Warzen: harmlos, aber hoch ansteckend

Sie sind lästig, ansteckend und gelten als Schönheitsmakel: Warzen. Die meisten Menschen wollen sie schnell loswerden. Doch ist eine Behandlung immer sinnvoll?

Übeltäter sind  bei den gewöhnlichen Warzen (Verrucae vulgares) aber auch bei Feigwarzen verschiedene Untertypen des HPV-Virus (Humane Papillomviren). Gelangt das Virus auf die Haut, kann es durch kleinste Verletzungen eindringen und sich festsetzen. Dann erhebt sich die Hautoberfläche, ähnlich wie bei einem Blumenkohl und wächst kugelig zu einer Warze heraus. Warzen wuchern nicht nur an den Füßen: Es gibt quasi keine Körperregion, an der sich die kleinen Plagegeister nicht ansiedeln. Außerdem sind sie hoch ansteckend.

 

"Für Menschen mit einem gesunden Immunsystem sind gewöhnliche Warzen fast immer harmlos", sagt Dr. Helga Christoffel, Allgemeinmedizinerin vom TK-Ärztezentrum und ergänzt: "Mit der Zeit baut der Körper eine Immunabwehr gegen die Viren auf und die Warzen verschwinden meist. Doch das kann dauern."

 

So schnell hat sich der Körper angesteckt

Beim Kratzen breiten sich die infektiösen Viren auf der Haut aus. Dann können Warzen wie Beete zusammenwachsen, die eine beachtliche Größe erreichen. Am häufigsten treten Warzen an Händen, Füßen und im Gesicht auf. Obwohl sie fast immer harmlos sind, sollte ein Hautarzt die Hautwucherung untersuchen, um zu verhindern, dass sie sich am eigenen Körper oder auf andere Personen ausbreiten.

 

Hochansteckend sind die besonders den Genitalbereich besiedelnden Feigwarzen, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. Ein gewisser Schutz besteht durch den Gebrauch von Kondomen. Feigwarzen werden durch sogenannte low-risk-HPV-Typen hervorgerufen, die in der Regel das Krebsrisiko nicht erhöhen. Manchmal werden gleichzeitig aber auch sogenannte high-risk-HPV-Typen nachgewiesen, die Krebsvorstufen und Krebs an Gebärmutterhals, Penis und Anus auslösen können. Feigwarzen sollten behandelt und auch der Geschlechtspartner auf einen möglichen Befall hin untersucht werden.

 

Welche Warzenformen es gibt

Warze ist nicht gleich Warze: Abhängig vom Virustyp und von dem Körperbereich, an dem ein Erreger in die Haut eindringt, lassen sich mehrere Warzentypen unterscheiden.

 

Dellwarzen

Dellwarzen sind eigentlich keine Warzen, das dafür verantwortliche Virus gehört zu der Familie der Pockenviren. Zunächst erscheinen die Dellwarzen rötlich bis rosa und verändern sich dann zu linsengroßen Beulen, die mit einer hellen Flüssigkeit gefüllt sind. Dellwarzen entstehen besonders in Gelenkbeugen. Sie zählen zu den häufigsten Hautkrankheiten vor allem im Kindes- und Jugendalter. Ist erst einmal eine Warze gewachsen, sind die nächsten nicht weit, denn die Flüssigkeit in den kleinen Knubbeln steckt voller Viren. Wenn Kinder an den Warzen kratzen, verteilen sie sich, und die Infektion schreitet fort. Dellwarzen sind auch unter dem Namen Schwimmwarzen bekannt, denn viele Kinder bringen dieses Andenken aus dem Hallenbad mit.

