Was ist ein Meningeom?

Von den Häuten (Meningen) des Gehirns oder des Rückenmarks ausgehende Tumore bezeichnet man als Meningeome (Hirnhauttumoren). Sie sind meistens gutartig.

 

Das Gehirn wird von Schädelknochen umgeben, zwischen Schädelknochen und Gehirn liegen die Hirnhäute. Die weiche Hirnhaut überzieht das Gehirn. Der Schädelknochen ist hingegen mit der harten Hirnhaut (Dura mater) überzogen. Das Gehirn wird in drei funktionell bedeutsame Bereiche eingeteilt: das Großhirn, das Kleinhirn und den Hirnstamm.

 

Meningeome sind die häufigsten Tumore im Gehirn, sie machen etwa bis zu ein Fünftel der Neubildungen bei Erwachsenen im Schädelinneren aus. Sie treten am häufigsten im sechsten Lebensjahrzehnt auf, bei Frauen etwa doppelt so häufig wie bei Männern.

 

Die genaue Ursache für die Entstehung eines Hirnhauttumors ist zwar nicht bekannt, doch könnten bestimmte Veränderungen im Erbgut eine Rolle spielen.

 

Mögliche Risikofaktoren, die vermutlich die Entstehung von Meningeomen begünstigen, sind zum Beispiel: frühere Strahlentherapie des Gehirns, weibliche Geschlechtshormone und eine erbliche Erkrankung - Neurofibromatose Typ 2.

 

Keinen Zusammenhang gibt es dagegen zwischen dem Hirnhauttumor und einer Schädelverletzung (Schädel-Hirn-Trauma).

 

In der Regel wachsen Meningeome langsam über Jahre und verdrängen dabei das umliegende Hirngewebe. Sie werden oft erst dann entdeckt, wenn sie durch ihre zunehmende Größe auf Nerven oder Hirnzentren drücken und dadurch Beschwerden verursachen. Viele Meningeome sind auch reine Zufallsbefunde, die anlässlich anderer Untersuchungen diagnostiziert werden.

 

Da sie langsam verdrängend wachsen und keine Tochtergeschwülste (Metastasen) in den Körper streuen, sind Meningeome in aller Regel gutartig. Vom umgebenden Hirngewebe grenzen sie sich durch eine Kapsel ab und sie sind gut durchblutet. Oft ist der über dem Meningeom liegende Schädelknochen verdickt. Etwa 1,5 Prozent aller Meningeome sind bösartige Tumoren der Hirnhäute - man spricht dann von Hirnhautkarzinomen.

 

Welche Beschwerden treten bei einem Meningeom auf?

Da Meningeome langsam über Jahre wachsen, verursachen sie oft lange Zeit gar keine Beschwerden.

 

Die ersten Anzeichen eines Hirnhauttumors können vielfältig sein. Je nachdem, in welchem Bereich des Gehirns das Meningeom liegt, sind die Symptome sehr unterschiedlich. Hinweise auf eine Raumforderung im Gehirn sind zum Beispiel plötzlich auftretende oder sich im Verlauf verschlimmernde Kopfschmerzen, Sprach-, Hör- und Geruchsstörungen, verschwommenes Sehen und Ausfälle im Blickfeld.

 

Auch Veränderungen im Verhalten und im Wesen, die häufig besonders den Angehörigen auffallen, wie Gereiztheit, Vergesslichkeit, Antriebslosigkeit und unkontrollierte Wutanfälle können durch ein Tumorwachstum an den Hirnhäuten bedingt sein. Außerdem können epileptische Anfälle, Lähmungserscheinungen und Sprachstörungen auftreten.

 

Die Ursache der Beschwerden liegt vor allem im verdrängenden Tumorwachstum. Ein gutartiges Meningeom vergrößert sich unkontrolliert und drückt wegen der beengten räumlichen Verhältnisse im Schädelinnern irgendwann auf das gesunde, funktionierende Hirngewebe. In seltenen Fällen ist das Meningeom bösartig, sodass es in das gesunde Gehirn hineinwächst und dieses zerstört. Dann kommt es zu Funktionsausfällen der Hirnregion, die sich zum Beispiel als plötzlich auftretende Bewegungsstörungen äußern können.

 

Wie wird ein Hirnhauttumor festgestellt?

Ein ausführliches Gespräch mit dem behandelnden Arzt, in dem der Betroffene die Beschwerden schildert, steht am Anfang der Diagnostik. Berichtet er zum Beispiel über in der letzten Zeit zunehmende Kopfschmerzen, Krampfanfälle, Sprachstörungen oder Lähmungen, so kann das vor allem bei älteren Menschen auf ein Meningeom hinweisen.

