Was ist eine Anämie?

Eine Anämie bezeichnet einen Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin). Die Hauptaufgabe der roten Blutkörperchen ist es, Sauerstoff von der Lunge zu den verschiedenen Geweben des Körpers zu transportieren.

 

So spricht man von einer Anämie beziehungsweise einer Blutarmut, wenn der Hämoglobingehalt des Blutes beim Mann weniger als 13 g/dl (Gramm pro Deziliter) und bei der Frau weniger als 12 g/dl beträgt. Dabei ist zu beachten, dass Referenzwerte laborabhängig sind und deshalb verschieden ausfallen können. Zudem wird die Höhe des Hämoglobingehalts neben dem Geschlecht auch durch das Alter beeinflusst. Bei Kindern gelten altersentsprechende Referenzwerte.

 

Begleitend können auch weitere Blutzellen wie die weißen Blutzellen (Leukozyten) oder die Blutplättchen (Thrombozyten) vermindert sein. Man spricht dann zusätzlich von einer Leukozytopenie und einer Thrombozytopenie (Blutplättchenverminderung).

 

Was sind die Ursachen einer Anämie?

Eine Blutarmut kann vielfältige Ursachen haben. So können eine verminderte Bildung oder ein gesteigerter Abbau von roten Blutkörperchen ebenso wie eine zu geringe Produktion des roten Blutfarbstoffes vorliegen. Auch der Verlust von Erythrozyten, zum Beispiel durch Blutungen, führt zu einer Anämie.

Häufig liegt ein Mangel an wichtigen Nährstoffen oder Mineralien, wie zum Beispiel Eisen oder Folsäure, vor. Ein solcher Mangel stellt sich entweder durch einen größeren Blutverlust oder durch eine unzureichende Aufnahme der genannten Substanzen mit der Nahrung ein. Der Eisenmangel ist die weltweit am häufigsten vorkommende Mangelerkrankung des Menschen. Mit 80 von 100 Fällen ist Eisenmangel auch die häufigste Ursache einer Anämie. Etwa 25 von 100 Menschen weltweit sind von einer Eisenmangelanämie betroffen. Frauen im gebärfähigen Alter leiden besonders häufig unter Eisenmangel, denn sie verlieren über die Menstruation stets wieder Blut und damit auch das in den roten Blutkörperchen gebundene Eisen. In vier von fünf Fällen betrifft Eisenmangel deshalb Frauen, insbesondere diejenigen mit einer starken Menstruationsblutung.

 

Chronische Blutungen, wie sie zum Beispiel bei einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür auftreten, können durch den Verlust an roten Blutkörperchen zu einer Anämie führen.

Einige, in Deutschland allerdings seltene, Anämien sind angeboren. Zu diesen Erbkrankheiten zählen unter anderen die Sphärozytose (Membrandefekt der roten Blutkörperchen), die Sichelzellenanämie (qualitative Hämoglobinveränderung) und die Thalassämie (quantitative Störung der Hämoglobinsynthese).

Außerdem treten Anämien als Begleitsymptom bei einer Vielzahl chronischer Erkrankungen auf, wie zum Beispiel bei rheumatischen Erkrankungen oder Nierenleiden. Weiterhin können Tumorerkrankungen und Infektionen von einer Anämie begleitet sein.

Die in der zweiten Schwangerschaftshälfte häufig vorkommende Anämie ist meist durch den erhöhten Wassergehalt des Blutes sowie durch einen Folsäure- und Eisenmangel bedingt.

 

Wie äußert sich eine Blutarmut?

Ein Mangel an roten Blutzellen kann zu verschiedenen Beschwerden führen. Die roten Blutkörperchen transportieren Sauerstoff, der in den Zellen an das Hämoglobin gebunden ist, über den Blutweg zu den Organen, um deren Funktion aufrecht zu erhalten.