 

Alterswarzen

Ab dem 50. Lebensjahr erscheinen die ersten Alterswarzen. Eine völlig harmlose Hautveränderung, die nicht ansteckend ist. Die leicht erhabenen Flecke treten besonders an Händen, auf der Brust, im Gesicht und am Rücken auf. Sie haben eine hell- bis dunkelbraune Farbe. Alterswarzen entstehen nicht durch eine Virusinfektion und müssen daher nicht behandelt werden. Ein Risiko birgt die Alterswarzen jedoch - das Risiko der Verwechslung: Alterswarzen sehen dem schwarzen Hautkrebs sehr ähnlich. Ob es sich bei der dunkelbraunen Hauterscheinung um eine Warze handelt, kann nur der Arzt entscheiden.

 

Dornwarzen

Durch den ständigen Druck beim Gehen wächst diese Warze wie ein Dorn in den Fersenbereich oder vorn unter den Zehen. Diese ungünstigen Positionen sind der Grund, weshalb die Warze so sehr schmerzt. Die Infektion mit dem humanen Papillomvirus verursacht die Fußwarze. Ein ideales Klima finden die Viren in feuchten Sportschuhen, Schwimmbädern oder Duschkabinen. Dornwarzen vermehren sich sehr schnell und sollten deshalb sofort behandelt werden. Sie sind sehr hartnäckig, deshalb kann es mehrere Wochen dauern, die Warze erfolgreich zu entfernen.  

 

Flachwarzen

Die Millimeter kleinen Warzen wuchern besonders auf der Haut von Kindern und Jugendlichen genauer gesagt auf deren Gesicht, Stirn und am Hals. Sie sind flach, weich und gleichen dem Farbton der Haut. Da bis zu 100 Warzen an einer Stelle auftreten, liegt häufig die Vermutung nahe, dass es sich um einen Ausschlag handelt. Verantwortlich für die Warzen ist der HPV-Virus. Flachwarzen verschwinden von selbst, jedoch erst nach einigen Wochen oder sogar Monaten.

 

Pinselwarzen

Auch die Pinselwarze wird durch das HPV-Virus ausgelöst, das über eine Schmierinfektion von Mensch zu Mensch gelangt. Die fadenförmige Hautwucherung befällt besonders die Augenlider, das Kinn, die Halsregion und die Haut zwischen Kinn und Mund. Deshalb empfinden Betroffene besonders diese Warze als Schönheitsmakel. Die Pinselwarzen sind meist weiß bis rosa, mit einer braunen Spitze.

 

Feigwarzen

Feigwarzen befallen den Genitalbereich. Sie sehen sehr unterschiedlich aus. Einige Betroffene haben stecknadelkopfgroße weißliche, braune oder rötliche Knötchen, bei anderen erscheinen großflächig blumenkohlartige Wucherungen. Feigwarzen kommen vor allem an Penis, Scheide und Anus vor. Diese Warzenart gilt als eine der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Betroffen sind vor allem Menschen mit einem schwachen Immunsystem. Die Ausbreitung der Feigwarzen kann nur durch eine frühe Behandlung gestoppt werden. Dabei ist es wichtig, dass auch der Partner sich untersuchen lässt und gegebenenfalls behandelt wird.

 

Wann zum Arzt?

Wenn das Immunsystem stark genug ist, verschwinden Warzen auch ohne Behandlung.

 

Ein Arztbesuch ist immer dann wichtig, wenn Betroffene unter Schmerzen leiden oder die Warze als kosmetisches Problem empfinden.

 

Die schnell durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragbaren Feigwarzen gehören dagegen immer in ärztliche Behandlung.

 

Gewöhnliche Warzen richtig behandeln

Es gibt unterschiedliche Methoden, gegen eine Warze vorzugehen, aber keine hundertprozentig wirksame.

 

Warzen werden oft mit einer Lösung aus Salizylsäure oder durch Vereisung behandelt. Dies sind auch die Behandlungen, deren Wirkung am besten untersucht ist. Wichtig zu wissen: Auch bei einer erfolgreichen Behandlung können Viren in der Haut zurückbleiben und neue Warzen entstehen.

 

Behandlung mit Salizylsäure 

Eine Lösung mit Salizylsäure tragen Betroffene selbst mehrmals täglich auf die Warze auf. Es entsteht ein dünner Film auf der Warze, der vor jedem erneuten Auftragen, entfernt wird. Anschließend wird die oberste Schicht der Warze vorsichtig abgefeilt - manchmal entstehen dabei leichte Schmerzen oder kleine Blutungen. Die meisten Salizylsäure-Lösungen sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

 

Vereisung in der Hautarztpraxis

Bei einer Vereisung (Kryotherapie) trägt der Hautarzt flüssigen Stickstoff auf die Warze auf. Dabei taucht er ein Wattestäbchen in den flüssigen Stickstoff und drückt das Stäbchen mehrere Sekunden auf die Warze. Der Stickstoff ist extrem kalt und zerstört die Zellen in der oberen Hautschicht. Eine Vereisung tut meist etwas weh, häufig bildet sich danach eine Blase auf der Haut.

 

Bei Menschen, die einen diabetischen Fuß oder eine periphere arterielle Verschlusskrankheit haben, sollten Warzen nicht vereist werden. Es besteht die Gefahr, dass Nervenschäden oder schlecht heilenden Wunden entstehen.

 

Es gibt auch Vereisungs-Stifte für zu Hause, die rezeptfrei in der Apotheke gekauft werden können. Diese Stifte sind nicht so kalt wie der flüssige Stickstoff, der in der Arztpraxis eingesetzt wird. Wichtig zu wissen: Die Wirksamkeit der Stifte gegen Warzen wurde bislang nicht in Studien untersucht.

 

"Der Erfolg einer Warzenbehandlung hängt von vielen Faktoren ab", erklärt Dr. Helga Christoffel, Allgemeinmedizinerin vom TK-Ärztezentrum und ergänzt: "Entscheidend ist, wie lange die Vereisung einwirkt und wie oft der Hautarzt die Behandlung wiederholt. Gleiches gilt für die Behandlung mit einer Salizylsäure-Lösung. Da so viele Faktoren eine Rolle spielen, lässt sich nicht sicher sagen, welche Behandlungsmethode die besten Erfolgsaussichten gegen Warzen hat", betont Dr. Christoffel.

 

Gegen hartnäckige Warzen vorgehen

Warzen können auch anders entfernt werden.  Einige Behandlungen sind sehr aufwendig und mit verschiedenen Nebenwirkungen verbunden. Sie werden daher nur eingesetzt, wenn Warzen sehr hartnäckig sind und nicht abheilen.

  • Unterschiedliche Arzneimittel, die z.B. das Wachstum der Warze hemmen oder das  Immunsystem aktivieren, werden mit einer Spritze in die Warze injiziert.  
  • Bei der Kürettage schabt der Arzt die Warze mit einem speziellen Instrument ab. Häufig wird sie mit einer Salizylsäure-Lösung vorbehandelt.
  • Mit dem Laser wird die Warze erhitzt und zerstört. Nach der Behandlung kann eine Narbe zurückbleiben.
  • Bei einer Farbstofflaser-Behandlung werden die kleinen Blutgefäße, die das Warzengewebe versorgen, durch Hitze zerstört. So können sich die Hautzellen nicht weiter vermehren.
  • Durch den Erbium YAG-Laser wird die Flüssigkeit in der Warze sehr stark erhitzt und damit die Viren abgetötet.   
  • Bei der photodynamischen Therapie trägt der Arzt ein Gel auf die Warze auf. Seine besondere chemische Substanz wird vor allem von den virusbefallenen Zellen aufgenommen, durch anschließende Lichtbestrahlung aktiviert und somit das Warzengewebe zerstört.

Warzen werden heute nur selten operativ herausgeschnitten, da Infektionen und Narben entstehen können.

