Was ist ein Hallux valgus?

Der Hallux valgus (Frostballen oder Ballengroßzehe) ist eine häufige Fehlstellung der Großzehe (Hallux). Sie tritt oft an beiden Füßen gleichzeitig auf. Dabei knickt die Großzehe im Grundgelenk über die normale Stellung hinaus zur Fußaußenseite ab, während die Großzehenspitze nach innen zeigt und die zweite Zehe verdrängt oder überlagert (Valgus-Stellung).

 

Weil die Großzehe von ihrer Normalstellung abweicht, ist der Mittelfußknochen, der die Großzehe trägt, zur Körpermitte hin abgespreizt. Das führt dazu, dass der Kopf des Mittelfußknochens von innen gegen die Haut sowie den darunter liegenden Schleimbeutel drückt. Infolgedessen ist der Zehenballen der Großzehe verdickt und man nennt den Hallux valgus auch Ballenzeh.

 

Der Hallux valgus macht den Eindruck, dass sich am Mittelfußknochen ein echter Knochenauswuchs (sogenannte Exostose) entwickelt hat: Diese scheinbare knöcherne Auswachsung wird Pseudoexostose (griechisch: pseudo = falsch) genannt.

 

Durch die Fehlstellung ändert sich die Zugrichtung der Sehnen und Muskeln: Es kommt zur Verkürzung (Kontraktur) der Sehnen, was der Fehlstellung weiter Vorschub leistet. Folge ist ein vorzeitiger Gelenkverschleiß (Arthrose) im Großzehengrundgelenk und eine schmerzhaft eingeschränkte Zehenbeweglichkeit.

 

Wie kommt es zu einem Hallux valgus?

Der Hallux valgus tritt fast immer zusammen mit einem Spreizfuß auf. Beim Spreizfuß entwickelt sich wegen der Absenkung des Fußquergewölbes eine Lageveränderung meist aller Zehen. Beide Fußformveränderungen beeinflussen sich im Verlauf gegenseitig auf negative Weise.

 

Bei der Entstehung des Spreizfußes und des Hallux valgus spielen erbliche Faktoren, eine Bindegewebsschwäche und eine schwache Fußmuskulatur eine wichtige Rolle. Rheumatische und andere Gelenkerkrankungen sowie ein in Fehlstellung verheilter Knochenbruch sind seltene Ursachen für die Entstehung eines Hallux valgus.

 

Der Hallux valgus ist die häufigste Zehenfehlstellung und nimmt mit dem Alter deutlich zu.

 

Ein Hauptgrund für die Entstehung einer Ballengroßzehe ist das Tragen hochhackiger und zu enger Schuhe. Sie zwingen die große Zehe in eine unnatürliche, stark abgewinkelte Position. Die Fußmuskulatur verliert zusätzlich an Kraft, was die Zehenfehlstellung verstärkt. Übergewicht und langes Stehen begünstigen die Zehenfehlstellung. Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer. So beträgt die Geschlechterverteilung etwa 9 : 1 (weiblich : männlich).

 

Welche Beschwerden treten dabei auf?

Ein Hallux valgus verursacht nicht immer Beschwerden. Auch bei deutlicher Fehlstellung lassen sich durch angepasstes Schuhwerk Beschwerden vermeiden.

 

Mögliche Beschwerden sind:

  • Schmerzen im Bereich des Großzehengrundgelenkes
  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis)
  • Hühneraugen (Clavus)

Die dauernde Fehlbelastung führt zur vorzeitigen Abnutzung der Gelenke. Folge ist eine Bewegungseinschränkung mit Schmerzen bei Belastung. Eine Schonhaltung beim Gehen, Stehen oder Laufen verursacht zusätzlich eine Fehlbelastung anderer Gelenke oder der Wirbelsäule. Die Deformierung des Fußes kann außerdem für den Betroffenen ein ästhetisches Problem sein.

 

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Die Fehlstellung und die Beschwerden sind so typisch, dass meist nur ein Blick des Arztes genügt, um die Diagnose zu stellen. Zusätzlich untersucht der Arzt, ob Hautveränderungen wie Reizungen, Rötungen oder entzündliche Veränderungen oder auch Schwielen vorliegen, wie beweglich das Großzehengrundgelenk ist, ob auch andere Zehen und Gelenke von Fehlstellungen oder Bewegungseinschränkungen betroffen sind und ob neurologische Probleme (zum Beispiel Empfindungsstörungen) hinzukommen.

