Bandscheibenvorfall

Das unabhängige wissenschaftliche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen - Kooperationspartner der TK - analysiert aufgrund aktueller Studien Vor- und Nachteile von Behandlungen.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Viele Menschen haben immer wieder einmal Rückenschmerzen. Meist lässt sich ihre Ursache nicht genau bestimmen, und die Beschwerden klingen nach einigen Tagen oder Wochen von selbst wieder ab. Wenn die Schmerzen jedoch über das Bein bis in den Fuß ausstrahlen, kann das auf einen Bandscheibenvorfall hinweisen.

 

Die Bandscheiben befinden sich zwischen den Wirbelkörpern der Rückenwirbel. Sie bestehen aus einer elastischen Hülle aus Knorpelfaser und einem gelartigen Kern (Gallertkern). Bei einem Bandscheibenvorfall verlagert sich Bandscheibengewebe über die Grenzen des Wirbelkörpers hinaus. "Vorgefallenes“ Gewebe kann auf die Nerven der Wirbelsäule drücken und sie reizen.

Wirbelsäule 

Ein Bandscheibenvorfall kann sehr unangenehm sein. Die Beschwerden lassen aber bei den meisten Menschen innerhalb von sechs Wochen von selbst nach. Auch führt längst nicht jeder Bandscheibenvorfall zu Beschwerden.

 

Wie äußert sich ein Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenvorfall kann ganz plötzlich einen heftigen "einschießenden" Schmerz auslösen. Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule sind die Hauptursache für Ischialgien (umgangssprachlich "Ischias"). Als Ischialgie werden Schmerzen bezeichnet, die über eines der Beine bis in den Fuß ausstrahlen. Neben den typischen ausstrahlenden Schmerzen kann sich ein Bandscheibenvorfall auch durch Schmerzen im unteren Rücken bemerkbar machen.

 

Selten treten neben den Schmerzen und der Bewegungseinschränkung auch Gefühlsstörungen im Gesäßbereich oder Lähmungserscheinungen auf. Diese Symptome weisen auf ein ernsthaftes Problem wie eine Nervenschädigung oder eine Erkrankung hin.

 

Doch nicht jeder Bandscheibenvorfall ist mit Beschwerden verbunden. Das zeigen Studien, in denen Erwachsene ohne Rückenschmerzen mittels Kernspintomografie untersucht wurden. Es zeigte sich, dass mehr als 50 von 100 Untersuchten eine vorgewölbte Bandscheibe hatten. Bei etwa 20 von 100 Untersuchten hatte der Bandscheibenkern bereits einige Schichten seiner Hülle durchbrochen oder war sogar in das umliegende Gewebe gelangt, ohne Beschwerden zu verursachen.

 

Wie kommt es zum Bandscheibenvorfall?

Bei den meisten Menschen sind Bandscheibenvorfälle die Folge von Verschleißerscheinungen. Mit den Jahren nimmt die Elastizität der Bandscheiben ab: Sie verlieren Flüssigkeit, werden spröde und rissig. Solche Veränderungen sind Teil des normalen Alterungsprozesses, der bereits in der Jugend beginnt. Allerdings altern die Bandscheiben nicht bei allen Menschen gleich schnell. Sehr selten kann auch ein Unfall oder eine massive Verletzung die Bandscheibe schädigen und in der Folge zu einem Gewebevorfall führen.

Ischiasnerv 

Die Bandscheiben wirken wie Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbeln der Wirbelsäule. Wenn eine Bandscheibe an Elastizität verliert, funktioniert dieser Puffer nicht mehr so gut, und es kann zu einem Bandscheibenvorfall kommen. Die Schmerzen entstehen vermutlich deshalb, weil die beschädigte Bandscheibe sich ausdehnt oder Gewebe austritt und auf einen Nerv im Bereich des Rückenmarks drückt.

