Chronische Bronchitis: Wenn die Luft wegbleibt

Die chronische Bronchitis ist eine dauerhafte Entzündung der Atemwege. Sie liegt vor, wenn Husten und Auswurf in zwei aufeinanderfolgenden Jahren an den meisten Tagen des Jahres, mindestens aber über jeweils mehr als drei Monate bestehen. Die chronische Bronchitis wird vor allem durch Rauchen verursacht. Jeder zweite Raucher über 40 Jahre ist von einer chronischen Bronchitis betroffen.

 

Welche Aufgabe haben die Bronchien?

Die Atemwege leiten und verteilen die Atemluft vom Nasen-Rachen-Raum in die beiden Lungenflügel. Neben der Verteilung der Atemluft ist es die Aufgabe der Bronchien, die Luft zu erwärmen, anzufeuchten und zu reinigen. Die Bronchialschleimhaut produziert einen Schleim, mit dem sie Staubpartikel, abgestorbene Zellen und andere Verunreinigungen in Richtung Mundraum befördert.

 

Größere Schleimansammlungen in den Atemwegen lösen einen reinigenden Hustenstoß aus. Darüber hinaus erfüllt der produzierte Schleim auch eine Abwehraufgabe: Er enthält Substanzen und Zellen, die Bakterien und Viren abwehren.

 

Welche Ursachen für die chronische Bronchitis gibt es?

Die Hauptursache für die chronische Bronchitis ist das Rauchen. Im Gegensatz dazu wird die akute Bonchitis durch Erreger, meist durch Viren, seltener durch Bakterien hervorgerufen. 90 Prozent aller Patienten mit chronischer Bronchitis sind Raucher oder Ex-Raucher und jeder zweite Raucher im Alter von über 40 Jahren erleidet eine chronische Bronchitis. Andere Ursachen sind weitaus seltener, zum Beispiel die Belastung mit Feinstäuben an Arbeitsplätzen wie dem Bergbau, Luftverschmutzung oder erbliche Faktoren.

 

Die andauernde Schädigung verursacht einen gestörten Abtransport des Schleimes durch feine Härchen in der Schleimhaut. Somit können eingeatmete Krankheitserreger lange genug in den Atemwegen verbleiben, um eine Infektion der Schleimhäute auszulösen. Häufige oder anhaltende Infekte bedeuten eine andauernde Entzündungsaktivität in den Atemwegen – Vorläufer für eine chronische Bronchitis.

 

Die Entzündung und Schädigung sind Reize, auf die das Atemsystem schließlich mit Umbauvorgängen reagiert. Diese Entwicklung kann unbehandelt die Funktion von Atemwegen und Lunge immer weiter einschränken. Auch Alter und Geschlecht sind Risikofaktoren.

 

Wie äußert sich eine chronische Bronchitis?

Die chronische Bronchitis verläuft in mehreren Stufen, wobei die Symptome fortschreitend zunehmen: Zu Beginn besteht ein anhaltender Husten mit vorwiegend morgendlichem Auswurf. Die Bronchien sind nicht verengt und es besteht keine Atemnot. Zu diesem Zeitpunkt ist eine Rückbildung der Beschwerden durch Nikotinverzicht und konsequente Infektbehandlung möglich.

 

Geschieht dies nicht, führt die anhaltende Entzündung bei einem Teil der Patienten zu einer fortschreitenden Schädigung der Atemwege. Kommt eine Verengung in Teilen der Bronchien hinzu, können sie die Atemluft nur noch gegen einen erhöhten Widerstand ein- und ausatmen. Die Folgen sind Luftnot bei Belastung und ein zunehmender Leistungsabfall. Ärzte sprechen in diesem Stadium bereits von einer chronisch obstruktiven Bronchitis (COPD).

 

Da bei weiterem Voranschreiten der Erkrankung immer mehr Atemluft in der Lunge verbleibt, kommt es zu einer Überblähung der Lunge. Dieser Zustand wird als Lungenemphysem bezeichnet, das die Lunge dauerhaft schädigt. Die für den eigentlichen Atmungsvorgang notwendigen Lungenbläschen verlieren ihre Konturen und werden zerstört.

 

Dadurch stehen für den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid zwischen dem Lungengewebe und dem Blut nicht mehr ausreichend Lungenbläschen zur Verfügung. Dies verstärkt die bestehende Atemnot. Außerdem kann das Blut nur noch gegen einen großen Widerstand vom rechten Herzen in die Lunge gepumpt werden. Die Folge ist eine Überlastung vor allem des rechten Herzens.

 

Wenn die chronische Bronchitis weiter fortschreitet, verspüren die Betroffenen auch schon in Ruhe Luftnot und können selbst einfache Alltagsanforderungen nicht mehr bewältigen.

 

Wie wird die chronische Bronchitis diagnostiziert?

