Was ist eine Angststörung?

Angst ist ein grundlegendes und normales Gefühl, das jeder Mensch kennt. In den meisten Situationen hat dieses Gefühl eine wichtige Warnfunktion - Angst weist uns auf Gefahren hin. Die mit Angst verbundenen körperlichen Reaktionen (zum Beispiel erhöhter Herzschlag) machen eine schnelle Reaktion auf die Bedrohung (zum Beispiel Flucht) möglich.

 

Von einer Angststörung spricht man hingegen erst, wenn Menschen in Situationen, die eigentlich nicht gefährlich sind, übertriebene Angstgefühle erleben. Die Betroffenen können sich ihre starken unangemessenen Gefühle oft selbst nicht erklären.

 

Sie wissen zwar, dass ihre Gefühle unbegründet sind, sehen aber keine Möglichkeit, die Ängste zu kontrollieren. Deswegen versuchen sie, Situationen zu vermeiden, in denen sie mit Angst reagieren. Langfristig schränkt sie dieses Verhalten in ihrem Lebensalltag stark ein. Bei der zweiten Gruppe handelt es sich um ungerichtete Ängste, die ohne einen bestimmten äußeren Auslöser auftreten. Dazu zählen die Panikstörung und die generalisierte Angststörung.

 

Welche Angststörungen gibt es?

Es lassen sich zwei Gruppen von Angststörungen unterscheiden. Bei der ersten Gruppe von Angststörungen - den "gerichteten" Ängsten - beziehen sich die Ängste und Befürchtungen auf bestimmte Situationen oder Objekte. Zu dieser Gruppe gehören die "soziale Phobie", die "spezifischen Phobien" und die "Agoraphobie" .

 

Was sind gerichtete Ängste?

Soziale Phobie

Menschen mit einer sozialen Phobie haben starke Angst vor Situationen, in denen sie von anderen Menschen bewertet oder beurteilt werden könnten. Sie leiden meist unter einem geringen Selbstwertgefühl und fürchten sich stark vor Kritik. Die Betroffenen befürchten zu versagen, sich lächerlich zu machen oder von anderen gedemütigt zu werden. In Gegenwart anderer zu sprechen, zu essen, zu trinken oder zu schreiben, gehört zu den typischen Situationen, vor denen Menschen mit sozialer Phobie Angst haben.

 

In solchen Situationen nehmen sie körperliche Veränderungen wie Zittern oder Erröten übertrieben wahr und denken, andere würden dies bemerken. Von sozialer Phobie - im Gegensatz zu normaler Unsicherheit oder Schüchternheit - spricht man dann, wenn die Ängste sehr stark ausgeprägt sind, über einen längeren Zeitraum bestehen und dazu führen, dass der Betroffene zunehmend Situationen vermeidet, in denen die Ängste auftreten.

 

Spezifische Phobie

Wenn sich die Phobie auf einen ganz bestimmten Gegenstand oder bestimmte Tiere bezieht, spricht man von spezifischen Phobien. Dazu zählen beispielsweise die unangemessene Angstreaktion vor Hunden oder Spinnen, vor Höhen, vor Unwetter sowie vor Blut, Spritzen oder Verletzungen. Die übertriebene Angst vor engen Räumen (Klaustrophobie) - etwa vor Tunneln - gehört ebenfalls zu den spezifischen Phobien.

 

Agoraphobie

Bei der Agoraphobie tritt die Angst vor allem in Situationen auf, in denen man sich außerhalb der gewohnten Umgebung aufhält. "Agora" ist ein aus dem Griechischen stammender Begriff und kann mit "Platz öffentlicher Zusammenkunft" übersetzt werden. Platzangst ist also nicht - wie im Volksmund verwendet - die Angst vor engen Räumen, sondern eher die Angst vor Plätzen, auf denen sich viele Menschen aufhalten. Die Phobie bezieht sich auf Menschenmengen und öffentliche Orte wie überfüllte Kaufhäuser, die dann oft bedrohlich erlebt werden.

 

Die Betroffenen haben Angst, in solchen Situationen nicht schnell genug einen sicheren Ort zu erreichen, da ihnen möglicherweise schwindelig oder übel werden könnte oder sie spontan die Kontrolle über ihre Blasenfunktion verlieren. Diese Form der spezifischen Ängste ist für die Betroffenen meist besonders einschränkend, da die Furcht vor der "Öffentlichkeit" in vielen Fällen dazu führt, dass sie das Haus nur noch selten verlassen. Durch diesen zunehmenden Rückzug entstehen bei vielen Menschen, die unter Agoraphobie leiden, zusätzlich depressive Symptome.