 

Wenn Bandscheibengewebe eine Nervenwurzel im Bereich der Lendenwirbelsäule reizt, führt das häufig zu den typischen Ischiasschmerzen. Die Nerven, die im Wirbelkanal verlaufen, verbinden sich im Becken zum Ischiasnerv, der die Beine versorgt. Ein gereizter Ischiasnerv kann neben Schmerzen auch Kribbeln und Taubheitsgefühle auslösen.

 

Man unterscheidet drei Arten von Bandscheibenvorfällen:

  • Die Bandscheibenvorwölbung (Protrusion): Dabei wölbt sich die Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern hervor. Ihre äußerste Hülle ist aber noch intakt.
  • Die Extrusion: Bei einer Extrusion ist die äußerste Hülle der Bandscheibe gerissen, sodass Bandscheibengewebe austreten kann. Das ausgetretene Gewebe ist jedoch noch mit der Bandscheibe verbunden.
  • Der sequestrierte Bandscheibenvorfall (Sequester): Bandscheibengewebe, das in den Wirbelkanal ausgetreten ist und keinen direkten Kontakt mehr zur Bandscheibe hat, wird als Sequester bezeichnet.

Diese Einteilung sagt wenig darüber aus, welche Beschwerden auftreten und wie stark sie sind. Allerdings kann die Art des Bandscheibenvorfalls für die Wahl der Behandlung und den Krankheitsverlauf von Bedeutung sein.

 

Wie häufig kommt ein Bandscheibenvorfall vor?

Schätzungsweise ein bis zwei Prozent aller Menschen bekommen in ihrem Leben irgendwann einmal Rückenschmerzen, die von einem Bandscheibenvorfall herrühren. In der Altersgruppe über 30 Jahre treten Bandscheibenprobleme häufiger auf, und bei Männern doppelt so häufig wie bei Frauen.

 

Wie ist der Verlauf?

Schmerzen und Bewegungseinschränkungen infolge eines Bandscheibenvorfalls lassen bei etwa 90 von 100 Menschen innerhalb von sechs Wochen von selbst nach. Man vermutet, dass der Körper mit der Zeit einen Teil des verlagerten oder ausgetretenen Gewebes beseitigt oder es sich so verschiebt, dass die Nerven nicht mehr gereizt werden.

 

Wenn die Beschwerden länger als sechs Wochen anhalten, wird es zunehmend unwahrscheinlich, dass sie von allein oder durch eine nicht-operative Behandlung wieder verschwinden.

 

Wie wird ein Bandscheibenvorfall festgestellt?

Zur Abklärung von akuten Rückenschmerzen reichen eine Befragung und eine körperliche Untersuchung normalerweise aus. Röntgenaufnahmen sind zur Diagnose eines Bandscheibenvorfalls nur wenig geeignet. Weitere Untersuchungen mit anderen bildgebenden Verfahren wie einer Kernspintomografie sind nur in seltenen Fällen nötig, nämlich wenn

  • an einem oder beiden Beinen Lähmungserscheinungen auftreten,
  • die Blasen- oder Darmfunktion gestört ist,
  • die Schmerzen trotz Behandlung kaum erträglich sind,
  • starke Beschwerden trotz Behandlung über Wochen anhalten oder
  • der Verdacht besteht, dass eine andere Erkrankung die Schmerzen verursacht, etwa ein Tumor.

Der Arzt hat also wahrscheinlich gute Gründe, bei Untersuchungen zunächst zurückhaltend zu sein: Bildgebende Untersuchungen können eine vermeintliche Ursache für die Kreuzschmerzen zeigen, die tatsächlich nichts mit den Beschwerden zu tun hat. Eine solche Fehldiagnose kann wiederum eine überflüssige Behandlung nach sich ziehen, die vielleicht sogar schadet.

 

Wie wird ein Bandscheibenvorfall behandelt?

Selbst heftige Ischiasbeschwerden klingen mit der Zeit meist von selbst wieder ab. Bis dahin können verschiedene schmerzlindernde Behandlungen helfen, mit den Beschwerden zurechtzukommen. Obwohl Bandscheibenvorfälle recht häufig sind, ist bisher nicht belegt, dass bestimmte Behandlungen die Genesung deutlich beschleunigen können. Die Hauptarbeit leistet der Körper in der Regel selbst.