 

Zur Beurteilung der Fehlstellung und des Gelenkverschleißes (Arthrose) fertigt er zusätzlich Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen mit und ohne Belastung an. Ein Spreizfuß, der meist zusammen mit einem Hallux valgus vorkommt, lässt sich im Röntgenbild gut erkennen und ebenso eine Großzehengrundgelenksarthrose.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Ob eine Behandlung des Hallux valgus notwendig ist und welche Behandlung infrage kommt, hängt von der Ausprägung der Beschwerden und der Fehlstellung ab.

 

Zu bedenken ist, dass die Fehlstellung der großen Zehe bei einem Hallux valgus ohne Behandlung im Laufe von Jahren stärker wird. Durch den ständigen Druck auf das Großzehengrundgelenk kann es zu Gelenkverschleiß (Arthrose) in diesem Gelenk kommen.

 

Die Behandlung des Hallux valgus bedeutet immer auch eine Mitbehandlung des Spreizfußes.

 

Die Therapie des Hallux valgus zielt darauf ab, Schmerzen zu reduzieren und die Fehlstellung der Großzehe zu korrigieren.

 

Konservative Therapie

Bei Hallux valgus ist grundsätzlich auf bequemes Schuhwerk mit flachen Absätzen zu achten. Außerdem sollten die Schuhe eher steife Sohlen haben und dem Fuß seitlich Stabilität geben, gegebenenfalls sind Spreizfußeinlagen einzusetzen. Barfußgehen und Fußgymnastik, die vom Betroffenen allein ausgeführt werden kann, stärken die Fußmuskulatur.

 

Bei leichten Fehlstellungen kommen Nachtlagerungsschienen zum Einsatz, welche die Zehen während der Nacht in ihrer natürlichen Stellung halten. Auch können Schaumstoffeinlagen als Abstandshalter zwischen den ersten beiden Zehen dienen. Aussparungen am Schuh oder eine Polsterung des Ballens unterstützen die Behandlung. Ein Voranschreiten der Erkrankung lässt sich hierdurch aber allenfalls verzögern.

 

Bei schmerzhaften Ballenentzündungen sind entzündungshemmende Medikamente und örtliche entzündungshemmende Maßnahmen wie zum Beispiel feuchtkalte Umschläge mit Ethacridin-haltigen Salben oder Salbenverbände (Diclofenac) und gelegentlich sogar Antibiotika (Bakterien abtötende Medikamente) notwendig.

 

Operation

Bei ausgeprägter Fehlstellung und fortgeschrittenem Gelenkverschleiß ist eine dauerhafte Beschwerdefreiheit nur durch operative Eingriffe zu erreichen. Hier stehen je nach Alter des Patienten und dem Ausmaß der Fehlstellung und des Gelenkverschleißes verschiedene operative Methoden zu Verfügung.

 

Ist keine Korrekturoperation mehr möglich, bleibt nur die Gelenkversteifung. Dadurch lässt sich zwar die Funktion nicht wieder herstellen, aber Schmerzfreiheit erreichen.

 

Nach der Operation ist es meistens erforderlich, den Fuß wie bei einer Knochenbruchbehandlung vorübergehend teilweise oder vollständig zu entlasten. Dies geschieht durch Ruhigstellung des Fußes in einem speziellen Schuh (zum Beispiel Vorderfußentlastungsschuh).

 

Die Wundheilung überprüft der Arzt regelmäßig. Ein im Knochen eingebrachter Draht kann meist nach drei Wochen wieder entfernt werden.

 

Wie ist die Prognose, und gibt es Komplikationen?

Die Aussicht auf dauerhafte Beschwerdefreiheit nach der Behandlung des Hallux valgus ist gut. Eine frühzeitige Behandlung ist sinnvoll.

 

Schwere Komplikationen sind bei Operationen der Ballengroßzehe äußerst selten. Mit Wundinfektionen ist in bis zu vier Prozent der Fälle zu rechnen, ähnlich häufig sind Empfindungsstörungen. Gelegentlich kommt es zu Störung der Knochenheilung, allerdings sind Wiederholungseingriffe selten notwendig.

 

Auch nach erfolgreicher Operation kann es einige Wochen dauern, bis der endgültige Zustand erreicht ist. Schmerzen und Schwellungen können noch einige Wochen lang vorhanden sein. Operationen bei Hallux valgus sind erhebliche Eingriffe in die Statik des Fußes und die Koordination des Gehens. Dies hat Auswirkungen auf den gesamten Haltungsapparat. Bei falscher Belastung kann es zum Beispiel auch zu Rückenschmerzen durch eine Fehlhaltung der Wirbelsäule kommen.