 

Was sind ungerichtete Ängste?

Zu den "ungerichteten" Ängsten gehört die "Panikstörung" und die "generalisierte Angststörung". Darunter versteht man Ängste, die ohne einen bestimmten äußeren Auslöser auftreten.

 

Panikstörung/Panikattacke

Bei einer Panikstörung treten wiederholt unerwartete Panikanfälle (Panikattacken) auf. Ein Panikanfall ist ein Zustand, der plötzlich auftritt, und ein Gefühl der Beklommenheit auslöst, auch Todesängste sind möglich. Daneben erlebt der Betroffene verschieden starke körperliche Begleiterscheinungen wie Herzrasen, Schmerzen oder das Gefühl, zu ersticken. Weiterhin können Symptome vorkommen wie Schwitzen, Zittern, Schwindel und Übelkeit. Diese Erscheinungen treten auf, ohne dass eine körperliche Erkrankung vorliegt.

 

Im Zusammenhang mit den starken körperlichen Empfindungen haben die Betroffenen Angst, die Kontrolle zu verlieren, verrückt zu werden oder sogar zu sterben, zum Beispiel infolge eines möglichen Herzinfarktes. Häufig erleben sie den Angstanfall als so bedrohlich, dass sie den Notarzt rufen oder wiederholt ihren Arzt aufsuchen, um sich - vergeblich - auf eine zugrunde liegende körperliche Erkrankung untersuchen zu lassen. Nach US-amerikanischen Untersuchungen sind unter den Patienten eines Krankenhauses, die als Notaufnahmen gelten, etwa 20 bis 29 Prozent von Panikstörungen betroffen. Sie suchen etwa 13-mal häufiger als Menschen ohne Panikstörungen Rettungsstellen auf.

 

Die Attacken dauern im Mittel etwa 20 bis 30 Minuten, sie können jedoch auch nur einige Minuten oder Stunden anhalten. Oft ziehen sie sich über einen Zeitraum von zehn Minuten hin. Kommen die Anfälle häufiger vor, spricht man von einer Panikstörung. Weil die Paniksymptome so plötzlich und unerwartet auftreten, bauen die meisten Betroffenen eine starke Erwartungsangst auf, das heißt, sie "warten" mit großer Furcht auf den nächsten Anfall. Aus Angst, dann nicht rechtzeitig Hilfe holen zu können, verlassen viele nur noch in Begleitung das Haus.

 

Auch wenn Panikanfälle meist unerwartet auftreten, kann mit der Zeit eine Kopplung an bestimmte Situationen auftreten - kam es zum Beispiel in einem Supermarkt zu Paniksymptomen, wird dieser Ort möglichst gemieden.

 

Generalisierte Angststörung

Menschen mit einer generalisierten Angststörung machen sich über einen langen Zeitraum in übertriebener Form ständig Sorgen. Die Ängste und Befürchtungen können sich auf ganz unterschiedliche Aspekte ihres Lebens und des Lebens anderer beziehen, deshalb spricht man auch von generalisierten Angststörungen. Typisch sind zum Beispiel die Sorge, dass Angehörigen etwas Schlimmes zustoßen könnte, übertriebene Geldsorgen oder die Sorge, im Beruf nicht leistungsfähig zu sein.

 

Auch Menschen mit einer generalisierten Angststörung sind sich im Klaren darüber, dass ihre Befürchtungen unrealistisch und übertrieben sind, können sie jedoch nicht kontrollieren. Sie erleben zwar in der Regel keine Panikanfälle, leiden neben ihren Ängsten jedoch unter Ruhelosigkeit, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen sowie körperlichen Symptomen wie Schwindel, Herzrasen oder Schwitzen.

 

Die generalisierte Angststörung entsteht über einen längeren Zeitraum und kann sich über Wochen bis Monate hinziehen.

 

Wie häufig sind Angststörungen?

Angststörungen sind bei Frauen die häufigsten psychischen Störungen und bei Männern die zweithäufigsten nach den Abhängigkeitserkrankungen wie Alkoholismus. Etwa neun bis 25 von 100 Personen in der Allgemeinbevölkerung leiden im Verlauf ihres Lebens an einer Angsterkrankung. Begleiterkrankungen, sogenannte Komorbiditäten, sind nicht selten, dazu gehören zum Beispiel Medikamentenmissbrauch oder Depressionen. Die einzelnen Angststörungen sind unterschiedlich häufig.