Das Abhorchen und Abklopfen der Lunge kann auf Verengungen der Atemwege hinweisen, die sich häufig auch schon auf Distanz durch pfeifende Atemgeräusche bemerkbar machen. Wenn keine Verengung der Atemwege vorliegt, stützt sich die Diagnose nur auf die Befragung des Patienten. Gibt der Betroffene Risikofaktoren wie Rauchen, Passivrauchen oder Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz an, dann spricht das für die Diagnose nicht obstruktive chronische Bronchitis.

 

Spiegelung der Atemwege erkennt schwere Erkrankungen

In bestimmten Fällen ist eine Spiegelung der Atemwege (Bronchoskopie) sinnvoll, um schwere Erkrankungen wie Tuberkulose oder einen Lungenkrebs auszuschließen. Dabei kann der Arzt mithilfe einer kleinen Kamera, die am Ende eines dünnen Schlauches installiert ist, den Zustand der Atemwege beurteilen. Gleichzeitig kann er auch Gewebe entnehmen, um andere Erkrankungen wie etwa einen bösartigen Tumor als Ursache der Beschwerden auszuschließen.

 

Weitere Untersuchungen, um eine chronische Bronchitis zu erkennen

Bei Patienten mit Verengungen der Atemwege oder bei zusätzlich aufgetretenem Infekt können weitere Untersuchungen notwendig werden, zum Beispiel eine Röntgenuntersuchung, eine Lungenfunktionsprüfung und eine Blutgasanalyse.

 

Eine Röntgenuntersuchung kann Aufschluss über akute entzündliche Veränderungen und Narben des Lungengewebes geben, die auf eine chronisch obstruktive Bronchitis hinweisen.

 

Durch eine Lungenfunktionsuntersuchung, in der Fachsprache Spirometrie genannt, erhält man direkte Informationen über die Leistungsfähigkeit der Atemwege und der Lunge. Bei dieser Untersuchung wird in unterschiedlichem Tempo durch ein spezielles Messmundstück ein- und ausgeatmet und der Fluss der Luft genau dokumentiert.

 

Von besonderer Bedeutung ist dabei die Einsekundenkapazität - abgekürzt FEV1. Dies ist das Atemvolumen, das ein Patient nach maximaler Einatmung innerhalb einer Sekunde ausatmen kann. Ist das Ausatemvolumen herabgesetzt, liegt der Verdacht auf eine chronische Bronchitis nahe. Mithilfe dieses Wertes können Ärzte zudem den Schweregrad der Erkrankung einschätzen.

 

Durch eine Blutuntersuchung aus dem Ohrläppchen kann direkt ermittelt werden, wie viel Sauerstoff die roten Blutkörperchen transportieren können und ob Anzeichen für einen verminderten Gasaustausch bestehen.

 

Bei Verdacht auf eine chronische Bronchitis kann auch ein Elektrokardiogramm (EKG) durchgeführt werden. Dieses liefert Hinweise auf eine mögliche Begleiterkrankung des Herzens beziehungsweise der Herzkranzgefäße aufgrund der Überlastung durch einen dauerhaft erhöhten Blutdruck im Lungensystem.

 

Wie wird die chronische Bronchitis behandelt?

Liegt die Diagnose chronische Bronchitis oder chronisch obstruktive Bronchitis vor, ist die Meidung zusätzlicher Schädigungen wie Rauchen oder Aufenthalt in schadstoffreicher Umgebung erste Behandlungsmaßnahme.

 

Infekte vorbeugen und behandeln

  • Um einer chronischen Bronchitis vorzubeugen, sollten Patienten inhalative Schadstoffe meiden. Medikamente erweitern die Bronchien und erleichtern die Atmung. Schleimlösende Medikamente (zum Beispiel Acetylcystein) sorgen für ein erleichtertes Abhusten des zähen Schleims. Bedeutend sind zudem Maßnahmen wiedie Teilnahme an Patientenschulungen,
  • Bronchialpflege mit Physiotherapie,
  • ein beständiges alters- und patientengerechtes körperliches Training,
  • Schutzimpfungen gegen Pneumokokken und die "echte“ Virusgrippe.

Bei bakteriellen Infekten ist eine Therapie mit Antibiotika sinnvoll.

 

Welche Auswirkungen hat die chronische Bronchitis auf die Lebensführung?

  • Beachten Sie den Einfluss möglicher Risikofaktoren und versuchen Sie diese zu meiden.
  • Insbesondere ein Nikotinstopp kann eine chronische Bronchitis verlangsamen.
  • Eine gesunde Lebensführung mit regelmäßiger Bewegung und ausgeglichener Ernährung stärkt das Abwehrvermögen des Körpers und kann vor zusätzlichen Infektionserkrankungen schützen.
  • Ist zäher Schleim vorhanden, kann ausreichend Flüssigkeit helfen.
  • Auch bei eingeschränkter Belastbarkeit durch eine chronische Bronchitis ist eine maßvolle Bewegung wichtige Voraussetzung für den Funktionserhalt der Lunge.
  • Bei regelmäßiger und diszipliniert durchgeführter Behandlung lässt sich sogar eine allmähliche Verbesserung der Leistungsfähigkeit erreichen.