Was ist Herpes zoster?

Herpes zoster (Gürtelrose) entsteht durch eine erneute Aktivierung des Varicella-zoster-Virus, dem Erreger der Windpocken. Die Erkrankung kann daher nur bei Menschen auftreten, die bereits Windpocken hatten, seltener auch bei Menschen, die eine Windpocken-Impfung erhalten haben.

 

Nach überstandener Windpockenerkrankung verbleiben die Varicella-zoster-Viren in bestimmten Nervenzellen (Spinal- und Hirnnervenganglien) und können später wieder eine aktive Entzündung auslösen. Diese Entzündung betrifft dann die Nervenbahnen, in denen sich das Virus befindet.

 

Während Windpocken sehr häufig sind, ist die Gürtelrose seltener. Das liegt daran, dass eine Aktivierung des Virus nur unter bestimmten Bedingungen möglich ist. Dies geschieht vor allem bei verminderter Abwehrlage, insbesondere bei Menschen ab dem 50. Lebensjahr und bei immungeschwächten Personen (zum Beispiel Krebs-, HIV-Patienten) oder nach Operationen. Auch Stress oder ausgeprägte Sonnenbestrahlung begünstigen eine Gürtelrose.

 

Gürtelrose tritt je nach Altersgruppe unterschiedlich häufig auf: Insgesamt bekommen jährlich etwa 400 von 100.000 Menschen eine Gürtelrose - meist geschieht das nach dem 45. Lebensjahr. Am häufigsten sind Menschen zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem (beispielsweise durch chronische Erkrankungen, eine HIV-Infektion, Krebserkrankungen) von einer Gürtelrose betroffen. In einzelnen Fällen kann es aber auch bei Kindern, Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen und bei funktionsfähiger Immunabwehr zu einer Gürtelrose kommen. Man kann davon ausgehen, dass etwa 20 Prozent der Bevölkerung einmal im Leben an einem Herpes zoster erkranken.

 

Welche Beschwerden verursacht Herpes zoster?

Oft treten als erstes Krankheitszeichen bei der Gürtelrose Schmerzen im Bereich des befallenen Nervenstranges beziehungsweise Hautabschnittes auf. Diese können gering ausgeprägt bis unerträglich sein.

 

Etwa zwei bis fünf Tage nach dem Auftreten der Schmerzen, manchmal auch später, bilden sich Bläschen in dem betroffenen Hautareal, die stark brennen. Der für eine Windpocken-Erkrankung typische Juckreiz ist weniger stark ausgeprägt. Ansonsten sind die Bläschen denen einer Windpocken-Erkrankung sehr ähnlich.

 

Die manchmal auch blutigen Bläschen öffnen sich nach einigen Tagen und verkrusten. Häufig heilen sie narbig ab. Begleitend kann Fieber auftreten. Die volle Rückbildung der Symptome dauert bis zu einen Monat. Die Schmerzen können jedoch noch lange Zeit nach dem Abheilen der Bläschen bestehen bleiben.

 

Selten treten nur Schmerzen ohne typische Hautveränderungen auf. Hier ist die Diagnose schwierig und muss gegen andere Erkrankungen abgegrenzt werden.

 

Am häufigsten sind die Nerven der Brust- und Lendenwirbelsäule befallen. Der Name Gürtelrose stammt vom gürtelförmigen Auftreten der Schmerzen und der roten Bläschen, das durch den Verlauf der Nerven vom Rücken zum Bauch bedingt ist. Meistens ist nur der Nerv einer Körperseite betroffen, sodass der Gürtel von Bläschen nur halb um den Körper herum reicht.

 

Grundsätzlich kann die Herpes-zoster-Erkrankung auch andere Nervenwurzeln befallen, vor allem Gesichtsnerven und Nerven im Bereich der Halswirbelsäule.

 

Welche Komplikationen können auftreten?

Die Schmerzen können sehr stark sein und nach überstandener Erkrankung noch Monate bis Jahre andauern. Dies wird als postzosterische Neuralgie oder Post-Zoster-Neuralgie bezeichnet. Bis zu 70 Prozent der älteren Patienten sind davon betroffen.

 

Beim Herpes zoster des Auges, auch Zoster ophthalmicus genannt, können eine Hornhaut- und Bindehautentzündung sowie bleibende Hornhautschäden hinzukommen. Daraus entwickelt sich manchmal eine Schädigung des Sehvermögens.

 

Der Befall des Ohres (Zoster oticus) verursacht gelegentlich Gleichgewichts- und Hörstörungen sowie eine Gesichtsnervenlähmung.

 

In seltenen Fällen kommt es zu einer Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns sowie bei ausgeprägter Abwehrschwäche zu einem sehr schweren Verlauf der Erkrankung mit Beteiligung innerer Organe.

 

Wie wird Herpes zoster diagnostiziert?

In der Regel weisen die typischen Beschwerden den Weg. Nur in wenigen Fällen sind spezielle Untersuchungen zum Nachweis des Erregers nötig. Durch Laboruntersuchungen lassen sich dann Antikörper gegen die Viren oder die Viren selbst nachweisen.

 

Wie wird Herpes zoster behandelt?

Wenn die für eine Gürtelrose typischen Schmerzen oder Bläschen auftreten, sollten die Betroffenen frühzeitig einen Arzt aufsuchen, damit dieser eventuelle Komplikationen erkennen und behandeln kann.

 

Eine Therapie erfolgt mit Medikamenten, die gegen das Virus gerichtet sind (Virostatika). Die Behandlung sollte möglichst frühzeitig, am besten innerhalb von 72 Stunden nach dem Auftreten der ersten Hautveränderungen beginnen, um Komplikationen zu verhindern. Die Wirkstoffe stehen als Tabletten oder für Patienten mit schwerer Verlaufsform und für immungeschwächte Patienten auch als Infusion zur Verfügung.

 

Zusätzlich erfolgt eine symptomatische, also eine auf die Beschwerden abgestimmte Behandlung. Diese kann in der Gabe von leichten Schmerzmitteln sowie aus antiseptischen und austrocknenden Mitteln zum Auftragen auf die befallenen Körperstellen bestehen. Bei Bedarf kommen auch Antibiotika zum Einsatz.

 

Liegt ein Herpes zoster im Bereich des Auges oder Ohres vor, sollten die Betroffenen den entsprechenden Facharzt aufsuchen, um eine frühzeitige Behandlung vorzunehmen. So lassen sich eventuell Spätschäden mit bleibenden Hör- und Sehstörungen vermeiden.

 

Anhaltender Nervenschmerz über die Erkrankungsdauer hinaus (sogenannte Post-Zoster-Neuralgie) ist häufig mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln nicht ausreichend zu behandeln. Daher greift man oft auf stärkere Schmerzmittel und andere Medikamente zurück, die das Nervensystem beeinflussen, zum Beispiel Amitriptylin.

 

Zusätzlich können Nervenblockaden, Akupunktur oder Stromanwendungen (sogenannte TENS-Therapie) zum Einsatz kommen.

 

Was passiert bei Nichtbehandlung?

Bei nicht abwehrgeschwächten Personen und dem Fehlen von Risikofaktoren heilt der Zoster meistens folgenlos innerhalb von zwei bis vier Wochen ab.

 

Liegt jedoch ein erhöhtes Risiko vor (zum Beispiel Abwehrschwäche, höheres Lebensalter, schwerer Verlauf, starke Schmerzen oder Gesichtsbeteiligung), ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Komplikationen größer. Bei ausgeprägter Abwehrschwäche sind auch tödliche Verläufe möglich.

 

Wie kann einem Herpes zoster vorgebeugt werden?

Gegen Windpocken gibt es eine Impfung. In den USA erfolgt diese Impfung bereits seit 1996. Erfahrungen von dort zeigen, dass gegen Windpocken geimpfte Personen später seltener an einer Gürtelrose erkranken. Falls sie doch erkranken, verläuft die Erkrankung meist leichter.

 

Außerdem gibt es einen speziellen Impfstoff für Menschen ab 50 Jahren, der vor der erneuten Aktivierung der Varizella-zoster-Viren schützen soll.

 

Der bei der Impfung gegen Gürtelrose genutzte Impfstoff ist viel höher konzentriert als derjenige gegen Windpocken. Die Impfung wird in der Regel gut vertragen. Tritt trotz der Impfung ein Herpes zoster auf, ist der Krankheitsverlauf wesentlich harmloser als bei Menschen, die nicht geimpft sind. Außerdem wird das Risiko für eine Post-Zoster-Neuralgie um das Dreifache gesenkt.

 

Allgemein gilt: Bei Anzeichen für eine Gürtelrose ist es wichtig, so schnell wie möglich zum Arzt zu gehen. Je früher eine Gürtelrose behandelt wird, desto schneller kann sie wieder abheilen. Auch möglichen Komplikationen einer Gürtelrose lässt sich so am besten vorbeugen. 

 

Wer an Gürtelrose erkrankt ist, sollte engen Kontakt zu schwangeren Frauen meiden, um das Ungeborene nicht zu gefährden. Denn eine schwangere Frau, die nicht gegen die Erreger der Gürtelrose und Windpocken immun ist, kann sich über die Herpes-zoster-Bläschen anstecken und Windpocken bekommen. In seltenen Fällen kann es zu einer Übertragung der Erreger auf das Ungeborene kommen. Wenn dies kurz vor oder nach der Geburt des Kindes geschieht, bedeutet das auch für das Neugeborene ein schwerwiegendes Gesundheitsrisiko.