Tinnitus

Nach einem lauten Konzert, einem Sportereignis oder nach dem Benutzen einer sehr lauten Maschine wie einer Kettensäge hat man oft ein Pfeifen im Ohr - auch dann noch, wenn der Lärm aufgehört hat. Diese Ohrgeräusche, auch Tinnitus genannt, verschwinden jedoch meist schnell wieder.

 

Jeder Mensch erlebt dieses Phänomen ab und zu. Ein bis zwei von zehn Menschen hören solche Geräusche allerdings eine Zeitlang dauernd. Oder der Tinnitus meldet sich immer wieder bei ihnen, ohne dass ein Grund dafür erkennbar wäre. Manchmal halten die Ohrgeräusche über Monate oder sogar Jahre an. Normalerweise sind sie nur schwach ausgeprägt und nicht laut, wenn auch etwas lästig.

 

Ständige Ohrgeräusche können den Alltag sehr beeinträchtigen. So ist es nicht leicht, mit einem Tinnitus zurechtzukommen, wenn er die Konzentration und den Schlaf stört. Zwar gibt es kein einfaches Behandlungsverfahren, doch selbst bei einem starken Tinnitus gibt es einiges, das man selbst tun kann, damit die Ohrgeräusche weniger belasten.

 

Wie macht sich ein Tinnitus bemerkbar?

Das Wort "Tinnitus" ist lateinisch und bedeutet "Klingeln". Das Geräusch, das man bei einem Tinnitus wahrnimmt, kann aber auch ein Pfeifen, Summen, Brummen, Rauschen, Klicken oder Klopfen sein. Es kann in einem oder in beiden Ohren zu hören sein. Für manche Menschen fühlt es sich so an, als ob es "mitten aus dem Kopf" kommt. Das Geräusch kann konstant da sein oder auch kommen und gehen; manchmal ist es kaum zu hören, dann wieder sehr laut.

 

Niemand außer der betroffenen Person kann die Geräusche hören, da sie nicht von einer äußeren Schallquelle erzeugt werden. Das bedeutet nicht, dass die Menschen sich einen Tinnitus einbilden: Sie nehmen die Geräusche in ihrem Kopf tatsächlich wahr. Ein Tinnitus ist also nicht dasselbe wie akustische Halluzinationen, bei denen man nicht existierende Stimmen oder andere Dinge "hört".

 

Wie kommt es zum Tinnitus?

Die Ursache eines Tinnitus ist in den meisten Fällen nicht feststellbar. Der medizinische Fachbegriff für einen Tinnitus, dessen Entstehungsgrund unbekannt ist, lautet "idiopathischer Tinnitus". Ein Tinnitus ist keine Form des Hörverlusts. Durch Ohrgeräusche wird das Hörvermögen also nicht schlechter. Falls sich das Gehör zusätzlich verschlechtern sollte, ist die Ursache dafür nicht der Tinnitus.

 

Es kann zum Beispiel sein, dass die Ohrgeräusche zu einem Zeitpunkt auftreten, an dem das Hörvermögen altersbedingt nachlässt oder geschädigt wurde. Solche Schäden können zum Beispiel durch ein plötzliches, extrem lautes Geräusch wie eine Explosion oder durch Lärm entstehen, dem man über einen langen Zeitraum ausgesetzt ist - zum Beispiel bei der Arbeit mit lauten Maschinen ohne Ohrschutz oder beim häufigen Hören von lauter Musik.

 

Viele Menschen glauben, dass Tinnitus durch Stress ausgelöst werden kann. Stress ist zwar oft mit Symptomen wie Bluthochdruck verbunden, die bei manchen Menschen zu einem Tinnitus beitragen - doch Entspannungsmaßnahmen haben bisher keinen direkten Einfluss auf die Ohrgeräusche gezeigt.

 

Manchmal ist Tinnitus ein Anzeichen für eine andere Erkrankung, zum Beispiel für die Menière-Krankheit. Diese beeinträchtigt die Ohren und macht sich außer durch Ohrgeräusche auch durch Schwindel und Hörverlust bemerkbar. Tinnitus kann auch ein Symptom für eine Geschwulst des Hörnervs sein, eine gutartige Wucherung im Innenohr. Zudem kann ein Tinnitus als Nebenwirkung von Medikamenten wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Chinin auftreten.

 

Wenn das Ohrgeräusch mit dem Rhythmus des Herzschlags zu- und abnimmt, wird es auch "pulssynchron" genannt. Diese Form des Tinnitus kann durch einen stark erhöhten Blutdruck verursacht sein. In diesem Fall können die Ohrgeräusche leiser werden oder verschwinden, wenn der Blutdruck gesenkt wird. Ein rhythmischer Tinnitus kann auch auf ein Problem mit einem Blutgefäß hinweisen. Bei manchen Menschen wird der pulssynchrone Tinnitus beispielsweise durch eine kleine, abnormale Windung eines Blutgefäßes tief im Ohr verursacht ("vaskuläre Schlinge"). In solchen Fällen wird manchmal ein kleiner chirurgischer Eingriff erwogen.

 

Wie häufig ist Tinnitus?

Tinnitus ist sehr häufig. Jeder zweite Mensch hat irgendwann in seinem Leben für eine gewisse Zeit Ohrgeräusche, und bis zu 2 von 10 Personen erleben irgendwann eine länger andauernde Tinnitus-Episode. Etwa eine von 200 Personen hat so starke Ohrgeräusche, dass sie ihr Leben stark beeinträchtigen. Ältere Menschen haben öfter einen Tinnitus als junge Erwachsene, aber es können auch Kinder betroffen sein.

 

Wie wird ein Tinnitus festgestellt?

Der Arzt wird bei einem Tinnitus zunächst versuchen, die oben genannten Ursachen auszuschließen. Er wird außerdem genau untersuchen, ob es ein Problem mit den Blutgefäßen, im Kiefergelenk oder mit den Muskeln um den Oberkiefer gibt. Falls das Geräusch daher rührt, wird der Arzt es bei der Untersuchung ebenfalls hören können. Um Probleme im Kieferbereich auszuschließen, kann auch eine zahnärztliche Untersuchung sinnvoll sein.

 

Wie wird ein Tinnitus behandelt?

Ein Tinnitus unbekannter Ursache ist nicht leicht zu behandeln. Zwar werden zahlreiche Behandlungsmethoden eingesetzt - zum Beispiel Infusionen, Hörgeräte und pflanzliche Präparate. Ob sie aber tatsächlich Erleichterung verschaffen können, ist bisher unklar. Eine Ausnahme ist die kognitive Verhaltenstherapie: Sie kann helfen, mit einem chronischen Tinnitus besser zurechtzukommen.

 

Wie gestaltet sich Leben und Alltag mit Tinnitus?

Vielen Menschen gelingt es mit der Zeit, sich an einen Tinnitus zu gewöhnen, für andere wird er zu einer starken Belastung. Weil die Gehirnbereiche, die durch einen Tinnitus beeinflusst werden, auch für die Gefühle eine wichtige Rolle spielen, können die Ohrgeräusche manchmal nur schwer erträglich sein. Bei manchen Menschen ist ein Tinnitus eng mit einer Depression verbunden; es ist jedoch unklar, ob der Tinnitus zur Entstehung einer Depression beiträgt oder sie verstärkt.

 

 

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