Was sind Darmpolypen?

Darmpolypen sind in den Dickdarm (Kolon) hineinragende gutartige Schleimhautgeschwülste, die im weiteren Krankheitsverlauf entarten können, das heißt, sie können bösartig werden. Polypen können unterschiedliche Formen und Größen haben und einzeln oder in größerer Zahl auftreten.

 

Über 50 Prozent der Polypen kommen im Enddarm (Rektum) vor. Darmkrebs entwickelt sich vorwiegend aus Darmpolypen. Aus dem Grund ist es wichtig, Darmpolypen rechtzeitig zu entfernen.

 

In den meisten Fällen handelt es sich bei den Polypen um sogenannte Adenome, die ihren Ursprung im Drüsengewebe der Darmschleimhaut haben. Einige von ihnen können entarten und Dickdarmkrebs hervorrufen. Adenome wachsen langsam, nur etwa einen Millimeter im Jahr. Es dauert deshalb in der Regel mehrere Jahre, bis sich aus einem Adenom eine bösartige Geschwulst entwickeln kann. Dieses Risiko steigt mit zunehmender Größe und Zahl der Adenome sowie dem Alter des Patienten an.

 

Polypen kommen bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung vor. Ab dem 60. Lebensjahr sind sie bei etwa 30 Prozent der Menschen dieser Altersgruppe zu finden. Männer sind insgesamt häufiger betroffen als Frauen.

 

Welche Formen haben Darmpolypen?

Polypen im Dickdarm- beziehungsweise Enddarmbereich können als gestielte oder breitbasig aufsitzende Vorwölbungen der Darmschleimhaut erscheinen. Es handelt sich zunächst um gutartige Tumoren der Schleimhaut, die je nach Typ ein unterschiedliches Entartungsrisiko aufweisen. Sie werden nach dem Aussehen ihrer Zellen unter dem Mikroskop in sogenannte neoplastische, das heißt neugebildete Polypen (Adenome), hamartomatöse sowie hyperplastische und entzündliche Polypen eingeteilt.

 

Vor allem Adenome neigen zur Entartung. Es gibt verschiedene Adenomtypen:

  • Tubuläre Form: Gestielt wie ein Pilz
  • Villöse Form: Breitbasig auf der Schleimhaut aufsitzend
  • Tubulovillöse Form: Gemischte Form besteht meist aus mehreren kleinen, stielförmigen Wölbungen

 

Wodurch werden Darmpolypen verursacht?

In Westeuropa und den USA haben im Vergleich zu anderen Teilen der Welt besonders viele Menschen Darmpolypen. Offenbar besteht ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Darmpolypen und der Ernährung. Fachleute nehmen daher an, dass ein hoher Fettgehalt und ein geringer Anteil an Ballaststoffen in der Nahrung eine Rolle bei der Polypenbildung spielen.

 

Zusätzlich sollen Alkohol und Rauchen, ebenso Übergewicht und Bewegungsmangel die Entstehung von Polypen begünstigen. Des Weiteren gibt es einige erbliche Erkrankungen, die mit dem vermehrten und frühzeitigen Auftreten von Darmpolypen und einem gesteigerten Darmkrebsrisiko einhergehen.

 

Welche Symptome treten bei Darmpolypen auf?

Kleinere Polypen verursachen in der Regel keine Beschwerden, weshalb sie meist zufällig bei einer aus anderen Gründen vorgenommenen Darmspiegelung (Koloskopie, Rektoskopie) entdeckt werden.

 

Je größer die Polypen, desto häufiger treten Beschwerden auf. Diese äußern sich in erster Linie durch Stuhlunregelmäßigkeiten wie Durchfall oder Verstopfung. Bei größeren Polypen findet man auch Spuren von Blut oder Schleim im Stuhl.

 

Gelegentlich klagen Betroffene über leichte Bauchschmerzen. Im späteren Verlauf können Blutungen auftreten, die womöglich zu einer Blutarmut (Anämie) führen. Ein großer Polyp kann den Darmhohlraum verschließen und die Darmentleerung behindern.

 

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Zunächst nimmt der Arzt eine ausführliche Befragung des Patienten (Anamnese) vor. Dann führt er eine gründliche körperliche Untersuchung einschließlich des Abtastens des Enddarms mit dem Finger durch (rektal-digitale Untersuchung), da die meisten Polypen im letzten Abschnitt des Darms sitzen. Eine Stuhlprobe wird auf Spuren von verstecktem Blut untersucht, denn Blut im Stuhl kann ein Hinweis auf einen blutenden Polypen sein.

 

Die exakte Abklärung erfolgt aber erst durch die Spiegelung des Dickdarms (Koloskopie). Diese Untersuchung kann entweder im Krankenhaus oder auch in bestimmten Arztpraxen, meist Facharztpraxen für Gastroenterologie, erfolgen, die entsprechend ausgestattet sind.

 

Bei der Enddarmspiegelung (Rektoskopie) führt der Arzt ein Rektoskop in den Enddarm ein. Damit kann er die unteren Darmabschnitte auf Schleimhautveränderungen, zum Beispiel Polypen, untersuchen. In der Regel ist jedoch die Betrachtung des gesamten Dickdarms mit einem Koloskop (Koloskopie) aussagekräftiger.

 

Falls möglich, entfernt der Arzt die Polypen während der Untersuchung mit speziellen Instrumenten, die er durch das Koloskop vorschiebt. Es schließt sich eine feingewebliche Untersuchung des Gewebes unter dem Mikroskop an, um festzustellen, ob bereits Zellen entartet sind.

 

Bei Risikogruppen mit genetisch bedingtem gehäuften Auftreten von Darmpolypen, zum Beispiel aufgrund der Erbkrankheiten Gardner-Syndrom und Peutz-Jeghers-Syndrom, sind regelmäßige Koloskopien zwingend notwendig, da bei diesen Patienten ein großes Risiko der Darmkrebsentstehung besteht und die Polypen ständig kontrolliert und gegebenenfalls entfernt werden müssen.

 

In manchen Fällen erfolgt eine spezielle Ultraschalluntersuchung, der sogenannte endorektale Ultraschall. Dabei führt der Untersucher einen Schallkopf in den Enddarm ein, wodurch er die Adenome genauer analysieren kann.

 

Wie behandelt man Darmpolypen?

Der Arzt entfernt im Rahmen der Darmspiegelung möglichst alle Polypen, die anschließend genau auf Gut- beziehungsweise Bösartigkeit untersucht werden. Polypen lassen sich in der Regel direkt bei der endoskopischen Untersuchung mit einer Schlinge umfassen und abtrennen. Dieser Vorgang ist meist schmerzlos. Findet sich nur ein kleiner Polyp (kleiner als ein Zentimeter) ohne Zellveränderungen, reicht eine Dickdarmspiegelung nach drei Jahren zur Kontrolle aus.

 

Größere Adenome, die der Untersucher während der Darmspiegelung nicht entfernen kann, müssen operativ entnommen werden.

 

Handelt es sich bei dem Polypen um eine bösartige Geschwulst (Darmkrebs), richtet sich die Behandlung nach der Lokalisation und dem Tumortyp. Dabei muss unter Umständen ein Teil des Darms entfernt werden. Falls sich der Tumor nur oberflächlich ausgebreitet hat, kann es auch ausreichen, nur den Polypen selbst zu entnehmen und in der Folge regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchzuführen.

 

Wie kann man der Erkrankung vorbeugen?

Da möglicherweise ein Zusammenhang zwischen der Ernährung und der Entstehung von Darmpolypen besteht, empfiehlt sich eine ausgewogene, fettarme und ballaststoffreiche Kost. Ebenso sollte der Genuss von Alkohol maßvoll sein und auf Nikotin verzichtet werden. Übergewicht zu vermeiden und regelmäßige Bewegung sind weitere sinnvolle Maßnahmen.

 

Daneben ist es wichtig, mögliche Polypen früh zu entdecken und zu entfernen, damit sich daraus kein Dickdarmkrebs entwickeln kann. Es ist daher sinnvoll, die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Darmbeschwerden wie zum Beispiel Stuhlunregelmäßigkeiten in Form von Durchfall oder Verstopfung beziehungsweise dem Wechsel von Durchfall und Verstopfung, oder Blut im Stuhl sollten auf jeden Fall abgeklärt werden.

 

Wie ist die Prognose?

Darmpolypen sind gutartig. Bei 30 bis 50 Prozent der Patienten, die bereits einen Polypen hatten, bilden sich aber erneut Geschwülste.

 

Anhand der Größe, Anzahl und Form der Adenome schätzt man ab, wie hoch das Krebsrisiko im Einzelfall liegt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Geschwulst entartet, also bösartig wird, liegt zwischen ein und 50 Prozent, je nachdem welcher Typ vorliegt.

 

Bei einer erblichen Veranlagung für die Entstehung von Polypen ist das Risiko jedoch größer.