 

Wenn starke Ischiasbeschwerden länger als sechs Wochen andauern und die Diagnose eindeutig einen Bandscheibenvorfall als Ursache ausgemacht hat, kann eine Operation infrage kommen, um den betroffenen Nerv zu entlasten. Eine Operation wird außerdem immer dann durchgeführt, wenn ein Bandscheibenvorfall zum Notfall wird: Zum Beispiel wenn die Nerven so stark beeinträchtigt sind, dass die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren oder bestimmte Muskeln sehr geschwächt sind. Das kommt jedoch nur selten vor.

 

Wie kann ohne Operation geholfen werden?

Die meisten Menschen mit einem Bandscheibenvorfall werden "konservativ" behandelt, das heißt ohne Operation. Dazu gehören vor allem Bewegung, Entspannung und Entlastung, schmerzstillende oder lokal betäubende Medikamente sowie manuelle und physikalische Therapien.

 

Ein Bandscheibenvorfall kann unbemerkt bleiben, aber auch zu heftigen Rückenschmerzen führen. Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbel kann auf den Ischiasnerv drücken und Schmerzen auslösen, die häufig über ein Bein bis in den Fuß ausstrahlen. Bei den meisten Menschen heilt ein Bandscheibenvorfall innerhalb von sechs Wochen von allein aus. Bis dahin stehen viele Behandlungen zur Verfügung, die dabei helfen sollen, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern.

 

Bewegung, Entspannung und Entlastungshaltung

Früher war es üblich, Menschen mit einem Bandscheibenvorfall ein bis zwei Wochen Bettruhe zu verordnen. Heute wird im Gegenteil oft nachdrücklich dazu geraten, aktiv zu bleiben. Denn durch längeres Liegen werden Muskeln und Knochen schwächer, was zu weiteren Problemen führen kann.

 

Studien zeigen, dass es für die Beweglichkeit von Vorteil ist, aktiv zu bleiben statt Bettruhe einzuhalten. Auf die Rückenschmerzen selbst hatte es in Studien hingegen keinen Einfluss, ob man aktiv bleibt oder sich schont. Soweit die Schmerzen es erlauben, ist es also sinnvoll, weiter den normalen Tätigkeiten nachzugehen. Zudem ist nachgewiesen, dass ein Bewegungstraining erneuten Rückenschmerzen wirksam vorbeugen kann.

 

Auch Entspannungsübungen können bei Rückenschmerzen einen Versuch wert sein. Denn wie jemand Schmerzen empfindet und wie gut es einem Menschen gelingt, mit Schmerzen zurechtzukommen, kann von der Psyche beeinflusst werden.

Stufenlagerung einer Person 

Bei starken Schmerzen bleibt allerdings manchmal keine andere Möglichkeit, als sich erst einmal in einer möglichst entlastenden Haltung hinzulegen. Viele Menschen empfinden die Stufenlagerung als angenehm: Dabei werden die Unterschenkel auf eine Ablage gelegt, die etwa so hoch ist, dass Unter- und Oberschenkel einen 90-Grad-Winkel bilden. Wichtig ist aber, nicht zu lange inaktiv zu bleiben.

 

Medikamente

Um Ischiasbeschwerden zu lindern, können verschiedene Medikamente eingesetzt werden. Dazu gehören vor allem Schmerzmittel, aber auch entkrampfende und entzündungshemmende Wirkstoffe. Am häufigsten werden die folgenden, in niedriger Dosierung rezeptfrei erhältlichen Medikamente verwendet:

  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR): Diese Schmerzmittel gehören zur selben Gruppe von Medikamenten wie die Acetylsalicylsäure (ASS, wie in "Aspirin"). Zu den NSAR, die bei einer Ischialgie infrage kommen, gehören zum Beispiel Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Sie wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Da NSAR die Blutgerinnung teilweise hemmen, können die Medikamente zu Blutungen führen. Diese können leicht sein, wie zum Beispiel Nasen- oder Zahnfleischbluten, manchmal können aber auch schwerwiegendere Blutungen auftreten, etwa im Magen-Darm-Trakt. In einigen Fällen können NSAR auch Magengeschwüre verursachen. Außerdem können NSAR die Funktion der Nieren beeinträchtigen. Wer Asthma, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder ein Magengeschwür hat, fragt vor dem Einsatz von NSAR am besten zunächst den Arzt. Die Mittel können auch in einen Muskel gespritzt werden. Das wird jedoch heute in der Regel nicht mehr gemacht. Denn eine solche Spritze hat vermutlich keine Vorteile gegenüber der Einnahme als Tablette oder Zäpfchen, kann jedoch Nervenverletzungen, Blutungen oder Entzündungen im Bereich der Einstichstelle verursachen.
  • Paracetamol: Auch Paracetamol ist ein Schmerzmittel, gehört aber nicht zur Gruppe der NSAR. Paracetamol gilt als gut verträglich und kann insbesondere für Menschen, die Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR nicht vertragen, eine Alternative sein. Dazu gehören Menschen mit Magenproblemen sowie manche Menschen mit Asthma. Allerdings kann Paracetamol in höherer Dosierung Leber und Nieren schädigen. Daher sollen Erwachsene laut Beipackzettel eine Höchstmenge von 4 Gramm (4000 Milligramm) pro Tag nicht überschreiten. Dies entspricht zum Beispiel 8 Tabletten mit je 500 Milligramm Paracetamol. Neben der korrekten Dosierung ist bei der Anwendung zudem ein zeitlicher Mindestabstand zur vorhergehenden Einnahme einzuhalten.

Zu den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, die nur auf Rezept erhältlich sind, gehören:

  • Muskelrelaxantien: Beruhigungsmittel, die auch die Muskeln entspannen. Wie andere Psychopharmaka können sie zu Müdigkeit und Benommenheit führen und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Außerdem können Muskelrelaxantien die Leberfunktion beinträchtigen und zu Magen-Darm-Komplikationen führen. Mittel aus der Gruppe der sogenannten Benzodiazepine, zum Beispiel Tetrazepam, können abhängig machen, wenn sie länger als zwei Wochen eingenommen werden.
  • Opioide: starke Schmerzmittel, die nur unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden dürfen. Opioide unterscheiden sich in ihrer Stärke, manche werden auch als Pflaster angeboten. Morphin ist zum Beispiel ein sehr starkes Mittel, Tramadol ein schwächeres Opioid. Diese Medikamente können eine Reihe von zum Teil schwerwiegenden Nebenwirkungen haben. Diese reichen von Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung bis hin zu Schwindel, Atemproblemen und Blutdruckschwankungen. Eine längere Einnahme kann zu Gewöhnung und körperlicher Abhängigkeit führen.
  • Antikonvulsiva: Diese Mittel werden normalerweise bei Epilepsie eingesetzt, einige sind aber auch zur Behandlung von Nervenschmerzen (Neuralgien) zugelassen. Zu ihren Nebenwirkungen gehören Benommenheit und Müdigkeit. Dadurch können die Medikamente die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.
  • Antidepressiva: Sie werden normalerweise gegen Depressionen eingesetzt. Einige dieser Mittel sind auch zur Behandlung von Schmerzen zugelassen. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Übelkeit, Mundtrockenheit, niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen und Müdigkeit.

Antikonvulsiva und Antidepressiva werden in der Regel erst bei länger andauernden Beschwerden und unzureichender Wirkung der Schmerzmedikamente eingesetzt.

 

Manuelle und physikalische Therapien

Bei der Behandlung von Ischiasbeschwerden werden auch manuelle und physikalische Therapien eingesetzt. Zu den manuellen Behandlungen gehören Massagen und bestimmte Handgriffe, mit denen verspannte Muskeln oder blockierte Gelenke gelockert werden sollen. Physikalische Therapien nutzen Wärme und Kälte, um Schmerzen zu lindern. Diese Behandlungen werden auch als passive Therapien bezeichnet, da die Patientinnen und Patienten dabei nicht aktiv mitarbeiten. Häufig eingesetzte Behandlungen sind:

  • Massagen: Verschiedene Massagetechniken werden eingesetzt, um die Muskeln zu lockern und Verspannungen zu lösen.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Hierzu gehören zum Beispiel Wärmepflaster oder -packungen, ein heißes Bad, ein Saunagang oder eine Infrarot-Bestrahlung. Wärme kann bei verspannten Muskeln gut tun. Bei Nervenreizungen werden auch Kältepackungen eingesetzt, wie kalte Umschläge oder Gelkissen.
  • Ultraschalltherapie: Hierbei wird der untere Rücken mit Schallwellen behandelt, die durch feine Vibrationen Wärme erzeugen und so das Gewebe lockern sollen.

Insgesamt ist bislang nicht belegt, dass passive Behandlungen die Genesung beschleunigen oder die Schmerzen besonders gut lindern können. Viele Menschen empfinden eine Massage oder Wärmeanwendung jedoch als angenehm und wohltuend.

 

Fernöstliche Therapierichtungen

Beispiele für Behandlungstechniken aus fernöstlichen Therapierichtungen sind:

  • Akupunktur: Bei der Akupunktur sticht die Therapeutin oder der Therapeut feine Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers. Das soll Schmerzen lindern.
  • Reiki: Reiki ist eine aus Japan stammende Behandlung, bei der Schmerzen durch Handauflegen gelindert werden sollen.

Zu diesen Techniken gibt es nur sehr wenige aussagekräftige Studien. Allein für die Akupunktur gibt es Hinweise, dass sie Schmerzen lindern könnte - allerdings unabhängig davon, an welchen Körperstellen die Nadeln gesetzt wurden.

 

Wirbelsäulennahe Spritzen

Bei dieser sogenannten Injektionsbehandlung werden meist örtliche Betäubungsmittel und/oder entzündungshemmende Medikamente wie Kortikosteroide (zum Beispiel Kortison) in die unmittelbare Umgebung der gereizten Nervenwurzel gespritzt. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Bei der lumbalen Spinalnervenanalgesie (LSPA), auch Wurzelblockade genannt, wird das Medikament direkt an die Austrittsstelle der Nervenwurzel aus dem Wirbelkanal gespritzt. Dadurch wird die Nervenwurzel betäubt.
  • Bei der lumbalen Periduralanalgesie werden die Medikamente in den sogenannten Periduralraum gespritzt ("peridurale Injektion"). Der Periduralraum umgibt das Rückenmark und die Rückenmarksflüssigkeit im Wirbelkanal. Hier liegen unter anderem auch die Nervenwurzeln. Während dieser Behandlung stellt eine begleitende Computertomografie oder Röntgendurchleuchtung der Wirbelsäule sicher, dass die Spritze an der richtigen Stelle gesetzt wird.

Wirbelsäulennahe Spritzen können Nebenwirkungen wie Nachblutungen, Infektionen und Nervenverletzungen haben. Eine längerfristige Behandlung mit wiederholten Injektionen kann zudem zu einer Muskelschwächung führen und geht mit einer Strahlenbelastung einher. Daher darf in einem bestimmten Zeitraum nur eine begrenzte Zahl von Spritzen gegeben werden. Es ist wichtig, die mehrfache Anwendung solcher Spritzen sorgsam abzuwägen.

 

Eine Auswertung der Studien zu den genannten Injektionsverfahren zeigt, dass sie eine Ischialgie für einige Wochen lindern können. Die in den Studien behandelten Personen waren dadurch auch im Alltag weniger eingeschränkt.

