Was ist Herpes?

Herpes ist eine Erkrankung der Haut beziehungsweise Schleimhaut, deren Auslöser das Herpes-simplex-Virus (HSV) ist. Dieses ist weltweit verbreitet. Meist kommt es zu schmerzhaften, gruppierten Bläschen auf der geröteten Haut oder Schleimhaut.

Man unterscheidet zwei HSV-Typen.

 

Das Herpes-simplex-Virus 1 (HSV1) wird vornehmlich durch Speichel oder durch Hautkontakt übertragen. Die Erstinfektion erfolgt meist in der Kindheit. Bei 80 bis 90 Prozent der Erwachsenen sind Antikörper gegen das Virus nachweisbar. Die Mehrzahl der Herpesinfektionen durch HSV1 betreffen die Haut und die Schleimhaut im Mundbereich (Lippenherpes, Herpes labialis) - das sind die bekannten Herpesbläschen - viel seltener den Genitalbereich.

 

Das Herpes-simplex-Virus 2 (HSV2) wird hauptsächlich über sexuelle Kontakte übertragen. Die Durchseuchungsrate liegt ab der Pubertät mit steigender Tendenz bei zehn bis 30 Prozent. Es verursacht vorwiegend Infektionen im Genitalbereich (Herpes genitalis), seltener auch in anderen Körperregionen. Während der Geburt kann eine Übertragung des Virus auf das Neugeborene stattfinden.

 

Eintrittspforten in den Organismus sind Haut- und Schleimhautverletzungen. In 90 Prozent der Fälle verläuft die Infektion unbemerkt.

 

Herpes-simplex-Viren verweilen nach einer Ansteckung ein Leben lang in den Nervenzellen. In Zeiten von Abwehrschwächen des Körpers, zum Beispiel bei Stress, Erkältungen, Fieber, Menstruation und Sonnenbestrahlung, kann es zur Reaktivierung der Viren und zu Beschwerden kommen.

 

Wie äußert sich die Infektion?

Nur bei bis zu zehn Prozent der Betroffenen verursacht der erste HSV-Kontakt (Erstinfektion) Beschwerden. Es können Fieber und allgemeines Unwohlsein auftreten. Schleimhaut und Haut zeigen gruppiert stehende und eingedellte Bläschen, der betroffene Bereich ist entzündet.

 

Bei einer Infektion mit HSV1 finden sich die Bläschen häufig am Lippenrand. Vor allem bei Kleinkindern können auch der Mund- und Rachenraum betroffen sein. Diese sogenannte Mundfäule (Stomatitis aphthosa) ruft ein schweres Krankheitsgefühl hervor.

 

Frauen mit einer HSV2-Infektion haben Bläschen unter anderem an den Schamlippen oder an der Scheide, Männer an der Eichel. Die Hautveränderungen können auch in anderen Genitalregionen vorkommen.

 

Vor der Bläschenbildung beschreiben die Betroffenen Juckreiz und Spannungsgefühl. Durch Aufplatzen oder Eintrocknen bilden sich nachfolgend Krusten. Die Lymphknoten können ebenfalls schmerzhaft geschwollen sein. Die Betroffenen leiden vor allem unter dem unangenehmen Spannungsgefühl sowie unter dem kosmetischen Aspekt der Hauterkrankung.

 

Diese Symptome treten auch beim Wiederaufflammen der Infektion auf, das in der Regel am gleichen Ort geschieht. Ursache für die erneute Entzündung ist das Überdauern der Viren in den Nervenzellen.

 

Die Infektion mit Herpes simplex betrifft nicht nur die Haut und die Schleimhäute. In seltenen Fällen erkranken auch andere Organe wie die Augen oder das zentrale Nervensystem. So kommt es unter Umständen zu Hornhautschäden, die das Sehvermögen verschlechtern, oder sogar zur Erblindung.

 

Gefürchtet ist die Entzündung des Gehirns (Herpes-Enzephalitis), die meist durch HSV1 verursacht wird. Sie führt unbehandelt in über siebzig Prozent der Fälle zum Tod.

 

Wie wird die Diagnose gestellt?

Herpes-Infektionen im Gesicht sind aufgrund der typischen sichtbaren Bläschen für den Arzt meist schon beim ersten Anblick eindeutig. Im Genitalbereich sind Herpes-Infektionen dagegen schwieriger zu erkennen.

 

Nur bei schweren Verläufen bedarf es manchmal einer weiteren Diagnostik. Dazu gehört vor allem der direkte Virusnachweis aus einem Abstrich oder dem Bläscheninhalt.

 

Bei Verdacht auf eine Herpes-Infektion im Bereich von Augen, Hals, Nase oder Ohren sowie bei Verdacht auf eine Entzündung des Gehirns sollte eine Untersuchung beim HNO- oder Augenarzt beziehungsweise beim Neurologen erfolgen.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?

Bei ansonsten gesunden Personen ist bei Befall der Lippen und des Mundes meist nur eine lokale Therapie (äußere Anwendung) mit Salben sinnvoll, um die unangenehmen Beschwerden zu lindern. Besonders geeignet sind Salben mit austrocknenden und antiseptischen (desinfizierenden) Wirkstoffen.

 

Weiterhin kann eine Salbe mit einem gegen das Virus gerichteten Wirkstoff helfen. Beim Herpes der Lippen ist dies oft die einzige Therapie.

 

Bei häufig wiederkehrendem Befall, bei Infektionen des Gehirns oder der Augen, bei einer Erstinfektion bei Kindern sowie bei Herpes genitalis reicht eine lokale Therapie in der Regel nicht aus. Dann erhält der Betroffene einen Wirkstoff gegen das Virus, oft Aciclovir, in Tablettenform.

 

Bei schweren Verlaufsformen verabreicht der Arzt einen virushemmenden Wirkstoff als Infusion über die Vene.

 

Sollten durch die Herpeserkrankung bedingte starke Schmerzen auftreten, so können diese zum Beispiel mit einem Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Diclofenac gebessert werden. Manchmal lassen sich die Schmerzen auch durch Salben lindern, welche die betroffenen Stellen örtlich betäuben.

 

Schwangerschaft und Herpes

Ist eine Frau kurz vor und während der Geburt von einer Herpeserkrankung betroffen, können die Viren bei der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen werden. In Abhängigkeit davon, wie ausgeprägt die Herpeserkrankung ist und ob es eine Primärinfektion oder ein Rezidiv ist, kann man die Mutter mit einem virushemmenden Medikament (Virustatikum) behandeln. Es kann unter Umständen auch sinnvoll sein, eine Kaiserschnittentbindung vorzunehmen.

 

Beim Verdacht, dass das Neugeborene mit Herpesviren infiziert wurde, behandelt man es mit einem Virustatikum über die Vene, damit es nicht zu schwerwiegenden Komplikationen wie zum Beispiel einer Gehirnentzündung kommt.