Was ist eine Gonarthrose?

Als Gonarthrose bezeichnet man den übermäßigen Verschleiß des Kniegelenks. Das Kniegelenk erfüllt wichtige Funktionen bei der Fortbewegung. Es muss stabil sein, um das Stehen zu ermöglichen, aber gleichzeitig beweglich.

 

Es lassen sich primäre und sekundäre Arthrosen unterscheiden. Bei den primären Arthrosen ist die Ursache nicht bekannt, doch vermuten Fachleute, dass mehrere Faktoren zusammenkommen, wie angeborene Veränderungen, Ernährung, Alter und Hormone. Sekundäre Arthrosen können etwa infolge eines Unfalls, bei Gelenkfehlstellungen, zum Beispiel bei O- oder X-Beinen, und nach sportlicher oder beruflicher Über-/Fehlbelastung auftreten.

 

Risikofaktoren für die Entstehung einer Arthrose im Kniegelenk sind unter anderem starkes Übergewicht, zunehmendes Alter und das Geschlecht. Vor dem 45. Lebensjahr sind Männer häufiger als Frauen betroffen, ab dem 55. Lebensjahr überwiegt dagegen das weibliche Geschlecht.

 

Die Gonarthrose ist nicht selten, bei etwa 20 bis 40 Prozent der 60-Jährigen sind verschleißbedingte Veränderungen im Kniegelenk auf Röntgenaufnahmen sichtbar. Von diesen hat jedoch nur etwa jeder Dritte auch tatsächlich Beschwerden. Studien zeigen, dass Kniegelenksarthrosen bei Männern in einem Lebensalter von 60 bis 64 Jahren rechts mit 23 Prozent häufiger als links mit 16,3 Prozent vorkommen, während dieses Verhältnis bei Frauen mit 24,2 Prozent zu 24,7 Prozent ausgeglichen zu sein scheint. Ab einem Alter von 70 Jahren sind bei etwa 40 Prozent der Bevölkerung Zeichen einer Kniearthrose im Röntgenbild zu erkennen. Entsprechende Beschwerden haben von diesen etwa 10 Prozent.

 

Wie äußert sich eine Gonarthrose?

Das Leitsymptom der Gonarthrose ist der Knieschmerz, der zunächst als Anlaufschmerz auftritt, das heißt, nach Ruhephasen gelingt es nur unter Beschwerden wieder in Bewegung zu kommen. Bei Beanspruchung des betroffenen Kniegelenks werden die Schmerzen schlimmer und in Ruhe bessern sie sich meist. Die Schmerzen können mit Reibegeräuschen oder -gefühlen verbunden sein.

 

Schreitet die Krankheit fort, kommen oft Ruheschmerzen oder Gelenkblockaden hinzu. Auch Schmerzen während der Nacht kann man als Zeichen einer fortgeschrittenen Arthrose werten. Die schmerzfreie Gehstrecke nimmt ab und es schleift sich ein Schonhinken ein. Infolge des chronischen Reizzustands tritt meist eine Gelenkschwellung mit Bildung von Flüssigkeit im Gelenk auf. Im Endstadium sind die Umbauprozesse häufig in Form einer Vergröberung der Gelenkkontur und/oder einer Gelenkfehlstellung sichtbar.

 

Welche anderen Ursachen gibt es für Kniegelenkschmerzen?

Ein häufiger Auslöser für den Kniegelenkschmerz ist eine Schädigung des Meniskus. Daneben können die Ursachen für Knieschmerzen auch in benachbarten Gelenken liegen, etwa bei einer Hüftgelenksarthrose oder einem Senk-/Spreizfuß.

 

Mithilfe der Krankengeschichte und des Untersuchungsbefunds kann der Arzt weitere Ursachen ausschließen – zum Beispiel

  • entzündlich-rheumatische Erkrankungen,
  • bakterielle Gelenkentzündungen,
  • Gefäßerkrankungen, etwa im Rahmen der arteriellen Verschlusskrankheit,
  • Nervenerkrankungen, unter anderem als Folge eines Bandscheibenvorfalls. 

Welche Untersuchungen sind sinnvoll?

Zunächst befragt der Arzt den Patienten ausführlich, etwa nach der Art der Beschwerden und möglichen Auslösern. Es folgt die körperliche Untersuchung, die zum Beispiel die Beurteilung der Beinachse (X- oder O-Bein), der Beinlänge, des Gangbildes und des Bewegungsumfanges beinhaltet. Spezielle Funktionsprüfungen (zum Beispiel Meniskustests, Bandstabilität, Ganganalyse) und Schmerztests können hinzukommen.

 

Weitere Maßnahmen schließen vor allem Röntgenaufnahmen des Kniegelenks ein. Mithilfe der Sonografie (Ultraschall) lassen sich Gelenkergüsse nachweisen. Spezielle Untersuchungen wie eine Magnetresonanztomografie (MRT), Computertomografie (CT) oder Szintigrafie sind nur in Ausnahmefällen oder vor einem operativen Eingriff erforderlich.

 

Untersuchungen des Bluts und der Gelenkflüssigkeit dienen vor allem dazu, andere Ursachen für die Beschwerden abzugrenzen. Gelenkflüssigkeit wird mittels einer Kniegelenkspunktion aus dem Gelenk gewonnen.

 

Welche Therapiemöglichkeiten bestehen?

Für die einzelnen Stadien und Formen der Arthrose stehen unterschiedliche nichtoperative und operative Therapieformen zur Verfügung. Sie alle haben eine Schmerzverminderung sowie eine Verbesserung der Beweglichkeit und der Gehleistung zum Ziel. Die Auswahl der Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren wie Alter, Leidensdruck, Ausmaß der Arthrose oder Vorerkrankungen ab.

 

Nichtoperative Behandlung

Nichtoperative oder konservative Maßnahmen bestehen aus mehreren Behandlungsschritten.

  • Zunächst steht eine Anpassung des Lebensstils im Vordergrund, das schließt beispielsweise Abnehmen (falls Übergewicht besteht), Vermeiden von Fehlbelastungen und Ausüben entsprechenden Sports (Radfahren) ein. Über geeignete Maßnahmen sollte der Arzt den Patienten unter Berücksichtigung der individuellen Situation aufklären.
  • Physikalische Maßnahmen können Funktionseinschränkung und Schmerzhaftigkeit reduzieren. Eingesetzt werden Anwendungen im Wasser wie Bewegungsbäder, Wärme- oder Kälteanwendungen, Elektroanwendungen wie Iontophoresen oder Ultraschallanwendungen sowie Massagen.
  • Krankengymnastik im Sinne einer Knieschule, Mobilisierung, Muskelkräftigung, Muskeldehnung und Koordinationsschulung ist eine weitere nichtoperative Behandlungsmethode.
  • Orthopädietechnische Hilfsmittel wie Schuhzurichtung an Konfektionsschuhen, Pufferabsätze, Schuhranderhöhung, Verordnung eines Handstocks beziehungsweise von Unterarmgehstützen oder Arthrose-Schienen können ebenfalls sinnvoll sein.
  • Daneben können Medikamente die Beschwerden lindern. Sie können beispielsweise in Tablettenform oder als Spritzen direkt in das Gelenk verabreicht werden. Zur Verfügung stehen verschiedene Schmerzmittel, die teilweise auch entzündungshemmend wirken, etwa Paracetamol oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR).
  • Eventuell hilft auch Akupunktur: Studien ergaben eine Wirksamkeit der Akupunktur bei chronischen Knieschmerzen. 

Operative Verfahren

Wenn konservative Maßnahmen ausgeschöpft sind und keinen Erfolg gebracht haben, sind abhängig vom Schweregrad der Arthrose und der subjektiven Beschwerdesymptomatik des Patienten operative Maßnahmen angezeigt. Grundsätzlich lassen sich neben der Kniegelenkspiegelung gelenkerhaltende, gelenkversteifende oder gelenkersetzende Operationsverfahren unterscheiden.

  • Kniegelenkspiegelung (Arthroskopie)

    Die Kniegelenkspiegelung kann ambulant oder stationär durchgeführt werden. Sie dient der Diagnostik und der Therapie. Über einen kleinen Hautschnitt führt der Untersucher dabei eine Sonde mit Kamera in das Gelenk ein. Diese überträgt Bilder aus dem Inneren des Gelenks auf einen Bildschirm. So kann der Arzt die Situation im Gelenk beurteilen, aber auch therapeutische Maßnahmen wie die Entfernung von freien Knorpelstücken oder die Einpflanzung von Knochen-Knorpel-Zylindern, die aus gesunden Knorpelabschnitten stammen, vornehmen. Das letzte Verfahren bezeichnet man als osteochondrale Transplantation (OATS). Allerdings konnte aus einer Metastudie des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kein Nutzen der Kniegelenkspiegelung bei Gonarthrose abgeleitet werden.

  • Weitere operative Methoden

    Gelenkerhaltende Operationen sind zum Beispiel eine Achsumstellung des Kniegelenks, etwa bei ausgeprägten O- oder X-Beinen. Rechtzeitig durchgeführt können sie die mechanische Belastung im Gelenk verbessern und so das Fortschreiten der Arthrose aufhalten und die Schmerzen reduzieren.

Liegt keine Fehlstellung vor und/oder die Gelenkschädigung schreitet immer weiter fort, besteht die Möglichkeit einer gelenkersetzenden Operation. Die Komplikationsrate ist gering, der Erfolg sehr gut. Es können beispielsweise Totalendoprothesen (TEP) eingesetzt werden. Diese Operationen gehören heutzutage zum Standard.

 

Wie kann man dem Fortschreiten einer Gonarthrose vorbeugen?

Die Beanspruchung muss der verminderten Belastbarkeit des Knies angepasst werden. Dem Fortschreiten des Gelenkverschleißes lässt sich durch gezielte Übungen entgegenwirken. Betroffene bleiben so weiterhin im Alltag mobil und sportlich aktiv. Wichtig sind unter anderem:

  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Bewegung: Da der Knorpel selbst keine Blutgefäße besitzt, wird er durch Nährstoffe in der Gelenkflüssigkeit ernährt. Die Bewegung des Gelenks fördert die Verteilung der Gelenkflüssigkeit und verbessert dadurch die Ernährung des Knorpels.
  • Sportarten mit hohen Impulsbelastungen, zum Beispiel Tennis und Squash, mit Extrembewegungen, zum Beispiel Fußball, Volleyball, und insbesondere Wettkampfsport sollten möglichst unterlassen werden. Ratsam sind Betätigungen mit rhythmischer, gleichförmiger Gelenkbewegung wie Schwimmen und Radfahren. 

Knorpelschutzpräparate

Knorpelschutzpräparate (Chondroprotektiva) wie Chondroitinsulfat, Hyaluronsäure- oder Glukosamin-Präparate können in das Gelenk hineingespritzt oder in Tablettenform eingenommen werden. Einigen Studien zufolge sollen sie bei leichten Formen der Arthrose eine positive Wirkung haben.