Sind zu wenig rote Blutzellen vorhanden, leiden die Betroffenen unter Sauerstoffmangel. Dieser äußert sich mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsabfall. Die Betroffenen sind blass und klagen über allgemeine Schwäche und Kopfschmerzen, manchmal auch über Schwindel. Ebenso kann es zu Atemnot, vor allem bei Belastung, zu Konzentrationsstörungen und Herzklopfen kommen. Blutarmut kann auch zu Haarausfall und eingerissenen Mundwinkeln führen.

Sind auch die weißen Blutzellen vermindert, geht dies zusätzlich mit einer herabgesetzten körperlichen Abwehr und einer vermehrten Anfälligkeit gegenüber Infektionen einher.

 

Wie diagnostiziert man eine Anämie?

Die Beschwerden und der Verlauf sind wegweisend für die Diagnose. Der Arzt fragt den Patienten deshalb genauestens nach bestehenden Vor- oder Begleiterkrankungen (zum Beispiel Magengeschwüre, Herzerkrankungen oder Tumorerkrankungen), ob er Medikamente einnimmt und wie er sich ernährt. Es folgt eine gründliche körperliche Untersuchung.

 

Eine Blutuntersuchung gibt Auskunft über den Hämoglobingehalt sowie über die Anzahl und die Größe der einzelnen Blutzellen. Der Eisenspiegel und die Eisenreserven im Körper können ebenfalls im Blut bestimmt werden.

 

Ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl kann Hinweise auf Blutungen im Magen-Darm-Trakt (zum Beispiel blutendes Magengeschwür) geben. Zur Abklärung von Blutungen in der Blase oder den übrigen ableitenden Harnwegen wird zunächst eine Urinprobe untersucht. Gegebenenfalls werden anschließend weitere urologische Untersuchungen veranlasst. Bei Frauen sollte auch eine gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden.

 

Zur Klärung der Ursache sind manchmal weitere Untersuchungen notwendig. Hierzu zählen je nach Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung zum Beispiel eine Magen- und Darmspiegelung oder die Entnahme von Knochenmark, in dem das Blut gebildet wird (Knochenmarkpunktion). Auch können weitere Blutanalysen erfolgen, wie die Bestimmung von Leberwerten- oder Entzündungsparametern.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung einer Anämie richtet sich im Einzelfall nach deren Ursache, das heißt in erster Linie muss die Grunderkrankung behandelt werden.

 

Ist der Grund für eine Eisen- oder eine Folsäuremangelanämie eine unzureichende Aufnahme dieser Stoffe mit der Nahrung, können sie ersetzt werden. Dies kann zunächst durch Medikamente und anschließend durch eine entsprechende Anpassung und Umstellung der Ernährung geschehen. Bei der Vitamin-B12-Mangelanämie erhalten viele Betroffene das Vitamin in Form von Spritzen in den Muskel.

 

Sind hingegen Stoffwechselstörungen, Magen- oder Darmgeschwüre, Infektionskrankheiten oder Tumorerkrankungen Ursache der Blutarmut, müssen spezielle Therapien zur Behandlung dieser Erkrankungen eingeleitet werden.

 

Bei den angeborenen Anämien wird unter Umständen die Milz operativ entfernt.

 

Welche Auswirkungen kann eine Blutarmut haben?

Je nach Ursache oder Grundkrankheit hat eine Blutarmut mehr oder weniger starke Auswirkungen auf den Körper.

 

Der durch die Anämie selbst bedingte dauerhafte Sauerstoffmangel kann unbehandelt nicht nur zu ausgeprägten Beschwerden, sondern auch zu nachhaltigen Schäden einzelner Organe wie der Lunge oder des Herzens führen.

 

Auch können die allgemeine Abgeschlagenheit und die verminderte Leistungsfähigkeit den Betroffenen bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben und im Berufsleben stark einschränken.

 

Deshalb sind Diagnose und Therapie jeder Form der Blutarmut sehr wichtig.