 

Mit etwa zwölf bis 13 Prozent Betroffenen in der Normalbevölkerung, so Untersuchungsergebnisse, zählen soziale Phobien zu den häufigsten psychiatrischen Störungen. Frauen sind häufiger als Männer betroffen. Nicht selten suchen Patienten mit dieser Angststörung erst nach zehn Jahren Leidenszeit professionelle Hilfe. Bei ungefähr 15 bis 20 Prozent der Betroffenen besteht zusätzlich eine Depression und/oder Alkoholabhängigkeit. Oft beginnt die Erkrankung schon im jugendlichen Alter.

 

Auch unter spezifischen Phobien leiden Frauen häufiger als Männer, sie betreffen etwa neun von 100 Personen. Die Häufigkeit einer Agoraphobie wird auf fünf Prozent geschätzt. Spezifische Phobien beginnen meist im Kindesalter, Agoraphobien im dritten Lebensjahrzehnt.

 

Panikstörungen kommen bei etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung vor, bei Frauen treten sie doppelt so häufig wie bei Männern auf. Nicht selten leiden die Betroffenen zusätzlich an Erkrankungen wie Depressionen oder Suchtkrankheiten. Erste Anzeichen für die Erkrankung finden sich oft im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

 

Die generalisierte Angststörung betrifft circa vier bis sechs Prozent Personen in der Normalbevölkerung. Prinzipiell kann die Erkrankung im jedem Alter auftreten, sie kommt jedoch gehäuft bei Jugendlichen und Erwachsenen um die 40 vor. Mehr als die Hälfte der Betroffenen leiden zusätzlich an einer Depression oder einer Panik mit Agoraphobie.

 

Wie kommt es zu Angststörungen?

Wie Angststörungen entstehen, ist noch nicht endgültig erforscht. Experten vermuten, dass verschiedene Umstände in die Entstehung von Angststörungen eingreifen. Dazu gehören angeborene (genetische), neurobiologische und psychische Faktoren.

 

Für eine angeborene Veranlagung spricht eine Häufung von Angststörungen in Familien hin. Daneben gibt es Anzeichen für Störungen bestimmter Strukturen, dem limbischen System, im Gehirn. Das limbische System ist für die Verarbeitung von Emotionen verantwortlich, ein wichtiger Bestandteil sind die Mandelkerne (Amygdala). Dieses System und vor allem die Amygdala sind anscheinend bei Betroffenen hyperaktiv, wie mit modernen Untersuchungsmethoden festgestellt wurde. Daneben ist vermutlich das Botenstoff-Gleichgewicht im Gehirn gestört.

 

Psychische Faktoren, die zur Entstehung von Angst beitragen, sind zum Beispiel ein besonders belastendes Lebensereignis, aber auch lang anhaltende alltägliche Belastungen. Traumatische Erfahrungen in der Kindheit wie sexueller Missbrauch oder Gewalt scheinen ebenfalls bedeutsam zu sein.

 

Wie die starke Angst aufrechterhalten wird, erklärt das sogenannte Teufelskreismodell. Anhand dieses Angstkreislaufs lässt sich zum Beispiel ein Panikanfall folgendermaßen erklären: Ein Betroffener nimmt eine Veränderung seines Herzschlages wahr (zum Beispiel, weil er zu schnell aufgestanden ist). Er kann sich dieses Symptom nicht erklären, befürchtet aber, es könnte ein Anzeichen eines drohenden Herzinfarktes sein. Er bekommt Angst. Die Angst löst eine Stressreaktion aus, was zu verschiedenen körperlichen Veränderungen führt - unter anderem auch zu einem noch höheren Puls. Die Wahrnehmung dieser körperlichen Reaktion bestätigt seine Befürchtung, ernsthaft körperlich krank zu sein, sodass die körperlichen Angstreaktionen weiter ansteigen. Durch diesen Prozess schaukelt die Angst sich immer weiter hoch.

 

Bei gerichteten Ängsten versuchen die Betroffenen, die Situationen zu meiden, in denen diese extreme Angst entstehen könnte. Auch ähnliche möglicherweise angstauslösende Situationen werden umgangen. So entsteht auch eine Angst vor der Angst, die durch Vermeidungsverhalten noch stärker wird. Wenn sich diese Ängste in diesem Maße ausbreiten, ziehen sich die Betroffenen häufig zurück und haben nur noch wenige soziale Kontakte.

 

Wie entwickeln sich Angststörungen, wenn sie nicht behandelt werden?

Unbehandelte Angststörungen verlaufen bei den einzelnen Formen unterschiedlich. Menschen mit einer sozialen Phobie haben diese Störung meist lebenslang, wenn sie nicht behandelt werden. Spezifische Phobien entwickeln sich nicht selten bereits in der Kindheit. Oft entwickeln sie sich plötzlich und sie können mit dem Älterwerden verschwinden. Treten spezifische Phobien erst bei Erwachsenen auf, ist ein lang anhaltender Verlauf möglich.

 

Panikstörungen nehmen ohne Therapie einen chronischen Verlauf. In einigen Fällen kommt eine Agoraphobie hinzu. Ohne Behandlung ist der Verlauf eher ungünstig, eine Heilung selten. Eine generalisierte Angststörung entwickelt sich hingegen meist langsam.

 

Die Ausprägung der Störung schwankt ebenfalls, und die Symptome werden mit der Zeit eher schwerwiegender. Bei allen Angststörungen besteht die Gefahr, dass durch die Belastung langfristig weitere Probleme hinzukommen wie depressive Verstimmungen, Probleme mit Mitmenschen oder Alkohol- und Medikamentenmissbrauch. Schwere Formen der Angststörung, bei denen die Betroffenen durch starkes Vermeidungsverhalten kaum noch in der Lage sind, das Haus zu verlassen, haben häufig gravierende Konsequenzen wie Arbeitslosigkeit oder soziale Isolation.

 

Wie werden Angststörungen festgestellt?

Menschen, die unter einer Angststörung leiden, suchen oft erst relativ spät professionelle Hilfe, nicht selten erst, wenn der Lebensalltag sehr eingeschränkt ist. Häufig ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Meistens stehen dann die körperlichen Beschwerden im Vordergrund. Das betrifft besonders Menschen mit Panikanfällen. Diese haben aufgrund der Annahme, dass die Symptome auch eine körperliche Ursache haben müssen, meist zahlreiche Arztbesuche hinter sich.

 

Zunächst sollte immer abgeklärt werden, ob körperliche Krankheiten vorliegen. Oft ergeben sich erste Hinweise auf eine Angststörung im Gespräch zwischen Arzt und Patient. Um die Beschwerden genauer beurteilen zu können, stehen verschiedene psychologische Tests zur Verfügung.

 

Bei einem Psychologen oder einem Arzt mit therapeutischer Zusatzausbildung dient ein Erstgespräch dem gegenseitigen Kennenlernen und einer ersten diagnostischen Einschätzung. In weiteren Sitzungen macht sich der Therapeut ein genaues Bild von der Störung und ihren Auswirkungen auf das Alltagsleben. Er lässt sich beispielsweise eine Situation, in der die Angst zuletzt aufgetreten ist, detailliert schildern und erfragt, unter welchen Bedingungen die Ängste vorkommen, wie der Betroffene damit umgeht und wie Angehörige oder Freunde reagieren.

 

Der Therapeut stellt entweder offene Fragen, oder er orientiert sich an einem vorgegebenen Fragenkatalog, mit dem er alle wichtigen Details erfassen kann. Meist gibt er dem Patienten ein Angsttagebuch, welches geführt werden sollte, damit sich der Therapeut ein noch genaueres Bild auch über die Begleitumstände der Angst machen kann.

 

Wie werden Angststörungen behandelt?

Die Behandlung von Angststörungen beruht auf psychotherapeutischen und medikamentösen Ansätzen. Nicht selten werden beide Möglichkeiten gemeinsam genutzt. Die Patienten sollten umfassend über ihre jeweilige Angststörung aufgeklärt und entsprechend motiviert sein, damit eine Therapie erfolgreich verlaufen kann.

 

Ein psychotherapeutisches Verfahren ist die kognitive Verhaltenstherapie. Mit diesem Verfahren soll der Teufelskreis der Angstentstehung durchbrochen werden. Der Betroffene lernt die seiner Angst zugrunde liegenden psychischen Vorgänge kennen. Mit dieser Methode lassen sich Vermeidungsstrategien aufbrechen.