 

Der Glaube kann bekanntlich Wunder bewirken

Vor 100 Jahren gab es in jedem Dorf eine Hexe oder einen Heiler, der die Kraft besaß, durch alleiniges Besprechen eine Krankheit zu heilen. Doch ist es wirklich die Kraft des Heilers, die ein Wunder bewirkt. Die Wissenschaft sagt "Nein". Es sei vielmehr die eigene Überzeugung von der Behandlung.

 

Das Besprechen einer Warze bedeutet die individuell richtigen Worte zu finden, die durch feste Überzeugung und häufiges Wiederholen das Unterbewusstsein erreichen und damit das Immunsystem aktivieren und den inneren Willen stärken soll, die Viren und damit auch die Warzen zu bekämpfen. Diese verrückte Überlegung ist vielleicht gar keine schlechte Idee - besonders, wenn es darum geht, die Selbstheilungskräfte von Kindern zu stärken.

 

Was Studien sagen

Forscher von der John Hopkins University in Baltimore haben an 214 Kindern zwischen 0 und 17 Jahren den Verlauf einer "Warzenerkrankung" verfolgt. 95 Prozent der Kinder erhielten eine Therapie, zum Beispiel. eine Kryotherapie oder eine Behandlung mit Salizylsäure. Nebenwirkungen wie Schmerz und Narbenbildung waren dabei keine Seltenheit (13,6 Prozent). Bei 16 Prozent der behandelten Kinder waren die Warzen nach einem halben Jahr komplett abgeheilt, aber auch bei 36 Prozent der Kinder, die keine Behandlung erhielten. Nach zwölf Monaten zeichnete sich ein Verhältnis von 39 Prozent, mit Behandlung, gegenüber 46 Prozent, ohne Behandlung ab. Insgesamt waren 65 Prozent der Kinder, unabhängig von einer Behandlung, spätestens nach zwei Jahren warzenfrei, 80 Prozent innerhalb von vier Jahren. Eltern sollten deshalb gemeinsam mit dem Arzt abwägen, ob eine Behandlung der Warzen überhaupt sinnvoll ist.

 

Vorsorge: Ansteckung vermeiden!

Sie selbst können sich gegen Warzen schützen und die Ansteckung anderer Personen verhindern. So geht`s!

 

Vier Tipps, wie Sie sich selbst aktiv gegen Warzen schützen können:

  1. Wer Warzen aktiv entgegenwirken will, sollte sein Immunsystem stärken. Dies gelingt natürlich durch eine gesunde Lebensweise.  
  2. Warzen vermehren sich besonders gerne in Nassbereichen. Deshalb sollten Sie in öffentlichen Bädern oder Saunen immer Badelatschen tragen. Nach dem Schwimmen heißt es: Füße gründlich waschen.
  3. Kosmetika wie Lippenstifte und Deo Roller bieten Viren eine perfekte Möglichkeit sich auszubreiten. Um dies zu verhindern, sollten Sie Ihre Kosmetika nicht an andere Personen verleihen.  
  4. Wer trockene Haut hat, bringt bereits einen großen Risikofaktor für die Ansteckung mit Warzenerregern mit. Ist die Haut sogar rissig, finden die Viren eine perfekte Möglichkeit, um sich in den Hautzellen niederzulassen. Pflege Sie Ihre trockene Haut deshalb besonders intensiv. 

Um zu verhindern, dass andere sich an Ihrer Warze anstecken, können Sie Folgendes tun:

  • In Schwimmbädern, Gemeinschaftsduschen und Umkleidekabinen nicht barfuß laufen.
  • Die Warzen beim Schwimmen mit einem wasserfesten Pflaster abkleben.
  • Handtücher, Schuhe, Handschuhe und Socken nicht mit anderen teilen.
  • Warzen nicht anfassen oder aufkratzen. 

Um zu verhindern, dass sich Warzen auf der eigenen Haut ausbreiten, wird außerdem empfohlen:

  • Nicht an Warzen kratzen, damit sich die Viren nicht verteilen
  • Die Füße trocken halten
  • Socken täglich wechseln