Hantavirus auf dem Vormarsch

Bei Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen denken viele an Grippe. Kommen aber Symptome wie Blut im Urin, niedriger Blutdruck oder Kurzatmigkeit hinzu, heißt es: Schnell zum Arzt! Denn dies können Anzeichen einer lebensbedrohlichen Infektion sein, die gerade auf dem Vormarsch ist: die Hantavirusinfektion.

Medien schlagen Alarm: Derzeit breitet sich das Hantavirus in einigen Teilen Deutschlands so rasant wie noch nie aus. Besonders Baden-Württemberg ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) betroffen.

 

Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

In Baden-Württemberg, dem Land mit den meisten Fallzahlen, sind dem Gesundheitsamt seit Jahresbeginn schon 464 Erkrankungen gemeldet geworden. Im Vergleich: 2016 waren es gesamt nur 84. Auch bundesweit haben die Erkrankungen laut RKI zugenommen. So seien es bis Mitte März 136 Fälle gewesen - deutlich mehr als im vergangenen Jahr - mit 38 Fällen. Nach einer Modellrechnung von April geht das Landesgesundheitsamt in Baden-Württemberg in diesem Jahr von 2.448 Erkrankungen durch Hantaviren aus.

 

Den rasanten Anstieg der Erkrankungszahlen führen Wissenschaftler auf die vielen Bucheckern zurück, die es im vergangenen Jahr hier zu Lande gegeben habe. Denn die Früchte der Buchen dienen Nagetieren wie der Rötelmaus als Nahrung. Und die sind Überträger Nummer eins: Hantaviren befinden sich im Mäusedreck.

 

Steigt die Population der Nager durch die gute Futtersituation stark an, breitet sich auch das Virus besser aus. Gebiete mit hohem Buchenwaldanteil sind daher am stärksten betroffen.

 

Achtung bei Gartenarbeit und Staubwischen

Menschen können sich infizieren, wenn sie aufgewirbelten Staub einatmen, der den Erreger enthält. Das kann auch der Fall sein bei Gartenarbeiten oder Spaziergängen im Wald. Besondere Vorsicht ist da geboten, wo Nagetiere und Staub zusammen kommen, also häufig auf Dachböden, in Kellern, Schuppen, Scheunen oder Ställen. Viel seltener, aber theoretisch auch möglich, ist es, sich durch den Biss einer Maus anzustecken.

In erster Linie verursachen Hantaviren beim Menschen eine grippeähnliche Krankheit. Was bei Mäusen selbst nicht zu einer Erkrankung führt, kann für Menschen aber auch lebensbedrohliche Folgen haben. Die Infektion kann über Blutdruckabfall und Nierenfunktionsstörungen bis zum Nierenversagen führen und das lebenbedrohliche Hantavirus-Lungensyndrom auslösen. Bei über der Hälfte der Erkrankungen ist eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich.

 

Was ist das Hantavirus-Lungensyndrom?

Das Hantavirus-Lungensyndrom ist eine Infektionskrankheit, die sich zuerst durch Grippe-ähnliche Symptome bemerkbar macht, wie Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Muskel-, Rücken- und Bauchschmerzen. Nach drei bis sieben Tagen beginnen dann schwerwiegendere Symptome wie ein Sekrete produzierender Husten und Kurzatmigkeit aufgrund flüssigkeitsgefüllter Lungen. Der Blutdruck fällt ab und das Herz wird schwach. Schließlich kann das Hantavirus-Lungensyndrom zum Herzversagen führen.

 

Wie kann ich mich schützen?

Um einer Infektion vorzubeugen, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

  • Kontakt mit Nagern und deren Ausscheidungen möglichst vermeiden

  • Tätigkeiten mit erhöhtem Infektionsrisiko wie das Umschichten von Holzstapeln oder die Reinigung und das Auf- und Umräumen von Dachböden, Kellern, Garagen und Schuppen nur mit Atemmasken durchführen

  • Staub vor Reinigungsarbeiten durch Befeuchten binden und Flächen mit einem handelsüblichen Desinfektionsmittel einsprühen
  • Nagetiere in der direkten Wohnumgebung fachkundig bekämpfen
  • Gebäude gegen das Eindringen von Nagern sichern
  • Nahrungsmittel sowie Nahrungsmittelreste möglichst unzugänglich aufbewahren