 

Auf eine gründliche allgemeinärztliche Untersuchung (Herzabhören, Blutdruckmessen, Pulstasten und so weiter) folgt eine intensive neurologische Untersuchung, um Hinweise auf eventuelle nervenbedingte Störungen und Ausfälle zu gewinnen. Der Arzt überprüft unter anderem die Reflexe, die körperliche Kraft und das Empfindungsvermögen. Anschließend schaut er durch die Pupille auf den Augenhintergrund, um zu prüfen, ob Anzeichen für einen erhöhten Druck im Gehirn vorliegen.

 

Die Feststellung beziehungsweise den Ausschluss eines Meningeoms ermöglicht die Kernspintomografie (MRT, NMR) mit Gabe von Kontrastmittel, das sich im Tumor anreichert.

 

Auch folgende Untersuchungsmethoden können zum Einsatz kommen:

  • Computertomografie des Kopfes (CCT): Schichtbildaufnahmen des Gehirns
  • MR-Angiografie (Darstellung der Blutgefäße des Tumors mit einem MRT)
  • Elektroenzephalogramm (EEG, Messung der Hirnströme) 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Nicht bei allen Patienten mit einem Meningeom ist eine sofortige Behandlung erforderlich. Ist ein Meningeom zum Beispiel sehr klein und verursacht es keine Beschwerden, so kann man zunächst abwarten.

 

In diesen Fällen ist es notwendig, die Entwicklung des Tumors regelmäßig zu kontrollieren, zum Beispiel durch Computertomografie (CT)- oder Magnetresonanzutomografie (MRT)-Aufnahmen. Wann oder ob eine Behandlung erfolgt, hängt von bestimmten Faktoren wie Beschwerden, Größe, Lokalisation und Aggressivität des Tumors sowie nicht zuletzt vom Gesundheitszustand des Patienten ab.

 

Operation

Ziel der Behandlung ist es, das Meningeom möglichst vollständig durch eine Operation zu entfernen. Allerdings ist dies bei einigen Tumoren der Hirnhäute aufgrund ihrer Lage oder Größe nicht möglich, eventuell kommt aber die teilweise Entfernung des Tumors infrage.

 

Ist ein Meningeom stark durchblutet, werden manchmal vor der Operation die Blutgefäße, die zum Tumor führen, verschlossen. Mit dieser "Embolisation" genannten Methode kann man größere Blutverluste während der Operation vermeiden.

 

Die Operation erfolgt in der Regel über die Eröffnung des Schädels. Dabei versucht der Chirurg, den Zugangsweg so klein wie möglich, aber so groß wie nötig zu halten, um eine sichere Entfernung des Tumors und eine geringe Verletzungsgefahr von Gehirngewebe, Nerven und Blutgefäßen zu gewährleisten.

 

Neben den allgemeinen Operationskomplikationen wie Blutungen, Infektionen und erhöhter Gefahr eines Blutgerinnsels (Thrombose) bergen Eingriffe am Gehirn zusätzlich das Risiko von vorübergehenden bis hin zu bleibenden Schäden des Nervensystems (zum Beispiel Lähmungen). Risiko und Nutzen einer solchen Operation sollten die Ärzte deshalb im Vorfeld eingehend mit den Betroffenen besprechen und hinsichtlich des Heilungserfolges beziehungsweise der zu erwartenden Verbesserung der Lebensqualität abwägen.

 

Strahlentherapie

Bei einem bösartigen Tumor der Hirnhäute folgt der Operation eine Strahlentherapie. Auch bei gutartigen Meningeomen, bei denen keine vollständige chirurgische Entfernung möglich war, ist eine Bestrahlung sinnvoll, um ihr weiteres Wachstum zu unterbinden.

 

Röntgenstrahlung in bestimmter Dosierung verursacht Zellschäden, von denen sich gesunde Zellen jedoch schneller erholen, da sie über bessere Reparaturmechanismen verfügen. Tumorzellen, die primitiver und anfälliger sind, sterben dagegen ab. Um die Nebenwirkungen einer Strahlentherapie möglichst gering zu halten, führt man meist eine sogenannte stereotaktische Bestrahlung durch, bei der sich die Strahlung sehr präzise ausrichten lässt, sodass gesundes Gewebe weitgehend verschont bleibt.

 

Wie ist die Prognose eines Meningeoms?

Die meisten Meningeome sind gutartig und haben nach der Operation eine sehr gute Prognose. Bei sieben bis 20 Prozent der Patienten mit gutartigen Meningeomen tritt nach einer Totalentfernung erneut ein Tumor auf (Rezidiv), der eventuell eine erneute Operation erforderlich macht. In 50 Prozent dieser Fälle tritt ein solches Rezidiv in den ersten fünf Jahren auf. Darüber hinaus gibt es atypische Meningeome, bei denen Rezidive häufiger vorkommen.

 

Konnte das Meningeom nicht komplett entfernt werden, wächst es nicht selten wieder nach.

 

Das seltene bösartige Meningeom hat trotz Operation und Strahlentherapie insgesamt eine sehr ungünstige Prognose. Die Rezidivrate beträgt 50 bis 78 Prozent.