500 Zellen pro Mikroliter Blut. Bei HIV-Infizierten sinkt die Zahl unter 500 Zellen pro Mikroliter Blut und mit zunehmender Ausbreitung des Virus noch deutlich darunter.

 

Wie wird die Krankheit behandelt?

Eine HIV-Infektion beziehungsweise AIDS ist nicht heilbar. Mittlerweile gibt es aber verschiedene Medikamente, mit denen sich der Ausbruch der Krankheit erheblich verzögern lässt. Ziel der Therapie ist es, die Menge der Viren im Körper (Viruslast) so weit wie möglich zu senken.

 

Mittlerweile wissen HIV-Spezialisten, dass die Mittel auf Dauer nur wenig wirksam sind, wenn sie einzeln verabreicht werden. Deshalb kombinieren Ärzte heutzutage in der Regel von Anfang an drei oder mehr Wirkstoffe zur sogenannten hochaktiven antiretroviralen Therapie. Dadurch lässt sich die Viruslast oft innerhalb kurzer Zeit so weit senken, dass im Blut der Betroffenen keine HI-Viren mehr nachweisbar sind. Eine Heilung bedeutet dies jedoch nicht, denn in verschiedenen Bereichen des Körpers, unter anderem den Helferzellen, bleibt das Virus weiterhin bestehen und kann sich daher jederzeit wieder vermehren.

 

Über den richtigen Zeitpunkt für den Beginn der medikamentösen Therapie gab es in den vergangenen Jahren viele Diskussionen. Inzwischen favorisieren Experten einen frühen Therapiebeginn, weil so die Sterblichkeit der HIV-Infizierten sinkt. Aufgrund der Fortschritte bei den Medikamenten ist ein baldiger Therapiestart nun für die Patienten besser verträglich als in früheren Jahren. Kriterien für den Therapiebeginn sind die Konzentration der Viren im Blut, die Zahl der Helferzellen sowie die bestehenden Beschwerden.

 

Die hochaktive antiretrovirale Behandlung (ART) ist heute erheblich einfacher zu handhaben als früher. Es wurden Tabletten entwickelt, die mehrere Wirkstoffe enthalten und diese zeitlich abgestimmt abgeben. Dennoch müssen die Patienten die Behandlungsvorgaben streng befolgen. Sonst besteht die Gefahr, dass das extrem wandelbare HI-Virus Resistenzen entwickelt und die Medikamente nicht mehr wirken. Wie Studien ergeben haben, stellt die mangelnde Therapietreue eine häufige Ursache von Misserfolgen in der Behandlung dar.

 

Nebenwirkungen der Therapie

Die Nebenwirkungen der Therapie sind vielfältig: Durchfall, Übelkeit und Kopfschmerzen verschwinden häufig nach einigen Wochen. Größere Probleme bereiten hingegen Langzeitnebenwirkungen wie schmerzhafte Entzündungen der Nerven an Armen und Beinen (Neuropathien). Zunehmend an Bedeutung gewinnt auch eine Umverteilung des Körperfetts, die bei längerer Einnahme einiger Medikamente auftreten kann. Bei diesem sogenannten Lipopdystrophie-Syndrom kommt es zu Fettansammlungen am Bauch, während gleichzeitig das Fett an Armen, Beinen und im Gesicht verschwindet. Die Patienten wirken dadurch stark abgemagert und schwer krank.

 

Darüber hinaus sind bei der längerfristigen Behandlung mit einigen HIV-Medikamenten immer häufiger Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Hyperlipidämie (erhöhte Blutfettwerte) zu beobachten. Die Auswirkungen dieser Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislauf-System können derzeit noch nicht sicher beurteilt werden.

 

Behandlung der Infektionen

Infektionen müssen bei HIV-Patienten frühzeitig mit den entsprechenden Medikamenten, also beispielsweise Antibiotika (Bakterien abtötende Mittel), behandelt werden. Schutzimpfungen gegen bestimmte Erreger wie Grippe oder Hepatitis B ergänzen die Therapie.

 

Welche Erfolgsaussichten hat die Therapie?

Durch die Entwicklung immer neuer Medikamente hat sich die Prognose der HIV-Infektion in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, der Übergang zum Krankheitsbild AIDS lässt sich lange verzögern oder vollständig verhindern und die Sterblichkeit ist dadurch stark gesunken. Heilbar ist die Krankheit jedoch nach wie vor nicht, deshalb ist jede Entwarnung verfrüht.

 

In den westlichen Industrieländern hat sich die Infektion mit HIV durch die hochaktive antiretrovirale Behandlung für viele Betroffene zu einer chronischen Krankheit gewandelt. Auch wenn eine Heilung nicht möglich ist und die Therapie mit Nebenwirkungen einhergeht, können Infizierte doch lange ein relativ normales Leben führen. Es sollte aber nicht übersehen werden, dass in Deutschland noch immer pro Jahr mehr als 500 HIV-Infizierte an AIDS sterben.

 

Schwerpunkte der Forschung liegen im Moment darauf, nebenwirkungsärmere Medikamente und Therapiestrategien zu entwickeln, Resistenzen zu verhindern sowie die Therapie zu vereinfachen und deren Kosten zu senken, um die Behandlung auch Menschen in ärmeren Weltregionen zugänglich zu machen.

 

Welchen Verlauf die Infektion nimmt, ist von Patient zu Patient verschieden. So ist beispielsweise bekannt, dass die Zahl der Helferzellen bei etwa zehn Prozent der Infizierten auch ohne Behandlung über mehr als zehn Jahre konstant bleiben kann. Woher dieser "natürliche Schutz" kommt, versucht die Forschung zu ergründen.

 

Was ist zu beachten im Leben mit der Krankheit?

Nicht zuletzt weil die Vorurteile gegenüber HIV-Infizierten allen Aufklärungskampagnen zum Trotz weiterhin verbreitet sind, ist die Diagnose HIV für die Betroffenen häufig ein Schock. Neben Krankheit und Tod fürchten viele vor allem die soziale Isolation. Gespräche mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen, AIDS-Hilfen oder Beratungsstellen können in dieser schwierigen Phase helfen, die psychischen Probleme in den Griff zu bekommen und die HIV-Infektion wie eine chronische Erkrankung zu akzeptieren.

 

HIV-Infizierte sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrnehmen, bei denen die Helferzellen und die Viruslast bestimmt werden, um so den optimalen Zeitpunkt eines Therapiebeginns zu ermitteln. Um die Behandlung dem Lebensalltag des Betroffenen optimal anzupassen, ist ein vertrauensvolles Verhältnis zum spezialisierten Arzt sehr wichtig.

 

Was das Zusammenleben mit anderen Menschen angeht, gibt es kaum Einschränkungen. Umarmen, Händereichen oder Küssen mit geschlossenem Mund (bei Zungenküssen ist ein Risiko theoretisch nicht auszuschließen, aber weltweit in keinem Fall als Übertragungsweg nachgewiesen) stellen ebenso wenig eine Ansteckungsgefahr dar wie das Leben im selben Haushalt. Auch die Sexualität kann lustvoll gelebt werden, allerdings nur mit "safer sex", also Kondomen. Jeder ungeschützte Sexualkontakt ist für den Partner potenziell lebensbedrohlich.

 

Wie kann man sich vor AIDS schützen?

Die meisten Menschen stecken sich mit dem HI-Virus durch ungeschützte Sexualkontakte an. Die Verwendung von Kondomen hat in Deutschland dazu beigetragen, die Ausbreitung des Virus zu begrenzen. Seit es jedoch wirksame Medikamente gibt, machte sich laut Studien eine "Kondommüdigkeit" breit. Zwischen 2001 und 2006 stieg die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland kontinuierlich an. Besonders Männer, die sexuell mit Männern verkehren, scheinen zu risikoreichem Verhalten zu tendieren. Zwei Drittel aller Neuinfektionen entfallen auf sie. Kondome sind nach wie vor der beste Weg, sich und andere vor AIDS zu schützen.

 

Drogenabhängige haben ein sehr hohes Risiko, sich beim gemeinsamen Gebrauch derselben Nadeln mit HIV zu infizieren. Das Virus kann sich in feuchten Blutresten im Inneren einer Spritze unter Umständen sogar mehrere Tage halten. Verschiedene Einrichtungen und Initiativen geben deshalb kostenlos Spritzen und Injektionskanülen ab.

 

Eine HIV-positive Mutter kann ihr Kind während der Schwangerschaft, unter der Geburt und über die Muttermilch mit dem Virus anstecken. Um das Risiko zu minimieren, sind folgende vorbeugende Maßnahmen wichtig (sogenannte Transmissionsprophylaxe):

  • Fortsetzung der HIV-Therapie während der Schwangerschaft
  • Verzicht aufs Stillen
  • Vorsorgliche Behandlung des Babys in den ersten vier Lebenswochen

Bei der Geburt ist heute nicht mehr unbedingt ein Kaiserschnitt nötig, um das Übertragungsrisiko zu reduzieren. Wenn die Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt, gilt eine natürliche Geburt inzwischen als genauso sicher wie eine Geburt per Kaiserschnitt.

 

Grundsätzlich sollte die Betreuung und Behandlung HIV-positiver Schwangerer in spezialisierten Zentren erfolgen. Damit die Vorbeugemaßnahmen umgesetzt werden können, muss die HIV-Infektion der werdenden Mutter zunächst bekannt sein. Aus diesem Grund fordern Experten, jeder Schwangeren einen HIV-Test anzubieten.

 

Menschen wie Ärzte oder Pflegekräfte, die aus beruflichen Gründen mit Körperflüssigkeiten von potenziell infizierten Personen in Kontakt kommen, können sich durch Einhalten der einschlägigen Hygiene- und Arbeitsschutzvorschriften schützen. Je nach Arbeitssituation stellen Handschuhe, Schutzbrille und Mundschutz sowie umsichtiges Verhalten bereits einen sehr effektiven Infektionsschutz dar.

 

Einen Impfstoff gegen HIV gibt es bislang nicht. Zwar sind zahlreiche Wirkstoffe in der Entwicklung, der Einsatz beim Menschen liegt jedoch in weiter Ferne. Bereits ein Teilschutz, etwa in Gestalt einer verminderten Viruslast, würde in diesem Zusammenhang als Erfolg gewertet werden. Eine HIV-Infektion würde nach der Impfung dann milder verlaufen, und der Infizierte damit weniger ansteckend für andere sein.

 

 

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