 

Schmerzen behandeln, aktiv bleiben

Akute Kreuzschmerzen haben meist keine bestimmte Ursache und verschwinden in der Regel innerhalb einiger Tage von selbst. Aber auch wenn ein Bandscheibenvorfall dahinter steckt, bekommt der Körper das Problem normalerweise innerhalb von sechs Wochen allein in den Griff. Die meisten Behandlungen können die Genesung kaum beschleunigen. Vielleicht können Wärmepackungen oder Massagen helfen, das Wohlbefinden etwas zu verbessern. Bei starken Schmerzen können Entspannung in Entlastungshaltung und entzündungshemmende oder lokal betäubende Medikamente die Beschwerden kurzfristig lindern. Die Hauptarbeit leistet der Körper aber in der Regel selbst.

 

Wenn die Beschwerden bei einem Bandscheibenvorfall länger andauern, kann eine Operation infrage kommen, um den betroffenen Nerv zu entlasten. Dennoch werden in Deutschland nach Auffassung der meisten Fachleute wesentlich mehr Bandscheibenoperationen durchgeführt als nötig. Es kann daher sinnvoll sein, sich eine zweite Meinung einzuholen, wenn die Ärztin oder der Arzt zu einer Operation rät und man unsicher ist, ob dies für die richtige Behandlung ist.

 

Wichtig ist vor allem, trotz der Beschwerden möglichst aktiv zu bleiben und sich im Alltag nicht allzu sehr beeinträchtigen zu lassen. Bewegung hält nicht nur den Körper auf Trab, sie wirkt sich meist auch auf das Gemüt positiv aus. Damit Kreuzschmerzen nicht chronisch werden, ist es wichtig, sich ausreichend zu bewegen. Die vorbeugende Wirkung körperlicher Aktivität ist wissenschaftlich nachgewiesen – und vielleicht das Wichtigste, was man für sich selbst tun kann.

 

Wann wird operiert?

Nach einem Bandscheibenvorfall kommt unter bestimmten Voraussetzungen eine operative Behandlung infrage. Dabei wird meist Bandscheibengewebe entfernt, um gereizte Nerven zu entlasten. Eine Operation kann die Beschwerden oft längerfristig lindern, hat aber auch Risiken.

 

Eine Operation wird immer dann durchgeführt, wenn ein Bandscheibenvorfall zum Notfall wird: Zum Beispiel wenn vorgefallenes Bandscheibengewebe die Nerven so stark beeinträchtigt, dass die Blase oder der Darm nicht mehr richtig funktionieren oder bestimmte Muskeln sehr geschwächt sind. Dies passiert aber nur selten.

 

Der weit häufigere Grund für eine Operation ist, dass sich starke Schmerzen über längere Zeit mit anderen Behandlungsmethoden nicht ausreichend lindern lassen. Die Frage, ob operiert werden soll oder nicht, ist jedoch oft schwierig zu beantworten. Voraussetzung für einen Eingriff ist, dass bildgebende Untersuchungen und die vorhandenen Symptome klare Hinweise dafür liefern, dass ein Bandscheibenvorfall für die Beschwerden verantwortlich ist. Vor der Entscheidung für eine Operation ist es wichtig, das Für und Wider gemeinsam mit dem Arzt sorgfältig abzuwägen. Dabei wird auch die persönliche Situation angesprochen, denn sie spielt für den Behandlungserfolg ebenfalls eine Rolle.

 

Welche Operationstechniken gibt es?

