Was ist Amöbenruhr?

Die Amöbenruhr (Amöbiasis) ist eine Infektion mit dem Parasiten Entamoeba histolytica (Amöben), der eine schwere Durchfallerkrankung hervorrufen kann.

 

Amöben sind einzellige Parasiten, die weltweit, vor allem in den Tropen und Subtropen, vorkommen. Die Erreger der Amöbenruhr treten meist dort auf, wo die hygienischen Verhältnisse unzureichend sind. Auch in gemäßigten Klimazonen kommt die Erkrankung gelegentlich vor, zum Beispiel bei Kanalarbeitern. Reisende schleppen die Amöben in ihre Heimatländer ein. Etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung sind mit Entamoeba histolytica infiziert. Jährlich erkranken etwa 50 Millionen Menschen an Amöbenruhr.

 

Amöben entwickeln sich in zwei Stadien: Als Zysten können sie in der Außenwelt monatelang überleben und ansteckend sein. Infizierte Menschen scheiden diese Zysten mit dem Stuhl aus. Nach Aufnahme in den Körper bilden sich im menschlichen Dickdarm aus den Zysten zwei verschiedene Lebensformen, die Minutaform und die Magnaform. Letzte enthält rote Blutkörperchen, die sie im Wirt aufgenommen hat.

 

Wie bekommt man Amöbenruhr?

Die Ansteckung erfolgt auf fäkal-oralem Weg. Dies bedeutet, dass die Amöbenzysten aus dem Stuhl einer erkrankten Person über verunreinigte Nahrung oder verunreinigtes Trinkwasser von anderen Menschen aufgenommen und so übertragen werden. Infiziertes Küchenpersonal, Gastronomen und Lebensmittelhändler können durch schmutzige Hände ihre Gäste und Kunden anstecken. Schlechte hygienische Verhältnisse sind also die vorwiegenden Ursachen. Auch bei anal-oralem Sexualverkehr ist eine Übertragung möglich.

 

Welche Beschwerden verursacht die Amöbenruhr?

Nicht jeder Mensch, der sich mit Amöben ansteckt, entwickelt heftige Beschwerden. Milde Verlaufsformen, in manchen Fällen auch ohne Symptome, sind möglich. Erste Beschwerden können bereits nach wenigen Tagen oder erst nach mehreren Monaten auftreten.

 

Zu den Symptomen zählen blutig-schleimige Durchfälle, zum Teil mit himbeergeleeartigen Auflagerungen, begleitet von Bauchschmerzen. Die Amöben verursachen Entzündungen mit Geschwürbildung (Ulzerationen) an der Schleimhaut des Dickdarms. Unter Umständen kann sich ein entzündlicher Tumor im Dickdarm bilden (Amöbom).

 

Daneben sind Komplikationen wie Darmblutungen, Darmdurchbruch oder eine massive Erweiterung des Dickdarms (toxisches Megakolon) möglich. Die Amöbenruhr kann über eine lange Zeit immer wieder in Schüben auftreten (chronischer Verlauf).

Eine gefürchtete Komplikation sind Amöbenabszesse in der Leber, die sich auch ohne nennenswerte vorausgegangene Darmstörungen bilden können. Diese eitrigen abgekapselten Entzündungen können noch Monate bis Jahre nach der Infektion auftreten und Beschwerden verursachen. Sie machen sich durch ein Druckgefühl, Fieber und Schmerzen meistens im rechten Oberbauch bemerkbar.

 

Reißen diese eitrigen Abkapselungen ein und entleeren sich in die Bauchhöhle, kann dies für den Betroffenen lebensbedrohliche Folgen haben. Auch andere Organe, zum Beispiel die Lunge, können betroffen sein.

 

Wie wird die Erkrankung festgestellt?

Jede anhaltende Durchfallerkrankung nach einer Reise in Länder, in denen die Erkrankung häufig vorkommt (Tropen, Subtropen), ist verdächtig auf eine Amöbenruhr. Nach einer gründlichen körperlichen Untersuchung muss der Patient eine Stuhlprobe abgeben, zwei weitere in den darauffolgenden zwei Tagen. Die Zysten sowie die Dauer- oder Minutaform und die Magnaform von Amöben sind unter dem Mikroskop erkennbar.

 

Bei der Minutaform entwickeln sich dauerhafte Zysten. Diese können mehrere Jahre im Dickdarm bleiben ohne Beschwerden zu verursachen; zum Teil werden sie mit dem Stuhl ausgeschieden. Auch wenn der Betroffene keine Symptome hat, ist er dennoch Überträger der Erreger. Im Verlauf können sich krankheitsverursachende Stämme mit veränderter Erbinformation bilden. In der Folge kommt es zum Übergang von der Minuta- in die Magnaform: Die Amöbenruhr tritt auf.

 

Zur Unterscheidung von anderen, nicht für die Erkrankung verantwortlichen Amöben ist eine Analyse des Erbguts mithilfe der Polymerasekettenreaktion notwendig. Daneben können spezielle Tests (zum Beispiel ELISA) zum Nachweis von Antigenen und Antikörpern weitere Hinweise liefern.

Der Arzt entnimmt außerdem Blutproben, um Entzündungswerte und Elektrolyte zu bestimmen und den Verlauf der Erkrankung zu beobachten. Mithilfe einer Stuhlkultur lassen sich andere bakterielle Durchfallerkrankungen ausschließen. Gelegentlich ist auch eine Darmspiegelung sinnvoll, um die Ulzerationen (Geschwüre) an der Dickdarm-Schleimhaut zu untersuchen.

Ein oder mehrere Amöbenabszesse in der Leber sind im Ultraschall (Sonografie), auf Schichtbildaufnahmen in der Computertomografie oder Kernspintomografie erkennbar.

 

Wie wird die Amöbenruhr behandelt?

Betroffene müssen den durch den Durchfall auftretenden Flüssigkeitsverlust durch vermehrtes Trinken und Salzaufnahme ausgleichen. In schwereren Fällen ist auch ein Flüssigkeitsersatz mittels Infusionen über eine Vene notwendig.

 

Die Amöben werden mit Amöbiziden, also Amöben abtötenden Medikamenten, bekämpft. Diese Mittel werden zum einen über die Vene oder als Tabletten, zum anderen als Kontaktamöbizide verabreicht, wo sie im Darm selbst wirken und auch die Zysten abtöten können.

 

Ein wirksames und verträgliches Amöbizid ist das aus der Gruppe der Nitroimidazole stammende Metronidazol. Die Behandlung dauert zehn Tage. Da Metronidazol nicht alle Amöben im Darm abtötet, ist eine zehntätige Anschlusstherapie mit Paromomycin nötig, um restliche im Darm vorhandene Amöben abzutöten.


Die Metronidazol-Behandlung kann unerwünschte allergische Hautreaktionen, einen metallischen Geschmack im Mund, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerzen und andere Nebenwirkungen verursachen. Alkoholgenuss verstärkt die Nebenwirkungen. Da die Amöbenruhr lebensbedrohlich sein kann, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin auch die Behandlung von Schwangeren, obwohl das Medikament möglicherweise das Ungeborene schädigen kann.  

 

Wie kann man sich vor einer Infektion schützen?

Es gibt keine Impfung, die vor Amöbenruhr schützt.

 

Deshalb ist es umso wichtiger, bei Reisen in tropische Länder mit schlechten Hygienebedingungen - auch zum Schutz vor anderen Reisekrankheiten wie Reisedurchfall - folgende Hygieneregeln zu beachten:

  • Vor und nach dem Essen immer die Hände waschen
  • Immer auf die Qualität des Essens und Trinkens achten
  • Leitungswasser stets abkochen
  • Nur gut gekochte Speisen oder Dosennahrung essen
  • Nur Obst essen, das man selbst schälen kann
  • Auf Eis, Eiswürfel und rohen Salat verzichten 

Wie ist die Prognose?

Bei frühzeitiger Diagnose ist die Prognose der Amöbenruhr in den meisten Fällen gut. Dann heilt die Krankheit ohne Folgen aus. Nur wenn die Diagnose zu spät gestellt wird, kann es zu schweren oder sogar tödlichen Krankheitsverläufen kommen.