 

Daneben gibt es die systematische Desensibilisierung, ebenfalls ein verhaltenstherapeutisches Verfahren. Dabei wird der Patient mit seinen Ängsten konfrontiert. Nach einer umfassenden Vorbereitung wird der Betroffene zunächst gedanklich, dann der eigentlichen angstauslösenden Situation ausgesetzt. Eine weitere verhaltenstherapeutische Methode ist die sogenannte Reizüberflutung. Der Patient wird dabei gleich mit der angstmachenden Lage konfrontiert. Für viele Patienten ist es eine große Herausforderung, sich nun genau den Situationen auszusetzen, die sie oft jahrelang umgangen haben. Es braucht deshalb meist viel Zeit und Geduld, bis die Patienten die Notwendigkeit dieses Vorgehens begreifen und sich auf diese Therapieform einlassen können.

 

Durch die Konfrontation mit der Angst in den entsprechenden Situationen wird der Teufelskreis aus Angst und Vermeidung durchbrochen: Der Betroffene erlebt, dass die Angst nicht die befürchteten katastrophalen Konsequenzen hat, sondern nach einer gewissen Zeit in der Situation abnimmt. Der Körper ist nämlich nur eine begrenzte Zeit in der Lage, die intensiven körperlichen Symptome aufrechtzuerhalten, bis sie von alleine langsam abklingen. Er hat die Möglichkeit zu lernen, dass die Situation eigentlich nicht bedrohlich ist beziehungsweise dass er die Situation meistern kann. Somit muss er die Situation auch nicht mehr meiden und kann seinen Lebensalltag wieder bewältigen.

 

Je nach Art der Angsterkrankung erfolgt die Konfrontation mit unterschiedlichen Situationen: So soll jemand, der unter sozialer Phobie leidet, beispielsweise bei der nächsten Geburtstagsfeier eine kurze Rede halten. Menschen, die unter Paniksymptomen leiden, werden durch körperliche Anstrengung mit ihren körperlichen Reaktionen konfrontiert. Ein Mensch mit generalisierter Angststörung soll sich seinen Sorgen stellen und seine Befürchtungen zu Ende denken - was er sich sonst verbietet.

 

Neben den verhaltenstherapeutischen Verfahren werden oft Entspannungstechniken eingesetzt. Dabei hat sich besonders die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson bewährt. Der Patient hat dann die Möglichkeit, sich selbst in einen Zustand der Entspannung zu bringen, der das Gegenteil von dem angespannten Zustand der Angst ist. Eine weitere Methode ist das autogene Training, das jedoch nicht in allen Fällen geeignet ist.

 

Tiefenpsychologische Verfahren sind zur Behandlung von Angststörungen offenbar weniger geeignet. Als angstreduzierend erweist sich auch Ausdauersport.

 

Medikamente können ebenfalls eingesetzt werden. Eine wichtige Substanzgruppe sind die Antidepressiva, die je nach Wirkstoff bestimmte Strukturen im Gehirn beeinflussen. Weiterhin stehen die sogenannten Benzodiazepine, Beruhigungsmittel, zur Behandlung von Angststörungen zur Verfügung. Doch ist ihr Einsatz aufgrund eines hohen Abhängigkeitspotenzials limitiert. Seit Kurzem ist auch ein Antiepileptikum, ursprünglich für die Epilepsietherapie entwickelt, für die Behandlung von generalisierten Angststörungen zugelassen. Um körperliche Symptome wie zum Beispiel Herzrasen zu lindern, eignen sich Betablocker, eigentlich Herz-Kreislauf-Medikamente.

 

Sind Angststörungen heilbar?

Oft gelingt es, die Angst mit den beschriebenen Therapien in den Griff zu bekommen. So hatten in verschiedenen Studien, in denen Patienten mit Panikanfällen durch eine Kombination aus kognitiver und Konfrontationstherapie behandelt wurden, nach der Therapie ungefähr 80 Prozent keine Panikanfälle mehr.

 

Da Menschen, die einmal von einer Angststörung betroffen waren, anfälliger dafür sind, erneut Ängste zu entwickeln, ist es wichtig, Strategien zur Verhinderung von Rückfällen zu erarbeiten. Es ist zum Beispiel sinnvoll, dass der Patient auch nach Ende der Therapie die Entspannungsübungen beibehält, um Stressreaktionen entgegenzuwirken. Es ist wichtig, dass der Betroffene sich auch nach der Therapie bei aufkommenden Angstgefühlen weiterhin schon frühzeitig den gefürchteten Situationen stellt.