Ziel einer Operation ist es, das Bandscheibengewebe zu entfernen, das den bedrängten Nerv reizt. Der Nerv soll wieder mehr Raum bekommen, damit die Entzündung abklingen kann und die Beschwerden verschwinden. Bei einem Bandscheibenvorfall kommen verschiedene Operationstechniken infrage:

  • Offene Operation (mikrochirurgische Standarddiskektomie): Die "offene" Bandscheibenoperation wird am häufigsten durchgeführt. Dabei wird der beschädigte Teil der Bandscheibe "unter Sicht" entfernt - das bedeutet, der Chirurg kann die Operationsstelle direkt mithilfe eines Mikroskops überblicken. Die mikrochirurgische Operation erfordert eine Vollnarkose und einen Krankenhausaufenthalt von einigen Tagen. Zu den Risiken des Eingriffs gehören Blutungen, Verletzungen von Nerven und Infektionen. Eine Vollnarkose kann zu Komplikationen wie Atem- oder Kreislaufstörungen führen.
  • Endoskopische Operationen: Bei endoskopischen Operationen - auch Schlüssellochchirurgie genannt - werden besonders kleine Instrumente verwendet, sodass der Eingriff durch einen kleinen Schnitt erfolgen kann. Dadurch soll eine schnelle Genesung erreicht und verhindert werden, dass sich Operationsnarben bilden, die ihrerseits Beschwerden verursachen können. Bei solchen Operationen wird durch einen kleinen Schnitt in der Haut ein Endoskop bis zur Bandscheibe vorgeschoben. Über diesen Zugang werden die Instrumente zur Bandscheibe geführt. Eine Röntgendurchleuchtung hilft dabei, die Instrumente an den richtigen Ort zu führen. Zu den Risiken des Eingriffs gehören Blutungen, Nervenverletzungen und Entzündungen.
  • Eingriffe am Bandscheibenkern: Bei diesen sogenannten indirekten Verfahren wird der gelartige Kern der Bandscheibe entfernt, um die Bandscheibe zu verkleinern und so den eingeengten Nerv zu entlasten. Bei allen Verfahren wird zunächst ein Instrument in die Bandscheibe eingeführt, um an den Bandscheibenkern zu gelangen. Der Bandscheibenkern kann abgesaugt werden, was als perkutane Nukleotomie bezeichnet wird. Oder der Bandscheibenkern wird mittels Laserstrahlen durch Hitze verdampft (Laserdiskektomie). Auch hier können Nebenwirkungen auftreten wie Gewebeschäden, die durch die Hitze verursacht werden können. Diese Verfahren kommen nur infrage, wenn der äußere Ring der Bandscheibe noch intakt ist.

 

Wie gut kann eine OP helfen - garantiert sie Beschwerdefreiheit?

Die verschiedenen Operationstechniken wurden in einer Reihe von Studien untersucht und teilweise auch direkt miteinander verglichen. In den meisten Studien wurden Personen operiert, bei denen die Schmerzen trotz Behandlung über Wochen andauerten. In einer der größeren Studien nahmen vor allem Menschen mit starken Ischiasbeschwerden teil. Das Ergebnis: Wenn die Voraussetzungen für eine Operation gegeben sind, kann sie Schmerzen und andere Beschwerden wie Einschränkungen der Beweglichkeit längerfristig lindern. Die Schmerzen klangen bei den operierten Studienteilnehmern nach dem Eingriff schnell ab, während sich ihre Beweglichkeit erst nach einigen Wochen verbesserte.

 

Eine Operation garantiert aber keine Beschwerdefreiheit - die Beschwerden können auch nach einer OP anhalten oder sich verstärken.

 

Studien zeigen, dass eine Rehabilitation im Anschluss an eine Bandscheibenoperation (Anschlussheilbehandlung oder AHB) die Genesung beschleunigen und die Beweglichkeit verbessern kann.

Was ist eine Rehabilitation?

Ziel einer Rehabilitation ist es, Beschwerden und Beeinträchtigungen infolge eines Bandscheibenvorfalls zu verringern, die Rückenmuskulatur zu stärken und so die Stabilität der Wirbelsäule zu verbessern.

 

Eine Rehabilitation kann Rückenschule, Dehn- und Entspannungsübungen, Krafttraining und andere Maßnahmen beinhalten. Sie kommt für Menschen infrage, die durch ihre Rückenschmerzen stark beeinträchtigt sind und beispielsweise nicht arbeiten können. Auch nach einer Operation kann eine sogenannte Anschlussheilbehandlung sinnvoll sein.