Wann spricht man von Haarausfall?

Von Haarausfall wird gesprochen, wenn täglich mehr als 100 Haare ausfallen und das Verhältnis von ausfallenden zu nachwachsenden Haaren nicht mehr ausgeglichen ist.

 

Unsere Kopfhaut trägt pro Quadratzentimeter etwa 200 einzelne Haare, die jeden Tag durchschnittlich 0,35 Millimeter wachsen. Insgesamt tragen wir circa 100.000 bis 150.000 Einzelhaare auf dem Kopf. Haarwachstum und -ausfall unterliegen einem Zyklus, der aus je einer Wachstums-, Ruhe- und Ausfallphase besteht.

 

Im Zuge des Älterwerdens reduziert sich die Haardichte auf der Kopfhaut. Das ist ein ganz normaler physiologischer Prozess und somit keine Krankheit. Das gilt auch für die Auswirkungen saisonaler Schwankungen: Der biologische Haarwechsel zwischen "Sommer- und Winterfell" findet nämlich auch beim Menschen statt, wenn auch nur in sehr schwacher Form. So fallen im Frühjahr und im Herbst bei vielen Menschen mehr Haare aus als üblich.

 

Was sind die Ursachen für Haarausfall?

Haarausfall hat viele Gründe, doch in den allermeisten Fällen ist es eine Begleiterscheinung des Alterns.

 

Weitere Ursachen des Haarausfalls sind:

  • Infektionskrankheiten
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Blutarmut (Anämie)
  • Angeborene Stoffwechselstörungen
  • Depressionen
  • Psoriasis (Schuppenflechte)
  • Pilzinfektionen der Kopfhaut
  • Krebs
  • Vergiftungen

Der Ausfall der Haare kann aber auch ein Resultat von Mangelerscheinungen sein:

  • Bei einseitigen Diäten
  • Bei Selen-, Zink- oder Eisenmangelzuständen

Eine weitere mögliche Ursache sind Nebenwirkungen bestimmter Medikamente wie etwa:

  • Cholesterinsenker
  • Die "Pille" (orale Ovulationshemmer)
  • Schilddrüsenmittel
  • Blutdrucksenker
  • Antibiotika

Im Beipackzettel sind diese unerwünschten Wirkungen häufig mit dem Fachbegriff "Effluvium" bezeichnet. Nach Absetzen der entsprechenden Medikamente wachsen die Haare meist wieder nach.

 

Auch Gifte, die sich im Körper angereichert haben, zum Beispiel Schwermetalle, können zu Haarausfall führen. Schließlich können auch psychische Ursachen wie andauernder Stress, seelisches Ungleichgewicht oder akute psychische Schocks den Haarausfall auslösen.

 

Was ist die häufigste Ursache für Haarausfall?

Die weitaus häufigste Form des Haarausfalls entsteht durch Veranlagung. Unter der sogenannten androgenetischen Alopezie leiden circa 50 Prozent der europäischen Männer. Dabei handelt es sich um einen natürlichen Alterungsprozess, also keine Krankheit.

 

Umfang und Verlauf hängen von der individuellen Veranlagung, dem Alter und den männlichen Sexualhormonen ab. Es existiert eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber den Androgenen, also männlichen Hormonen. Je später der Haarausfall einsetzt, desto langsamer ist meist der Verlauf. Der Haarausfall beginnt dabei an den Schläfen (Geheimratsecken), am Hinterkopf entsteht eine kahle Stelle (Tonsur).

 

Später lichtet sich der Scheitel, bis nur noch ein hufeisenförmiges Haarband übrig bleibt. Eine ursächliche Behandlung des männlichen Haarausfalls ist heute noch immer nicht möglich. Experten meinen, dass die Beeinflussung des Hormonhaushaltes zwar eine Besserung versprechen würde, wegen der erheblichen Nebenwirkungen jedoch nicht infrage käme.

 

Verschiebt sich bei Frauen das hormonelle Gleichgewicht zugunsten der männlichen Geschlechtshormone, kommt es ebenfalls zum Haarausfall. Auch bei Frauen ist die androgenetische Alopezie die am häufigsten vorkommende Form des Haarausfalls.

