Was ist ein Lungenemphysem?

Das Lungenemphysem ist eine irreversible Erweiterung der Bronchiolen und der mit ihnen verbundenen Lungenbläschen, die Lunge ist krankhaft überbläht. In den erweiterten Lungenabschnitten kann der eingeatmete Sauerstoff nicht mehr richtig ins Blut übergehen. Der Gasaustausch ist eingeschränkt. Die Funktionsfähigkeit der Lungen nimmt ab.

 

Bleibt die Erkrankung unbehandelt, droht zunehmende Atemnot. Eine konsequente Therapie kann das Fortschreiten der Erkrankung verhindern, die Veränderungen in der Lunge bei einem Lungenemphysem aber nicht mehr rückgängig machen.

 

Die Atemluft fließt vom Nasen-Rachen-Raum über die Luftröhre in die Lungen. Die Luftröhre teilt sich im Verlauf in zwei Hauptäste, die Hauptbronchien, die sich schließlich in ein immer kleiner verästeltes System aufteilen. Die kleinsten Äste sind die terminalen Bronchiolen.

 

Welche Ursachen hat ein Lungenemphysem?

Ein Lungenemphysem tritt in den meisten Fällen als Folge einer chronischen Bronchitis beziehungsweise einer chronisch obstruktiven Bronchitis auf. Die häufigste Ursache für das Lungenemphysem ist das Rauchen. Langjähriger Nikotinkonsum erhöht das Risiko deutlich. Die meisten Patienten mit einem Lungenemphysem sind deshalb bereits etwas älter und Raucher. Weitere bekannte Auslöser sind Feinstaub, mineralische Stäube oder ein Mangel an Enzymen wie dem Alpha-1-Antitrypsin. Mischformen sind möglich.

 

Sobald Tabakrauch in die Lunge gelangt, aktiviert er dort bestimmte Enzyme, die Eiweiß abbauen (Proteasen). Dabei zerstören sie das angrenzende Lungengewebe. Ähnliches geschieht bei Menschen mit einem erblichen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel. Denn dieses Eiweiß schützt die Lunge normalerweise vor zu großer Aktivität der Proteasen. Fehlt es, kann ein Lungenemphysem bereits in jungen Jahren entstehen.

 

Unabhängig von den auslösenden Faktoren scheint neben dem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel auch eine Mutation in einem bestimmten Gen an der Entwicklung eines Lungenemphysems beteiligt zu sein.

 

Oft liegen Mischformen vor, wenn zum Beispiel Raucher einen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel oder eine berufliche Schadstoffbelastung haben.

 

Weitere mögliche Ursachen eines Emphysems sind eine durchgemachte Lungenentzündung und die operative Entfernung eines Teils der Lunge.

 

Durch Schädigung oder Verlust von Lungengewebe verliert die Lunge ihre Elastizität und die enthaltene Luft kann nicht mehr vollständig entweichen. Gleichzeitig erhöht sich beim Ausatmen der Druck auf die kleinen Atemwege und Lungenbläschen. Diese fallen in sich zusammen, und die in den unteren Atemwegen enthaltene Luft bleibt gefangen.

 

Die Folge ist eine zunehmende Überblähung. Ohne Beseitigung der Ursachen und unbehandelt droht ein Teufelskreis. Betroffene können die verbrauchte Atemluft zunehmend weniger abatmen, weniger frische Luft kann einströmen. Der Gasaustausch ist nachhaltig gestört.

 

Wie äußert sich ein Lungenemphysem?

Die Erkrankung beginnt meist schleichend. Typische Symptome für ein beginnendes Lungenemphysem sind:

  • Morgendlicher Husten mit Auswurf, bei körperlichen Belastungen tritt zunehmend Atemnot auf.
  • Lippen und Finger färben sich durch Sauerstoffmangel bläulich (Zyanose).
  • Die Patienten fühlen sich müde und schlapp, ihr Antrieb nimmt ab.
  • Die Anfälligkeit für Infektionen steigt.