 

In der Zeit der hormonellen Umstellung in den Wechseljahren, die den Haarausfall beschleunigt, sind Frauen besonders anfällig dafür.  Der erblich bedingte Haarausfall hat bei gleicher Ursache ein anderes typisches Verteilungsmuster: Es kommt zu einer diffusen Ausdünnung im Scheitelbereich. Der gesamte Verlauf ist langsamer und meist nicht so schwer. Häufig ist bei Frauen nur ein Teil der Haarfollikel eines Haarbereichs betroffen. Es kommt zu keiner kahlen Stelle oder Glatze. Haarwässer mit weiblichen Geschlechtshormonen oder eine bestimmte Sorte der "Pille" können in diesen Fällen langfristig zu einer Verbesserung führen.

 

Was ist der kreisrunde Haarausfall?

Etwa eine Million Menschen in Deutschland sind vom kreisrunden Haarausfall betroffen. Er beginnt im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt. Besonders häufig betrifft er Allergiker und Menschen mit einer Zuckerkrankheit oder einer Erkrankung der Schilddrüse. Oft tritt eine familiäre Häufung auf. Kreisrunder Haarausfall ist gekennzeichnet durch scharf begrenzte, meist kleine Kahlstellen. Die Kopfhaut ist äußerlich unverändert. Nach Wochen oder Monaten kommt es häufig zu einer spontanen Wiederbehaarung.

 

Nur selten wird der ganze Kopf oder Körper befallen; dann ist der Haarverlust bleibend. Diese Erkrankung, von der beide Geschlechter gleichermaßen betroffen sind, ist für die Betroffenen oft sehr belastend. Obwohl das im Fachjargon als Alopecia areata bezeichnete Leiden seit über 2.000 Jahren bekannt ist, liegen seine Ursachen nach wie vor im Dunkeln.

 

Wie wird Haarausfall behandelt?

Neben sogenannten kaschierenden Maßnahmen, das heißt künstlichem Haarersatz durch Perücke, Toupet, Hairweaving (Einweben) oder Haarverpflanzungen gibt es medikamentöse und kosmetische Behandlungsansätze.

 

Für Frauen ist im medikamentösen Bereich grundsätzlich die Anwendung sogenannter Antiandrogene möglich. Diese Medikamente neutralisieren die Wirkung der männlichen Sexualhormone im Körper. Es empfehlen sich auch spezielle Antibabypillen mit einer mehr oder weniger starken antiandrogenen Wirkung. In der Postmenopause, also nach den Wechseljahren, kann eine Östrogenersatztherapie Wirkung zeigen. Wegen der möglichen schweren Nebenwirkungen muss eine innerliche Hormonbehandlung jedoch stets gründlich mit dem Arzt besprochen werden. Dies gilt besonders für eine Einnahme über einen langen Zeitraum. Hier müssen Nutzen und Risiko besonders sorgfältig abgewogen werden.

 

Welche Medikamente helfen gegen den androgenetischen Haarausfall?

Eine wissenschaftlich belegte Wirkung ist mit Finasterid zu erzielen. Die Substanz ist als Mittel gegen Haarausfall eher zufällig entdeckt worden, nämlich bei der Behandlung der Prostatavergrößerung. Der Wirkstoff, der bei Frauen keinesfalls eingesetzt werden darf, muss dauerhaft als Tablette einmal täglich (1 Milligramm pro Tag) eingenommen werden. Die Behandlung eignet sich vor allem für jüngere Patienten.

 

Ein weiterer Wirkstoff mit belegter Wirkung ist Minoxidil, das in Form von Lösungen verwendet wird. Mit diesem Wirkstoff wird die Nährstoffversorgung des Haarbalgs unterstützt. Mehrere Studien zeigten positive Wirkungen bei zweimal täglich aufgetragener 2%iger Lösung auf den Kopf mit dem Wirkstoff Minoxidil. Bei der Mehrzahl der Frauen stoppte der Haarausfall und bei etwa 50 Prozent von ihnen konnte eine Zunahme der Haardichte unter der Behandlung beobachtet werden. Allerdings scheint eine dauerhafte Therapie nötig zu sein.

 

Ziel beider Behandlungen ist das Aufhalten weiteren Haarverlustes.