Schreitet die Erkrankung fort, drohen weitere Einschränkungen:

  • Die Vergrößerung der Lunge schränkt die Beweglichkeit des Brustkorbs immer mehr ein und behindert vor allem das Ausatmen. Der zunehmende Sauerstoffmangel führt zu einer fortschreitenden Minderversorgung aller Organe. Die Betroffenen haben oft Kopfschmerzen, sind müde, geschwächt und immer weniger belastbar.
  • Die Überblähung der Lungen verändert die Form des Brustkorbs, der mit der Zeit die Gestalt eines Fasses annimmt (Fassthorax).
  • Durch die Veränderung des Lungengewebes wird das rechte Herz stärker belastet; es kommt zur Rechtsherzschwäche.
  • Atemnot tritt nicht mehr "nur“ unter Belastung auf, sondern nun auch bereits im Ruhezustand. 

Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?

Die beschriebenen typischen Beschwerden lenken den Verdacht in den meisten Fällen sehr schnell auf eine Lungenüberblähung. Für die weitere Absicherung der Diagnose ist die ausführliche Untersuchung durch den Arzt notwendig.

 

Der Arzt klopft den Brustkorb ab und hört mit dem Stethoskop die Atemgeräusche ab. Er hört dann zum Beispiel ein Brummen oder Pfeifen. Beim Abklopfen des Brustkorbs entsteht beim Lungenemphysem ein lautes Schallgeräusch. Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs bestätigt die Diagnose. Denn im Röntgenbild erkennt der Arzt Veränderungen, die auf ein Lungenemphysem hindeuten: zum Beispiel verbreiterte Zwischenrippenräume und ein flaches, tiefstehendes Zwerchfell. Außerdem erscheint die Lunge im Röntgenbild dunkler, da sie mehr Luft enthält. Leitlinien empfehlen zusätzlich eine Lungenfunktionsuntersuchung und Blutuntersuchungen, um den Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt des Blutes zu bestimmen oder einen Mangel des die Protease hemmenden Enzyms auszuschließen.

 

Wie kann man ein Lungenemphysem behandeln?

Die bereits eingetretenen Veränderungen des Lungengewebes sind endgültig und nicht mehr rückgängig zu machen. Eine konsequente Therapie kann jedoch das Fortschreiten der Erkrankung verhindern und helfen, die verbliebenen Reserven besser zu nutzen, und so die Lebensqualität erheblich verbessern.

 

Zunächst ist es wichtig, alle auslösenden Faktoren zu meiden - allen voran das Rauchen. Der Wohn- und Arbeitsraum sollte frei von Staub und anderen die Atemwege reizenden Stoffen sein.

 

Nicht-medikamentöse Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Patienten besser mit ihrer Erkrankung leben können. Empfehlenswert sind:

  • Die Teilnahme an Patientenschulungen
  • Ein beständiges alters- und patientengerechtes körperliches Training
  • Atemgymnastik zur Stärkung der Atemmuskulatur und das Erlernen einer speziellen Atemtechnik, um besser Luft zu bekommen

Da Infekte das Krankheitsbild verschlechtern und zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen können, sind Schutzimpfungen gegen Pneumokokken und die "echte“ Virusgrippe (Influenza) sinnvoll.

 

Medikamente

Außerdem können Medikamente die Beschwerden, die das Emphysem verursacht, lindern. Je nach Schwere der Erkrankung kommen dabei bronchienerweiternde und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz.

 

Für einige Patienten mit angeborenem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel kommt die Behandlung mit Alpha-1-Antitrypsin in Betracht. Dieses Medikament (Enzym) spritzt der Arzt einmal pro Woche in die Vene. Es kann das weitere Fortschreiten des Lungenemphysems etwas verlangsamen.

 

Kommt es zu einem bakteriellen Infekt, sollte umgehend eine gezielte Therapie mit Antibiotika stattfinden. Dabei ist es wichtig, viel zu trinken, um den Schleim in der Lunge zu verflüssigen und besser abhusten zu können. Zusätzlich können schleimlösende Mittel helfen.

 

Sauerstofftherapie

Liegt bereits ein schweres Lungenemphysem vor, kann eine Zufuhr von Sauerstoff über 16 bis 24 Stunden am Tag notwendig werden. Diese soll einen ausreichenden Sauerstoffgehalt im Blut gewährleisten und eine Überlastung des Herzens verhindern.

 

Operation

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, überblähte Lungenabschnitte operativ zu entfernen (Lungenvolumenreduktion). In manchen Fällen ist es ratsam, große Emphysemblasen operativ zu entfernen.

 

Ist die Lunge derart geschädigt, dass der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden kann, ist die letzte Möglichkeit eine Lungentransplantation. Beide Verfahren kommen nur dann zum Einsatz, wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind.